Wann sind Green Bonds umweltfreundlich?

Nachhaltige Anleihen Wann sind Green Bonds umweltfreundlich?

Max Geißler
von Max Geißler
05.04.2018
Auf einen Blick
  • Nachhaltige Anleihen erwirtschaften heute ähnlich attraktive Renditen wie herkömmliche Papiere.

  • Nicht jede nachhaltige Anleihe hält, was der Emittent verspricht, weil die Kriterien für Green Bonds nicht klar definiert sind.

  • Bei der Suche nach einer nachhaltigen Anleihe sollten sich Anleger an bewährten Ratings orientieren und Ausschlusskriterien prüfen.
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In turbulenten Börsenzeiten bevorzugen Anleger statt nachhaltiger Aktien und Aktienfonds immer häufiger Umweltbonds. Diese nachhaltigen Anleihen versprechen sichere Renditen in Kombination mit Umwelt- und Klimaschutz. Herausgegeben werden sie von Staaten, Unternehmen oder Organisationen, um ökologisch oder sozial wertvolle Produkte oder Projekte zu finanzieren.

Wie funktioniert ein Green Bond?

Grüne Anleihen bieten in der Regel die gleichen Konditionen wie konventionelle Anleihen: Die Käufer haben Anspruch auf Zinszahlung sowie auf Rückzahlung des investierten Kapitalbetrags. Die Höhe der Zinszahlung und das Risiko der Anleihe sind in hohem Maße von der Bonität des jeweiligen Schuldners abhängig. Emittenten wie die Weltbank oder die deutsche KfW Bank haben die Sicherheit von Staaten im Rücken und gelten mit einem Kreditrating von Triple-A als besonders ausfallsicher. Anders sieht es bei projektbezogenen Bonds aus. Hier sind Bonität und Rendite abhängig von der Entwicklung des jeweiligen Projekts, etwa eines Windparks oder einer Biogasanlage.

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Green Bonds stark gefragt

Der globale Markt für Green Bonds hat in den letzten Jahren stark zugenommen und erreichte Ende 2017 ein Gesamtvolumen von rund 155 Milliarden Dollar. Erst kürzlich ging mit dem Amundi Planet Emerging Green One (EGO) der bislang größte Green-Bond-Fonds weltweit an den Start. Immerhin gut 1,4 Milliarden Euro konnten die Investoren für diesen Fonds einsammeln. Das Gute: Die in Green Bonds enthaltenen Mittel müssen nachweislich der Finanzierung von Projekten mit direktem Umweltnutzen dienen. Darüber hinaus können nachhaltige Anleihen auch sozial nützliche Zwecke verfolgen.

Nicht alles grün, wo Grün draufsteht

Sind grüne Anleihen stets nachhaltig? Die Consorsbank ist skeptisch. In einem Blogbeitrag bemängelt das Institut, dass es "keine allgemeingültige Definition der Begriffe nachhaltige Anleihen" beziehungsweise Green Bonds gibt, weil diese Anlageform kein standardisiertes Finanzprodukt sei. "Jeder Emittent ist frei, selbst zu entscheiden, welche Kriterien seine Bonds nachhaltig machen", informiert die Bank. Dementsprechend vielfältig sei das verfügbare Angebot.

Manche Anleihen würden die Attribute grün oder nachhaltig nur deshalb tragen, um die Verkaufschancen zu verbessern oder um überhöhte Gebühren beziehungsweise unterdurchschnittliche Renditen zu rechtfertigen. Anleger sollten daher genau prüfen, ob sich die von ihnen ins Auge gefassten Anleihen tatsächlich für diesen Zweck eignen.

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Kriterien für die Beurteilung von Nachhaltigkeit

Wie finde ich nun heraus, ob eine Anleihe nachhaltig ist oder nicht? Zunächst besteht die Möglichkeit, das herausgebende Unternehmen sich genauer anzuschauen. Arbeitet es ökologisch? Hält es sich an geltende Umweltstandards? Wie "grün" sind Produktion und Produkte? Anleger können sich an wichtigen Aspekten orientieren, ob nachhaltige Unternehmensanleihen ihrem Namen gerecht werden. Dazu zählen:

  • Reduzierung des CO2-Ausstoßes

  • Erhaltung von natürlichen Ressourcen für nachfolgende Generationen

  • Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung

  • Förderung innovativer ökologischer Technologien beziehungsweise Entwicklung neuer, umweltgerechter Produkte

Wer sich eine Einschätzung nicht selbst zutraut, kann die Einstufungen von Ratingagenturen zu Rate ziehen. Diese begutachten Unternehmensanleihen häufig mit der sogenannten Best-of-Class-Methode. Dabei werden vergleichbare Unternehmen auf ihre Umwelt- und Sozialstandards geprüft und eine Rangliste aufgestellt. Die Consorsbank weist allerdings auf ein Problem hin: "Die Methode birgt die Gefahr, dass Unternehmen und deren Produkte als ökologisch eingestuft werden, die dieses Prädikat gar nicht verdienen." Beispiel Ölindustrie: Hier kann ein Unternehmen umweltfreundlicher wirtschaften als ein anderes, das Grundproblem des wenig umweltfreundlichen Endprodukts Öl bleibt aber für alle bestehen.

Ratings anerkannter Organisation bieten trotz aller Unzulänglichkeiten eine wichtige Orientierungsgröße. Zu den empfehlenswerten Prüfgesellschaften gehört im deutschsprachigen Raum beispielsweise die oekom research AG. Dabei handelt es sich um ein Münchner Unternehmen, das zahlreiche Analysen im Rahmen ihres Corporate Ratings durchführt. Dieses Verfahren untersucht deutsche und internationale Unternehmen auf der Basis von 100 Kriterien, die dabei die jeweiligen Besonderheiten der Branche berücksichtigen und ökologische sowie soziale Aspekte untersuchen.

Ausschlusskriterien für nachhaltige Anleihen

Anleger können sich auch an Ausschlusskriterien für Green Bonds orientieren. Diese legen fest, welche Eigenschaften beziehungsweise Geschäftstätigkeiten von Unternehmen auf keinen Fall mit der Ausgabe von nachhaltigen Anleihen vereinbar sind. Dazu zählen insbesondere:

  • Der Betrieb von als umweltschädlich eingestuften Anlagen oder andere natur- oder gesundheitsschädigende Aktivitäten, wie zum Beispiel die Unterhaltung von Atom- oder Kohlekraftwerken oder die Herstellung von stark zuckerhaltigen Getränken.

  • Die Missachtung sozialer Grundsätze bei der Behandlung von Mitarbeitern, wie zum Beispiel die Nichteinhaltung von tariflichen Bestimmungen oder die Beschäftigung von Mitarbeitern zu Niedriglöhnen.

  • Intransparenz in der Kommunikation mit Kunden, Verbrauchern und der allgemeinen Öffentlichkeit.

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nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

Darüber hinaus berichte ich regelmäßig in Tageszeitungen über Finanz- und Wirtschaftsthemen, u.a. für Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Westdeutsche Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, Ruhrnachrichten und Badische Zeitung.

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Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de