Wikifolio & Co: Von den Börsenprofis lernen

Social Trading Wikifolio & Co: Von den Börsenprofis lernen

von Peter Rensch
27.10.2017
Auf einen Blick
  • Mit Social Trading können Börseneinsteiger vom Wissen erfolgreicher Broker profitieren und deren Strategien nutzen.

  • Mit einem Demokonto sammeln Laien erste Erfahrungen ohne Verlustrisiko.

  • Dennoch sollten Anleger die Risiken von Social Trading-Plattformen nicht außer Acht lassen.
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Teilen heißt der neue Trend. Und genau darauf basiert Social Trading. Erfahrene Trader teilen ihr Wissen mit der Community. Im Gegenzug können Einsteiger die Handelsaktivitäten der Profis kopieren, Anlagestrategien nutzen und von den Gewinnen profitieren.

In Echtzeit haben Sie die Möglichkeit, die Strategien der Trader aufzurufen, zu übernehmen, deren bisherige Erfolge nachzuverfolgen und sich mit der Community über Erfahrungswerte oder Handlungsoptionen auszutauschen.

Kontoeröffnung bei Social Trading kostenfrei

Und so funktioniert Social Trading: Sie melden sich in der Regel kostenfrei auf einer Plattform im Internet an. Auch die Handelssoftware wird meist gratis zur Verfügung gestellt. Wie die Bundesanstalt für Finanzaufsicht (BaFin) berichtet, fallen erst dann Kosten und Gebühren an, wenn Sie als Anleger Aufträge zur automatisierten Order erteilen. Der Anbieter berechnet für jede Order, bei der ein Trader kopiert wird, eine Gebühr. Diese wird entweder gesondert ausgewiesen oder im Spread eingepreist. Bei einzelnen Finanzprodukten wie beispielsweise CFDs können spezielle Gebühren anfallen, wenn diese über Nacht gehalten werden, ebenso für Zertifikate und Fonds (Verwaltungsgebühren).

Biallo-Tipp: Überprüfen Sie das Preis-Leistungsverhältnis der Anbieter. Achten Sie darauf, für welche Leistungen Gebühren erhoben werden und welche Kosten auf Sie zukommen.

Im Anschluss an die Anmeldung haben Sie Zugang zu Ihrem Dashboard mit unterschiedlichen Informationen wie ein Ranking der besten Trader, Tipps rund um Social Trading und Anlageempfehlungen. Bei Eröffnung Ihres Kontos müssen Sie mit einer Mindesteinlage von bis zu 500 Euro rechnen.

Möchten Sie nun loslegen, gibt es zwei Arten von Trading: Copy Trading und Mirror Trading.

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Copy Trading bedeutet: Sie investieren in die Strategien verschiedener Trader und nicht in die eines einzigen. Das bedeutet für Sie zwar mehr Aufwand, dafür sorgen Sie jedoch für eine breite Streuung. Bei Mirror Trading setzen Sie komplett auf die Anlagestrategie eines Traders und kopieren seine Investments.

Die BaFin weist auf die Unterschiede der Social Trading-Plattformen hin. Auf einigen Protalen können Sie ausschließlich in bestimmte, hochriskante Finanzinstrumente wie etwa Differenzkontakte (CFDs) investieren. Andere Plattformen bieten ein breiteres Spektrum an Aktien, Fonds, Zertifikaten und Hebelprodukten. Vereinzelte Anbieter treten als reine Vermittler auf, die auf ihrer Plattform Signalgeber und Follower vermitteln, jedoch keine Depotführung anbieten.

Eröffnen Sie nicht zu viele Trades, um den Überblick zu behalten

Um beim Social Trading erfolgreich zu sein, sollten Sie die nachfolgende Grundlagen kennen und verfolgen:

Wenn Sie zum Beispiel zu viele Trades eröffnen, können Sie schnell den Überblick verlieren. Konzentrieren Sie sich anfangs nur auf einen Trader, der zu Ihrer Risikoaversion passt. Sie können auch mit einem Demokonto beginnen, um Erfahrungen zu sammeln, ohne reale Verluste einzufahren. Setzen Sie Stop-Loss-Marken, damit Sie die Kontrolle über Ihr Investment behalten. Und bleiben Sie geduldig. Zu schnelles Handeln wie vorzeitiges Kappen von Gewinnen ist einer der typischen Anfängerfehler.

Bei Unsicherheiten sollten Sie die Community nutzen, sich mit anderen Mitgliedern und - wenn möglich - mit dem Trader, dem Sie folgen, austauschen.

3
 
Name
ISIN
Wertzuwachs p.a.
 
1.
Postbank Megatrend
DE0005317374
21,08%
2.
Siemens Global Growth
DE0009772657
20,99%
3.
Apus Capital Revalue Fonds
DE000A1H44E3
20,38%
Laufzeit: 5 Jahre

Bei der Wahl der richtigen Plattform sollten Sie darauf achten, dass eine möglichst hohe Aktivität in der Community zu verzeichnen ist. Weiterhin sollten über die Top-Trader umfangreiche Informationen veröffentlicht sein wie die Gesamtperformance, Rendite, Anzahl der Trades und die Spezialisierung auf die Assetklassen.

Achten Sie zudem auf transparente Geschäftsbedingungen, die Sie unbedingt studieren sollten, da dort alle Konditionen, Kosten und weitere wichtige Informationen angegeben sind.

Biallo-Tipp: Die Plattformen bieten nicht alle Wertpapierarten an. Prüfen Sie daher das Angebot, ob die von Ihnen präferierten Anlageformen möglich sind.

3
 
Name
ISIN
Wertzuwachs p.a.
 
1.
BB Entrepreneur Europe Small B EUR
LU0631859229
21,34%
2.
Alken Small Cap Europe R EUR
LU0300834669
21,31%
3.
Squad Capital Squad Growth
LU0241337616
20,63%
Laufzeit: 5 Jahre

Am sichersten aufgehoben sind Sie bei Social Trading-Anbietern mit einer Lizenz innerhalb der EU und einem Support in Ihrer Muttersprache. Vorsicht gilt bei überzogenen Gewinnaussichten, versteckten Kosten und unseriösen Bonusversprechungen.

"Wer mit dem Social Trading beginnt, der sollte wie bei jeder Geldanlage zunächst seine Anlageziele unter Berücksichtigung seiner Risikobereitschaft festlegen. Hiervon hängt nämlich sehr wesentlich ab, welche Social Trading-Plattform er nutzten sollte", empfiehlt Finanzmarktexperte Stefan Riße. "Die meisten Plattformen - wie ayondo oder etoro - basieren auf Contracts for Difference (CFDs). Das sind hochspekulative Hebelprodukte, so dass auch die Strategien der Signalgeber, an die man sich heran hängen kann, spekulativer und risikoreicher sind. Wer weniger Risiken eingehen möchte, ist bei Wikifolio besser aufgehoben, wo die meisten Strategien verpackt in ein Zertifikat ohne Hebelprodukte auskommen", so Riße weiter.

3
 
Name
ISIN
Wertzuwachs p.a.
 
1.
LO Funds Generation Global(EUR)P
LU0428704554
18,37%
2.
Öko-Aktienfonds
LU0037079380
16,22%
3.
LGT Sustainable Equity Fund Global EUR B
LI0106892966
15,73%
Laufzeit: 5 Jahre

Weiterhin erklärt der Finanzmarktexperte, dass es am allerwichtigsten sei, sich bei der Auswahl der Signalgeber längerfristig festzulegen. So wie es auch beim Kauf von Aktienfonds fast immer falsch sei, den Fonds zu wählen, der in den vergangen zwölf oder auch 36 Monaten am besten performte.

"So ist es auch beim Social Trading oft so, dass die am Höchststand befindlichen Strategien oft dann vor einer Abwärtsphase stehen. Auch hier liegt in der Ruhe die Kraft und der Erfolg", sagt Riße.

Kritisch äußert sich Niels Nauhauser, Abteilungsleiter Altersvorsorge, Banken und Kredite bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg: "Die Performance beispielsweise bei Wikifolio veröffentlichten Depots ist stark vom Zufall abhängig. Die Darstellung auf Wikifolio suggeriert, dass die Performance von den Fähigkeiten der Trader abhängt: Lassen Sie die Besten für Ihr Geld arbeiten! Es gibt aber nicht die besten Anleger, ebenso wenig wie es eine beste Anlagestrategie gibt", sagt Nauhauser. Entscheidend für Anleger seien lediglich ein breite Diversifikation und niedrige Kosten.

"Bei den Wikifolios fallen 0,95 Prozent für das Zertifikat pro Jahr an, plus weitere Kosten auf Ebene der ausgewählten Wertpapiere, plus Performance Fee von bis zu 30 Prozent. Ich erkenne keinen Nutzen für Anleger darin, zufallsabhängige, mit teuren Performance Fees belastete und noch dazu im Widerspruch gegen jegliche empirische Evidenz formulierte Tradingstrategien zu kopieren", so Nauhauser weiter. Hinzu komme das Emittentenrisiko bei Zertifikaten, das durch eine Besicherung weitgehend abgesichert sein soll, wobei allerdings unklar bleibe, wie die Besicherung konkret erfolgt.

3
 
Name
ISIN
Wertzuwachs p.a.
 
1.
MainFirst Germany A
LU0390221256
22,60%
2.
Lupus alpha Smaller German Champions A
LU0129233093
21,25%
3.
FPM Fds. Stockpicker Germany Sm. /M. Cap C
LU0207947044
21,07%
Laufzeit: 5 Jahre

Weiterhin hat Niels Nauhauser auch aufsichtsrechtliche Bedenken, da die Regeln zum Anlegerschutz, wie sie bei Investmentfonds zu Recht gelten, faktisch umgangen werden. "Wer beaufsichtigt die Trader, deren Handelsstrategie Privatanleger kopieren? Wer schreitet gegen Missbrauch ein? Niemand! Die BaFin beaufsichtigt hier nur den Emittenten der Zertifikate, nicht aber den Manager des Wikifolios", erklärt der Experte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

In Echtzeit Ihre Anlagen verfolgen

Social Trading gewinnt immer mehr an Bedeutung und die Vorteile klingen vielversprechend, wenn auch wie gerade gelesen der Anlegerschutz straffere Regeln benötigt und die Wahl der Handelsplattform von elementarer Bedeutung ist. Dennoch sind die Vorteile von Social Trading nicht von der Hand zu weisen:

  • Sie profitieren von den Erfahrungen erfolgreicher Broker und können deren Strategie nutzen.
  • Sie lernen von den Anlagestrategien der Profis und sammeln selbst Erfahrungen.
  • Der Austausch mit der Community bietet Ihnen zusätzliche Möglichkeiten, Informationen zu sammeln.
  • In Echtzeit können Sie unkompliziert die Entwicklung Ihrer Anlagen nachverfolgen.
  • Sie bestimmen selbst, welchen Zeitaufwand Sie betreiben und erhalten eine kostenlose Anlageberatung, ohne auf ein Gespräch mit Ihrem Anlageberater angewiesen zu sein.
3
 
Name
ISIN
Wertzuwachs p.a.
 
1.
DWS Aktien Strategie Deutschland LC
DE0009769869
18,21%
2.
DWS German Equities Typ O
DE0008474289
15,28%
3.
ACATIS Champions Sel. Ac. Akt. Deutschl. ELM
LU0158903558
15,13%
Laufzeit: 5 Jahre

Doch natürlich ist auch Social Trading kein Schlaraffenland mit Gewinngarantien. Folgende Nachteile sind zu nennen:

  • Ein Verlustrisiko besteht auch hier und ganz ohne Fachwissen kann auch Social Trading zu einem Flop werden.
  • Sie müssen eine seriöse Plattform finden und können sich nicht auf das Exposé eines Anlageberaters berufen.
  • Und natürlich sind Sie nicht davor gefeit, dass in der Community mit Tweets manipuliert wird.

Fazit: Geldanlage ist immer mit Risiken verbunden. Doch Social Trading ist eine neue Form, die vor allem durch ihre Transparenz überzeugt. Wenn Sie eine unkomplizierte Anlageform suchen, bereit sind, online das Geschehen auf der Plattform zu verfolgen und Interesse daran haben, Ihr Wissen zu erweitern, kann dies eine interessante Variante sein. Jedoch sollten auch die kritischen Anmerkungen wie von Niels Nauhauser berücksichtigt werden, der den Nutzen von Social Trading für Anleger generell in Frage stellt und auf Lücken im Anlegerschutz hinweist.

Biallo-Tipp: Grundsätzlich sollte Sie, je nach Ihrem Wissensstand, zuerst mit einem Demokonto beginnen, damit Sie Erfahrungen sammeln und die Gewinnmöglichkeiten austesten können.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de