Wirecard: Das sagen die Analysten zum Absturz

Kursdesaster Wirecard: Das sagen die Analysten zum Absturz

Kevin Schwarzinger
von Kevin Schwarzinger
14.02.2019
Auf einen Blick
  • Die Aktie des deutschen Fintech-Unternehmens Wirecard befindet sich im freien Fall.

  • Grund für den Kurssturz sind eine Reihe von Beiträgen der britischen Wirtschaftszeitung "Financial Times", die dem Dax-Konzern unter anderem Bilanz-Manipulation vorwerfen.

  • Die Analysten haben zwar ihre Kursziele zum Teil deutlich gesenkt, raten allerdings weiterhin zum Kauf.
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Eine Geschichte, wie sie nur die Börse schreiben kann: Es ist der Oktober 2018, gut eine Woche nachdem das Zahlungsdienstleistungsunternehmen Wirecard in den Dax aufgestiegen ist. Damaliger Börsenwert fast 24 Milliarden Euro. "Wir werden unvermindert mit hoher Geschwindigkeit wachsen", prophezeite der Vorstandsvorsitzende Markus Braun in einem seiner wenigen öffentlichen Interviews gegenüber dem Handelsblatt.

"Das wird sich auch im Aktienkurs widerspiegeln. Wir haben sicherlich das Potenzial, den Börsenwert in den kommenden Jahren auf mehr als 100 Milliarden Euro zu bringen." Knapp vier Monate und etliche Negativschlagzeilen später befindet sich die Aktie im freien Fall. Was ist passiert?

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Wirecard-Aktie auf Achterbahnfahrt

Als der Zahlungsdienstleister aus Aschheim bei München am 24. September 2018 in den Dax aufgenommen wurde, war die Welt noch in Ordnung. Zuvor markierte die Aktie am 4. September das Allzeithoch bei genau 199 Euro.

Die Marktkapitalisierung – also die Anzahl der Aktien multipliziert mit dem Aktienkurs – betrug 24,5 Milliarden Euro. Mittlerweile ist Wirecard mit einer Marktkapitalisierung von zwölf Milliarden Euro nicht einmal mehr die Hälfte wert.

Dennoch gibt sich das Unternehmen kämpferisch: "Wirecard ist ein sehr starkes Unternehmen mit einer außergewöhnlichen Technologie und wird noch stärker. Die Zahlen für Januar zeigen ein Rekordergebnis für das erste Quartal und wir freuen uns auf ein sehr erfolgreiches Jahr 2019", schreibt Vorstandschef Markus Braun auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

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Financial Times erhebt schwere Vorwürfe

Die Vorwürfe wiegen schwer: Die britische Wirtschaftszeitung "Financial Times" beschuldigt Wirecard in einer ganzen Reihe von Artikeln der Dokumentenfälschung, Geldwäsche und Bilanz-Manipulation. Vor allem Letzteres beherrscht die Schlagzeilen und scheint die Anleger besonders nervös zu machen.

Im Mittelpunkt der angeblichen Bilanz-Fälschung steht ein vermeintliches Meeting, in dem der für Asien zuständige Finanzchef einigen seiner Kollegen erklärt haben soll, wie man die eigenen Bücher manipulieren könne.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) und die Staatsanwaltschaft in München haben bereits Anfang Februar Ermittlungen wegen einer möglichen Marktmanipulation aufgenommen. Außerdem droht dem bayrischen Unternehmen aufgrund der Vorwürfe nun auch rechtlicher Ärger in den USA.

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So berichtet die Deutsche Presse-Agentur (DPA), dass bereits erste Sammelklagen wegen der angeblichen Verstöße gegen Wertpapiergesetze eingereicht wurden. Wirecard gibt sich indes gelassen: "Da die Vorwürfe keine Grundlage haben, gibt es auch keine Grundlage für potenzielle Klagen in dieser Angelegenheit", so ein Unternehmens-Sprecher gegenüber dem Nachrichtendienst.

Im Falle der "Financial Times" plant das Fintech den juristischen Gegenschlag. So wolle man gegen die "unethische Berichterstattung" vorgehen, um das Unternehmen und die Mitarbeiter zu schützen. Der Konzern spricht von einer Verleumdungskampagne.

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Analysten schrauben Kursziele nach unten, raten aber weiter zum Kauf

Die Mehrzahl der Analysten empfiehlt zwar die Wirecard-Aktie weiterhin zum Kauf. Allerdings mit einem deutlich geringeren Kursziel. So hat beispielsweise die britische Investmentbank HSBC angesichts der massiven Kursschwankungen das Kursziel von 240 auf 140 Euro gesenkt, jedoch die Einstufung "Buy" beibehalten.

Auch die DZ Bank stapelt in Sachen Kursziel tiefer und gibt einen Wert von 150 statt den bisherigen 200 Euro an. In diesem Jahr könnten die Kosten für interne Kontrollinstrumente und Gutachter sowie Rechtsanwälte die Profitabilität schmälern, schreibt der Analyst Harald Schnitzer. Doch auch er bleibt wie sein Kollege von der HSBC bei der Einstufung "Kaufen".

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Einzig und allein das Analysehaus Kepler Cheuvreux hat das Kursziel für die Wirecard-Aktie bei 250 Euro belassen. Eine Einschätzung in dieser Angelegenheit falle schwer angesichts der Komplexität des Falls, schreibt Analyst Sebastien Sztabowicz in einer Studie. Er hoffe jedoch, dass die Ermittlungen in Singapur nun rasch für Klarheit sorgen.

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Biallo-Tipp

Das sogenannte Stock-Picking, also das Investment in Einzelaktien, ist nur etwas für Profis. Zu groß ist die Gefahr, dass man sich die Finger verbrennt. Generell sollte ein Investment in Aktien immer breit über verschiedene Branchen und Länder gestreut sein. Eine gute Diversifizierung erzielen Anleger beispielsweise mit einem ETF auf den MSCI World Index. Dieser bildet die Wertentwicklung von rund 1.600 Aktien aus 23 Industrienationen ab. Breiter können Anleger ihr Risiko kaum streuen.

Wer seine Geldanlage nicht komplett selbst gestalten will oder kann, für den sind die sogenannten Robo-Advisor eine mögliche Alternative. Hier gibt es die Vermögensverwaltung inklusive Transaktionskosten, Konto- und Depotführung bereits für unter einem Prozent pro Jahr.

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Jahrgang 1988, studierte Geschichte und Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und war währenddessen bereits als Werkstudent bei biallo.de angestellt. Seit 2016 ist er Mitglied der Redaktion und verfasst dort überwiegend Artikel zu Geldanlagethemen. Daneben publiziert er regelmäßig in Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier.

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