Wirecard: Gleiches Schicksal wie K+S und ProSiebenSat.1?

Dax-Aufstieg Wirecard: Gleiches Schicksal wie K+S und ProSiebenSat.1?

Sebastian Schick
von Sebastian Schick
06.09.2018
Auf einen Blick
  • Der Zahlungsdienstleister Wirecard verdrängt am 24. September die Commerzbank aus dem deutschen Leitindex Dax.

  • Die Wirecard-Aktie konnte in den vergangenen zehn Jahren mehr als 6.000 Prozent zulegen.

  • Anleger sollten mit einem Neueinstieg jedoch vorsichtig sein. Denn ein Dax-Aufstieg bedeutet nicht zwangsläufig steigende Kurse.
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Der Arbeitskreis Aktienindizes der Deutschen Börse hat entschieden: Der Zahlungsdienstleister Wirecard steigt am 24. September in die höchste deutsche Börsenliga auf. Platz räumen muss die Commerzbank, die seit der Dax-Einführung am 1. Juli 1988 ununterbrochen im deutschen Leitindex vertreten ist.

Viermal im Jahr – jeweils am dritten Handelstag im März, Juni, September und Dezember – kommt der Arbeitskreis Aktienindizes zusammen und prüft die Neuordnung von Dax, MDax, SDax und TecDax. Dabei werden die Mitglieder nach Handelsumsatz und Marktkapitalisierung auf Streubesitz-Basis neu gewichtet. Das heißt, es werden nur diejenigen Aktien berücksichtigt, die frei im Handel verfügbar sind und weder von Großinvestoren (Anteil größer als fünf Prozent) noch Management gehalten werden.

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Die gesamte Marktkapitalisierung von Wirecard – also die Anzahl aller ausgegebenen Aktien multipliziert mit dem Aktienkurs – beträgt aktuell knapp 23 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die Commerzbank bringt mit gut zehn Milliarden Euro nicht mal halb so viel auf die Waage. Selbst die Deutsche Bank kommt "nur" auf gut 20 Milliarden Euro.

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Turbulente Börsenhistorie

Wirecard geriet in der Vergangenheit immer wieder ins Visier von sogenannten Short-Sellern, also Spekulanten, die auf fallende Kurse wetten. Legendär war der Vorfall 2008, als die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SDK) Wirecard eine "irreführende Bilanzierung" vorwarf. Die Vorwürfe erwiesen sich jedoch als haltlos. "Insgesamt haben sich keine Hinweise auf irreführende Angaben im Konzernabschluss beziehungsweise Konzernlagebericht ergeben", lautete das Fazit eines Sondergutachtens der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. Der Schuss ging für die SDK nach hinten los. Der damalige Vizechef und ein früherer Funktionär, die beide im Vorfeld auf fallende Kurse der Wirecard-Aktie gesetzt hatten, wurden wegen Kursmanipulation zu Haftstrafen verurteilt.

Das Wirecard-Papier hatte durch die Schlammschlacht innerhalb weniger Wochen rund 70 Prozent an Wert verloren. Danach startete die Aktie ein unglaubliches Comeback. Wer den Tiefpunkt am 18. Juli 2008 bei rund drei Euro zum Einstieg nutzte und die Nerven hatte, große Kursschwankungen auszusitzen, kann sich jetzt über einen Gewinn von 6.200 Prozent freuen. Aus 1.000 Euro wurden sage und schreibe 63.000 Euro.

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Jetzt noch einsteigen?

Wer jetzt allerdings meint, noch auf den Börsenzug aufzuspringen, sollte gewarnt sein. Denn die Beispiele der ehemaligen Highflyer K+S und ProSiebenSat.1 belegen, dass ein Dax-Aufstieg nicht zwangsläufig weiter steigende Kurse bedeutet. Im Gegenteil: Die K+S-Aktie büßte vom ersten Handelstag im Dax am 22. September 2008 bis zum Abstieg am 21. März 2016 mehr als 60 Prozent ein. Der direkte Nachfolger ProSiebenSat.1 verlor während seiner zweijährigen Dax-Laufbahn rund 40 Prozent an Wert, obwohl Umsatz und Gewinn je Aktie im gleichen Zeitraum zulegen konnten. Bei beiden Aktien war die Ausgangssituation wie bei Wirecard, nämlich dass sie in den Jahren vor ihrer Dax-Aufnahme um mehrere tausend Prozent gestiegen waren.

Fazit: Wer hoch fliegt, fällt tief – die Wahrheit dieses Sprichworts sollten sich Anleger auch an der Börse immer wieder bewusst machen. Bei einem derzeitigen Kurs-Gewinn-Verhältnis von mehr als 60 wachsen die Bäume bei der Wirecard-Aktie sicher nicht mehr in den Himmel – zumal eine operative Marge von 30 Prozent plus X langfristig kaum zu halten ist.

Neuzusammensetzung der deutschen Aktienindizes im Überblick →

Biallo-Tipp

Das sogenannte Stock-Picking, also das Investment in Einzelaktien, ist nur etwas für Profis. Zu groß ist die Gefahr, dass man sich die Finger verbrennt. Generell sollte ein Investment in Aktien immer breit über verschiedene Branchen und Länder gestreut sein. Eine gute Diversifizierung erzielen Anleger beispielsweise mit einem ETF auf den MSCI World Index. Dieser bildet die Wertentwicklung von rund 1.600 Aktien aus 23 Industrienationen ab. Breiter können Anleger ihr Risiko kaum streuen. 

Wer seine Geldanlage nicht komplett selbst gestalten will oder kann, für den sind die sogenannten Robo-Advisor eine mögliche Alternative. Hier gibt es die Vermögensverwaltung inklusive Transaktionskosten, Konto- und Depotführung bereits für unter einem Prozent pro Jahr.  

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nach seinem Studium für das Lehramt an Gymnasien mit der Fächerkombination Deutsch/Latein/Geschichte in Würzburg und Berlin entschied sich Sebastian Schick für den Journalismus. 2005 absolvierte er die Ausbildung zum Rundfunkjournalisten an der Akademie für Neue Medien in Kulmbach.

Direkt im Anschluss volontierte er beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), wo er sich in seiner zehnjährigen Laufbahn ein umfangreiches Fachwissen zum Thema Geldanlage und Börse aneignete. Zuletzt baute er als Chefredakteur in Kooperation mit dem Kurier Medienhaus den österreichischen TV-Sender DAF Austria mit auf. Bei biallo.de schreibt er als Redakteur über das Thema Kredit und Geldanlage. 

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Direkt im Anschluss volontierte er beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), wo er sich in seiner zehnjährigen Laufbahn ein umfangreiches Fachwissen zum Thema Geldanlage und Börse aneignete. Zuletzt baute er als Chefredakteur in Kooperation mit dem Kurier Medienhaus den österreichischen TV-Sender DAF Austria mit auf. Bei biallo.de schreibt er als Redakteur über das Thema Kredit und Geldanlage. 

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de