Devisenfonds: Das Risiko wird oft unterschätzt!

Währungsspekulation Devisenfonds: Das Risiko wird oft unterschätzt!

Peter Rensch
von Peter Rensch
28.06.2019
Auf einen Blick
  • Devisenfonds investieren in fremde Währungen. Dadurch können Anleger am internationalen Währungsmarkt partizipieren.

  • Der Strategie des Devisenfonds sollte bei der Auswahl besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden.

  • Häufig nutzen Fonds Fremdwährungsrentenpapiere, um das Währungsexposure aufzubauen.

  • Währungs-ETCs und Geldmarkt-ETFs sind zwei weitere Alternativen bei der Anlage in Fremdwährungen.
Artikelbewertung
Teilen
Schrift

Im Zuge des Investmentmodernisierungsgesetzes von 2004 wurde ermöglicht, Devisengeschäfte nicht nur alleine zur Absicherung von Währungsrisiken einzusetzen, sondern auch als Anlageform zur Renditesteigerung anzubieten. Devisenfonds investieren – wie der Name schon sagt – in fremde Währungen. So können Anleger im Idealfall von steigenden Kursen profitieren. Je nach Fonds kann das Kapital auch in Anleihen auf ausländische Währungen angelegt werden.

Lesen Sie auch: Fremdwährungskonto – So funktioniert die Alternative zum Tagesgeld

Wenn Sie zu den Themen Geldanlage, Fonds und ETFs auf dem Laufenden bleiben wollen, dann abonnieren Sie hier unseren kostenlosen Newsletter!

Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein
Unsere Datenschutzerklärung finden Sie hier.

Überlebensrate bei Währungsfonds

Generell gilt der Devisenmarkt aufgrund seines täglichen Handelsvolumens als einer der größten liquiden Märkte schlechthin. "Allerdings sind Devisenfonds, die ausschließlich auf die Veränderung von Währungen setzen, erst seit dem Investmentmodernisierungsgesetz in Deutschland erlaubt. In dieser für das Fondsgeschäft relativ kurzen Periode von 14 Jahren haben nicht viele Fonds überlebt", sagt Volker Schilling, Vorstandsmitglied der Greiff Capital Management AG.

Gerade einmal 15 Fonds werden in der Lipper Datenbank für Currencies Strategy ausgewiesen. Davon sind lediglich drei älter als zehn Jahre und nur sechs haben mehr als fünf Jahre hinter sich. "Damit ist diese Vergleichsgruppe nicht nur sehr klein im Verhältnis zur Größe des Marktes, sondern auch im Durchschnitt sehr jung", so Schilling weiter. Dies läge vor allem daran, dass insbesondere bei Währungsfonds die Überlebensrate sehr gering sei. So verschwand im Laufe der Jahre eine Vielzahl an Währungsfonds mangels Erfolgs. Darunter bekannte Namen wie DWS Forex Fund, OP FX Opportunities oder Premium Currencies UI.

Lesen Sie auch: Die besten ETFs auf den MSCI World Index

Unterschiedliche Anlagestrategien

Die am Markt agierenden Devisenfonds verfolgen unterschiedliche Strategien beziehungsweise mischen diese. Dies soll dem Anleger eine höhere Sicherheit und Rendite bringen. Die Strategie eines Fonds ist sehr entscheidend, daher sollte ihr bei der Auswahl eines Devisenfonds besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Bei der Carry-Strategie wird auf die Zinsdifferenz der Währungsräume spekuliert. Angelegt wird in Währungen mit hohen Zinsen und das Investitionsvolumen wird über Kredite in niedrigen Zinswährungen investiert. Die Rendite erwirtschaftet sich durch diesen Zinsunterschied zwischen Kreditaufnahme und Investition.

Bei der Value- und Growth-Strategie wiederum stehen solide Währungen im Fokus und ein Währungskursanstieg wirkt sich entsprechend positiv auf die Rendite aus.

Die Momentumstrategie spezialisiert sich auf Währungen mit hoher Liquidität und Niedrigzinsdevisen, die in andere Währungen angelegt werden. Einige Fonds sichern Währungsschwankungen durch den Kauf von Anleihen und festverzinslichen Wertpapieren ab. Schwerpunkt bleiben jedoch immer Devisen.

  • Biallo-Tipp: Achten Sie darauf, dass die Strategie des Devisenfonds zu Ihrem Risiko-Rendite-Profil passt, denn durch Währungsschwankungen sind schnell Verluste möglich. Dabei spielt es auch eine entscheidende Rolle, in welche Währungen investiert wird. Wirtschaftslage, politische Faktoren aber auch Rohstoffpreise beeinflussen die jeweilige Währung.

Lesen Sie auch: Investieren in ETFs – Die richtige Anlagestrategie zählt

Währungsexposure und Fondskonstruktion

"Es ist wichtig, sich sehr genau über die Konstruktion des Fonds zu informieren. Häufig nutzen Fonds Fremdwährungsrentenpapiere, um das Währungsexposure aufzubauen. Damit sind jedoch Risiken verbunden, denen der Investor eventuell gar nicht exponiert sein möchte", sagt Johannes Krick, Senior Portfoliomanager bei der Commerzbank.

Neben dem Währungsrisiko wird durch diese Konstruktion einerseits das Durationsrisiko – auch Kapitalbindungsrisiko genannt – und andererseits das Kreditrisiko des entsprechenden Emittenten eingegangen. Das Emittentenrisiko spielt insbesondere bei der Investition in Lokalwährungs-Anleihen in den Emerging Markets eine bedeutende Rolle und kann damit die Performance stark beeinflussen.

Lesen Sie auch: Fonds und ETFs mit Schwerpunkt Emerging Markets

"Zudem können nicht unerhebliche Transaktionskosten sowie Steuereffekte die Performance nachteilig beeinflussen. Sucht der Investor das reine Währungsexposure, so sollte er darauf achten, eine Konstruktion zu wählen, bei der das Zinsänderungsrisiko und das Kreditrisiko möglichst eliminiert werden", rät Krick. Dies werde durch Fonds ermöglicht, die das investierte Kapital zunächst in ein Basisportfolio aus sicheren, kurzlaufenden Euro-Anleihen investieren.

Das Währungsexposure wird bei dieser Konstruktion über Devisentermingeschäfte eingegangen, welche kein Kapital binden. Hier werden lediglich der Gewinn und Verlust am Laufzeitende der Geschäfte ausgeglichen. "Da in diesen Geschäften der Zinsunterschied zum Euro implizit enthalten ist, kann der Investor sowohl von höheren Zinsen in der Fremdwährung als auch von möglichen Währungsaufwertungen profitieren", erklärt Krick.

Lesen Sie auch: ETFs – Diese Stolperfallen sollten Einsteiger kennen

Diversifikationsgrad, Risikomanagement und Depotführung

Die Transaktionskosten für Devisentermingeschäfte sind im Vergleich zum Handel mit Fremdwährungsanleihen vergleichsweise gering, wodurch ein systematischer Vorteil besteht.

Es sollte darauf geachtet werden, dass einerseits ein gewisser Diversifikationsgrad beim Währungsexposure besteht und andererseits auch ein wirksamer Risikomanagementprozess implementiert ist, denn gerade bei Emerging Markets-Währungen kann es auch einmal zu starken Abwertungen und damit zu Verlusten kommen.

Wie bei nahezu jeder Anlageklasse steigt die Renditechance, je risikoreicher der Devisenfonds ist. Eine breite Streuung ist deshalb zu empfehlen, wenn Sie hohe Verluste vermeiden wollen.

Lesen Sie auch: Investieren in Dividenden-ETFs

Anteile an Devisenfonds können Sie an den Börsen erwerben. Neben den Kosten für die Depotführung fällt ein Ausgabeaufschlag von circa zwei Prozent an und Verwaltungsgebühren von bis zu 1,5 Prozent. Hinzu kann eine Beratergebühr von bis zu 20 Prozent kommen, die von der Performance des Fonds abhängig ist.

Bei der Fondsverwaltung wird zwischen einem aktiven und passiven Management unterschieden. Während aktive Fonds von einem Fondsmanager verwaltet werden, bilden passive einen Korb an Währungen ab.

In der Regel entwickeln sich Devisenfonds konträr zu anderen Fondsarten. Deshalb ist diese Anlageform für Ihren Vermögensaufbau dann interessant, wenn Sie andere Anlageklassen damit absichern wollen.

Lesen Sie auch: Risikoarme Aktienfonds für unsichere Börsenzeiten

Risiken und Chancen abgleichen

Natürlich bestehen bei Devisenfonds– ebenso wie bei anderen Anlageprodukten – Risiken und Chancen, denn je nach Währungsentwicklung können Kursgewinne oder -verluste erzielt werden. Daher ist es wichtig, den jeweiligen Fonds zu kennen, in den Sie investieren. Vergleichen Sie die Zusammensetzung, die Kosten und welche Art von Management durchgeführt wird.

Kritisch sieht Experte Schilling den Markt für Devisenfonds: "Die Argumente für die Produktgattung sind immer die gleichen– unkorrelierte Anlageklasse, guter Diversifikator, Absolute-Return-Ansätze, stabile hohe Renditen." Die Realität sieht seiner Erfahrung nach meistens ernüchternd aus: "Geringe Erträge, unkontrollierte Drawdowns und häufig nur Mustererkenner, sogenannte Pattern, deren Ansatz über einen kompletten Kapitalmarktzyklus nicht hält."

Teilweise absurde Ausschläge oder ein kontinuierlicher Niedergang seien die Folge. Fondsschließungen in dieser Vergleichsgruppe sind daher sehr häufig. "Eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit als die Mustererkenner unter den Devisenfonds haben die Zinsdifferenzspieler", sagt Schilling.

Gegenwärtig werden Währungsräume mit höheren Zinsen gegenüber Tiefzinswährungen bevorzugt oder im Rahmen von Pairtrades gehandelt. Zumindest erschließt sich hier noch eine ökonomische Logik, dass Währungen mit höheren Zinsen im Vergleich zu Tiefzinswährungen eher gesucht sind und damit durch Nachfrage im Wert steigen. Allerdings ließen sich so in den letzten zehn Jahren laut Schilling ein bis zwei Prozent jährlich erzielen. "Das reicht im Verhältnis zu Risiko und Ertrag aus unserer Sicht nicht aus", erklärt der Experte der Greiff Capital Management AG.

Lesen Sie auchWas Sie vom großen Warren Buffett lernen können

Biallo-Tipp

Wer seine Geldanlage nicht selbst gestalten will oder kann, für den sind die sogenannten Robo-Advisor eine Option. Hier gibt es die Vermögensverwaltung, inklusive Depotführung, Transaktions- und Produktkosten bereits für unter einem Prozent pro Jahr. Wie die digitalen Vermögensverwalter genau funktionieren, lesen Sie in unserem Ratgeber Robo-Advisor.

Währungs-ETCs und Geldmarkt-ETFs

Kommen wir abschließend zu zwei Alternativen, die sich ebenfalls mit Fremdwährungen befassen.

Währungs-ETCs bilden die Wechselkurse zweier Währungen ab und ziehen die unterschiedlichen Zinssätze hinzu. Da es sich hierbei um eine komplexe Anlageform handelt, ist sie eher für versierte Anleger mit entsprechenden Kenntnissen geeignet.

Lesen Sie auch: Wie Sie mit ETCs in Rohstoffe investieren

Geldmarkt-ETFs auf ausländische Währungen sind eine weitere Möglichkeit, von den Kursentwicklungen zu profitieren. Wenn Sie als Anleger davon ausgehen, dass eine Währung im Vergleich zum Euro in einem bestimmten Zeitfenster steigen wird, kaufen Sie einen ETF auf den Geldmarktindex der Währungen und erzielen Gewinne, wenn die Prognose eintrifft. Auch hier sollten Sie ins Auge fassen, dass Devisenkurse von vielen Faktoren abhängig sind, die nicht immer berechenbar sind.

Drei ausgewählte Geldmarkt-ETFs


ETF


Währung


Ausschüttung

Laufende Kosten

Ein-Jahres-Performance

Drei-Jahres-Performance

Fünf-Jahres-Performance

ComStage Commerzbank FED Funds Effective Rate TR UCITS ETF


USD

ausschüttend

0,10%

+2,37% (USD)

+5,38% (EUR)

+4,08% (USD)

+1,78% (EUR)

+4,25% (USD)

+25,46% (EUR)

Xtrackers II USD Overnight Rate Swap UCITS ETF 1C


USD

thesaurierend

0,15%

+2,14% (USD)

+5,14% (EUR)

+3,88% (USD)

+1,59% (EUR)

+3,95% (USD)

+25,10% (EUR)

Lyxor UCITS ETF Euro Cash


EUR

thesaurierend

0,10%

-0,57%

-1,51%

-1,80%

Quelle: Fondsdiscount.de; Wertentwicklung zum Stichtag 24. Juni 2019.

Zwei ausgewählte Devisenfonds


Fonds


Währung


Ausschüttung

Laufende Kosten

Ein-Jahres-Performance

Drei-Jahres-Performance

Fünf-Jahres-Performance


CBK SICAV Strategiefonds Währungen A


EUR

ausschüttend

0,75%

+8,07%


+8,91%

+3,77%

3 Banken Währungsfonds (T)*


EUR

thesaurierend

0,74%

+2,13%

+3,46%

+8,21%

Quelle: Fondsdiscount.de; Wertentwicklung zum Stichtag: 24. Juni 2019 / *Wertentwicklung zum Stichtag: 25. Juni 2019.

Lesen Sie auch: ETFs in ausländischer Währung – Wo liegen die Risiken?

Fazit

Für eine Diversifizierung Ihres Vermögens stellen Devisenfonds eine Möglichkeit dar, um Verluste anderer Anlageformen abzusichern. Allerdings sollten Sie die Fondsangebote im Hinblick auf ihre Risikoneigung und Ertragserwartung genau studieren.

Ihre Meinung ist uns wichtig
Peter Rensch
Peter Rensch
Autor
Jetzt Artikel bewerten
E-Mail an den Autor
Artikel kommentieren
Peter Rensch
Peter Rensch

ist gelernter Bankkaufmann und war zuletzt sieben Jahre Chefredakteur bei Springer Fachmedien in Wiesbaden. Dort war er verantwortlich für die Print- und Online-Objekte Bankmagazin, Bankfachklasse und SalesBusiness. Seit 2011 ist er freier Journalist und hat sich auf Finanz- und Verbraucherthemen spezialisiert.

E-Mail an den Autor
Artikelbewertung
Teilen
Drucken
Zur Startseite
Peter Rensch
Peter Rensch

ist gelernter Bankkaufmann und war zuletzt sieben Jahre Chefredakteur bei Springer Fachmedien in Wiesbaden. Dort war er verantwortlich für die Print- und Online-Objekte Bankmagazin, Bankfachklasse und SalesBusiness. Seit 2011 ist er freier Journalist und hat sich auf Finanz- und Verbraucherthemen spezialisiert.

E-Mail an den Autor
Newsletter
Keine News mehr verpassen
Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein:
Unsere Datenschutzerklärung finden Sie hier.

Regeln für das Schreiben von Kommentaren:

  1. Kommentieren Sie sachlich und ohne persönliche Angriffe.
  2. Verfassen Sie keine Beiträge mit strafbarem, diskriminierendem, rassistischem, anstößigem, beleidigendem oder kommerziellem Inhalt und verweisen Sie nicht auf Seiten mit solchem Inhalt.
  3. Stellen Sie weder zu lange Texte noch Bilder ein, außer, wenn es unbedingt nötig ist.
  4. Veröffentlichen Sie keine personenbezogenen Daten Dritter, wie Namen, Adressen, Telefonnummern oder E-Mail-Adressen.
  5. Wenn Sie persönliche Mitteilungen oder Texte anderer Verfasser einstellen oder Kommentare anderweitig veröffentlichen möchten, beachten Sie die Rechte Dritter. Bei einer Verletzung dieser Rechte (z.B. Persönlichkeitsrecht, Urheberrecht, Datenschutz) haften Sie.
  6. Sie haben die Möglichkeit, Ihren Benutzernamen frei zu wählen. Sie sollten aber im eigenen Interesse markenrechtlich geschützte Namen vermeiden.

Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de