Auf einen Blick
  • Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am 21. Juli die acht Jahre andauernde Negativzins-Ära beendet.

  • Bereits vor dem EZB-Zinsentscheid haben mehr als 60 Banken das Verwahrentgelt gestrichen oder die Konditionen gelockert. 

  • Seit dem 21. Juli haben 98 Prozent der verbliebenen gut 540 Banken das Verwahrentgelt an den neuen Einlagensatz der EZB angepasst.
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Das Ende der Negativzinsen ist besiegelt. Seit die Europäische Zentralbank (EZB) am 21. Juli zum ersten Mal seit elf Jahren die Leitzinsen angehoben und den negativen Einlagensatz auf null gesetzt hat, haben 98 Prozent der rund 540 verbliebenen Banken das sogenannte Verwahrentgelt gestrichen. Bereits vor dem EZB-Zinsentscheid verabschiedeten sich rund 40 Banken von den Strafzinsen. Der Höchststand unserer Negativzins-Liste wurde am 31. Mai mit 582 Banken markiert.

Biallo-Tipp: Genossen werden und Dividende einstreichen!

Viele Genossenschaftsbanken zahlen attraktive Dividenden auf ihre Genossenschaftsanteile. Die Raiffeisenbank im Hochtaunus geht sogar bundesweit auf Mitgliederfang und stellt eine  Dividende von 2,5 Prozent in Aussicht. Maximal können 25.000 Euro pro Person angelegt werden. Eine vierköpfige Familie kann somit bis zu 2.500 Euro Dividende einstreichen.

Aktuell weisen noch 13 Geldhäuser ein Verwahrentgelt im Preisaushang oder auf ihrer Seite aus – ohne entsprechenden Hinweis, dass der Strafzins an den Zinssatz für die EZB-Einlagefazilität gekoppelt ist. Wir gehen davon aus, dass spätestens ab 1. Oktober bei der nächsten Quartalsabrechnung kein Geldhaus mehr ein Verwahrentgelt berechnen wird, zumal der Druck von Kundenseite auf die verbliebenen Geldhäuser steigt. Schließlich hat die EZB bereits angekündigt, dass sie bei ihrer kommenden Sitzung am 8. September die Leitzinsen weiter anheben wird. 

 

ING zahlt wieder Zinsen

Deutschlands größte Direktbank ING verkündete bereits kurz nach dem EZB-Entscheid am 21. Juli laut Pressemitteilung, dass sie das Verwahrentgelt zum 1. August für alle Kunden zurücknimmt. Ohnehin waren nur noch wenige ING-Kunden von den Negativzinsen betroffen, da sich der Freibetrag pro Konto bereits Anfang Juli von 50.000 auf 500.000 Euro verzehnfacht hat.

Zudem offeriert die ING seit 1. August für Bestandskunden einen Sparbrief mit einer Verzinsung von bis zu 1,50 Prozent pro Jahr. Die Laufzeiten reichen von einem Jahr bis zu fünf Jahren. Die Mindestanlage liegt bei 2.500 Euro, maximal können 500.000 Euro per ING-Sparbrief angelegt werden. "Das Verwahrentgelt abzuschaffen ist uns deutlich leichter gefallen als es einzuführen", sagte Nick Jue, Vorstandsvorsitzender der ING, laut Pressemitteilung. "Mit der Verzinsung von Spargeldern haben wir nun einen Wendepunkt erreicht: Einlagen rücken für unsere Kunden wie für uns als Bank wieder stärker in den Fokus."

Vermögensverwaltung: individuell, digital und mit Top-Performance im Langzeitvergleich

Für Ihren Börseneinstieg gilt: Setzen Sie auf ein langfristiges Anlageziel! Über einen längeren Zeitraum lassen sich Kursschwankungen entspannt aussitzen. Gute Renditen zeigt beispielsweise investify bei offensiver Anlagestrategie auf Fünfjahressicht im aktuellen Performance-Vergleich von biallo.de. Positiv auch: Durch eine Auswahl von mehr als 20 Themeninvestments können Sie individuelle Schwerpunkte in Ihrem Depot setzen – sei es beispielsweise mit Tech-Unternehmen, Robotik, Erneuere Energien oder Gold.  Erfahren Sie mehr, wie Sie Ihre Vermögensverwaltung aktiv mitgestalten können!
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Negativzinsen Sparkasse: Diese Minuszinsen berechnen die Sparkassen

Von den bundesweit rund 370 Sparkassen erhob unseren Recherchen zufolge insgesamt knapp die Hälfte ein Verwahrentgelt. Mittlerweile haben alle diese Sparkassen die Negativzinsen gestrichen, da das Verwahrentgelt institutsübergreifend per Rahmenvereinbarung an den Zinssatz für die EZB-Einlagefazilität gekoppelt ist. Die Hälfte der Sparkassen zahlt nun sogar wieder Zinsen fürs Festgeld

Tagesgeld-Höhenflieger: 1,70 Prozent bis Ende März 2023 garantiert

Überlegen Sie noch, wann der richtige Zeitpunkt ist, von den Sparzinsen zu profitieren? Unser Rat: Jeder Tag ohne Zinsen, ist auch ein Tag ohne Rendite für Ihr Geld. Tagesgeld hat zudem den Vorteil, dass Sie flexibel und schnell über Ihr Erspartes verfügen können. Der Zinsvergleich von biallo.de führt aktuell in der Spitze eine Verzinsung von 1,70 Prozent. Dieses Willkommensangebot stammt von der neuen Suresse Direkt Bank, eine deutsche Marke der spanischen Santander Consumer Finance S.A.  Nicht länger warten, mehr erfahren!
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Negativzinsen Volksbank: So viel Verwahrentgelt verlangen Volksbanken

Bundesweit gibt es rund 770 Genossenschaftsbanken, dazu zählen auch die 14 PSD- und elf Sparda-Banken. Von den ursprünglich knapp 350 Genossenschaftsbanken, die ein Verwahrentgelt berechneten, weisen noch fünf Institute ein Verwahrentgelt auf ihrer Seite oder im Preisaushang aus. Die Bremische Volksbank und die Volksbank Schermbeck berechnen zum 1. September kein Verwahrentgelt mehr, die Raiffeisenbank Unteres Vilstal zum 1. Oktober 2022 nicht mehr. Die Volksbank Eisenberg und die Volksbank Gronau-Ahaus wollen zunächst den EZB-Zinsentscheid am 8. September abwarten. 

Eine aktuelle Biallo-Recherche zeigt außerdem, dass ein Drittel der Genossenschaftsbanken mitterweile wieder Zinsen fürs Festgeld zahlt

Geldinstitut Negativzins / Verwahrentgelt pro Jahr Erläuterung / Kontoart
Bremische Volksbank 0,50 % ab 100.000 Euro auf dem Tagesgeld, jeweils für Neukonten (ab 17.01.2020) und Konten mit separater Vereinbarung; kein Verwahrentgelt mehr ab 1. Sept. 2022
Raiffeisenbank Unteres Vilstal 0,50 % ab 10.000 Euro auf Girokonten, ab 50.000 Euro auf Tagesgeld; kein Verwahrentgelt mehr ab 1. Okt. 2022
Volksbank Eisenberg 0,50 % ab einer Million Euro auf Tagesgeld- und Girokonto; Anpassung nach dem EZB-Zinsentscheid im September angekündigt 
Volksbank Gronau-Ahaus 0,10 % ab 50.000 Euro auf dem Girokonto, für ab 01.06.2021 eröffnete Konten sowie Konten mit separater Vereinbarung; Tagesgeld wird derzeit nicht angeboten; Anpassung nach dem EZB-Zinsentscheid im September angekündigt 
Volksbank Schermbeck 0,40 % ab dem ersten Euro auf Tagesgeldkonten, für ab 01.10.2020 eröffnete Konten sowie Konten mit separater Vereinbarung; kein Verwahrentgelt mehr ab 1. Sept. 2022

Quelle: biallo.de / Stand: 25. August 2022 / Angaben ohne Gewähr. 

 

Diese Banken berechnen ebenfalls Negativzinsen

Neben den genannten Sparkassen und Genossenschaftsbanken gab es bis vor Kurzem auch etliche regionale Privatbanken und überregionale Geldhäuser, die ein Verwahrentgelt für Einlagen auf dem Girokonto bepreisten. Darunter fanden sich auch große Universalbanken wie die Deutsche Bank und die zum Konzern gehörige Postbank sowie die Commerzbank oder auch Hypovereinsbank. Die genannten Banken hatten aber bereits Anfang Mai unserer Bankenumfrage zufolge mitgeteilt, dass sie das Verwahrentgelt streichen werden, wenn die EZB den Einlagensatz auf null setzt – und Wort gehalten.

Zwei überregionale Banken haben das Verwahrentgelt nach wie vor im Preisaushang oder auf ihrer Seite stehen. Die Degussa Bank berechnet ab 1. September keine Negativzinsen mehr. Die genossenschaftliche GLS Bank halbiert den Strafzins zum 1. Oktober auf 0,25 Prozent. Ab 1. Januar 2023 soll das Verwahrentgelt bei der GLS Bank dann komplett wegfallen. 

Geldinstitut Negativzins / Verwahrentgelt pro Jahr Erläuterung / Kontoart
Degussa Bank 0,50 % ab 500.000 Euro für das erste Giro- oder Tagesgeldkonto, für weitere Konten ab 5.000 Euro; kein Verwahrentgelt mehr ab 1. Sept. 2022
GLS Bank 0,50 % ab 50.000 Euro auf Giro- und Tagesgeldkonto (ab 1.11.2021 auch für Bestandskunden); Verwahrentgelt sinkt zum 1. Oktober 2022 auf 0,25 Prozent und Freibetrag steigt auf 100.000 Euro; kein Verwahrentgelt mehr ab 1. Januar 2023

Quelle: biallo.de / Stand: 25. August 2022 / Angaben ohne Gewähr. 

 

Negativzinsen bei Direktbanken und Neobanken

Auch bei den Onlinebanken sind die Negativzinsen überwiegend von der Bildfläche verschwunden. Das Feld ist von 26 auf sechs Direktbanken geschrumpft. Die zur Volksbank Eisenberg gehörende Ethikbank will wie ihre Mutter den Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank am 8. September abwarten. Auch das Fintech Tomorrow trifft nach der EZB-Ratssitzung eine Entscheidung. Die Depotbank Ebase berechnet ab 1. Oktober 2022 keine Negativzinsen mehr. Die niederländische Bunq erhöht den Freibetrag zum 1. Oktober von 100.000 Euro auf eine Million Euro. 

Besonderheit bei Bunq: Statt einer prozentualen Gebühr verlangt die Neobank ein nominales Entgelt pro Tag in Höhe von 0,04 Euro je 1.000 Euro, die den Freibetrag von 100.000 Euro übersteigen. Ab einer Einlagenhöhe von einer Million Euro werden 0,06 Euro je übersteigenden 1.000 Euro fällig. Prozentual umgerechnet ergibt sich somit ein Strafzins von 1,46 Prozent, bei Beträgen über einer Million Euro sogar in Höhe von 2,19 Prozent. Allerdings will Bunq zum 1. Oktober auch das nominale Entgelt absenken. 

Geldinstitut Negativzins / Verwahrentgelt pro Jahr Erläuterung / Kontoart
Bunq Gebühr ab 100.000 Euro 0,04 Euro pro Tag je 1.000 Euro; ab 1.000.000 Euro 0,06 Euro pro Tag je 1.000 Euro; ab 1.Oktober 2022 höherer Freibetrag von einer Million Euro
Ebase 0,50 % ab 10.000 Euro auf dem Verrechnungskonto (je 30 Tage Karenz bei Überschreitung) für Neu- und Bestandskunden; Verwahrentgelt wird ab 1. Oktober gestrichen
Ethikbank 0,50 % ab einer Million Euro; Anpassung nach dem EZB-Zinsentscheid im September angekündigt 
Insha 0,50 % ab 250.000 Euro
Solarisbank 0,50 % ab 250.000 Euro
Tomorrow 0,50 % ab 50.000 Euro (für Kontoeröffnungen ab 01.11.2021); Anpassung nach dem EZB-Zinsentscheid im September angekündigt 

Quelle: biallo.de / Stand: 25. August 2022 / Angaben ohne Gewähr. 

 

Häufige Fragen und Antworten zu Minuszinsen

Nachfolgend beantworten wir Ihre Fragen zum Thema Negativzinsen. Falls Ihre Frage noch nicht beantwortet wurde, schreiben Sie uns gerne eine E-Mail an redaktion@biallo.de.

Wann muss ich Negativzinsen zahlen?

Das hängt grundsätzlich von Ihrem Kreditinstitut ab. Die meisten Banken haben einen Freibetrag, der allerdings seit einigen Monaten immer weiter sinkt. Haben Sie ein höheres Guthaben als der Freibetrag des Geldhauses, müssen Sie Negativzinsen bezahlen. Allerdings gibt es auch noch viele  Banken ohne Negativzinsen.

Meine Bank verlangt Negativzinsen. Was kann ich tun?

Wir empfehlen, dass Sie Ihr Guthaben umschichten und auf andere Banken verteilen. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten,  mit denen Sie Negativzinsen vermeiden können. Nutzen Sie die Freibeträge anderer Kreditinstitute oder Geldanlagen ohne Negativzinsen.

Kann ich Negativzinsen ablehnen?

Als Bestandskunde kann das Kreditinstitut die Geschäftsbedingungen in der Regel nicht einseitig ohne Ihr Einverständnis ändern. Das bedeutet, Sie müssten eine Vereinbarung unterzeichnen, bevor die Bank Negativzinsen berechnen kann. Unterschreiben Sie die Vereinbarung nicht, könnte die Bank die Geschäftsbeziehung mit Ihnen kündigen. Deshalb sollten Sie frühzeitig reagieren, da es ausreichend Alternativen gibt.

Gibt es Banken, die keine Negativzinsen erheben?

Ja, es gibt eine ganze Menge Banken, die keine Negativzinsen verlangen. Und nicht nur das. Einige Kreditinstitute zahlen sogar noch Zinsen, wenn Sie Ihr Erspartes der Bank geben. Daneben bieten viele Geldhäuser einen hohen Freibetrag. Hier finden Sie  Banken ohne Negativzinsen.

In einem weiteren Ratgeber auf Biallo.de erfahren Sie, wie Sie Negativzinsen vermeiden und welche Banken noch keine Negativzinsen berechnen.

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Über den Autor Redaktion

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