Auf einen Blick
  • Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am 21. Juli die acht Jahre andauernde Negativzins-Ära beendet.

  • Bereits vor dem EZB-Zinsentscheid haben mehr als 60 Banken das Verwahrentgelt gestrichen oder die Konditionen gelockert. 

  • Seit dem 21. Juli haben 90 Prozent der verbliebenen Banken das Verwahrentgelt an den neuen Einlagensatz der EZB angepasst.

Das Ende der Negativzinsen ist besiegelt. Seit die Europäische Zentralbank am 21. Juli zum ersten Mal seit elf Jahren die Leitzinsen angehoben und den negativen Einlagensatz auf null gesetzt hat, haben mehr als 90 Prozent der gut 540 verbliebenen Banken das sogenannte Verwahrentgelt gestrichen. Bereits vor dem EZB-Zinsentscheid haben sich rund 40 Banken von den Negativzinsen verabschiedet und weitere gut 20 Geldhäuser haben die Freibeträge deutlich erhöht beziehungsweise das Verwahrentgelt halbiert. Der Höchststand wurde am 31. Mai mit 582 Banken markiert.

Biallo-Tipp

Viele Genossenschaftsbanken zahlen attraktive Dividenden auf ihre Genossenschaftsanteile. Die Raiffeisenbank im Hochtaunus geht sogar bundesweit auf Mitgliederfang und stellt eine  Dividende von 2,5 Prozent in Aussicht. Maximal können 25.000 Euro pro Person angelegt werden. Eine vierköpfige Familie kann somit bis zu 2.500 Euro Dividende einstreichen. 

Aktuell weisen noch 36 Banken ein Verwahrentgelt im Preisaushang oder auf ihrer Seite aus – ohne entsprechenden Hinweis, dass der Strafzins an den Zinssatz für die EZB-Einlagefazilität gekoppelt ist. Wir gehen davon aus, dass spätestens ab 1. Oktober bei der nächsten Quartalsabrechnung kein Geldhaus mehr ein Verwahrentgelt berechnen wird, zumal der Druck auf die verbliebenen Geldhäuser steigt. Schließlich hat die EZB bereits angekündigt, dass sie bei ihrer nächsten Sitzung im September die Leitzinsen weiter anheben wird. 

 

ING zahlt wieder Zinsen

Deutschlands größte Direktbank ING verkündete bereits kurz nach dem EZB-Entscheid laut Pressemitteilung, dass sie das Verwahrentgelt zum 1. August für alle Kunden zurücknimmt. Ohnehin waren nur noch wenige ING-Kunden von den Negativzinsen betroffen, da sich der Freibetrag pro Kunde bereits Anfang Juli von 50.000 auf 500.000 Euro verzehnfacht hat.

Zudem offeriert die ING seit 1. August für Bestandskunden einen Sparbrief mit einer Verzinsung von bis zu 1,50 Prozent pro Jahr. Die Laufzeiten reichen von einem Jahr bis zu fünf Jahren. Die Mindestanlage liegt bei 2.500 Euro, maximal können 500.000 Euro per ING-Sparbrief angelegt werden. "Das Verwahrentgelt abzuschaffen ist uns deutlich leichter gefallen als es einzuführen", sagte Nick Jue, Vorstandsvorsitzender der ING, laut Pressemitteilung. "Mit der Verzinsung von Spargeldern haben wir nun einen Wendepunkt erreicht: Einlagen rücken für unsere Kunden wie für uns als Bank wieder stärker in den Fokus."

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Negativzinsen Sparkasse: Diese Minuszinsen berechnen die Sparkassen

Von den bundesweit rund 370 Sparkassen hat unseren Recherchen zufolge insgesamt knapp die Hälfte ein Verwahrentgelt berechnet. Mittlerweile haben alle diese Sparkassen den Negativzins in Höhe von meist minus 0,5 Prozent gestrichen. Übrigens: Rund die Hälfte der Sparkassen zahlt wieder Zinsen fürs Festgeld

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Negativzinsen Volksbank: So viel Verwahrentgelt verlangen Volksbanken

Bundesweit gibt es gut 772 Genossenschaftsbanken, dazu zählen auch die 14 PSD- und elf Sparda-Banken. Von den ursprünglich rund 350 Genossenschaftsbanken, die ein Verwahrentgelt berechneten, haben noch 24 Institute ein Verwahrentgelt – meist in Höhe von 0,5 Prozent – auf ihrer Seite oder im Preisaushang ausgewiesen. Eine Biallo-Recherche von Mitte Juli zeigt außerdem, dass rund ein Drittel der Genossenschaftsbanken mitterweile wieder Zinsen fürs Festgeld zahlt

Geldinstitut Negativzins / Verwahrentgelt pro Jahr Erläuterung / Kontoart
Bremische Volksbank 0,50 % ab 100.000 Euro auf dem Tagesgeld, jeweils für Neukonten (ab 17.01.2020) und Konten mit separater Vereinbarung
KD-Bank (Bank für Kirche und Diakonie) 0,50 % ab 100.000 Euro auf Girokonto; für Kontoeröffnungen ab 01.02.2021
Raiffeisenbank Isar-Loisachtal 0,50 % ab insgesamt 120.000 Euro Gesamtfreibetrag pro Person (für ab dem 01.01.2021 eröffnete Konten, sowie für Konten mit separater Vereinbarung)
Raiffeisenbank Mehring-Leiwen 0,50 % ab 50.000 Euro für ab dem 01.07.2021 neu eröffnete Konten
Raiffeisenbank Nordkreis Landsberg 0,30 % - 0,50 % -0,50 % ab 100.000 Euro auf Tagesgeld- und Girokonto (-0,30 % auf Kündigungsgeld), soweit vereinbart
Raiffeisenbank Schwaben Mitte 0,50 % individueller Freibetrag
Raiffeisenbank Unteres Vilstal 0,50 % ab 10.000 Euro auf Girokonten, ab 50.000 Euro auf Tagesgeld
Raiffeisenbank Westhausen 0,50 % ab 200.000 Euro (100.000 Euro Girokonto und 100.000 Euro Geldmarktkonto) für ab dem 01.01.2021 neu eröffnete Konten oder nach individueller Vereinbarung
Union-Bank 0,50 % ab 25.000 Euro
Volksbank Eisenberg 0,50 % ab einer Million Euro auf Tagesgeld- und Girokonto
Volksbank Gronau-Ahaus 0,10 % ab 50.000 Euro auf dem Girokonto, für ab 01.06.2021 eröffnete Konten sowie Konten mit separater Vereinbarung; Tagesgeld wird derzeit nicht angeboten
Volksbank Kassel Göttingen 0,50 % ab 10.000 Euro (ab 01.05.2021 für Girokonten, die ab dem 01.07.2019 eröffnet wurden) oder für Konten mit separater Vereinbarung,
Volksbank Langendernbach 0,50 % ab 50.000 Euro
Volksbank Meßkirch 0,50 % ab 25.000 Euro für ab dem 01.01.2020 eröffnete Konten sowie Konten mit separater Vereinbarung
Volksbank Nottuln 0,50 % individueller Freibetrag für Konten, die nach dem 01.01.2021 eröffnet wurden sowie nach separater Vereinbarung
Volksbank Pirna 0,45 % ab 100.000 Euro (für Kontoeröffnungen ab 15.07.2021)
Volksbank Raiffeisenbank Fürstenfeldbruck 0,50 % ab dem ersten Euro auf Tagesgeldkonto
Volksbank Rheinböllen 0,50 % ab 10.000 Euro für ab dem 01.05.2021 eröffnete Konten, sowie nach individueller Vereinbarung
Volksbank Schermbeck 0,40 % ab dem ersten Euro auf Tagesgeldkonten, für ab 01.10.2020 eröffnete Konten sowie Konten mit separater Vereinbarung
Volksbank Sprockhövel 0,50 % ab 25.000 Euro auf Girokonten, ab dem ersten Euro auf KontoVR-SparenFlexibel Privat, für ab dem 09.04.2021 eröffnete Konten; ab 25.000 Euro auf Voba Führerschein-Sparen 21 ab dem 03.05.21; sowie nach individueller Vereinbarung
VR Bank Lahn-Dill 0,25 % ab 50.000 Euro für Neukunden, für Bestandskunden individuell
VR Bank Mittelhaardt 0,50 % ab 10.000 Euro für neu eröffnete Konten ab dem 19.04.2021
VR-Bank Westmünsterland 0,50 % ab dem ersten Euro auf Tagesgeldkonto
individueller Freibetrag auf Girokonten, die ab dem 01.12.2019 eröffnet wurden, sowie für Konten nach separater Vereinbarung

Quelle: biallo.de / Stand: 9. August 2022 / Angaben ohne Gewähr. 

 

Diese Banken berechnen ebenfalls Negativzinsen

Neben den genannten Sparkassen und Genossenschaftsbanken gab es bis vor kurzem auch etliche regionale Privatbanken und überregionale Geldhäuser, die ein Verwahrentgelt für Einlagen auf dem Girokonto bepreisen. Darunter fanden sich auch große Universalbanken wie die Deutsche Bank und die zum Konzern gehörige Postbank sowie die Commerzbank oder auch Hypovereinsbank. Die genannten Banken hatten aber bereits Anfang Mai unserer Bankenumfrage zufolge mitgeteilt oder zumindest angedeutet, dass sie das Verwahrentgelt streichen werden, wenn die EZB den Einlagensatz auf null setzt. 

Folgende fünf überregionale Banken haben das Verwahrentgelt nach wie vor im Preisaushang oder auf ihrer Seite stehen: 

Geldinstitut Negativzins / Verwahrentgelt pro Jahr Erläuterung / Kontoart
Degussa Bank 0,50 % ab 500.000 Euro für das erste Giro- oder Tagesgeldkonto, für weitere Konten ab 5.000 Euro
Engel & Völkers 0,50 % ab 150.000 Euro
Ethikbank 0,50 % ab einer Million Euro
GLS Bank 0,50 % ab 50.000 Euro auf Giro- und Tagesgeldkonto (ab 01.11.2021 auch für Bestandskunden); Verwahrentgelt sinkt zum 1. Oktober 2022 auf 0,25 Prozent und soll zum Jahresende auslaufen
Targobank 5 bis 360 Euro ab 50.000 Euro, Gebühr 5 bis 360 Euro, abhängig von der Höhe der Einlage

Quelle: biallo.de / Stand: 09.August 2022 / Angaben ohne Gewähr. 

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Negativzinsen bei Direktbanken

Auch bei den Direktbanken sind die Negativzinsen überwiegend von der Bildfläche verschwunden. Denoch weisen sieben Onlinebanken das Verwahrentgelt noch in ihrem Preis- und Leistungsverzeichnis oder auf ihrer Seite aus:

Geldinstitut Negativzins / Verwahrentgelt pro Jahr Erläuterung / Kontoart
Bunq Gebühr ab 100.000 Euro 0,04 Euro pro Tag je 1.000 Euro; ab 1.000.000 Euro 0,06 Euro pro Tag je 1.000 Euro; ab 1.Oktober 2022 höherer Freibetrag von einer Million Euro
Ebase 0,50 % ab 10.000 Euro auf dem Verrechnungskonto (je 30 Tage Karenz bei Überschreitung) für Neu- und Bestandskunden; Verwahrentgelt wird ab 1. Oktober gestrichen
IKB 0,50 % ab 250.000 Euro auf dem Cashkonto und Tagesgeldkonto; für ab dem 13.08.2021 eröffnete Konten
Insha 0,50 % ab 250.000 Euro
Nuribank 0,50 % ab 50.000 Euro
Solarisbank 0,50 % ab 250.000 Euro
Tomorrow 0,50 % ab 50.000 Euro (für Kontoeröffnungen ab 01.11.2021)

Quelle: biallo.de / Stand: 09. August 2022 / Angaben ohne Gewähr. 

 

Häufige Fragen und Antworten zu Minuszinsen

Nachfolgend beantworten wir Ihre Fragen zum Thema Negativzinsen. Falls Ihre Frage noch nicht beantwortet wurde, schreiben Sie uns gerne eine E-Mail an redaktion@biallo.de.

Wann muss ich Negativzinsen zahlen?

Das hängt grundsätzlich von Ihrem Kreditinstitut ab. Die meisten Banken haben einen Freibetrag, der allerdings seit einigen Monaten immer weiter sinkt. Haben Sie ein höheres Guthaben als der Freibetrag des Geldhauses, müssen Sie Negativzinsen bezahlen. Allerdings gibt es auch noch viele  Banken ohne Negativzinsen.

Meine Bank verlangt Negativzinsen. Was kann ich tun?

Wir empfehlen, dass Sie Ihr Guthaben umschichten und auf andere Banken verteilen. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten,  mit denen Sie Negativzinsen vermeiden können. Nutzen Sie die Freibeträge anderer Kreditinstitute oder Geldanlagen ohne Negativzinsen.

Kann ich Negativzinsen ablehnen?

Als Bestandskunde kann das Kreditinstitut die Geschäftsbedingungen in der Regel nicht einseitig ohne Ihr Einverständnis ändern. Das bedeutet, Sie müssten eine Vereinbarung unterzeichnen, bevor die Bank Negativzinsen berechnen kann. Unterschreiben Sie die Vereinbarung nicht, könnte die Bank die Geschäftsbeziehung mit Ihnen kündigen. Deshalb sollten Sie frühzeitig reagieren, da es ausreichend Alternativen gibt.

Gibt es Banken, die keine Negativzinsen erheben?

Ja, es gibt eine ganze Menge Banken, die keine Negativzinsen verlangen. Und nicht nur das. Einige Kreditinstitute zahlen sogar noch Zinsen, wenn Sie Ihr Erspartes der Bank geben. Daneben bieten viele Geldhäuser einen hohen Freibetrag. Hier finden Sie  Banken ohne Negativzinsen.

In einem weiteren Ratgeber auf Biallo.de erfahren Sie, wie Sie Negativzinsen vermeiden und welche Banken noch keine Negativzinsen berechnen.

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