Steuerfreie Dividenden: Füllhorn mit Steuertücken

Geldanlage Steuerfreie Dividenden: Füllhorn mit Steuertücken

von Michael Schreiber
10.05.2019
Auf einen Blick
  • Einige deutsche Unternehmen zahlen steuerfreie Dividenden aus. Doch der Geldsegen hat Vor- und Nachteile.

  • Dabei greifen sie für die Ausschüttung auf ihre Kapitalreserven zurück – und nicht wie bei Dividenden eigentlich üblich auf erwirtschaftete Profite aus ihrem eigentlichen Geschäft.

  • Ob die Dividenden am Ende wirklich steuerfrei einkassiert werden können, hängt einzig davon ab, wann man die Aktien gekauft hat.
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Mehr als 57 Milliarden Euro an Dividenden schütten deutsche Unternehmen in der diesjährigen Hauptversammlungsrunde an ihre Aktionäre aus. Der warme Regen hält für einige Aktiensparer auch noch eine besonders angenehme Überraschung bereit, denn manchmal landet die Dividende sogar brutto für netto auf dem eigenen Girokonto. Der Fiskus bekommt nichts ab, wenn Unternehmen wie die Deutsche Telekom und Deutsche Post das Füllhorn ausschütten. Doch ist das wirklich so und wie funktioniert das? Droht am langen Ende eine böse Überraschung?

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Die meisten börsennotierten deutschen Firmen sind von dem Phänomen gar nicht betroffen. Entweder, weil sie an ihre Aktionäre gar keine Dividenden auskehren oder weil sie erzielte Profite vergangener Jahre an ihre Aktionäre ausschütten. Diese zahlen nach Verbrauch des Sparerpauschbetrages von 801 für Ledige beziehungsweise 1.602 Euro für Verheiratete pauschal 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Solidarzuschlag und eventuell Kirchensteuer.

Die 26,375 Prozent muss also jeder Sparer berappen, bei Kirchenmitgliedern sind es effektiv 27,99 Prozent, die Vater Staat einstreicht. Den Steuereinbehalt nimmt die Depotbank direkt vor – als Privatinvestor braucht man sich um nichts kümmern, um seine Steuerpflichten zu erfüllen.

Exoten im Dividendenregen

Manchmal muss man aber auch nichts versteuern. Eine Handvoll deutscher Firmen zahlt teilweise schon seit Jahren steuerfreie Dividenden aus und lässt damit Börsianer-Herzen höher schlagen. Wie so oft im Leben hat der Geldsegen Vorteile und auch so seine Tücken. Diese Unternehmen greifen für die Ausschüttung nämlich auf ihre Kapitalreserven zurück und nicht – wie bei normalen Dividenden üblich – auf erwirtschaftete Profite aus ihrem eigentlichen Geschäft.

Genau genommen sind es Einzahlungen aus Kapitalerhöhungen und Einlagen früherer Jahre, die hier an die aktuellen Unternehmenseigentümer in Form einer "Dividende" wieder zurückfließen. Die Depotbank zwackt auf die Auszahlungen weder Abgeltungsteuer noch Solidarzuschlag oder Kirchensteuer ab. Auch ein erteilter Freistellungsauftrag wird nicht angeknabbert – das verschafft Luft für andere üppige Erträge.

Die Dividende landet zwar steuerlich ungeschmälert auf dem Bankkonto des Anlegers. Aufmerksame Börsianer bemerken jedoch bei einem sorgfältigen Blick auf ihr Wertpapierdepot einen anderen Effekt. Zeitgleich mit der Auszahlung der Dividende werden die im Depot ausgewiesenen Einstandskurse für die Aktien der Firma um genau den gleichen Betrag gekürzt.

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Steuerfrei oder Steueraufschub?

Ob die Dividenden am Ende wirklich steuerfrei einkassiert werden können, hängt einzig davon ab, wann man die Aktien gekauft hat. Wer Deutsche Post, Telekom und Co. (siehe Tabelle) vor 2009 ins Depot gelegt hat, freut sich jetzt in der Zinsflaute über kernige und tatsächlich steuerfreie Dividenden, weil der gesamte Aktienbestand für den Fiskus unerreichbar im steuerfreien Bereich geparkt ist.

  • Biallo-Tipp Auch wer derartige Altbestände von seinen Vorfahren erbt, ist fein raus. Man übernimmt mit dem Erbe auch den ursprünglichen Kaufzeitpunkt und die Anschaffungskosten der Aktien. Die Steuerfreiheit wird so auf die nächste Generation weitergegeben.

Schlechter dran sind Aktionäre, die die Blue Chips erst ab 2009 erworben haben. Nach der Einführung der Abgeltungsteuer fiel die einjährige Spekulationsfrist. Neu erworbene Wertpapiere-Kursgewinne sind seit Anfang 2009 zeitlich unbegrenzt steuerpflichtig. Da die (erst mal) steuerfreien Dividenden von dem ursprünglich gezahlten Kaufpreis für die Aktien abgezogen werden, erhalten diese Anleger genau genommen nur einen Steueraufschub bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie sich von ihren Aktien trennen.

Abgeltungsteuerpflichtig ist dann der realisierte Kursgewinn, der sich aus der Differenz zwischen dem erzielten Verkaufspreis und den um die erhaltenen Dividenden gekürzten ursprünglichen Anschaffungskosten für die Aktien ergibt.

An- und Verkaufsspesen für die Wertpapiertransaktionen werden dabei steuermindernd einbezogen. Langfristanleger müssen bereits dann Steuern auf die Dividenden zahlen, wenn die Ausschüttungen der Kapitalreserven die eigenen Anschaffungskosten für die Wertpapiere im Depot rechnerisch aufgezehrt haben.

  • Biallo-Tipp: Den Tag, an dem Steuern fällig werden, bestimmen Aktionäre selbst. Das richtige Timing hilft also dabei, die aufgeschobene Steuerlast später ganz zu vermeiden oder zumindest in erträglichen Grenzen zu halten. Steuerfüchse legen den Verkaufszeitpunkt in Jahre, in denen sie mit anderen Wertpapieren Verluste erzielt haben, die man mit dem Verkaufsgewinn verrechnen kann. Sinn kann auch ein Verkauf nach dem Eintritt in den Ruhestand sein, wenn das Gesamteinkommen und damit der eigene Steuersatz nicht mehr so hoch sind wie im Erwerbsleben.

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Hauptversammlung bringt Klarheit

Nur bei wenigen Unternehmen steht schon definitiv fest, dass sie auch dieses Jahr wieder ihre Dividende komplett "steuerfrei" auszahlen – darunter die Dax-Schwergewichte Deutsche Post und Telekom. Viele andere schütten ihre Kapitalreserven nur anteilig aus – der Rest der beschlossenen Dividende kommt dann aus tatsächlich erwirtschafteten Gewinnen.

Bei DIC Asset blieben Ende März deshalb nur knapp 90 Prozent der Dividende von 0,48 Euro steuerfrei, bei der Deutschen Euroshop, die ihre Aktionäre am 12. Juni zur Hauptversammlung geladen hat, bleiben von der angekündigten Dividende von 1,50 Euro je Aktie nur 0,93 Euro steuerfrei, 0,57 Euro unterliegen dagegen der Abgeltungsteuer. Bei Geratherm Medical ist mit 0,27 Euro der überwiegende Teil der vorgeschlagenen Dividende für 2018 (0,40 Euro) steuerpflichtig.

Hat ein Aktionär seinen Sparerpauschbetrag aufgebraucht, behält die Depotbank von diesem Teil der Dividende Steuern ein. Alle in der Tabelle aufgeführten Unternehmen haben im vergangenen Jahr Ausschüttungen aus den Kapitalreserven gezahlt. Ob und in welcher Höhe sie das auch für die jetzt angelaufene Dividendensaison tun werden, steht in den meisten Fällen erst nach der Hautversammlung fest.

Interessierte Anleger sollten sich daher vor dem Kauf im Internet noch einmal auf den neuesten Informationsstand bringen. Planbar festgelegt hat sich dagegen kürzlich das Management der Deutschen Pfandbriefbank. In einer Pressemeldung vom 16. April verkündete die Bank, dass die Ausschüttungen der nächsten fünf bis sieben Jahre aus den Kapitalrücklagen fließen werden und damit für deutsche Anleger zunächst einmal steuerfrei bleiben.

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Steuer-Manko für Ausländer

Auch ausländische Unternehmen schütten gelegentlich keine Gewinne, sondern Kapitalrücklagen aus. Darunter tummeln sich grundsolide Versicherungskonzerne wie die Zurich Insurance Group aus der Schweiz ebenso wie der norwegische Lachszüchter Marine Harvest (jetzt Mowi) oder die US-Altenheimvermieter Omega Healthcare oder HCP Inc.

Sie alle haben in der Vergangenheit Kapitalreserven an Aktionäre ausgeschüttet und diesen dabei saftige Renditen von bis zu acht Prozent beschert. Auf den Bescheinigungen der Bank tauchen dabei unterschiedliche Begriffe wie "Return of capital" (Omega Healthcare, HCP Inc.),"Kapitalherabsetzung" (Marine Harvest) oder "Emissionsprämie (Zurich Insurance AG) auf.

Mit zweierlei Maß

Einen Vorteil haben die speziellen Auslandsdividenden – weder die Eidgenössische Steuerverwaltung der Schweiz noch der amerikanische oder norwegische Fiskus behält auf diese Art von Ausschüttungen eine Quellensteuer ein. Die deutsche Depotbank zwackt allerdings von den Dividenden ausländischer Firmen Abgeltungsteuer, Solidarzuschlag und gegebenenfalls noch Kirchensteuer ab.

Der Fiskus begründet die unterschiedliche Handhabung bei in- und ausländischen Dividenden mit der Spezialvorschrift des Paragraph 27 Absatz 8 aus dem deutschen Körperschaftsteuergesetz. Danach können inländische und sogar im EU-Raum ansässige Unternehmen ihr Eigenkapital ohne Steuerabzug an die Aktionäre ausschütten.

Die Regelung soll aber nicht für Firmen aus Drittstaaten wie USA, Schweiz oder Norwegen gelten (BMF-Schreiben vom 4.4.2016, Az: IV C 2 - S 2836/08/10002). Eine klare gesetzliche Regelung gibt es jedoch nicht. Ob die Vorgehensweise der Finanzämter rechtens ist, muss der Bundesfinanzhof (BFH) erst noch klären.

Derzeit sind unter den Aktenzeichen I R 15/16 und VIII R 47/13 zwei Revisionsverfahren anhängig. Das Finanzgericht Düsseldorf hat mit Urteil vom 24. August 2018 (Az: 14 K 564/16 E) rechtskräftig entschieden, dass die Kapitalrückzahlungen Schweizer Firmen steuerfrei bleiben.

  • Biallo-Tipp Legen Sie Einspruch gegen Ihren Steuerbescheid ein und beantragen Sie unter Hinweis auf die beiden genannten Revisionsverfahren vor dem BFH ein "Ruhen des Verfahrens", wenn Ihr Finanzamt eine Korrektur der von der Bank bescheinigten Kapitalerträge verweigert. So können Sie ohne eigenes Prozessrisiko in Ruhe abwarten und auf einen positiven Richterspruch aus München hoffen.

Deutsche Aktien mit steuerfreien Dividenden

Aktiengesellschaft Branche HV-Termin WKN Dividende in Euro Kurs in Euro Rendite
Siemens Healthineers* Medizintechnik 05.02.2019 SHL100 0,70 36,72 1,91%
Fonterelli Beteiligungsgesellschaft 11.02.2019 A1TNUU 0,20 1,80 11,11%
DIC Asset* Immobilien 22.03.2019 A1X3XX 0,48 9,75 4,92%
Deutsche Telekom Telekommunikation 28.03.2019 555750 0,70 14,99 4,67%
KPS Consulting IT-Dienstleistungen 29.03.2019 A1A6V4 0,35 6,80 5,15%
KST Beteiligungs AG Beteiligungsgesellschaft 18.04.2019 A16130 0,10 1,25 8,00%
GEA Group Anlagenbau 26.04.2019 660200 0,85 23,68 3,59%
Deutz Motorenbau 30.04.2019 630500 0,15 8,68 1,73%
Jost-Werke AG LKW-Zulieferer 09.05.2019 JST400 1,10 31,70 3,47%
TTL Beteiligungs-und Grundbesitz AG Immobilien 10.05.2019 750100 0,12 4,04 2,97%
Deutsche Post Post & Logistik 15.05.2019 555200 1,15 29,14 3,95%
Freenet AG Telekommunikation 16.05.2019 A0Z2ZZ 1,65 20,28 8,14%
PSI Software Softwareentwicklung 16.05.2019 A0Z1JH 0,25 17,45 1,43%
Vonovia Immobilien 16.05.2019 A1ML7J 1,44 46,69 3,08%
TLG Immobilien Immobilien 21.05.2019 A12B8Z 0,91 26,30 3,46%
pferdewetten.de Glücksspiel 21.05.2019 A1K040 0,16 10,80 1,48%
Telefonica Deutschland Telekommunikation 21.05.2019 A1J5RX 0,27 2,87 9,41%
S&T AG* Technologie 21.05.2019 A0X9EJ 0,16 23,30 0,69%
Berentzen-Gruppe Getränke 22.05.2019 520160 0,28 6,74 4,15%
3U Holding Telekommunikation 23.05.2019 516790 0,03 1,08 2,78%
Francotyp-Postalia Maschinenbau 28.05.2019 FPH900 0,03 3,59 0,84%
Edel Medien 29.05.2019 564950 0,10 2,30 4,35%
IVU Traffic Softwareentwicklung 29.05.2019 744850 0,12 8,78 1,37%
LEG Immobilien Immobilien 29.05.2019 LEG111 3,53 105,35 3,35%
QSC Telekommunikation 29.05.2019 513700 0,03 1,50 2,00%
7C Solarparken Solarkraftwerke 07.06.2019 A11QW6 0,11 3,03 3,63%
Deutsche Pfandbriefbank Bank 07.06.2019 801900 1,00 12,28 8,14%
Deutsche Euroshop* Immobilien 12.06.2019 748020 1,50 26,72 5,61%
Jenoptik Technologie 12.06.2019 A2NB60 0,35 32,80 1,07%
Berliner Effektengesellschaft Finanzdienstleistungen 13.06.2019 522130 0,60 18,10 3,31%
Geratherm Medical* Medizintechnik 14.06.2019 549562 0,40 9,10 4,40%
Deutsche Wohnen* Immobilien 18.06.2019 A0HN5C 0,87 41,96 2,07%
Nanogate Technologie 26.06.2019 A0JKHC 0,11 30,90 0,36%
Deufol Verpackungen 29.06.2019 A1R1EE 0,06 1,09 5,50%
Ecotel Telekommunikation 12.07.2019 585434 0,13 8,05 1,61%
RCM Beteiligungs AG Immobilien steht noch nicht fest A1RFMY 0,06 2,12 2,83%

Quelle: eigene Recherche; Onvista.de; Kurse vom 08.05.2019; *Dividenden nur teilweise steuerbefreit

Biallo-Lesetipp

Was Sie bei Ihren Angaben gegenüber dem Finanzamt beachten sollten, stellen wir in unserer siebenteiligen Steuer-Serie für Sie zusammen: Weitere aktualisierte Beiträge, rund um Mantelbogen und Anlagen zur Steuererklärung, finden Sie in nächsten Tagen auf unserer Homepage oder in unserem Newsletter. Bisher bereits erschienen sind folgende Artikel unserer aktuellen Steuer-Serie:

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