Künstliche Befruchtung: Geldquellen gezielt anzapfen

Krankenversicherung Künstliche Befruchtung: Geldquellen gezielt anzapfen

Annette Jäger
von Annette Jäger
15.06.2018
Auf einen Blick
  • Krankenkassen erstatten Kosten für drei Versuche einer künstlichen Befruchtung zu jeweils 50 Prozent.

  • Manche Kassen erstatten über ihre freiwilligen Zusatzleistungen auch 100 Prozent der Kosten.

  • Die Privaten übernehmen meist die Gesamtkosten, die Kinderwunschbehandlung muss aber medizinisch notwendig sein.
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Ungewollt kinderlos – das soll laut Umfragen auf 1,5 Millionen Menschen in Deutschland zutreffen. Immer öfter nehmen betroffene Paare die Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin in Anspruch, um endlich Eltern zu werden. Rund 80.000 In-vitro-Fertilisationen finden jährlich in Deutschland statt.

Die Krankenkassen wie auch die privaten Krankenversicherer erstatten die Kosten. Zum Teil, denn es sind umfangreiche Voraussetzungen zu erfüllen. Und auch wenn die Zuschüsse fließen, sind sie limitiert. Egal ob privat oder Kasse: Wer gezielt den richtigen Versicherer wählt, kann seinen Eigenanteil um tausende Euro verringern.

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Kinderwunschbehandlung: Das sind die Voraussetzungen bei den Krankenkassen

Wer gesetzlich krankenversichert ist, muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um Zuschüsse für eine künstliche Befruchtung zu erhalten. So gilt, dass das potentielle Elternpaar verheiratet sein muss, die Maßnahme aus ärztlicher Sicht erforderlich ist und es hinreichend Aussichten auf eine erfolgreiche Schwangerschaft gibt. Zudem dürfen nur Ei- und Samenzellen der Ehegatten verwendet werden.

Es gelten außerdem Altersgrenzen: Die Partner müssen mindestens 25 Jahre alt sein. Die Frau darf zudem nicht älter als 40 Jahre, der Mann nicht älter als 50 Jahre alt sein. Vor Behandlungsbeginn legt der Gynäkologe einen Behandlungsplan vor, die Kasse muss ihn bewilligen.

Künstliche Befruchtung: Das leisten die Krankenkassen

Die Kassen bezahlen die Behandlungen der In-Vitro-Fertilisation (IFV), der Intracytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) oder der Insemination. Ein Versuch kostet je nach Behandlungsmethode etwa zwischen 2.000 und 3.000 Euro, eine Insemination ist günstiger. Bei drei Versuchen kommen bis zu 9.000 Euro – oft sogar noch deutlich mehr – zusammen.

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Berechnungsgrundlage / Modellfall: 

Alle Kassen erstatten gemäß gesetzlichem Leistungskatalog maximal drei Versuche der künstlichen Befruchtung zu jeweils 50 Prozent. Der Versicherte muss die übrigen 50 Prozent selbst bezahlen. Entscheidet sich das Paar nach dem dritten erfolglosen Versuch für weitere, muss es die kompletten Kosten selbst bezahlen.

Einige Kasse bieten über ihre freiwilligen Zusatzleistungen jedoch eine höhere Kostenerstattung an. Sie begleichen zum Beispiel die kompletten Kosten der ersten drei Versuche, so dass der Versicherte gar keinen Eigenanteil begleichen muss (z.B. DAK, Bahn BKK). Andere Kassen gewähren einen Zuschuss zum Eigenanteil (z.B. Techniker, hkk). Voraussetzung ist allerdings meist, dass beide Partner bei der Krankenkasse versichert sind.

Tabelle: Diese Kassen (Auswahl) erstatten mehr als üblich bei künstlicher Befruchtung. Stand: Mai 2018.

Krankenkasse

Mehrleistung künstliche Befruchtung

AOK Hessen

Kostenübernahme 100 Prozent für die ersten drei Versuche. Beide Partner müssen bei der AOK Hessen versichert sein.

Bahn BKK

Kostenübernahme 100 Prozent für die ersten drei Versuche. Ist nur ein Partner bei der Bahn BKK versichert, gilt Kostenübernahme zu 75 Prozent.

DAK

Kostenübernahme 100 Prozent für die ersten drei Versuche. Beide Partner müssen bei der DAK versichert sein.

HEK

Zuschuss von 200 EUR zum Eigenanteil je Versuch, maximal drei Versuche. Ab Juli 2018 genügt es, wenn der zu behandelnde Partner bei der HEK versichert ist.

hkk

Zuschuss pro Partner von 200 EUR zum Eigenanteil je Versuch, maximal drei Versuche. Beide Partner müssen bei der hkk versichert sein.

IKK Classic

Zuschuss von 500 Euro zum Eigenanteil je Versuch. Ist nur ein Partner bei der IKK Classic versichert, gilt ein Zuschuss von 250 Euro.

IKK Südwest

Kostenübernahme 100 Prozent für die ersten drei Versuche. Beide Partner müssen bei der IKK Südwest versichert sein.

KKH

Zuschuss von 100 Euro zum Eigenanteil je Versuch, maximal drei Versuche. Beide Partner müssen bei der KKH versichert sein.

Techniker

Zuschuss von 250 Euro zum Eigenanteil je Behandlungsversuch, maximal drei Versuche. Beide Partner müssen bei der Techniker versichert sein.

Krankenkasse gezielt wechseln

Paare, die eine Kinderwunschbehandlung anstreben, können sich gezielt eine Krankenkasse aussuchen, die mehr leistet. "Dafür sind die Zusatzleistung da", sagt Regina Behrendt, Gesundheitsexpertin bei der Verbraucherzentale Nordrhein-Westfalen, und ermutigt zum Wechsel.

Versicherten sollten genug Zeit für den Wechsel einplanen. Voraussetzung für einen Kassenwechsel ist, dass der Versicherte mindestens 18 Monate Mitglied gewesen sein muss. Dann gilt eine Kündigungsfrist zum Ende des übernächsten Monats. Wer jetzt im Mai noch kündigt, kann also frühestens zum 1. August Mitglied bei der neuen Kasse werden.

Sind die 18 Monate Mitgliedschaft noch nicht erfüllt, darf man trotzdem wechseln, sobald die Kasse den Beitrag erhöht. Dann gilt ein Sonderkündigungsrecht. "Kündigungen immer per Einschreiben an die Krankenkasse schicken", rät Behrendt. Die Kündigungsbestätigung muss der Versicherte dann innerhalb von 14 Tagen erhalten. Diese legt er samt dem Mitgliedsantrag der neuen Kasse vor.

"Sobald die Mitgliedschaft bei der neuen Kasse gilt, kann die Kinderwunschbehandlung beginnen, sofern die Voraussetzungen dafür erfüllt sind", sagt Behrendt. Es gibt keine Wartezeit.

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Berechnungsgrundlage / Modellfall: 

Künstliche Befruchtung: Das leistet die private Krankenversicherung

In der gesetzlichen Krankenversicherung reicht die ungewollte Kinderlosigkeit aus, um Zuschüsse zu einer künstlichen Befruchtung zu erhalten. In der privaten Krankenversicherung ist die Erstattungshürde höher: Hier muss die ungewollte Kinderlosigkeit nachweisbar eine organische Ursache haben. Die Behandlung muss also medizinisch notwendig sein.

Ist dies der Fall, dann leistet die Private jedoch deutlich mehr als die gesetzliche Krankenversicherung. Wie viel genau, haben die Versicherer sehr unterschiedlich geregelt. So erstattet die Allianz laut Versicherungsmakler Thorsten Rudnik die Kosten für maximal vier Versuche je Verfahren, die Central bis zu 15.000 Euro innerhalb von zwei Jahren. Die meisten Versicherer erstatten mehr als drei Versuche zu 100 Prozent.

Im Unterschied zu den Krankenkassen gibt es in der Privaten meist keine starre Altersgrenze des potentiellen Elternpaares und auch ob das Paar verheiratet ist, ist keine zwingende Voraussetzung für eine Behandlung.

Biallo-Tipp

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Annette Jäger
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während meines Studiums der Neueren Geschichte in München begann ich als freie Journalistin zu arbeiten, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung. Im Jahr 2000 kam ich zu biallo.de, damals waren Versicherungsthemen für mich Neuland, über Gesundheitspolitik las ich in der Zeitung oder bekam die Auswirkungen als Patientin zu spüren.

Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.

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während meines Studiums der Neueren Geschichte in München begann ich als freie Journalistin zu arbeiten, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung. Im Jahr 2000 kam ich zu biallo.de, damals waren Versicherungsthemen für mich Neuland, über Gesundheitspolitik las ich in der Zeitung oder bekam die Auswirkungen als Patientin zu spüren.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de