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Auf einen Blick
  • Die Netbank bezeichnet sich selbst als "Europas erste Internetbank".
  • Sie bot die ersten Internetkonten an, die ausschließlich über das Internet geführt wurden.
  • Die Produkte waren lukrativ und das Konzept ging auf. Doch nun kommt nach einigen Zwischenstationen das Aus für die Netbank.
  • Was passiert mit Mitarbeitern und Kunden der ersten Internetbank?
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Die Netbank AG, im Frühjahr 1999 von sieben Sparda-Banken in Hamburg gegründet, stellt Ende nächsten Jahres ihren Betrieb ein. Deren Kunden sollten sich so rasch wie möglich nach einer Alternative umsehen.
 
Damit verliert die deutsche Bankenlandschaft eine kleine, aber interessante Adresse mit einer bewegten Historie. Die Netbank bezeichnet sich selbst als „Europas erste Internetbank“. Zu Recht, denn sie wickelte ihr Geschäft als erstes Geldhaus ausschließlich über das Internet ab. Zwar gibt es hierzulande zwei andere Institute, die beide von sich behaupten, die älteste Direktbank der Welt zu sein. Das ist einmal die 1965 gegründete „Bank für Spareinlagen und Vermögensbildung“, die zur „Allgemeinen Deutsche Direktbank“ umfirmierte und der Vorläufer der heutigen ING Diba wurde. Zum anderen gibt es die Augsburger Aktienbank, die als „Absatz-Kreditbank“ bereits 1963 das Licht der  Welt erblickte. Wer tatsächlich zuerst Direktbanking machte, lässt sich nicht eindeutig ergründen. Aber: Beide setzen bis heute bei ihren Geschäften auch auf das Telefon und nicht nur auf das Internet. Von daher darf sich die Netbank zu Recht als Pionier des Onlinebankings rühmen.

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Die tragische Geschichte der Netbank

Anfangs ging es mit der Netbank flott voran. 2002 erreichte sie die Gewinnschwelle. 2004 hatte sie 50.000, 2008 schon 100.000 und Ende 2014 zählte man bereits 155.000 Kunden. Kernprodukt war das mit bis 3,0 Prozent verzinste, kostenlose Girokonto. Ein Tagesgeldkonto war da überflüssig. Im Jahr 2002 kooperierte man mit der Quelle Bausparkasse, die ihre Aktivitäten auch nur übers Internet abwickelte. 2018 stellte die ihr Geschäft ein.

Die Landesbank Berlin übernahm die kleine Bank 2007 und reichte sie 2015 an die Augsburger Aktienbank weiter. Durch die Fusion mit den schwäbischen Bankern verlor die Netbank ihre Selbstständigkeit. Seitdem heißt es unter dem Schriftzug der Netbank nicht mehr „Europas erste Internetbank“, sondern „Marke der Augsburger Aktienbank“. Nach der Fusion mit den Augsburgern ging es  mit ihr bergab. Viele Kunden kehrten ihr nach Einführung von Kontoführungsgebühren, Debit Mastercard statt Girocard und höheren Depotgebühren den Rücken. Zudem nervte die Bank viele Kunden durch die Umstellung des Onlinebankings von dem Genossenschaftssektor auf das der Aktienbank. Mit einer Konzentration auf Girokonten und Ratenkrediten wollte man das Ruder herumreißen. Vergeblich.

Das Augsburger Geldhaus gehört aktuell zur LVM Versicherungsgruppe aus Münster. Als die Westfalener ihr Interesse am Banking verloren hatten, verkaufte man Teile davon. Das Wertpapiergeschäft beispielsweise ging an Ebase. Thomas Roßmann, Abteilung Marketing bei der Augsburger Aktienbank, sagt: „An Direktbank-Kunden hatte offenbar auch kein Käufer in der heutigen Zeit das große Interesse.“ So werde der Betrieb Ende 2022 eingestellt. Auf der Strecke bleiben die verbliebenen 130 von ehemals 500 Beschäftigten. Darunter auch die, die bis zuletzt die Fahne von „Europas erste Internetbank“ hochgehalten hatten. So entbehrt es nicht einer gewissen Tragik, dass die vermeintlich „erste Direktbank der Welt“ nun „Europas erste Direktbank“ zu Grabe trägt.


Und deren Kunden? Die sollten bei den rund 30 kostenlosen Girokonten, die es weiterhin gibt, eine interessante Alternative finden.

Über den Autor Horst Biallo
Jahrgang 1954, studierte Wirtschaft und absolvierte eine Ausbildung zum Wirtschaftsjournalisten bei der Tageszeitung Die Welt. Später machte er sich selbstständig, schrieb für Wirtschaftswoche, Stern und zahlreiche Tageszeitungen. Er ist Autor mehrerer Fachbücher, u.a. "Die geheimen deutschen Weltmeister" und "Die Doktormacher". Im Jahr 1999 gründete er das Verbraucherportal www.biallo.de, vier Jahre später www.geldsparen.de und 2009 www.biallo.at. Horst Biallo ist verheiratet und hat drei Kinder.
  Horst Biallo