Vergleichsportal startet Bank

Neues kostenloses Girokonto: Check24-Konten mit einigen Schwächen

Update: 14.10.2020
Auf einen Blick
  • Gleich mit drei Kontomodellen startet das Vergleichsportal Check24, um Banken und Sparkassen Konkurrenz zu machen. Bei einem davon handelt es sich um ein kostenloses Girokonto.

  • Die fehlende Girocard ist eine der größten Schwächen des Angebots, zudem ist die kostenlose Bargeldversorgung begrenzt.

  • Die Kontomodelle lassen sich nur über die entsprechende App verwalten, einen Desktop-Zugang gibt es nicht.
Die Check24-Hauptzentrale in München.
Chris Redan / Shutterstock.com

Die C24 Bank, eine Tochter des Vergleichportals Check24, startet mit drei Kontomodellen zu unterschiedlichen Konditionen:

  • C24 Smart zu 0,00 Euro,
  • C24 Plus für 5,90 Euro und
  • C24 Max für 9,90 Euro pro Monat.

Um es vorweg zu sagen: Alle drei lassen sich bisher nur über die App führen, also nicht am Desktop. Die Kontoeröffnung in der App plus Video-Ident klappt aber einwandfrei.

Dabei dürfte vor allem das kostenlose Kontomodell für viele Verbraucher interessant sein. Für das Onlinebanking wie etwa für Überweisungen und Daueraufträge fallen keine Gebühren an. Das Gleiche gilt für die Debitkarte in Form einer Mastercard. Wer sein Konto aktiv nutzt, kann damit viermal im Monat kostenlos Bargeld in der Eurozone abheben. Danach fallen 2,00 Euro Gebühren je Abhebung an. Es wird ein Sofortdispo von 400 Euro zu einem Zinssatz von vergleichsweise niedrigen 6,99 Prozent zur Verfügung gestellt.

Mit diesen Bedingungen zählt  das Konto bundesweit sicher zu den Top Ten. Aber es gibt eine ganze Reihe von Wettbewerbern, die noch einmal deutlich verbraucherfreundlicher agieren. Dazu diese drei Beispiele:

  • Das Cash-Konto der DKB kennt keine Beschränkung bei der Bargeldversorgung. Zudem gilt die Gebührenfreiheit weltweit und nicht nur in der Eurozone. Der Dispozins ist mit 6,65 Prozent niedriger. 
  • Die Raiffeisenbank im Hochtaunus offeriert auch eine weltweit gebührenfreie Bargeldversorgung bei ähnlich niedrigem Dispozins. Aber über deren kostenloser Girocard kann man sich in Deutschland nach Belieben bei vielen Supermärkten mit Bargeld versorgen.
  • Die PSD Bank aus Nürnberg bietet mit 4,99 Prozent ebenfalls einen deutlich niedrigeren Dispozins.

Die größte Schwäche aller C24-Konten ist jedoch, dass im Konto keine Girocard inkludiert ist. Viele Geschäfte oder Restaurants akzeptieren zum Zahlen die eingebundene Debitkarte von Mastercard nicht. Zudem bieten viele Supermärkte wie Aldi, Rewe und Co. ihren Kunden an, sich ab einem Einkauf  von fünf, zehn oder 20 Euro bis zu 200 Euro mit der Girocard kostenlos auszahlen zu lassen. Da ist man in Sachen kostenloser Bargeldversorgung mit den vier kostenlosen Verfügungen des C24 Smart-Kontos schnell am Ende.

Check24 stellt in seiner Werbung vor allem das kostenlose Multibanking und die Vertragsoptimierung als Vorteil für den Kunden heraus. Dass man in die eine App auch fremde Bankkonten einbinden kann, das ist eigentlich nichts Neues. Das geht auch mit den Apps der Sparkasse, der Deutschen Bank oder den Apps der Volks- und Raiffeisenbanken. Wichtiger aus Sicht von Check24 dürfte hingegen sein, dass das Unternehmen durch das Einbinden der anderen Konten nicht nur einen fabelhaften Einblick auf die Daten der C24-App hat, sondern die komplette Übersicht aller finanziellen Transaktionen der einzelnen Kunden.

Und dann fängt die „Vertragsoptimierung“ an, zum Wohle des Kunden, aber wohl noch mehr zum Nutzen von Check24. Das Unternehmen lebt von den Provisionen, die es von Strom- oder Gasanbietern erhält. Und jenen von Banken, Versicherungen und Telekommunikations-Anbietern. Hier kann das Unternehmen seine Marktmacht und seine Marktkenntnisse voll ausschöpfen. Ob der Kunde dann tatsächlich ein optimales Angebot erhält oder eines, bei dem die Provision für Check24 optimiert ist, das wird die Zukunft zeigen.

Macht man sich einmal die Mühe und klickt sich die unterschiedlichen Verträge in der Konten-App durch, die ein normaler Kunde wohl eher nicht lesen dürfte, stößt man auch auf den „Dienstleistungsvertrag für das Check24 Versicherungscenter“. Erteilt der Kunde Check24 das Vollmaklermandat, verdient das Unternehmen sofort, ohne für ihn wirklich tätig sein zu müssen. Denn allein durch diesen Schritt wird der bisherige Versicherungsmakler entmachtet und die jährlich fließende Bestandprovision geht an Check24 und nicht mehr an die Person, die mit der Beratung des Kunden die meiste Arbeit hatte.

Nach dem gleichen Prinzip arbeiten übrigens auch Clark.de oder die Deutsche Bank, die ihre Kunden im Onlinebanking seit ein paar Tagen auffordert, ihren Versicherungsmanager zu nutzen.

Dass die C24 Bank vor allem an das eigenen Wohlergehen denkt, zeigt sich auch noch an einem anderen Umstand. Während „normale“ Leute keine Grundgebühr zahlen, verlangt sie von den ärmeren Leuten, die auf ein Basiskonto ohne Dispo angewiesen sind, satte 5,95 Euro im Monat. Sie denkt sich wohl: Bei denen ist ohnehin nichts zu holen, da lange ich bei den Monatsgebühren hin oder schrecke Sozialhilfe-Empfänger, Flüchtlinge, Obdachlose lieber gleich mit einem hohen Preis ab.




  Horst Biallo


 
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