Diese Geldhäuser vermiesen das Weihnachtsfest

Strafzinsen Diese Geldhäuser vermiesen das Weihnachtsfest

Thomas Brummer (ehemaliger Mitarbeiter)
von Thomas Brummer (ehemaliger Mitarbeiter) Sebastian Schick
23.12.2016
Auf einen Blick
  • Ab April 2017 müssen Firmenkunden und institutionelle Anleger der Stadtsparkasse München einen Strafzins zahlen.

  • Die genossenschaftliche Münchner Bank sieht dagegen keinen Handlungsbedarf.

  • Die Hamburger Volksbank liebäugelt mit Strafzinsen bei Tagesgeld.
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Zum 1. April ist es so weit: Firmenkunden und institutionelle Anleger der Stadtsparkasse München müssen für Einlagen über 250.000 Euro einen Strafzins in Höhe von 0,4 Prozent zahlen. Diese Freigrenze von 250.000 Euro gilt pro Kontoinhaber. Kleinsparer seien vorerst nicht betroffen.

Wie argumentiert die Stadtsparkasse?

Hauptargument für das "Verwahrentgelt" in Höhe von 0,4 Prozent ist die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Dies entspricht dem derzeit von der EZB verlangten Negativzins für Einlagen von Banken bei der Zentralbank, heißt es. Andernfalls hätte die Gefahr bestanden, dass Kunden anderer Banken ihre hohen Einlagen zur Stadtsparkasse München transferieren, um bei ihrer bisherigen Bankverbindung einem Verwahrentgelt auszuweichen. "Dies hätte unsere bereits deutlich zurückgegangenen Zinserträge weiter untragbar belastet", erklärt Vorstandsvorsitzender Ralf Fleischer diesen Schritt.

Außerdem begründet das öffentlich-rechtliche Institut seine Entscheidung damit, dass andere Geldhäuser ebenfalls diesen Weg eingeschlagen haben. Beispiele, über die biallo.de bereits berichtete: Die Deutsche Skatbank als Vorreiter oder aber auch die beiden bayrischen Geldinstitute Volksbank Gmund und Sparkasse Allgäu. "Nachdem bereits andere Banken dazu übergegangen sind, höhere Einlagenbeträge mit einem Verwahrentgelt zu versehen, waren wir gezwungen nachzuziehen", erklärt Fleischer.

Reiner Gruppenzwang also?

Wir haben bei den Sparkassen-Kollegen im Münchner Umland nachgefragt. Die Kreissparkasse München-Starnberg-Ebersberg verlangt schon länger ein Verwahrentgelt. Betroffen sind Firmenkunden und institutionelle Anleger. Kleinsparer werden noch nicht zur Kasse gebeten.

Die Volksbank vor Ort, also die Münchner Bank, sieht derzeit keinen Anlass, an der Gebührenschraube zu drehen. "Als Genossenschaftsbank versuchen wir, unsere Mitglieder im Privatkundengeschäft von Negativzinsen fernzuhalten", sagte Moritz Stigler, Leiter Vertriebsstrategie, gegenüber biallo.de. Auch bei Geschäftskunden gebe es diesbezüglich keine Überlegungen. Vereinzelt seien Vereinbarungen mit großen institutionellen Kunden getroffen worden, den negativen Einlagezins, den die EZB von den Banken erhebt, zum Teil weiterzugeben.

Diese Banken erheben bereits Strafzinsen für Privatkunden

GeldinstitutStrafzinsAnlagebetrag
Deutsche Skatbank0,25 % p.a., ab Jan/2017 0,4 % p.a.ab 500.000 Euro auf Tagesgeldkonto, ab 3 Mio. Euro auf allen anderen Konten
Raiffeisenbank Gmund0,4 % p.a.ab 100.000 Euro auf Tagesgeld- und Girokonto
Volksbank NiederschlesienStrafgebühr von 5-50 Euro p.m.ab 0,01 Euro auf Tagesgeldkonto
Volksbank Stendal0,4 % p.a.ab 100.000 Euro auf Tagesgeld- und Girokonto

Hamburger ziehen nach

Laut einem Bericht des Hamburger Abendblattes führt wohl auch das erste Geldinstitut in Hamburg bald Negativzinsen auf Tagesgeld ein. Und zwar die Hamburger Volksbank. Bei Anlagebeträgen ab 500.000 Euro sollen 0,2 Prozent fällig werden.  Es würden bereits Gespräche mit betreffenden Kunden geführt. "Wir reden nicht über Negativzinsen auf das Giro- oder das Sparkonto", betonte Vorstandssprecher Reiner Brüggestrat gegenüber der Zeitung.  

Bei der Hamburger Sparkasse werden vermögende Kunden demnächst ebenfalls zur Kasse gebeten. "Die auf Dauer angelegte Negativzinspolitik der EZB macht es auch für die Hamburger Sparkasse notwendig, für größere Guthaben von institutionellen Anlegern und Firmenkunden ein Verwahrentgelt zu nehmen", sagte Haspa-Sprecherin Stefanie von Carlsburg gegenüber biallo.de. "Wir werden aber alles daran setzen, Negativzinsen auf Spareinlagen von unseren privaten Kunden so lange wie möglich fernzuhalten." Wie hoch die Strafzinsen ausfallen werden und ab welchem Anlagebetrag die Gebühren anfallen, dazu wollte sich die Hamburger Sparkasse nicht äußern.

Leseraufruf: Sollte Ihre Bank oder Sparkasse auch Strafzinsen einführen, schreiben Sie uns einfach an redaktion@biallo.de eine E-Mail.

Unser Tipp

Der Wechsel des Girokontos ist einfach wie nie. Wechseln Sie zu einer Bank mit kostenlosem Girokonto. Außerdem sollten Sie Ihre Ersparnisse gerade jetzt auf ein gut verzinstes Tagesgeld-Konto legen, denn die Inflation soll 2017 anziehen.

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Jahrgang 1985, schloss eine kaufmännische Ausbildung ab. Anschließend studierte er Betriebswirtschaftslehre an der Universität Augsburg und war währenddessen als Werkstudent bei LV 1871 und Wealthcap (Fondsgesellschaft von Unicredit) tätig. Nach Beendigung des Studiums schrieb er für das Anlegermagazin „Der Aktionär“. Im Anschluss absolvierte er eine Hospitanz in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf.

Von Januar 2014 bis Januar 2018 war er bei biallo.de und verfasste dort überwiegend Artikel zu Geldanlagethemen. Daneben publizierte er regelmäßig in Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier.

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Von Januar 2014 bis Januar 2018 war er bei biallo.de und verfasste dort überwiegend Artikel zu Geldanlagethemen. Daneben publizierte er regelmäßig in Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de