Konten und Karten

Girokonten-Hammer: Noch nie so viele Preiserhöhungen in einem Monat

29.01.2020
Auf einen Blick
  • Fast 200 Banken und Sparkassen drehten im Januar an der Preisschraube, das ist das Ergebnis einer aktuellen Auswertung des Verbraucherportals biallo.de.

  • Am stärksten haben sich Online-Konten verteuert.

  • Einige Banken und Sparkassen nahmen einen "richtig großen Schluck aus der Pulle".
Auch für das Geldabheben verlangen immer mehr Geldhäuser eine Gebühr – selbst an den eigenen Automaten.
IchBinJeffee / Shutterstock.com

In diesem Monat haben 188 von rund 1.300 Banken und Sparkassen die Preise für ihre Girokonten erhöht, so viele wie nie zuvor. Zum Vergleich: Im gesamten letzten Jahr waren es rund 550 Geldhäuser.

War es früher üblich, den Monatspreis für das eine oder andere Kontomodell ein bisschen zu verteuern, gaben einige diese vornehme Zurückhaltung auf und legten richtig los.

So beispielsweise die nordöstlich von Wolfsburg gelegene Raiffeisenbank Kalbe-Bismark. Sie verteuerte zunächst die monatliche Kontoführungsgebühr bei Filial- und Basiskonten von 3,50 auf 4,95 Euro, schraubte die Gebühr für Überweisungen von 0,10 auf 0,35 Euro in die Höhe und hob auch die Preise für die Girocard sowie goldene Kreditkarte kräftig an. Und das Premiumkonto wurde sogar um 70 Prozent teurer und kostet nun 17,95 Euro im Monat.

Vom Norden in den Süden der Republik. In der Nähe von Offenburg sitzt die Volksbank in der Ortenau. Die macht es ähnlich. Deren Preiserhöhungen bei den verschiedenen Kontomodellen:

  • Direkt: 5,90 auf 8,90 Euro
  • Klassik: 6,90 auf 9,90 Euro
  • Flat: 12,90 auf 15,90 Euro
  • Platin: 15,90 auf 19,90 Euro

Beim Basis- und Klassikkonto werden beleghafte Überweisungen um 0,50 auf 2,00 Euro je Ausführung teurer. Und beim Premiumkonto gibt es eine neue Gebühr für beleghafte Überweisungen von 1,00 Euro.

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Obendrein führt dieses Institut ein Verwahrentgelt ein, dass sich gewaschen hat. "Pro volle 5.000 Euro, die das Kontoguthaben den Betrag von 25.000 Euro (Freibetrag) im Monatsdurchschnitt überschreitet, erhöht sich das monatliche Kontoführungsentgelt im darauffolgenden Monat um einen Verwahrentgeltanteil von jeweils 2 Euro. Beträgt das durchschnittliche monatliche Kontoguthaben weniger als 25.000 Euro, wird der Verwahrentgeltanteil nicht berechnet", teilt die Bank ihren Kunden auf der Homepage mit.

So stiegen die Preise seit Anfang 2019

Vergleicht man die Durchschnittspreise, die Banken und Sparkassen Anfang 2019 nahmen, mit den aktuellen Daten, kommt man auf diese Werte:

Monatlicher Grundpreis

12/2018

01/2020

Basiskonten

4,78 €

4,91 €

Online-Konten

2,73 €

3,42 €

Filialkonten

4,19 €

4,43 €

Premiumkonten

9,42 €

10,15 €

Quelle: eigene Recherche / Stand: 01/2020

Hier zeigt sich, dass sich die Online-Konten besonders stark verteuert haben. Aus Sicht regionaler Institute ist das fatal. Denn wer einmal Onlinebanking nutzt und sich über zu hohe Preise ärgert, ist natürlich viel schneller zu einer Direktbank wie ING oder DKB gewechselt als eine Person, die noch kein Internetbanking macht. Sie müssen wissen: Nur ganz wenige Direktbanken haben im vergangenen Jahr Preisanpassungen vorgenommen.

Interessant ist auch, wenn man sich die Entwicklung der Jahrespreise zugrunde legt. Rechnet man zwölf Monatsraten und den Jahrespreis für die Girocard zusammen und fügt außerdem noch fünf Überweisungen pro Monat hinzu, kommt man beim

  • Online-Konto auf einen Durchschnittswert von 45,69 Euro und eine Spanne von 0 bis 123,80 Euro,

  • beim Filialkonto auf einen Durchschnittswert von 71,53 Euro im Jahr und eine Spanne von 0 bis 210,00 Euro.

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Rechner giroonline
3
Online-Girokonto
 
Anbieter
Monatspreis
Dispozinsen
Jahrespreis
Girocard
 
1.
0,00 €
Sofortdispo 6,65%
0,00 €
2.
  0,00 €
Sofortdispo 6,99%
0,00 €
ING
3.
0,00 €
Sofortdispo 7,25%
0,00 €

Am häufigsten wurde bei Online-Konten erhöht

Banken und Sparkassen vor Ort haben nicht nur am kräftigsten am Internetbanking geschraubt, sondern auch am häufigsten. Hier eine Übersicht der Erhöhungen allein in diesem Monat:

  • Online-Konten: 62 Stück
  • Basiskonten: 56 Stück
  • Premiumkonten 55 Stück
  • Klassische Filialkonten: 52 Stück
  • Dispozins-Erhöhungen 38 Stück
  • SB-Überweisungen: 28 Stück
  • Jahrespreis Girocard : 24 Stück
  • Online-Überweisungen: 22 Stück

Bei den Erhöhungen lässt sich kein eindeutiges Muster erkennen. Oft ist es so, dass die Geldhäuser ihre Monatspreise von Basis-, Online- und Klassikkonto zeitgleich angehoben haben, allerdings die Premiumkonten davon verschont blieben. Aber in manchen Fällen wurden diese teureren Pauschalkonten auch gleich mit Preiserhöhungen bedacht.

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Tröstlich ist, dass die Mehrzahl doch eher etwas zurückhaltender war. So wie die Sparkasse Ansbach. Sie verteuere die Kontomodelle Giro Classic und das Basiskonto auf 3,50 Euro (vormals 2,50 Euro), schlug auf die Terminal-Überweisung 10 Cent auf nun 0,50 Euro je Ausführung drauf und die Girocard kostet nun 9,60 Euro im Jahr.

Hier noch zwei weitere Beispiele kräftiger Preisanpassungen: Die Volksbank Raiffeisenbank Oberbayern Südost verteuerte die Girocard von 12,00 auf 18,00 Euro pro Jahr. Die Kreissparkasse Vulkaneifel steigerte den Preis für die Standardkreditkarte von 36,00 auf 45,00 Euro im Jahr und die Goldkarte von 72 auf 90,00 Euro.

Preissenkungen gab es auch

Kaum zu glauben, aber wahr: Es gab auch Preissenkungen. Die Raiffeisenbank Steinheim verbilligte das Filialkonto von 3,00 auf 2,00 Euro. Überweisungen Online oder am Terminal sind nun kostenlos statt wie bisher 0,20 Euro je Stück. Das Gleiche gilt für Girocard, die zuvor 7,50 Euro im Jahr gekostet hatte. Auch die Gebühren für Bargeldabhebungen wurden abgeschafft. Auch Inhaber eines Premiumkontos können sich über eine Preisreduzierung um 2,00 Euro im Monat auf nun 8,00 Euro freuen.

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Wie geht es weiter?

Solche Preissenkungen dürften in Zukunft die Ausnahme bleiben. Eine kennen wir schon. So senkte die Sparkasse Osnabrück zum 1. März 2020 den Preis beim Premiumkonto "GiroLive Premium" von 15,90 auf 14,90 Euro.

Eher werden wir mit Preiserhöhungen zu rechnen haben. So schafft die Sparda-Bank München ihr kostenloses Konto zum 1. April 2020 nach 90 Jahren ab. Auch andere Konten werden teurer. 

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