Mobiles Bezahlen

Google versus Fidor – Wer hat bei Smartphone-Zahlungen die Nase vorn?

27.08.2018
Auf einen Blick
  • Kontaktlose Zahlungen mit dem Smartphone gewinnen zwar mittlerweile auch in Deutschland langsam an Fahrt, dennoch weisen die aktuell am Markt verfügbaren Lösungen deutliche Defizite auf.

  • Google Pay und Fidor Pay sind aktuell zwei der wenigen Bezahllösungen, die bundesweit genutzt werden können. In unserem Test war die Android-App von Google vor allem beim Thema Benutzerfreundlichkeit im Vorteil.
Mobiles Bezahlen steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen.
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Die Deutschen lieben ihr Bargeld. Daran wird sich wohl auch in naher Zukunft so schnell nichts ändern. Und genau das hat sich wohl auch in Mountain View – dem kalifornischen Sitz des US-Internetgiganten Google – herumgesprochen. Während deren mobile Bezahllösung "Google Pay" bereits im September 2015 noch unter dem Namen "Android Pay" in den USA an den Start ging, mussten Smartphone-Nutzer in Deutschland fast drei Jahre länger warten.

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Besonders eilig hatten es die Mitbewerber ebenfalls nicht. Die Fidor Bank startete mit ihrer mobilen Eigenentwicklung "Fidor Pay" auch erst in diesem Jahr. Technisch gesehen basieren beide Systeme auf dem "Near Field Communication Standard" (NFC). Dabei wird bei einer bargeldlosen Transaktion allerdings nicht die Giro- oder Kreditkarte, sondern das Smartphone bis auf wenige Zentimeter vor das Zahlungsterminal gehalten.

Die Bankkarte selbst wird in der App des jeweiligen Zahlungsdienstleisters hinterlegt. Je nach Verwendung des Kartentyps (Mastercard, Visa) sind kontaktlose Transaktionen bis 25 beziehungsweise 50 Euro ohne zusätzliche Eingabe der Pin am Terminal möglich.

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So funktioniert die Einrichtung

Im Prinzip ist "Google Pay" ein offenes System, an dem jede Bank teilnehmen kann. Google selbst agiert hier nicht als Kreditinstitut, sondern wickelt die Zahlung technisch mit der Hausbank des Kunden ab. Das bedeutet zunächst einmal, dass die Verfügbarkeit von "Google Pay" deutlich größer als bei "Fidor Pay" ist, welches zumindest aktuell lediglich Kunden der Fidor Bank exklusiv zur Verfügung steht.

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Seit dem Deutschland-Start können allerdings nur wenige Bankkunden mit Google bezahlen. An Bord sind zunächst die Commerzbank, Comdirect, N26, BW-Bank und Wirecard. Laut Auskunft von Google soll in Kürze allerdings auch die Smartphone-Bank Revolut dabei sein.

Der erste große Haken fiel uns sofort am Anfang bei der Einrichtung von "Google Pay" auf. Wir wollten beispielsweise eine Girokarte der Commerzbank hinterlegen. Der Versuch scheiterte jedoch kläglich. Grund: Die Commerzbank unterstützt zwar prinzipiell "Google Pay", allerdings muss der Kunde dafür im Besitz einer Visa- oder Mastercard des Kreditinstituts sein – mit der üblicherweise weitere Kosten verbunden sind. Warum Google vor allem die große Masse an Girocard-Nutzern von dem System aussperrt, erschließt sich uns nicht, zumal Wettbewerber wie die Sparkassen in ihrer Smartphone-Bezahllösung explizit die Girocard unterstützen. Wichtig: Google Pay unterstützt alle Android-Smartphones ab der Betriebsversion 5.0 "Lollipop".

Auf die Nutzung der Girocard müssen "Fidor Pay"-Kunden leider auch verzichten. Das hat aber andere Gründe: Die Fidor Bank bietet nämlich schlichtweg keine herkömmliche Girokarte an. Stattdessen erhalten Kunden zum Konto die sogenannte Fidor-Smart-Card, eine Kombination aus Master- und Maestrocard mit NFC-Funktion.

Die Funktionsweise beider Systeme gleichen sich prinzipiell, Unterschiede zeigten sich vor allem bei der Aktivierung. Während bei "Google Pay" nach der App-Installation die Eingabe der Kartennummer und des CVC-Codes genügte, erschien uns die Einrichtung für Kunden der Fidor-Bank komplizierter. Hier musste zunächst die Funktion "Mobile Pay" in der App aktiviert sowie eine vierstellige Pin und Sicherheitsfrage hinterlegt werden. Unser Testgerät auf Basis von Android 7.0 funktionierte mit beiden Apps problemlos, ein NFC-Chip im Smartphone ist natürlich Voraussetzung.

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Beide Bezahl-Apps im Praxis-Test

Den Praxis-Test führten wir schließlich mit zwei verschiedenen Nutzern unter anderem in Filialen von Aldi Nord, Mc Donald's sowie Media Markt in Nordrhein-Westfalen durch. Hier spielte "Google Pay" seine Vorteile aus. Wir hatten den Eindruck, dass die Zahlungen mit "Google Pay" insgesamt flüssiger und schneller als mit "Fidor Pay" abliefen.

Insgesamt wurde deutlich, dass Google seine Zahlungs-App – wie zu erwarten – nahtlos in das Android-Betriebssystem integriert hat und die Transaktionen vergleichsweise schnell und einfach abgeschlossen wurden. Gleichwohl muss einschränkend gesagt werden: Dies ist ein sehr individueller und subjektiver Eindruck, der sich möglicherweise bei anderen Geräten und Zahlungsterminals unterscheidet.

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Einen wirklichen Zeitgewinn gegenüber der Nutzung einer gewöhnlichen Girocard beziehungsweise Kreditkarte gab es aber eindeutig nicht. Wer also mit seiner NFC-Bankkarte zufrieden ist, muss nicht zwangsläufig auf das Smartphone umsteigen.

  • Biallo-Tipp: Noch längst nicht alle Händler in Deutschland unterstützen kontaktlose Zahlungen mit "Google Pay". In der App haben Sie aber die Möglichkeit, eine automatische Benachrichtigung zu aktivieren, sobald ein neues Geschäft in Ihrer Nähe den Dienst anbietet.

Fazit

Es hapert noch an einigen Ecken und Enden. Besonders ärgerlich ist die mangelhafte Unterstützung von Girocards bei "Google Pay" und natürlich die aktuell sehr geringe Zahl an teilnehmenden Banken. Warum man allerdings einer Bankenlösung wie "Fidor Pay" den Vorzug geben sollte, konnte unser Test nicht erklären. Die Einrichtung gestaltete sich komplizierter und der Funktionsumfang war mindestens identisch. Außerdem war in der "Google Pay"-App sogar die Zahlart "Google Play Guthaben" hinterlegt. Wer also einen Gutschein im Handel erwirbt, kann diesen anstelle einer Kreditkarte nutzen.



  Björn König


 
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