Neue Banking-Angebote für Selbstständige

Smartphone-Banken setzen auf Freelancer Neue Banking-Angebote für Selbstständige

von Matthias Kutzscher
07.07.2017
Auf einen Blick
  • Smartphone-Banken bieten Selbstständigen neue Services. Dabei dient die Integration von Banking und Buchhaltung als Mehrwert.
Artikelbewertung
Teilen
Schrift

Selbstständig und Bank: Diese Beziehung passt oft nicht. Die Institute schreckt das Risiko, Kunden mit fehlenden Sicherheiten, schwankenden Einkommen oder ungewöhnlichen Geschäftsideen zu bedienen. Im Gegenzug klagen viele Selbstständige und Einzelunternehmer über zu hohe Gebühren, verweigerte Kredite, träge Services.

Das Missverständnis wollen die Finanztechnologie-Unternehmen (Fintech) Kontist, Holvi und N26 auflösen. Sie bieten Freiberuflern und Mikrounternehmern spezielle Geschäftskonten für mobiles Banking per App. Die Lösungen variieren zwar, doch der Ansatz ist ähnlich: Das Smartphone-Konto soll attraktiv sein und Nutzen stiften.

Mit dieser Strategie greifen die Fintechs Privatbanken, Sparkassen und Genossenschaftsinstitute in einem hochspannenden Marktsegment an: Laut Mikrozensus gab es 2015 in Deutschland knapp vier Millionen Selbstständige. Rechnet man noch Landwirte oder Fischer hinzu, gehen etwa 4,3 Millionen Menschen bei uns unabhängig von Arbeitgebern einem Job nach.

Die Quote sinkt zwar seit einigen Jahren leicht, aber jeder zehnte Erwerbstätige hierzulande ist selbstständig. Und mobile, innovative Kontoangebote sprechen sicher nicht nur onlineaffine freie Programmierer, Grafiker, Künstler und Texter an. Denn ein Trend ist angesichts der niedrigen Kapitalmarktzinsen, die die Gewinne der klassischen Banken schmälern, offensichtlich: Kontoführung wird teurer.

Für weitere Beiträge rund um das Thema Selbstständigkeit, abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter!

Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein
Unsere Datenschutzerklärung finden Sie hier.

Was die Angebote kosten

Überweisungen, Auszüge, Geldabheben, Girokarte – Banken ziehen bei Kunden längst zahlreiche Kontogebühren extra ein. Wer auf eigene Rechnung arbeitet, kann diese Kosten zwar unter Ausgaben buchen. Doch vermeiden ist besser als zahlen. Auf das Prinzip setzen offenbar auch die Fintechs, da sie vergleichsweise attraktive Konditionen offerieren.

So ist das Business-Konto inklusive Kreditkarte von N26 kostenlos. Zudem gibt es bei dem Berliner Unternehmen, das 2013 gegründet wurde und das Konto für Selbstständige seit April 2017 bietet, 0,1 Prozent Cashback auf alle Kreditkarten-Einkäufe. "Wir verdienen unser Geld vor allem mit Interchange-Geschäften, also mit Händlerumsätzen bei der Nutzung von Kreditkarten", erläutert Geschäftsführer Valentin Stalf das Ertragsmodell und gibt die Zahl von "20.000 Selbstständigen" aus, die sein Unternehmen bis Jahresende gewinnen will.

Für das Selbstständigen-Konto von Kontist, das seit Februar 2017 offiziell am Markt ist und noch ohne Kreditkarte aufwartet, muss für Kontoführung, Sepa-Überweisungen, SMS-Tans und Kontoauszüge ebenso nichts bezahlt werden. Das ab dem Sommer geplante Premium-Konto wird allerdings eine monatliche Gebühr kosten – wie viel, steht noch nicht fest. "Uns geht es darum, Selbstständige optimal zu unterstützen. Bis Ende 2017 wollen wir etwa 8.000 Kunden überzeugen", sagt Alexander Baatz, einer der Gründer von Kontist.

Bei der finnischen Firma Holvi, die ihre Banking-Services auch in Deutschland sowie in Österreich bereitstellt, kann ein kostenloses Basic-Konto sowie ein sogenanntes Pro-Konto für acht Euro Monatsgebühr geführt werden. Während beim Premium-Angebot Leistungen wie eine Mastercard und 50 Überweisungen monatlich inklusive sind, fallen bei der Basisversion 50 Cent je Sepa-Transaktion an.

     

Alle drei Unternehmen gehen mit ihren Konto-Konditionen sehr offen um. Die für normale Banken typischen Gebührenlisten, die meist als ellenlange PDF-Dokumente erhältlich sind, sucht man bei N26, Kontist und Holvi vergeblich. "Wir machen digitales Banking von Selbstständigen für Selbstständige. Das bedeutet vor allem auch Transparenz", sagt Holvi-Geschäftsführer Antti-Jussi Suominen.

3
 
Anbieter
Monatspreis
Dispozinsen
Jahrespreis
Girocard
 
1.
0,00
6,90%
0,00
2.
0,00
6,99%
0,00
3.
 0,00
7,43%
0,00
Geldeingang 1.000 €, niedrigster Kontostand 500 €

Was die Dienstleistungen unterscheidet

Kontist ist primär ein Konto-Angebot mit Steuerschätzung – und zwar in Echtzeit. Über den Finanzmanager können Transaktionen kategorisiert, Umsatz- sowie Einkommenssteuern automatisch verrechnet und auf einem Unterkonto zurückgelegt werden.

Die eingebundene Buchhaltungssoftware Debitoor stellt sicher, dass Konto und Rechnungslegung synchron sind. Gehen Zahlungen ein oder aus, kommt eine Nachricht aufs Smartphone. Noch 2017 sollen weitere Funktionen zur Steuerberechnung sowie ein Frühwarnsystem bei Liquiditätsengpässen frei geschaltet werden, verspricht Alexander Baatz.

Kontokorrent-Kredite, Finanzierungen oder Bareinzahlungen sind noch nicht im Angebot, aber geplant. Geführt werden die Konten bei der Solaris Bank, die dem Sicherungsfonds der deutschen Privatbanken angehört. Damit sind Kundeneinlagen bis zu einer Summe von 100.000 Euro abgesichert.

Holvi will den präzisen Blick auf Finanzen, den schnellen Versand von Rechnungen und eine einfache E-Commerce-Anbindung möglich machen. So lassen sich Einnahmen und Ausgaben auf dem Kontoauszug kategorisieren und damit übersichtlich darstellen.

Mit der App kann man zudem Fremdbelege ablichten, hochladen, einordnen sowie in Excel oder in eine Cloud exportieren. Eigene Rechnungen lassen sich automatisch schreiben, per Mail senden und über eine Schnittstelle dem Steuerberater übermitteln. Zu den Leistungen gehört ebenso ein Online-Shop, über den Produkte oder Dienstleistungen verkauft werden können. Auch bei Holvi arbeitet man derzeit an weiteren Features, die etwa einen noch besseren Überblick über Cashflows bieten sollen, berichtet Geschäftsführer Suominen.

Das Unternehmen ist ein von der finnischen Finanzmarktaufsicht autorisierter sogenannter Payment Service-Anbieter. Bankprodukte wie Kredite, Sparofferten oder Kapitalanlagen können daher nicht herausgegeben werden. Alle Finanztransaktionen führt eine Partnerbank durch. Entsprechend werden auch die Kunden- und Firmengelder strikt separat verwaltet.

N26 kommt mit seinem Businesskonto dem Angebot klassischer Finanzinstitute am nächsten. Neben der Kontoführung sollen Selbstständige bei N26, das eigenen Angaben zufolge bereits rund 300.000 Kunden hat, künftig auch Kredite beantragen können. Doch bei der Bonitätsprüfung will Valentin Stalf mit den Traditionen brechen: "Das klassische Risiko-Scoring von Banken ist tradiert. Wir wollen Indikatoren entwickeln, die nicht nur zurück, sondern auch nach vorne schauen. Sonst werden wir den Menschen und ihren Chancen nicht gerecht."

Als mobile Bank für Privatleute gestartet, hat das Unternehmen mit deutscher Vollbanklizenz Freelancer und Mikrofirmen erst vor kurzem als Zielgruppe entdeckt. Wie beim normalen Girokonto von N26 gibt es auch beim Firmenkonto Echtzeit-Benachrichtigungen bei Kontobewegungen und Überweisungen per SMS oder E-Mail.

Zudem können Ausgaben über die App kategorisiert sowie ähnliche Transaktionen per Tag definiert und damit als Übersicht separat abgerufen werden.

Das Geschäftskonto von morgen

Mobil, papierlos, nutzerfreundlich: Für Selbstständige, Freiberufler und Einzelunternehmer kann ein Fintech-Konto eine interessante Alternative sein – wenn man primär bargeldlos arbeitet und nicht ständig Konto sowie Buchhaltung abgleichen will.

Unternehmen wie Kontist, Holvi und N26 machen Finanzdienste mit Apps und digitalen Prozessen zweifellos fit für die Zukunft. Doch das Geschäftsmodell und die Services sind noch jung – Selbstständige sollten daher genau prüfen, ob die Anbieter und ihre Services passen.

Ihre Meinung ist uns wichtig
Matthias Kutzscher
Autor
Jetzt Artikel bewerten
E-Mail an den Autor
Matthias Kutzscher
E-Mail an den Autor
Artikelbewertung
Teilen
Drucken
Zur Startseite
Matthias Kutzscher
E-Mail an den Autor
Newsletter
Keine News mehr verpassen
Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein:
Unsere Datenschutzerklärung finden Sie hier.

Regeln für das Schreiben von Kommentaren:

  1. Kommentieren Sie sachlich und ohne persönliche Angriffe.
  2. Verfassen Sie keine Beiträge mit strafbarem, diskriminierendem, rassistischem, anstößigem, beleidigendem oder kommerziellem Inhalt und verweisen Sie nicht auf Seiten mit solchem Inhalt.
  3. Stellen Sie weder zu lange Texte noch Bilder ein, außer, wenn es unbedingt nötig ist.
  4. Veröffentlichen Sie keine personenbezogenen Daten Dritter, wie Namen, Adressen, Telefonnummern oder E-Mail-Adressen.
  5. Wenn Sie persönliche Mitteilungen oder Texte anderer Verfasser einstellen oder Kommentare anderweitig veröffentlichen möchten, beachten Sie die Rechte Dritter. Bei einer Verletzung dieser Rechte (z.B. Persönlichkeitsrecht, Urheberrecht, Datenschutz) haften Sie.
  6. Sie haben die Möglichkeit, Ihren Benutzernamen frei zu wählen. Sie sollten aber im eigenen Interesse markenrechtlich geschützte Namen vermeiden.

Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de