So zockt Berlusconi die Deutschen ab

Bargeldautomaten So zockt Berlusconi die Deutschen ab

Horst Biallo
von Horst Biallo
03.12.2016
Auf einen Blick
  • In Vergnügungsvierteln locken immer mehr Geldautomaten bankenunabhäniger Dienstleister mit frischem Cash.

  • Die Gebühren für das Abheben reichen bis zu acht Euro.

  • Zu den Profiteuren des Geschäfs gehört die Berlusconi-Holding Fininvest.
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Wer in Deutschlands Vergnügungsvierteln bummelt und die Augen offen hält, wird sich über die vielen Geldautomaten wundern, die seit Monaten wie Pilze aus dem Boden schießen. Das gilt für die Düsseldorfer Altstadt genauso wie für München-Schwabing, erst recht aber in Berlin-Friedrichshain, rund um die Simon-Dach-Straße. Die bundesweit etwa 5.000 Automaten gehören zu keiner Bankengruppe. Installiert haben sie Automatenbetreiber wie das Münchner Bankhaus August Lenz, Cardpoint, IC Cash oder Euronet.
 
Diese Entwicklung hat vor allem zwei Ursachen. Zum einen verrammeln immer mehr Banken und Sparkassen abends ihre Vorräume mit den Kontoauszugsdruckern und Geldautomaten. Einfach weil ihnen der ein oder andere  Besoffene zu oft in die Ecke gepinkelt hat. Andererseits lässt sich mit Geldautomaten wunderbar risikolos Geld scheffeln. Nach verschiedenen Untersuchungen kostet die Betreiber eine Geldabhebung je nach Standort und Frequenz nicht mal einen Euro.

Wenn der Durst groß ist und die Damen locken

 
Die Plätze sind raffiniert ausgewählt. Die Betreiber wissen: Richtig frequentiert werden die Gelddruckmaschinen vor allem zu fortgeschrittener Stunde. Wenn der Durst noch groß genug ist. Und die Damen des horizontalen Gewerbes mit ihren weiblichen Reizen locken. Wie beim Leierkasten in Münchens Ingolstädter Straße. Da steht ein Automat gleich neben dem Eingang. Die Leute von Euronet wissen: In diesem Metier ist nur Bares Wahres. Und so haben die Puff-Betreiber noch einen kleinen netten Zusatzverdienst durch die Miete, die monatlich an sie fließt.

Wer hier oder in anderen Vergnügungszonen Deutschlands abends knapp bei Kasse ist und keine Automaten einer normalen Bank mehr findet, wird zwangsläufig und schnell auf einen Automaten der vier Betreiber stoßen. Egal wie hoch der Betrag ist, den man mit der Girocard abhebt, die Gebühr ist immer gleich hoch. Bei 20 Euro für den letzten Drink sind es genauso viel wie bei 400 Euro, die man sich auszahlen lässt. Bei unseren Recherchen in Berlin, Hamburg, Düsseldorf und München waren es fast jedesmal 4,95 oder 5,95 Euro. Cardpoint und das Bankhaus August Lenz nennen 7,99 Euro als Höchstbetrag.

Fairerweise muss man sagen, dass dieser Betrag auf dem Display angezeigt wird. Aber meist so klitzeklein, dass man dies kaum lesen kann. Erst recht, wenn der Alkoholpegel schon etwas höher ist.

3
 
Karte
Anbieter
Jahresgeb.
Sollzinssatz
 
1.
VisaCard
0,00
6,9%
2.
comdirect VISA-Karte
0,00
6,5%
3.
MasterCard Debit
0,00
8%
Jahresumsatz 2.000

Profiteure der nächtlichen Bargeldgier


Wer steckt eigentlich hinter diesen vier Betreibern? Die Trierer Cardpoint gehört zur amerikanischen Cardtronics, nach eigenen Angaben der größte unabhängige Anbieter von Geldautomaten. In Deutschland hat man rund 1.000 Automaten aufgestellt, vor allem an Autobahntankstellen, der Bahn und in Einkaufszentren.

IC Cash Services aus Taufkirchen bei München hat rund 800 Automaten bei Tank & Rast, aber auch in Einkaufszentren aufgestellt.

Die über 1.000 blaugelben Euronet-Automaten finden sich in oder an Kaufhäusern wie Kaufhof, Metro, Ikea, Real und Media Markt, aber eben auch in vielen Vergnügungs-Hotspots. Euronet ist Teil der Euronet Worldwide Inc. aus den USA.

Und wer steckt eigentlich hinter dem Bankhaus Lenz mit ihren 728 Automaten? Dazu lesen wir auf dessen Website: „Das Bankhaus August Lenz gehört zu einem der erfolgreichsten Finanzkonzerne in Europa – der Mediolanum Banking Group.“ Dieser italienische Finanzdienstleister hat zwei Hauptaktionäre. Die Gruppo Doris mit 40 und die italienische Fininvest mit 30 Prozent. Letztere wurde von Silvio Berlusconi gegründet. Seine Tochter Marina ist heute Vorstandsvorsitzende.

 So vermeiden Sie hohe Fremdgebühren

  • Dass Banken abends verschlossen sind, geschieht besonders häufig in Berlin. Decken Sie sich daher tagsüber ausreichend mit Bargeld ein.

  • Sollten Sie dies vergessen haben, laden Sie (falls noch nicht geschehen) kostenlose Apps zur Geldautomatensuche herunter. Zu empfehlen sind: Das örtliche Telefonbuch, Cash Now, AroundMe, YellowMap.

  • Lassen Sie sich anschließend die Banken in Ihrer Nähe anzeigen.

  • Diese Banken nehmen von fremden Kunden nur 1,95 Euro pro Abhebung: Deutsche Bank, Hypovereinsbank, Postbank, ING-Diba und Targobank. Die meisten Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken sowie die Commerzbank nehmen dagegen das Doppelte und mehr.

  • Eine kostenlose weltweite Bargeldversorgung bekommen Sie, indem Sie sich die gebührenfreie 1plus-Visa-Card der Santander Consumer Bank zulegen.

  • Wenn Sie bereits Online-Banking nutzen, wäre ein Wechsel zu einer Bank mit weltweit kostenloser Bargeldversorgung wie der DKB eine Überlegung, zumal der Wechsel von einer Bank zur anderen heute vollautomatisch abläuft.
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Horst Biallo
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Herausgeber und Gründer biallo.de
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Jahrgang 1954, studierte Wirtschaft und absolvierte eine Ausbildung zum Wirtschaftsjournalisten bei der Tageszeitung Die Welt. Später machte er sich selbstständig, schrieb für Wirtschaftswoche, Stern und zahlreiche Tageszeitungen. Er ist Autor mehrerer Fachbücher, u.a. "Die geheimen deutschen Weltmeister" und "Die Doktormacher". Im Jahr 1999 gründete er das Verbraucherportal www.biallo.de, vier Jahre später www.geldsparen.de und 2009 www.biallo.at. Horst Biallo ist verheiratet und hat drei Kinder.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de