Sparkasse, so wird es gemacht

Bargeldabhebung Sparkasse, so wird es gemacht

Thomas Brummer
von Thomas Brummer
20.04.2017
Auf einen Blick
  • Sparkassen und VR-Banken haben die kostenlose Bargeldversorgung flächendeckend abgeschafft.

  • Dass Filialbanken aber auch kundenfreundlich sein können, beweist die Sparda-Bank.
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Kontoführungsgebühr berappen und dann noch am Automaten zahlen, das ist für etliche Kunden von Sparkasse und VR-Banken gängige Praxis."Die Sparkassen verkaufen damit 50 Euro für 51 Euro", sagt Ralf Jasny, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Frankfurt University of Applied Sciences.Bei den Sparkassen gestaltet sich die Situation anders als bei den VR-Banken.Denn im Gegensatz zur VR-Bank habe die Sparkasse einen Gemeinwohlauftrag.Mit den neuen Gebührenmodellen bei Abhebungen und Filialstilllegungen scheint dieser Auftrag zumindest mehr und mehr eingeschränkt zu werden.

Beispiel: Hummeltal. Im fränkischen Ort zogen sowohl Sparkasse als auch VR-Bank weg. "Das ist eine Frechheit. Sparkasse und VR-Bank könnten sich wenigstens zusammen tun, um damit zumindest die Bargeldversorgung zu gewährleisten", sagt Patrick Meyer (CSU), Bürgermeister von Hummeltal."Der Gemeinwohlauftrag beinhaltet auch die Bargeldversorgung – das gilt natürlich auch für ländliche Regionen", so Jasny.

Sparkassen-Kunden zahlen tausend Vorstände

Warum sind die Sparkassen oft so teuer, fragen sich nun Verbraucher.Nach Jasnys Angaben verdient ein Vorstandsmitglied in Nordrhein-Westfalen (nur in NRW und Schleswig-Holstein müssen Vorstandsgehälter offengelegt werden) im Durchschnitt 450.000 Euro.Bundesweit gibt es jedoch rund 400 rechtlich selbstständige Sparkassen, so dass diese insgesamt auf etwa 1.000 Vorstände kommen. Kostenpunkt allein für die Vorstände: knapp eine halbe Milliarde Euro – im Jahr.

"Dazu kommen noch horrende Pensionsrückstellungen und im Gegenzug gibt es auch kaum Gewinnausschüttungen an die Gemeinden vor Ort", resümiert der Professor. Alles in allem sieht er den entstandenen Imageschaden der Abhebegebühren größer als den wirtschaftlichen Nutzen der Sparkassen. "Der Imageschaden für die betroffenen Kreditinstitute ist schwerlich nicht zu quantifizieren. Sicherlich ist er aber erheblich", sagt Unternehemensberater Peter Barkow. Da passt es auch, dass die ersten Sparkassen und VR-Banken bereits zurück rudern.

Was nehmen die Sparkassen damit ein?

Barkow rechnet vor: Bei einer Durchschnittsgebühr von 37 Cent und 2,3 Abhebungen im Monat ergeben sich für jene 17 Sparkassen (vermutlich sind es mehr), die ab dem ersten Automatenbesuch kassieren, 19,7 Millionen Euro. Das mache laut Barkow lediglich 0,2 Prozent des Vorsteuerergebnisses aus.

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Es geht auch anders

Aber Filialbanken können auch kundenfreundlich sein – gerade gegenüber ländlichen Kunden. Das zeigen zwei positive Beispiele aus Bayern. So verdreifachen die Sparda-Banken Nürnberg und Augsburg die Zahl der kostenlosen Anlaufstellen für Bargeldabhebungen. Zu den bisher rund 3.000 kostenfreien Abhebestellen des angeschlossenen Bankenverbunds (Cash-Pool) kommen weitere 7.000 hinzu. „Unser bisheriges Automatennetz war relativ klein, das wollen wir jetzt ändern und deutlich ausbauen“, sagt Dominik Feth von der Sparda-Bank Augsburg gegenüber biallo.de.

Supermärkte helfen aus

Doch wie machen das die Augsburger und Nürnberger Genossenschaftsbanker? Antwort: Mit einer App und den Supermärkten vor Ort. Kunden können sich die kostenlose App „SpardaBargeld“ auf ihr Smartphone laden und dann im Supermarkt abheben. Dazu wählen diese den gewünschten Betrag am Handy aus, erhalten dann einen Barcode, der 24 Stunden gültig ist. Diesen Code zeigt der Kunde an der Kasse vor und erhält den Betrag. Die größten Partner sind dabei Rewe, Penny und DM. Kunden von DKB und N26 können schon länger auf den Service zurückgreifen.

„Gerade in ländlichen Regionen wollen wir Versorgungslücken schließen“, so Feth. Auszahlungen müssen mindestens zehn Euro betragen und sind immer kostenlos. Geldeinzahlungen kosten 1,5 Prozent des Betrags, der wiederum mindestens 50 Euro sein muss. Positiv ist auch, dass kein Mindestumsatz im Supermarkt vorgeschrieben wird, dennoch werden die Einzelhändler auf zusätzliche Einnahmen schielen.

In diesem Punkt unterscheidet sich das Konzept von Sparda-Bank Nürnberg und Augsburg von einem vergleichbaren System anderer Institute, das etwa Aldi Süd im Portfolio hat. Hier kommt jedoch keine App zum Einsatz und Kunden müssen zuvor für mindestens 20 Euro eingekauft haben.

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Geldeingang 1.000 €, niedrigster Kontostand 500 €

Sollen im Gegenzug Geschäftsstellen geschlossen werden? „Wir haben nicht vor, Filialen zu schließen“, äußert sich Peter Noppinger, Vorstandsvorsitzender der Sparda-Bank Augsburg unmissverständlich. Er räumt aber auch ein, dass Filialen in Zukunft nicht so aussehen müssten wie heute. Die Branche fordere andere Modelle.

Der Schritt ist durchaus bemerkenswert, zumal sich die bisher am Land präsenten Geldhäuser, etwa Sparkassen und VR-Banken, zunehmend von ihrer ländlichen Kundschaft verabschieden.

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Jahrgang 1985, schloss eine kaufmännische Ausbildung ab. Anschließend studierte er Betriebswirtschaftslehre an der Universität Augsburg und war währenddessen als Werkstudent bei LV 1871 und Wealthcap (Fondsgesellschaft von Unicredit) tätig. Nach Beendigung des Studiums schrieb er für das Anlegermagazin „Der Aktionär“. Im Anschluss absolvierte er eine Hospitanz in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf.

Seit Januar 2014 ist er bei biallo.de und verfasst dort überwiegend Artikel zu Geldanlagethemen. Daneben publiziert er regelmäßig in Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier.

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Seit Januar 2014 ist er bei biallo.de und verfasst dort überwiegend Artikel zu Geldanlagethemen. Daneben publiziert er regelmäßig in Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de