Was Sie über Bezahlen per Handy wissen müssen

Mobile Payment Was Sie über Bezahlen per Handy wissen müssen

von Matthias Kutzscher
02.10.2017
Auf einen Blick
  • 75 Prozent der großen, 20 Prozent der kleinen Händler wollen bis Ende 2017 Mobile Payment ermöglichen.
  • Wir haben fünf Bezahl-Apps unter die Lupe genommen.
Artikelbewertung
Teilen
Schrift

Technisch ist es eher simpel: Die Taxirechnung, den Parkschein, den Einkauf im Supermarkt, die Tankfüllung und das Bahnticket mit dem Smartphone begleichen. Doch durchsetzen konnte sich "Handypayment" bei uns bislang nicht. Nur etwa jeder Zehnte hat einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PWC von 2017 zufolge schon einmal über eine App auf dem Mobiltelefon beim Shoppen oder im Restaurant abgerechnet. Mobile Payment floppt bei uns bislang, weil Deutsche Bargeld lieben, Giro- sowie Kreditkarten weit verbreitet sind und unausgereifte Lösungen Konsumenten verwirren.

Nun könnten zwei Systeme aus China Deutschland erobern und damit die Ära der kontaktlosen Handyzahlung einläuten. Bereits seit 2015 können Besucher aus dem Reich der Mitte etwa am Münchner Flughafen mit der App "AliPay" des Internet-Giganten Alibaba Souvenirs erwerben. Ab November können Chinesen mit dem Konkurrenz-Produkt "WeChat Pay" von Tencent in über 2.000 Shops Waren kaufen – etwa bei der Drogerie-Kette Rossmann oder in Geschäften des Haushaltswaren-Herstellers WMF.

In China haben die Konzerne eine ähnliche Marktmacht wie Google oder Amazon. Tencent verwaltet eigenen Angaben zufolge rund 600 Millionen "WeChat"-Konten. "AliPay" soll 800 Millionen Nutzer haben. Nach einer im April 2017 publizierten Studie der Vereinten Nationen wurden im vergangenen Jahr über beide Apps rund 2,5 Billionen Euro bewegt.

Für weitere Beiträge rund um das Thema Mobile Payment, abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter!

Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein

Noch haben die Internet-Konzerne nur die jährlich etwa 1,5 Millionen chinesischen Touristen im Visier, die Kölner Dom, Brandenburger Tor oder Schloss Neuschwanstein ansteuern und zwischendurch für durchschnittlich 3.000 Euro vor allem Schmuck, Uhren, Kosmetik sowie hochwertige Haushaltsartikel erstehen.

Für Experten ist es jedoch nur eine Frage der Zeit, bis die Apps auf heimische Telefone geladen werden können. "Die Dienste sind einfach, bieten Mehrwerte und kommen definitiv bald nach Deutschland", sagt Nikolas Beutin, Professor für Betriebswirtschaftslehre und Leiter für Customer Practice bei PWC.

Was innovatives Mobile Payment ist

Die Bezahlsysteme des Messengers WeChat und von AliPay sind in China beliebt, weil damit nicht nur Seife im Laden oder Suppe auf der Straße erstanden werden können. Vielmehr sind die Angebote als digitale Buchungs- und Bezahlassistenten echte Multitalente.

Nutzer können verschiedenste Bankkarten integrieren, Taxis und Bahnen ordern sowie zahlen, Strom- und Wasser-Rechnungen überweisen, Geld an Verwandte senden, Finanzprodukte erwerben, in Online-Shops einkaufen – und zwar, ohne die Anwendung ein einziges Mal verlassen zum müssen. Zudem helfen die Apps mit Vorschlägen, Bewertungen, Spar-Tipps durch den "Finanzalltag".

Für Beutin ist dieses integrierte Shopping-Erlebnis entscheidend bei der Akzeptanz: "Weder Käufer noch Händler gewinnen etwas beim reinen Bezahlen per Smartphone. Wenn man aber Zeit beim Tanken spart, eine Zugfahrt buchen oder Rabatte sammeln kann, entstehen Mehrwerte für Anbieter und Nachfrager."

3
 
Anbieter
Monatspreis
Dispozinsen
Jahrespreis
Girocard
 
1.
0,00
6,90%
0,00
2.
0,00
6,99%
0,00
3.
0,00
7,43%
0,00
Geldeingang 1.000 €, niedrigster Kontostand 500 €

Welche Apps empfehlenswert sind

Bei der Wahl der richtigen Bezahl-App haben es Konsumenten bei uns nicht einfach. Während die Angebote der Handyhersteller "Samsung Pay" und "Apple Pay" oder "Android Pay" von Google in vielen Ländern längst laufen, fehlt der Zugang in Deutschland. Bei den Mobilfunk-Anbietern hat die Telekom Ende 2016 ihre digitale Brieftasche "MyWallet" sogar ganz vom Markt genommen. Begründung: "Zu geringes Kundeninteresse". Und die Deutsche Bank bietet zwar eine App zum Zahlen per Smartphone, doch das ist eine Ausnahme unter den Finanzinstituten.

Diese fünf Bezahl-Apps haben wir analysiert:

 

  1. PayPal-App: Der in den USA börsennotierte Betreiber des bekannten Online-Bezahldienstes bietet eine übersichtliche Applikation für die gängigen Smartphone-Betriebssysteme Android und iOS. Doch während der Dienst in Online-Shops weit verbreitet ist, sind die Möglichkeiten in der physischen Welt in Deutschland noch limitiert. Vorteil: Wer im Laden per Smartphone seine Rechnung begleicht, muss keine Gebühren zahlen.
  2. Payback Pay: Das Bonussystem der Münchner Payback GmbH dürfte vielen bekannt sein. Über die App und den Bereich Pay können Kunden seit 2016 in ausgesuchten Läden auch per Handy bezahlen. Dafür müssen die App geladen, Bankdaten und eine Pin hinterlegt werden. Pluspunkt: Wer mobil zahlt, kann Punkte sammeln und Coupons einsetzen. Das Payment-System bietet zudem den Vorteil, dass es per NFC und QR-Code funktioniert. Dafür muss der Strichcode vom Scanner des Smartphones eingelesen werden. Nachteil der App: Nutzerdaten werden an die Partnerfirmen weitergereicht, da Payback ein klassisches Kundenbindungsprogramm ist.
  3. Vodafone Wallet: Das Mobilfunk-Unternehmen hält für Kunden eine einfach zu bedienende digitale Geldbörse bereit. Über die App, die den NFC-Standard unterstützt, kann aber nicht nur an allen NFC-fähigen Kassenterminals kontaktlos bezahlt werden. Nutzer profitieren auch von Rabatten, Gutscheinen und einem digitalen Parkscheinservice. An über 100 Standorten bundesweit können Parktickets erworben oder verlängert werden. Die Abrechnung der Einkäufe erfolgt per PayPal oder Kreditkarte. Das Angebot kommt laut Thorsten Hoepken gut an. "Wer das Angebot testet, bleibt in der Regel auch dabei. Denn es geht einfach und bietet Mehrwerte", sagt der Vodafone-Sprecher.
  4. Boon: Der Münchner Technologie- und Finanzdienstleister Wirecard hat seine App "Boon" seit Ende 2015 auf dem Markt. Gestartet ist man in Großbritannien. Seit August 2017 ist das Payment-System auf den Android-Smartphones der Mobilfunkfirma Mobilcom-Debitel vorinstalliert. Für iOS-Handys ist die App zumindest im deutschen Markt noch nicht erhältlich, da mit Apple laut Wirecard-Sprecherin Jana Tilz noch keine Einigung über die Integration in das digitale System "Apple Pay" erzielt werden konnte. Mobiles Bezahlen ist mit der nutzerfreundlichen App an jedem NFC-fähigen Kassenterminal, das Mastercard kontaktlos akzeptiert, möglich.
  5. Deutsche Bank Mobile-App: Kunden des Kreditinstituts, die auch eine Mastercard der Bank besitzen, können die noch recht neue App einsetzen. Das Angebot, das auf der NFC-Technik basiert, funktioniert bislang allerdings nur auf Android-Smartphones mit einem Betriebssystem ab Version 4.4.

Biallo-Lesetipp

Überweisungen ins Ausland gehören für viele zum Alltag. Wer bei Zahlungen in andere Länder Ärger und hohe Kosten vermeiden möchte, sollte diese Empfehlungen beachten. Mehr hierzu erfahren Sie in unserem Beitrag: "Überweisung ins Ausland - Der Teufel steckt im Detail".

Ihre Meinung ist uns wichtig
Matthias Kutzscher
Autor
Jetzt Artikel bewerten
E-Mail an den Autor
Matthias Kutzscher
E-Mail an den Autor
Artikelbewertung
Teilen
Drucken
Zur Startseite
Matthias Kutzscher
E-Mail an den Autor
Newsletter
Keine News mehr verpassen
Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein:

Regeln für das Schreiben von Kommentaren:

  1. Kommentieren Sie sachlich und ohne persönliche Angriffe.
  2. Verfassen Sie keine Beiträge mit strafbarem, diskriminierendem, rassistischem, anstößigem, beleidigendem oder kommerziellem Inhalt und verweisen Sie nicht auf Seiten mit solchem Inhalt.
  3. Stellen Sie weder zu lange Texte noch Bilder ein, außer, wenn es unbedingt nötig ist.
  4. Veröffentlichen Sie keine personenbezogenen Daten Dritter, wie Namen, Adressen, Telefonnummern oder E-Mail-Adressen.
  5. Wenn Sie persönliche Mitteilungen oder Texte anderer Verfasser einstellen oder Kommentare anderweitig veröffentlichen möchten, beachten Sie die Rechte Dritter. Bei einer Verletzung dieser Rechte (z.B. Persönlichkeitsrecht, Urheberrecht, Datenschutz) haften Sie.
  6. Sie haben die Möglichkeit, Ihren Benutzernamen frei zu wählen. Sie sollten aber im eigenen Interesse markenrechtlich geschützte Namen vermeiden.

Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de