Auslandsüberweisungen in Fremdwährungen: Fintechs sind am günstigsten

Ratgeber Auslandsüberweisungen in Fremdwährungen: Fintechs sind am günstigsten

von Björn König Manfred Fischer
15.08.2019
Auf einen Blick
  • Geldhäuser verlangen hohe Gebühren für Überweisungen außerhalb der Eurozone. Commerzbank und Sparkassen haben ihren Service verteuert.

  • Neben Banken wickeln mittlerweile spezialisierte Finanzdienstleister Auslandszahlungen ab. Die Gebühren dort oft nicht nur günstiger, sondern auch transparenter.

  • Generell ist zwischen SEPA-Transaktionen im Euroraum sowie klassischen Überweisungen in Drittstaaten zu unterscheiden.

  • Neben den Bankgebühren, die zwischen Sender und Empfänger geteilt werden können, sind Meldepflichten bei höheren Beträgen zu beachten.
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Mal rauf, mal runter – Finanzinstitute haben an der Gebührenschraube für internationale Geldtransfers gedreht. Das zeigt eine neue Studie des Marktforschungsunternehmens Consumer Intelligence, die der Zahlungsdienstleister Transferwise in Auftrag gegeben hat. Die Marktexperten haben untersucht, wie viel es bei fünf großen Geldhäusern kostet, 1.000 Euro außerhalb der Eurozone zu überweisen. Und das im Fall unterschiedlicher Fremdwährungen.

Im Schnitt berappen Verbraucher demnach 27,54 Euro für eine solche Überweisung. Bei der Commerzbank kostet sie durchschnittlich rund 45 Euro – 29 Prozent mehr noch als vor einem Jahr. Die Sparkasse verlangt im Mittel 25,50 Euro, 0,8 Prozent mehr als 2018. Western Union berechnet knapp 13 Prozent weniger, rund 22 Euro sind es jetzt. Die Deutsche Bank hat die Gebühren um 0,5 Prozent auf ebenfalls rund 22 Euro gesenkt, die Postbank um fast fünf Prozent auf 21 Euro.

Wer etwa 1.000 Euro in US-Dollar überweist, zahlt bei der Commerzbank gut 30 Euro Gebühren, bei Western Union zwölf Euro. Eine Überweisung in gleicher Höhe in australischen Dollar kostet bei der Commerzbank fast 57 Euro, bei der Deutschen Bank 24 Euro.

Es sind nicht nur Gebühren, die Verbraucher berappen. Geld abgezwackt wird ihnen nach der Studie zudem durch Wechselkursaufschläge – ohne dass sie das mitbekommen. Denn sie sehen bei der Überweisung nur den Wechselkurs, den der Finanzdienstleister ausweist. Den offiziellen Referenzwert erfahren sie nicht. "In einem falschen Wechselkurs verstecken die Anbieter eine zweite Gebühr und diese beträgt meist ein Vielfaches der ausgewiesenen Kosten. Diese unterscheiden sich je nach Finanzinstitut und Zielwährung enorm", sagt Transferwise-Geschäftsführer Kristo Käärmann.

Arten von Auslandsüberweisungen

Bei Transaktionen außerhalb des Heimatlandes ist zunächst zu überprüfen, in welchem Zielland der Betrag gebucht werden soll. Grundsätzlich ist hier zwischen der meist kostenlosen SEPA sowie kostenpflichtigen Überweisungen im Außenwirtschaftsverkehr zu unterscheiden.

SEPA-Überweisungen

Zu den SEPA-Ländern gehören die (noch) 28 EU-Mitgliedsstaaten (Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn, Zypern), die drei EWR-Staaten Island, Norwegen, Liechtenstein sowie die Schweiz und Monaco.

Überweisungen im Außenwirtschaftsverkehr

Alle nicht genannten Länder, die weder der Europäischen Union noch dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) angehören.

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3
 
Anbieter
Monatspreis
Dispozinsen
Jahrespreis
Girocard
 
1.
0,00
6,90%
0,00
2.
0,00
6,99%
0,00
3.
 0,00
7,43%
0,00

AWV-Meldepflicht

In Deutschland bestehen gesetzliche Meldepflichten im Außenwirtschaftsverkehr. Sie dienen vorrangig einer Erhebung der Zahlungsbilanz und Außenhandelsstatistik. Die Meldeschwelle liegt aktuell bei 12.500 Euro beziehungsweise dem identischen Betrag in entsprechender Fremdwährung.

Ausgehende oder eingehende Auslandszahlungen in zuvor genannter Höhe sind mit dem Vordruck "Zahlungsauftrag im Außenwirtschaftsverkehr" an die Bundesbank zu melden. Sollte eine entsprechende Transaktion durch den Bankkunden ausgeführt werden, weist das kontoführende Institut auf die Mitteilungspflicht hin.

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Dauer von Auslandsüberweisungen

Im Jahr 2012 traten gesetzliche Ausführungsfristen für SEPA-Überweisungen und Geldtransfers im Europäischen Wirtschaftsraum in Kraft. Banken müssen somit im Sinne ihrer Kunden garantieren, dass die Transaktion innerhalb des vorgegebenen Zeitrahmens auf dem Zahlungskonto des Empfängers verbucht wird.

Problematisch ist für Verbraucher jedoch, dass die entsprechenden Fristen nicht für Überweisungen außerhalb des EWR gelten. Wer also häufiger Transaktionen in Drittländer ausführt, sollte sich neben dem Preis auch beim gewählten Anbieter erkundigen, in welcher Zeit die Transaktion ausgeführt wird.

Art der Auslandsüberweisung

Dauer

Überweisungen in Euro ohne Beleg

1 Geschäftstag

Überweisungen in Euro mit Beleg

2 Geschäftstage

Überweisungen in andere EWR-Währung

4 Geschäftstage

Überweisungen außerhalb des EWR

unbeschränkt

Mit welchen Kosten ist zu rechnen?

Wie teuer eine Auslandstransaktion wird, hängt neben dem gewählten Kreditinstitut einerseits auch vom Zielland sowie einer möglichen Gebührenaufteilung ab. Besonders einfach und vergleichsweise günstig sind SEPA-Überweisungen in der EU beziehungsweise dem EWR. Gesetzlich festgelegt ist hier, dass die Transaktion nicht mehr als eine herkömmliche Inlandsüberweisung kosten darf.

Da die meisten Banken und Sparkassen Kontomodelle mit zumindest kostenfreien beleglosen Buchungen anbieten, sind für Nutzer dieser Kontenmodelle entsprechend auch die SEPA-Transaktionen ins Ausland inbegriffen.

Bei Überweisungen in Drittstaaten außerhalb der Europäischen Union und des EWR können Kosten für den Absender oder Empfänger des Betrages anfallen. Zudem ist die vorab genannte Aufteilung von Gebühren möglich. In den Preisverzeichnissen der Kreditinstitute finden sich üblicherweise genaue Informationen, wie sich die Überweisungskosten zusammensetzen.

Kürzel

Bedeutung

OUR

Absender trägt alle anfallenden Kosten der Überweisung

SHA

Absender trägt nur die Gebühren für die ausgehende Überweisung bei seiner Bank. Der Empfänger übernimmt seine Kosten.

BEN

Empfänger trägt alle anfallenden Kosten der Überweisung

Günstig überweisen

Grundsätzlich ist es natürlich möglich, dass die eigene Hausbank attraktive Konditionen für Auslandsüberweisungen anbietet. In der Regel ist dies jedoch nicht der Fall. Gerade die traditionellen Filialbanken fallen immer wieder durch erheblich überhöhte beziehungsweise unangemessene Transaktionskosten auf. So berechnet die Deutsche Bank für eine OUR-Überweisung im Außenwirtschaftsverkehr (Stand: April 2019) 1,5 Prozent des Gesamtbetrages (mind. zehn Euro) zuzüglich 1,55 Euro SWIFT-Gebühr und eine Fremdspesenpauschale von 25 Euro.

Aus diesem Grund haben sich in den vergangenen Jahren zunehmend neue Anbieter, wie beispielsweise TransferWise und Azimo, auf dieses Thema konzentriert und bieten Auslandsüberweisungen zu außerordentlich günstigen Gebühren an. Allerdings hat dies auch seinen Haken: Viele Angebote sind zum Beispiel nur im Ausland oder per Smartphone-App verfügbar. Sollte es also einmal Probleme mit der Transaktion geben, kann man zur Klärung der Angelegenheit nicht einfach zur Bankfiliale gehen und der Kundenservice ist auch nicht selten nur in englischer Sprache verfügbar.

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Allerdings sind die Preisunterschiede zwischen teuren und besonders günstigen Anbietern erheblich, wie ein Vergleich am Beispiel eines Überweisungsbetrags von 1.000 Euro in die USA zeigt (Tabelle). Die Höhe der Kosten hängt dabei auch davon ab, wie schnell das Geld beim Empfänger landen soll. Der Dienstleister Transfergo etwa kassiert keine Transaktionsgebühr für Überweisungen, die drei Tage dauern. Für Transaktionen innerhalb von 30 Minuten werden rund drei Euro fällig.

Anbieter

Gebühr (1.000 Euro nach USA)

Transfergo 0 Euro (Zeitraum: 3 Tage)

Transferwise

5,14 Euro

Azimo

2,99 Euro (erste zwei Überweisungen gratis)

Moneygram

3,99 Euro

Deutsche Bank (OUR-Transaktion)

41,55 Euro

Falsche Überweisung zurückholen

Sofern eine Auslandsüberweisung an eine falsche Kontonummer gesendet wurde, sollte der Absender auf jeden Fall zügig reagieren und sein Kreditinstitut umgehend informieren. Prinzipiell ist ein Überweisungsrückruf nämlich nur möglich, so lange die Transaktion noch nicht auf dem Konto des Empfängers verbucht wurde.

Die eigene Bank kann mit dem Versuch beauftragt werden, das Geld vom Empfänger zurückzuholen. Allerdings fallen hierfür ebenfalls von Bank zu Bank unterschiedliche Spesen an, die bei kleineren Transaktionen womöglich sogar höher als der Überweisungsbetrag selbst sind. Hier ist also genau zu überlegen, ob sich ein Rückruf überhaupt lohnt.

Auch wenn es auf den ersten Blick lästig und zeitaufwändig erscheint, sollte jede Transaktion genau auf Zahlendreher in der IBAN überprüft werden. Der Kunde hat kein grundsätzliches Recht auf Rückerstattung fehlerhafter Überweisungen. Weigert sich der Empfänger zur Rückzahlung, bleibt somit nur der Gang zum Rechtsanwalt.

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Fazit

SEPA-Überweisungen in der Eurozone beziehungsweise im EWR-Raum können in aller Regel umsonst oder zumindest günstig über die eigene Hausbank abgewickelt werden. Wer jedoch häufiger in Länder außerhalb der EU überweist, ist aus Kostengründen mit einer Alternative gut beraten.

Insbesondere Spezialanbieter wie Azimo und TransferWise zeichnen sich durch verbraucherfreundliche Gebühren aus. Wer trotz hoher Spesen bei der eigenen Hausbank überweisen möchte, sollte zumindest eine Kostenaufteilung zwischen Sender und Empfänger in Betracht ziehen.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de