Auf einen Blick
  • Wer regelmäßig sein Konto überzieht, sollte auf die Höhe des Dispozinses achten. Der ist bei etlichen Banken und Sparkassen viel zu hoch. Das zeigt unsere aktuelle Marktuntersuchung.

  • Aber es gibt auch niedrige Dispozinsen, vor allem bei Direktbanken wie ING oder Meine Bank.

  • Erfreulich: Die Mehrzahl der Sparkassen ist dem Vorbild der Direktbanken gefolgt und haben den noch höheren Überziehungszins abgeschafft.

  • Für Kunden, die ihr Girokonto häufig überziehen, lohnt sich ein Wechsel allemal. Was viele nicht wissen: Knapp 20 Geldhäuser räumen neuen Kunden einen Sofort-Dispo ein, zum Beispiel die ING oder DKB.
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Kurz zur Erläuterung: Der Dispositionskredit, auch Dispo oder Dispokredit genannt, ist der Geldbetrag, bis zu dem Sie Ihr Konto negativ belasten können. Welchen Disporahmen Ihnen Ihre Bank gewährt, ist von Institut zu Institut unterschiedlich – gewöhnlich zwei oder drei Netto-Monatsgehälter. Für dieses Darlehen fallen sogenannte Dispozinsen an.

Sollten Sie aber Ihren Disporahmen sprengen, fällt unter Umständen sogar der noch höhere Überziehungszins an. Wenn Sie da auch noch einen schlechten Anbieter erwischt haben, kann sich das zu einer sehr kostspieligen Angelegenheit entwickeln. Bei besonders teuren Banken und Sparkassen beträgt der Überziehungszins nämlich 17 Prozent und mehr.

Verbraucherschützer halten diese Praxis in Zeiten historisch niedriger Zinsen für überholt. Dieser Überzeugung waren auch Direktbanken wie die ING oder DKB. Daher schafften beide Geldhäuser den Überziehungszins bereits 2014 ab.

Mittlerweile sind gut die Hälfte aller Sparkassen und ein Drittel aller VR-Banken dem Beispiel gefolgt. Dennoch fordern noch etliche Banken sowohl Dispo- als auch Überziehungszinsen.

 

Wieviel Zinsen nehmen die Banken aktuell?

Wir haben uns die Daten von knapp 1.200 Geldhäusern und deren Dispo- und Überziehungszinsen angesehen. Das sind die Fakten:

  • 755 Geldhäuser haben die Konditionen nicht verändert.
  • 264 haben die Zinsen angehoben
  • Der Rest hat sie gesenkt.
  • 10/21 betrug der durchschnittliche Dispo 9,99 Prozent. Heute sind es 10,07 Prozent.
  • 10/21 betrug der durchschnittliche Überziehungszins 12,29 Prozent. Heute sind es 12,39 Prozent

Der Zuwachs mag auf den ersten Blick nicht hoch erscheinen. Man muss jedoch bedenken: Wir kommen aus einer 0-Zins-Phase. Sie waren auch in den letzten Jahren schon viel zu hoch und sind nun weiter angestiegen.

In einem weiteren Artikel veröffentlichen wir die Ergebnisse unserer Studie für die einzelnen Bundesländer und nennen die günstgsten und fairsten Banken in den Ländern.

 

Die bundesweit fünf teuersten und günstigsten Banken

Für die gleiche Dienstleistung, nämlich die Kontoüberziehung, nehmen die einen Geldhäuser ihren Kunden unverständlich hohe Zinsen ab. Andere dagegen sind sehr viel fairer. Dies zeigen die nachfolgenden Übersichten der

  • fünf teuersten Banken bundesweit
  • fünf günstigsten Banken
  • fünf überregionale Anbieter.

Die fünf teuersten Banken

Bank Dispozins in Prozent
Überziehungszins in Prozent
VR-Bank Landsberg-Ammersee 14,71 19,71
Volksbank Heimbach 14,43 19,43
Raiffeisenbank Plankstetten 13,75 18,75
Volksbank Rhein-Lippe 13,98 13,98
Raiffeisenbank Westkreis Fürstenfeldbruck 13,68 18,68

Die fünf günstigsten Banken

Bank
Dispozins in Prozent Überziehungszins in Prozent
GLS Bank* 0,00 8,01
Hypovereinsbank 2,75 2,75
Spar- und Kreditbank Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden 3,10 3,10
PSD Bank Karlsruhe-Neustadt 4,30 4,30
Kreissparkasse Gotha 4,94 4,94

*10.000 Euro frei, darüber 8,01 Prozent

Übrigens: Die auch im letzten Jahr teuerste Bank in ganz Deutschland, die VR-Bank Landsberg-Ammersee, hat ihre Zinssätze aus dem letzten Jahr von 12,74 für Dispo und 17,74 Prozent für die Überziehung noch einmal angehoben. Dadurch verteidigt sie ihren negativen Spitzenplatz erfolgreich... Gratulation.

Zinssätze überregionale Anbieter

Bank Dispozins in Prozent Überziehungszins in Prozent
ING 6,99 6,99
Meine Bank (Raiba Hochtaunus) 8,50 8,50
Comdirect 7,75 12,25
Commerzbank 9,25 11,75
DKB Deutsche Kreditbank 9,29 9,29
Postbank 11,65 14,95
Deutsche Bank 11,65 15,15
Targobank 13,73 16,73
 

Günstige Alternative zum Dispokredit und Überziehungskredit

Den bundesweit günstigsten externen Dispo gibt es bei der Volkswagen Bank mit nur 2,99 Prozent unter der Bezeichnung „Rahmenkredit“.

 

Der Unterschied zwischen Dispokredit und Überziehungskredit

Dispo- und Überziehungszinsen unterscheiden sich in einigen wesentlichen Punkten. Nicht nur ist der Überziehungszins in aller Regel deutlich höher, auch bei der Rückzahlung müssen Sie einiges beachten. 

Dispositionskredit

  • jederzeit abrufbar
  • Dispozinsen liegen zwischen zwei und 12 Prozent pro Jahr
  • steht zur freien Verfügung
  • Höhe wird individuell festgelegt (in der Regel drei Nettomonatsgehälter)
  • Rückzahlung nach eigenenem Ermessen

Überziehungskredit

  • Bewilligung liegt im Ermessen der Bank
  • die Überziehungszinsen liegen zwischen zwölf bis 18 Prozent pro Jahr
  • Es besteht kein automatischer Anspruch
  • muss meist sofort zurückgezahlt werden
 

So berechnen Sie die Dispozinsen

Viele Bankkunden ärgern sich zu Recht über hohe Dispo- und noch höhere Überziehungszinsen. Doch meist kommen pro Monat nur ein paar Euro zusammen, wenn es der Kunde mit dem Überziehen des Girokontos nicht übertreibt.

Oft nehmen Verbraucher diesen Kredit immer nur für ein paar Tage in Anspruch, meist gegen Ende des Monats, wenn das Geld knapp wird. Mit der nächsten Gehaltszahlung wird der Kredit dann wieder zurückbezahlt.

Formel zur Berechnung der Dispozinsen

Höhe Dispozins / Betrag / Anzahl der Tage
Berechnung Gebühren
10 Prozent / 500 Euro / 15 Tage
500 x 10 x 15 / 36.500 2,05 Euro

Anders sieht es aus, wenn man Monat für Monat einen Sockel an Überziehung mit sich herumschleppt. Wer sein Konto das ganze Jahr über mit durchschnittlich 2.500 Euro überzieht, zahlt bei einem Zinssatz von zehn Prozent bereits 250 Euro.

In diesem Fall lohnt es sich sicher, diesen Betrag mit einem deutlich günstigeren Ratenkredit oder einem günstigeren externen Dispokredit von einer Bank abzulösen, der auch oft als Rahmen- beziehungsweise Abrufkredit bezeichnet wird.

 

Erklärvideo zu den Dispozinsen

Quelle: Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz / Youtube

 

So finden Sie niedrige Dispozinsen

Wer sich über die Höhe des Dispozinses bei einer Bank informieren möchte, kann das mittlerweile ganz einfach im Internet erledigen. Denn seit Ende Oktober 2018 sind alle Banken und Sparkassen dazu verpflichtet, ihre Preise im Internet auf der eigenen Webseite zu veröffentlichen. So will es das sogenannte Zahlungskontengesetz (ZKG).

Zudem müssen alle Geldhäuser ihre Kunden einmal im Jahr darüber informieren, was sie das Girokonto gekostet hat. In dieser Übersicht müssen nicht nur die monatlichen Grundgebühren aufgelistet sein, sondern auch alle anderen Posten von Überweisungen, Daueraufträgen, Girocard und eben auch Dispozinsen.

Außerdem: Wer länger als sechs Monate den Dispokredit zu durchschnittlich 75 Prozent des eingeräumten Rahmens in Anspruch nimmt, dem muss seine Bank ein Beratungsgespräch über alternative Finanzierungsmöglichkeiten anbieten. Gleiches gilt bei einer geduldeten Überziehung von mehr als drei Monaten, wenn im Schnitt mehr als 50 Prozent des monatlichen Geldeingangs auf dem Konto in Anspruch genommen werden.

 

Nutzen Sie den Girokonto-Vergleich von biallo.de

Anstatt etliche Internetseiten von Banken und Sparkassen zu durchforsten, nutzen Sie den Girokonto-Vergleich von biallo.de. Geben Sie dort einfach die Postleitzahl Ihres Wohnortes ein. Der Vergleich zeigt Ihnen dann die drei günstigsten Online-Girokonten und darunter die besten Internet-Konten der Banken und Sparkassen aus Ihrer Umgebung.

Die Sortierung erfolgt im ersten Schritt nach der Höhe der monatlichen Grundgebühr und schon im zweiten Schritt nach der Höhe des Dispozinses. Und wenn Sie nach einem Filial-Girokonto suchen, müssen Sie oben im Vergleich lediglich auf den entsprechenden Reiter klicken.

 

So viel sparen Sie mit einem niedrigen Dispo

Wenn Sie regelmäßig Ihr Girokonto überziehen und Ihre Bank einen Dispozins von mehr als zehn Prozent verlangt, sollten Sie das Girokonto wechseln. Der Vorteil: Banken und Sparkassen sind gesetzlich dazu verpflichtet, Ihnen fast die gesamte Arbeit des Umzugs abzunehmen. Dabei benachrichtigt die neue Bank sämtliche Zahlungspartner über die geänderte Kontoverbindung und kündigt gleichzeitig das alte Girokonto. In 14 Tagen ist meist alles erledigt. Direktbanken bieten teilweise sogar einen vollautomatisierten Kontowechsel an. Lesen Sie in unserem Ratgeber, worauf Sie bei der Eröffnung eines Girokontos noch achten sollten.

Bank wechseln und kostenloses Konto sichern

Berechnet Ihre Bank zu viel für die Kontoüberziehung oder bezahlen Sie eine monatliche Grundgebühr? Das muss nicht sein, denn nach wie vor gibt es rund 30 kostenlose Girokonten am Markt.
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Über den Autor Horst Biallo
Jahrgang 1954, studierte Wirtschaft und absolvierte eine Ausbildung zum Wirtschaftsjournalisten bei der Tageszeitung Die Welt. Später machte er sich selbstständig, schrieb für Wirtschaftswoche, Stern und zahlreiche Tageszeitungen. Er ist Autor mehrerer Fachbücher, u.a. "Die geheimen deutschen Weltmeister" und "Die Doktormacher". Im Jahr 1999 gründete er das Verbraucherportal www.biallo.de, vier Jahre später www.geldsparen.de und 2009 www.biallo.at. Horst Biallo ist verheiratet und hat drei Kinder.
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