Girokonten: Preiserhöhungen geschickt kontern

Konten & Karten Girokonten: Preiserhöhungen geschickt kontern

Helga Riedel
von Helga Riedel
24.01.2020
Auf einen Blick
  • Die Preiserhöhungen bei den Girokonten setzten sich fort.

  • Bei klassischen Filialkonten entstehen neben der Monatspauschale meist Extrakosten für einzelne Bankdienstleitungen, die den Kunden gar nicht bewusst sind.

  • Was können Verbraucher tun, um sich vor weiter andauernden Preiserhöhungen zu schützen?
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Fast jede zweite Bank oder Sparkasse hat im vergangenen Jahr die Preise für Girokonten angehoben. Und die Preiserhöhungen setzen sich im Januar massiv fort. Was können Verbraucher dagegen tun, wenn sie die Bank nicht unbedingt wechseln wollen?

Gewohnheiten ändern – viel Geld sparen

Haben Sie ein klassisches Filialkonto mit Einzelabrechnung für rund 4,50 Euro im Monat? Dann zahlen Sie nicht nur diese Monatspauschale, sondern auch für:

  • beleghafte Überweisungen bis zu 3,00 Euro das Stück

  • Überweisungen am SB-Terminal bis zu 2,50 Euro das Stück

  • Online-Überweisungen bis zu 0,30 Euro das Stück

  • Buchungsposten bis zu 0,50 das Stück

  • Einrichten, Ändern und Ausführen von Daueraufträgen bis zu 1,00 Euro

  • Telefonische Überweisungen bis zu 2,50 Euro

  • Bargeld abheben am Automaten der Bank bis zu 1,00 Euro

  • Bargeld abheben in der Bankengruppe bis zu 2,50 Euro das Stück.

All diese Kosten sind vielen Kunden gar nicht bewusst. Sie wundern sich höchstens, dass die vierteljährliche Abrechnung immer höher ausfällt. Banken und Sparkassen sind seit kurzem verpflichtet, die Preise von Girokonten auf ihren Internetseiten zu veröffentlichen.

Bei Sparkassen gibt es ganz unten einen ersten Link:

Nach einem Klick finden Sie dann auf der nächsten Seite diese oder eine ähnliche Übersicht:

Nun erfahren Sie, was Sie für welche Bankdienstleistung, die Sie in Anspruch nehmen, zahlen.

So können Sie sparen:

  • Verzichten Sie auf beleghafte Überweisungen, die besonders teuer sind.

  • Nutzen Sie die günstigeren SB-Automaten.

  • Überweisen Sie online, was meist nichts oder am wenigsten kostet.

  • Heben Sie eher größere Beträge als viele kleine ab, das spart Gebühren.

  • Nutzen Sie die Alternative zum Geldautomaten: Mit der Girocard können Sie an der Kasse beim Supermarkt, im Baumarkt oder in der Drogerie kostenfrei Geld abheben – in der Regel bis zu 200 Euro. Sowohl bei Aldi Süd als auch bei Lidl funktioniert das jetzt schon ab einer Einkaufssumme von fünf Euro. In den dm-Märkten ist das sogar mit dem ersten Produkteinkauf ohne einen Mindestwert möglich.

  • Geben Sie eine teure Kreditkarte an die Bank zurück und besorgen sich eine kostenlose ohne Kontenbindung– zum Beispiel bei der Hanseatic- oder Santander Bank.

Diese beiden Kreditkarten sind dauerhaft kostenlos. Aber Achtung: Zahlen Sie die anfallenden Beträge mit der Monatsabrechnung auf einen Schlag zurück, da die Sollzinsen mit 13,60 Prozent (Hanseatic) beziehungsweise 13,98 Prozent (Santander) horrend sind. Bei der Hanseatic Bank müssen Sie besonders aufpassen, denn hier ist die Teilzahlungsfunktion voreingestellt. Dies müssen Sie dort im Internet oder per Einschreiben ändern.

Aber mit beiden Karten können Sie weltweit kostenlos Bargeld abheben, was auf Reisen besonders praktisch und geldsparend ist.

Mit einem anderen Online-Konto bei der eigenen Bank sparen

Sie nutzen hin und wieder Onlinebanking? Dann stellen Sie ganz darauf um und wechseln zu diesem günstigeren Modell bei Ihrer Bank. Das kostet im Schnitt nur 3,50 Euro statt 4,50 Euro im Monat.

Dafür ein typisches Beispiel: Die Sparkasse Bad Kissingen, im Großen und Ganzen ein eher günstiges Institut, berechnet für das Filialkonto Giro Classic:

  • 4,00 Euro Monatspauschale

  • 0,75 Euro für beleghafte Überweisungen

  • 1,25 Euro für Telefon-Überweisungen

  • 1,25 Euro für Überweisungen am Schalter

  • 0,10 Euro für Online-Überweisungen

  • 5,00 Euro für die Girocard im Jahr

  • 20,00 Euro für eine Standardkreditkarte

  • (noch) keine Kosten für Bargeldabhebungen bei ihr oder im Sparkassen-Service-Netz.

Wer ohnehin ab und zu Onlinebanking nutzt, sollte ganz auf das S-Giro Online umsteigen. Das sind die Kosten:

  • 2,50 Euro Monatspauschale

  • 0,05 Euro für jede Online-Überweisung.

Eine Jahresrechnung mit monatlich fünf Überweisungen (online beziehungsweise SB-Terminal) plus Girocard ergibt einen Preis von 38,00 Euro beim Internet-Konto im Vergleich zu 59,00 Euro beim Classic-Konto – also eine Ersparnis von rund 20 Euro pro Jahr.

Mit einem Premiumkonto bei der eigenen Bank sparen

Fast alle Filialbanken und Sparkassen bieten ein sogenanntes Premiumkonto an. Oft heißt es genau so – manchmal auch Exklusivkonto, wie bei der Kreissparkasse Augsburg. Der Durchschnittspreis dieser Konten liegt bei rund 10,00 Euro im Monat. Mit diesem Pauschalbetrag sind alle Dinge rund ums Konto abgedeckt, also

  • sämtliche Buchungsposten

  • Überweisungen, auch beleghafte

  • Daueraufträge, selbst am Schalter

  • Girocard

  • Oft liegt der Dispozins niedriger

  • Standardkreditkarte

  • Manchmal ist sogar eine Gold-Kreditkarte mit einem attraktiven Reise-Versicherungspaket enthalten.

Wer kein Onlinebanking nutzt, sondern Überweisungen beleghaft oder am SB-Automaten durchführt, fährt schnell mit dem Premiumkonto günstiger.

Dafür ein Beispiel: Die Kreissparkasse Augsburg berechnet für ihr Giro Classic 4,50 Euro im Monat, 6,00 Euro für die Girocard, aber satte 2,50 Euro für Überweisungen am SB-Automaten. Bei fünf Überweisungen pro Monat kommt man so auf einen Jahrespreis von 210,00 Euro.

Wechselt dieser Kunde auf das ausgezeichnete Privatgiro Exklusiv, das mit 12,50 Euro erstmal teuer wirkt, sinkt die Jahresrechnung auf 150,00 Euro – das macht 60,00 Euro Ersparnis. Doch nicht nur das. Im Paket ist auch eine goldene Kreditkarte mit diesen Leistungen enthalten:

  • pro Jahr sechs gebührenfreie Bargeldauszuzahlungen im Ausland

  • Auslandskrankenschutz ohne Altersbegrenzung

  • Reiserücktrittskosten- und Reiseabbruchpolice auch ohne Einsatz der Karte

  • Kfz-Schutzbrief für das Inland und das europäische Ausland.

Allein die Reisepolicen übersteigen im Wert den Jahrespreis von 150,00 Euro. Das ist gerade auch für ältere Personen interessant, die ab 65 Jahren keine oder nur noch sehr teure Policen bekommen.

Sparen durch Bankenwechsel

Neue Bank suchen: Hängt Ihr Herz nicht an Ihrer bisherigen Bank oder Sparkasse? Dann könnten Sie durch einen Bankwechsel sehr viel Geld sparen. Sie müssen gar nicht lange suchen. Denn es gibt immer noch rund 100 Banken, die auf die monatliche Grundgebühr verzichten. Und bei rund 40 davon sind auch Girocard und zumindest Online-Überweisungen gebührenfrei. Nur diese rund 40 Geldhäuser dürfen nach Meinung der Verbraucherschützer ihre Konten kostenlose Girokonten nennen.

Das sind aktuell diese Direktbanken:

Das sind diese PSD-Banken:

Das sind diese überregionalen Banken:

  • BBBank
  • Commerzbank
  • Degussa Bank
  • Santander Bank.

Das sind diese Sparda-Banken:

Das sind diese Volks- und Raiffeisenbanken:

Zudem gibt es kostenlose Konten, die nur über das Smartphone zu bedienen sind:

  • Moneyou
  • N26
  • O2 Banking
  • Yomo
  • Boon Planet.

Außerdem gibt es diese Anbieter mit kostenlosen Geschäftskonten:


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Die besten Geschäftskonten für Jungunternehmer

Biallo-Tipp

Sie sind Selbstständiger oder Freiberufler und auf der Suche nach einem günstigen Geschäftskonto? Nutzen Sie dafür den Geschäftskonten-Vergleich von biallo.de.

Über diese hinaus gibt es noch gut 60 Banken mit fast kostenlosen Konten. Sie verzichten auf die monatliche Grundgebühr, also den dicksten Kostenblock. Aber sie berechnen beispielsweise bis zu 12,00 Euro im Jahr für die Girocard oder ein paar Cent für Überweisungen. Oder sie stellen für den Verzicht auf die Monatspauschale eine Bedingung wie einen regelmäßigen monatlichen Geldeingang von 800 Euro und mehr.

Eine Übersicht aller Anbieter finden Sie auf dieser interaktiven Karte:

So wechseln Sie ganz einfach zur neuen Bank

Ihnen graust vor der Umstellung des bisherigen Kontos? Das muss es nicht. Nach dem Zahlungskontengesetz ist die neue Bank verpflichtet, praktisch für Sie die Arbeit zu machen. Die genannten Direktbanken, aber auch die Sparda-, PSD- und meisten VR-Banken, bieten zudem eine Kontoeröffnung über Video-Ident an. Dazu laden Sie lediglich eine kostenlose App auf Ihr Smartphone, halten Ihren Ausweis in die Kamera und eröffnen das Konto bequem von zu Hause aus. Ihnen ist das zu technisch? Dann können Sie natürlich auch weiterhin das Post-Ident-Verfahren nutzen und sich bei der nächsten Postfiliale ausweisen.

So funktioniert der Wechsel eines Girokontos:

Aufruf in eigener Sache

Führt Ihre Hausbank auch zweifelhafte Gebühren für Dienstleistungen ein, die früher umsonst waren? Machen Sie ihrem Ärger Luft und schreiben Sie uns unter [email protected]biallo.de. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

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Helga Riedel
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nach dem Studium der deutschen, italienischen und vergleichenden Literaturwissenschaft begann sie 1985 mit ihrer journalistischen Tätigkeit für verschiedene Magazine und Tageszeitungen mit den Schwerpunkten Kulturgeschichte, Soziales und Umweltthemen. Bei Biallo.de schreibt sie seit der Gründung 2001 über Themen aus den Bereichen Nachhaltigkeit, Energie und Umweltschutz.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de