Drei Top-Girokonten für Selbstständige

Konten und Karten Drei Top-Girokonten für Selbstständige

von Björn König
Auf einen Blick
  • Das Angebot an kostenfreien Girokonten für Freiberufler ist begrenzt. Bei privaten Großbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken werden Selbstständige und Freiberufler in der Regel nicht fündig.

  • Drei bundesweite Institute bieten Freiberuflern ein vollständig kostenfreies Geschäftskonto inklusive belegloser Transaktionen an. Auf Filialzugang und Girocard müssen Selbstständige bei diesen Konten allerdings verzichten.
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Banken sind bei Selbstständigen vorsichtig

Während Angestellte über ein in der Höhe gleichbleibendes und vor allem regelmäßiges Einkommen verfügen, sieht das bei Freiberuflern oftmals ganz anders aus. Die Honorare schwanken – und wenn das Geschäft besonders schlecht läuft, bleiben Einkünfte in manchen Monaten vielleicht sogar vollständig aus.

Um das Kreditrisiko zu beurteilen, müssen die Institute somit bei dieser Kundengruppe aufwändigere Bewertungsgrundlagen, wie beispielsweise die Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) oder Umsatzsteuervorauszahlungen, zugrunde legen.

Das Problem: Dieser Aufwand steht im Gegensatz zu den oftmals sehr stark standardisierten Geschäftsprozessen der Banken. Zudem verursachen Freiberufler nicht selten ein wesentlich höheres Buchungsvolumen. Deshalb sind diese Konten entweder vergleichsweise teuer oder werden insbesondere von günstigen Direktbanken überhaupt nicht angeboten.

Wann ist ein Geschäftskonto kostenlos?

Prinzipiell gelten bei einer kostenfreien Führung von Geschäftskonten die gleichen Erwartungen wie auch für Privatkunden. Gleichwohl sind die Bedürfnisse von Nutzern dieser Kontomodelle nicht unbedingt identisch.

Zum Beispiel spielen Barverfügungen oftmals nicht so eine große Rolle, da Privatentnahmen aus steuerrechtlichen Gründen und der Übersichtlichkeit wegen ohnehin auf ein Privatkonto überwiesen und von dort abgehoben werden.

Geschäftliche Transaktionen erfolgen heute in der Regel bargeldlos, weshalb auch hier eine Debit- oder Kreditkarte eher nebensächlich ist.

Wir haben zum Vergleich folgende vier Kriterien herangezogen.

  • Die Kontoführung ist bedingungslos kostenlos
  • Alle beleglosen Buchungen sind inklusive
  • Optionale Kartenausstattung (VISA/Mastercard/Maestro)
  • Zusatzdienste (z.B. Anbindung für Buchhaltungsprogramme)

Das Ergebnis

Legen wir die oben genannten Kriterien zu Grunde, kommen prinzipiell drei Girokonten in die engere Auswahl. Kontist, das Fidor Smart-Geschäftskonto sowie N26 Business. 

KontistFidor SmartN26 Business
Kontoführungkostenloskostenloskostenlos
Beleglose Buchungeninklusiveinklusiveinklusive
Optionale KarteMastercard (kostenlos bei Mindestumsatz)Mastercard (kostenpflichtig)Master/Maestrocard (konstenfrei)
ZusatzdiensteDebitoor, Fast Bill

 

Kontist

Das Berliner Fintech-Startup Kontist bietet unter gleichem Namen eine auf Freelancer zugeschnittene Smartphone-App für Android und iOS an. Da das Unternehmen jedoch noch nicht über eine eigene Banklizenz verfügt, werden alle Girokonten bei der Berliner Solaris Bank geführt.

Die App unterstützt derzeit nur Basisfunktionen, wie Überweisungen und Lastschriften, wird jedoch kontinuierlich um neue Funktionen erweitert. Ein besonderer Clou: In der App können automatisierte Rücklagen für die Einkommens- und Umsatzsteuer gebildet werden. Kunden erhalten zudem eine kostenfreie, virtuelle Mastercard.

Darüber hinaus gibt es eine physische Debit-Mastercard für 29 Euro im Jahr, die allerdings bei einem jährlichen Umsatz von 3.000 Euro erstattet wird. Barverfügungen mit der Karte sind prinzipiell kostenpflichtig.

Sehr gelungen ist auch die Einbindung zusätzlicher Rechnungs- und Buchhaltungsdienste wie Debitoor und Fast Bill. Klassische Banking-Software via HBCI kann konsequenterweise nicht genutzt werden, da das Produkt sich ausschließlich auf die Nutzung per Smartphone fokussiert.

Fidor Smart-Geschäftskonto

Schon länger am Markt ist die Fidor Bank aus München mit ihrem Smart-Geschäftskonto. Wie auch das Produkt von Kontist sind alle Basisdienste des Kontos für Selbstständige kostenfrei nutzbar. Zwar bietet Fidor keine automatisierten Steuerrücklagen, dafür jedoch ein umfassendes Web-Angebot.

Im Gegensatz zu einem reinen Smartphone-Konto kann es also auch am PC und Notebook genutzt werden. Freiberufler haben außerdem die Möglichkeit, bei diesem Konto eine Prepaid-Mastercard zu bestellen, die allerdings generell ohne Erstattungsoption 8,95 Euro pro Jahr kostet.

Einen Haken hat das Konto jedoch: Die Einbindung von gängiger Steuer- und Buchhaltungssoftware via HBCI gestaltet sich problematisch, da die Bank eine eigenentwickelte API-Schnittstelle verwendet.

N26 Business

Dritter im Bunde ist mit N26 ein weiteres Fitech-Startup aus Berlin. Im Hinblick auf die Kontoausstattung bekommen Freelancer hier eine ganze Menge geboten. Neben der kostenfreien Kontoführung und allen Buchungen sind auch zwei Karten (Maestro/Mastercard) inklusive.

Ursprünglich fokussierte sich die Bank wie Kontist primär auf eine Bedienung per Smartphone-App via Android und iOS, verfügt aber mittlerweile auch über ein umfangreiches Webinterface zur Nutzung am PC und Laptop.

Auf HBCI, DATEV und Co. müssen Nutzer hier allerdings ebenso verzichten. Dafür gibt es aber beim Thema Bargeld einige Vorteile. So können N26-Kunden dank der Funktion "CASH26" deutschlandweit unbegrenzt Bargeld im Einzelhandel abheben. Partner sind unter anderem Real, DM, Penny, Rewe, Budni und Mobilcom-Debitel Shops.

Fazit

Einen eindeutigen Sieger gibt es unter den drei Konten nicht. Jedes hat seine spezifischen Vor- und Nachteile. Wem als Freiberufler das Thema Bargeld besonders wichtig ist, sollte sich das Business-Konto von N26 genauer anschauen. Die Fidor Bank wiederum überzeugt hingegen durch eine gute Benutzerfreundlichkeit und Funktionsumfang im Web.

Vor allem Kontist hat durch die Möglichkeit der Anbindung an Debitoor sowie die automatischen Steuerrücklagen überzeugt. Viele Freiberufler unterliegen der Problematik, bei ihren Honoraren nicht an das Finanzamt zu denken. Das kann schließlich zu einer üppigen Steuernachzahlung führen. Unserer Ansicht nach ist es ungemein praktisch, wenn eine App diese Arbeit auf dem Konto bereits automatisch erledigt.

Biallo-Tipp

Wer als Freiberufler von der Kleinunternehmerregelung Gebrauch macht und somit auf Rechnungen keine Umsatzsteuer ausweist, muss nicht zwangsläufig ein Geschäftskonto einrichten. Einige Direktbanken zeigen sich in solchen Fällen kulant und bieten auch Freelancern Konten an. Die Auswahl für ein kostenloses Girokonto wird dann deutlich größer.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de