Versicherungen decken Risiken wie Datenklau und Virenbefall

Internet Versicherungen decken Risiken wie Datenklau und Virenbefall

Annette Jäger
von Annette Jäger Fritz Himmel
10.10.2017
Auf einen Blick
  • Ob Online-Banking, Einkaufen oder Filme anschauen, im Internet lässt sich nahezu alles erledigen.

  • Doch es lauern gefahren; Vorsicht und Versicherungsschutz sind geboten.

  • Haftpflicht-, Hausrat- und Rechtsschutzversicherer haben in den vergangenen Jahren aufgerüstet.
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Im Internet findet inzwischen ein großer Teil des Lebens statt: Online-Banking, einkaufen, soziale Kontakte pflegen, Musik hören, Filme schauen, Verträge schließen – alles funktioniert in der virtuellen Welt. Dabei kann auch Schaden entstehen. Schaden, den man anderen zufügt, etwa weil man unwissentlich einen Computervirus verbreitet. Schaden, den man aber auch selbst erleidet, weil Kriminelle Passwörter ausspähen und das Bankkonto leerräumen. Oft gibt es eine Wissensdiskrepanz zwischen den technischen Möglichkeiten und dem, was die Nutzer über diese wissen. Das gibt den Kriminellen immer einen Vorsprung.

Gerade deshalb kommt Versicherungspolicen für diese neuen Risiken eine große Bedeutung zu. Die Versicherer haben in den vergangenen Jahren aufgerüstet und bieten Schutz an. Private Haftpflicht-, Hausrat- und Rechtsschutzversicherung wurden bei vielen Anbietern um Internet-Bausteine erweitert. Was bringen die und welche braucht man?

1. Internet und private Haftpflichtversicherung

1a. Virenverbreitung

Die private Haftpflichtversicherung ist die wichtigste Police für Internetnutzer. Die Police springt immer dann ein, wenn man anderen einen Schaden zufügt, und da lauert auch das größte finanzielle Risiko, etwa wenn Schadensersatzansprüche auf einen zukommen. Wie kann man anderen durch Internetnutzung schaden, mag sich der eine oder andere fragen. Man liest doch nur die Zeitung online, schreibt E-Mails und kauft ab und zu etwas beim Online-Händler.

Das geht sogar sehr leicht. Internetnutzer können sich nämlich schnell einen Virus oder ein Schadprogramm einfangen und dieses verbreiten, zum Beispiel einen Trojaner – und zwar ohne, es zu merken. So ein Schadprogramm gelangt auf den eigenen PC, indem Nutzer zum Beispiel Anhänge von E-Mails öffnen. Man öffnet sie, weil man meint, den Absender zu kennen und schon ist das schädliche Programm auf dem eigenen PC. Bevor man es merkt, hat sich der Trojaner auch schon verbreitet, denn er kann sich selbstständig an die gesamte eigene Adressdatenbank versenden. Dadurch können auch Daten auf der Festplatte anderer geschädigt werden.

Für Schäden, die der Trojaner bei anderen anrichtet, haftet derjenige, der ihn verbreitet hat, auch wenn das unbeabsichtigt und unwissentlich geschehen ist. Er muss für eventuelle Schadensersatzforderungen aufkommen.

1b. Was leistet der Internetbaustein?

In dem oben genannten Fall würde die private Haftpflichtversicherung einspringen und den entstandenen Vermögensschaden begleichen. Denn neuere Tarife decken auch Internetschäden. Bei älteren Tarifen muss der Versicherte möglicherweise nachrüsten und in einen neueren Tarif wechseln. Bei manchen Versicherungsverträgen ist die Versicherungsleistung bei Internetschäden limitiert.

Tipp: Ein Blick in die Versicherungsbedingungen lohnt sich immer. Meist verlangt der Versicherer, dass ein aktuelles und gängiges Virenschutzprogramm auf dem PC installiert ist und eine Firewall als Voraussetzung für eine Versicherungsleistung im Schadensfall.

1c. Urheberrechtsverletzungen

Wer nun glaubt, mit einem Internetbaustein auch bei Urheberrechtsverletzungen abgesichert zu sein, irrt. Für Abmahnungen, die man erhält, etwa weil man illegal Musik heruntergeladen oder Musikdateien auf Tauschbörsen angeboten hat, wird keine private Haftpflichtversicherung aufkommen – Urheberrechtsverletzungen sind grundsätzlich vom Versicherungsschutz ausgeschlossen. Das gilt auch, wenn die eigenen Kinder in dieser Hinsicht aktiv waren. Hinzu kommt aber ein weiterer Aspekt: Beim illegalen Down- oder Uploaden handelt es sich um eine Straftat und die deckt der Versicherer grundsätzlich nicht.

Tipp: Zu Haftungsfragen von Eltern für ihre Kinder lesen Sie bitte Punkt 4.

Vergleich Haftpflichtversicherung

  Anbieter Tarif Beitrag  
1 Premium-2016-Single-5Mio 40,62 Euro weiter
2 BlueLine-Tip-5Mio-Single 42,01 Euro weiter
3 Tarif TOP-VIT Single 42,48 Euro weiter
4 NV-PrivatSpar-5.0-Single-5Mio 44,03 Euro weiter
5 BestSelection-2015-Single-10Mio 44,56 Euro weiter
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2. Internet und Hausratversicherung

Im Internet kann man natürlich auch selbst Schaden erleiden. Es können Daten geklaut, Passwörter ausgespäht werden und bestellte Ware kann auch mal nicht ankommen. Das ist ein Fall für die Hausratversicherung, die auch Schäden am eigenen Vermögen abdeckt. Das Schadensszenario ist aber noch ziemlich neu und es gibt erst sehr wenige Unternehmen, die Leistungen bei solchen Schäden übernehmen. Dazu gehören Allianz und Huk-Coburg.

Beispiel Huk-Coburg:

Versichert sind Schäden in den Tarifen Basis und Classic, die durch Phishing beim Online-Banking entstehen. Die maximale Erstattungssumme liegt bei 1.000 Euro. Der Internetschutz ist also kein eigener Baustein, sondern Bestanteil der Tarife.

Beispiel Allianz:

Versichert sind Vermögensschäden, die durch Betrug beim Online-Banking, Online-Shopping, z.B. durch Phishing oder Pharming entstehen (maximal 10.000 Euro, ein Schadenfall pro Jahr). Auch eine anwaltliche Erstberatung ist abgedeckt bei Streitigkeiten, die sich aus Online-Käufen ergeben, die maximale Erstattungssumme ist hier nicht beschränkt. Außerdem werden Kosten für die Sicherung der eigenen Daten übernommen, wenn es zu einem Geräteschaden kommt, etwa durch einen Virusbefall (maximal 1.000 Euro, ein Schadenfall im Jahr). Der Baustein kostet 45 Euro im Jahr.

Begriffsklärung

Phishing: Mit dem Begriff wird das Ausspähen und Klauen von Passwörtern beschrieben. Das geschieht oft über gefälschte E-Mails. Sie sehen den echten Mails, die man von Banken, Bezahlsystemen im Internet o.ä. bekommt, zum Verwechseln ähnlich. Meist wird man im Betreff verunsichert, weil dort steht, dass entweder eine Rechnung offen ist oder ein Konto gesperrt wird. In der Mail werden Nutzer dann aufgefordert, auf einen Link zu klicken, einen Anhang zu öffnen, Zugangsdaten einzugeben, u.ä. Und schon haben Kriminelle Zugriff auf die persönlichen Daten.

Pharming: Eine Weiterentwicklung von Phishing ist das sogenannte Pharming. Dabei werden Nutzer auf gefälschte Internetseiten geleitet. Verbraucher landen dann plötzlich auf einer gefälschten Seite ihrer Bank, wähnen sich aber auf der richtigen. Ein Hinweis, ob man auf der "richtigen" oder "falschen" Seite ist, kann ein Blick in die Adresszeile bieten: beginnt die Webadresse mit https:// - und nicht http:// - muss im Hintergrund eine Zertifizierung stattfinden. Einhundert Prozent sicher ist das aber auch nicht – auch das Zertifikat kann gefälscht sein. Auch ein aktueller Virenscanner kann Schutz bringen.

3. Spezielle Internetversicherungen

3a. Was sind Internetversicherungen?

Die Versicherungsbranche hat auf das Risiko von Internetschäden reagiert und spezielle Policen kreiert, die genau auf solche Risiken zugeschnitten sind. Viele Anbieter gibt es nicht, vergleichbar sind die angebotenen Tarife auch nicht, jeder bietet ein völlig anderes Leistungspaket an. Meist werden die Versicherungen oder Schutzbriefe im Rahmen der Rechtsschutzversicherungen angeboten. Im Internet drehen sich mögliche Schäden rund um Datenklau, Urheberrechts- und Vertragsrechtsverletzungen, Schadensersatzansprüche und Abmahnungen.

Die Versicherungen übernehmen je nach Anbieter und Tarif sowohl Kosten für anwaltliche Erstberatungen, als auch für die Vermittlung von Profis, die sich um Datenlöschung oder auch Datensicherung bei Virusbefall kümmern. Oftmals wird auch der finanzielle Verlust ausgeglichen, der beim Online-Banking oder Online-Shopping entstehen kann. Die finanziellen Leistungen sind aber nach oben gedeckelt.

3b. Beispiele für Tarife

Cosmos Direkt – "Finanzschutz"

Cosmos Direkt bietet den sogenannten Finanzschutz an, den Versicherungsnehmer separat abschließen können. Vermögensschäden bis zu 10.000 Euro sind gedeckt. Versichert sind Schäden, die beim bargeldlosen Bezahlen entstehen können, wie beim Online-Banking, beim Online-Shopping und bei Online-Bezahlsystemen wie PayPal oder Giropay. Auch Schäden durch Phishing sind gedeckt, der Missbrauch von Kontodaten sowie Verlust und Diebstahl der Kreditkarte. Der Schutz kostet 7,90 Euro Beitrag pro Jahr.

Beispiel DEVK – "Identitätsschutz"

Bei der DEVK ist der Identitäts-Schutz im Internet und Dark/Deep Web (Marketingname: IDPROTECT) Bestandteil vom Privat- und Berufs-Rechtsschutz im Rahmen des Premium-Pakets. Angeboten wird ein tägliches Monitoring der persönlichen Identitätsdaten im Internet sowie Dark/Deep Web (loser Verbund von vielen privaten Computern). Gibt es Anzeichen dafür, dass ein Identitätsmissbrauch vorliegen könnte, wird der Versicherte per SMS oder E-Mail hierüber informiert. Der Tarif sieht auch eine telefonische Rechtsberatung und/oder eine Online-Rechtsberatung vor (dabei entfällt die Selbstbeteiligung von 150 Euro). Darüber hinaus wird auch die Tätigkeit eines Anwalts, die über die Beratung hinausgeht, mit bis zu 300 Euro erstattet. Dann kommt allerdings die Selbstbeteiligung von 150 Euro zum Tragen. Das Gesamtpaket – mit Privat- und Berufsrechtschutz – kostet rund 313 Euro im Jahr.

Separat lässt sich der "Identitätsschutz Plus" für jährlich 59,88 Euro abschließen, auch hier gilt eine Selbstbeteiligung von 150 Euro.

Beispiel Arag – "web@ktiv"

Der Tarif "web@ktiv" der Arag springt dann ein, wenn Persönlichkeitsrechte des Versicherten verletzt werden, er gewährt Hilfe bei Abmahnungen, Online-Mobbing, Datenmissbrauch, oder wenn ungewünschte Inhalte aus dem Web wieder entfernt werden sollen. Die Versicherungssummen sind begrenzt: So werden für Beratungen im Falle von privaten Urheberrechtsverletzungen 500 Euro im Jahr geleistet. Bei Löschung von rufschädigenden Inhalten werden 100 Euro je Fall, maximal 1.000 Euro im Jahr erstattet. Der Schadensersatz bei Identitätsmissbrauch und Datenbeschädigung wird nur im Plus-Tarif von "web@ktiv" mit 3.000 Euro pro Fall und 10.000 Euro im Jahr erstattet. Die Police kostet für Familien rund 113 Euro im Jahr (Plus-Tarif rund 148 Euro).

Beispiel R+V – "Internetschutzpolice"

Die R+V bietet eine "Internetschutzpolice" mit einer Versicherungssumme von insgesamt 10.000 Euro. Für die Wiederherstellung verlorener Daten werden maximal 1.000 Euro erstattet. Außerdem ist eine psychologische Betreuung bei Cybermobbing im Tarif enthalten. Gezahlt wird auch bestellte, aber nie gelieferte Ware, auch bei Identitätsdiebstahl wird gleistet – so wird zum Beispiel das missbräuchlich belastete Konto ausgeglichen. Ebenso ist eine anwaltliche Beratung bei Urheberrechtsverletzungen gedeckt. Bei Virenbefall werden Kosten für die Wiederherstellung bzw. Wiederbeschaffung von Daten erstattet. Voraussetzung ist eine aktuelle Sicherheitssoftware auf dem PC, die R+V übernimmt die Lizenzgebühr dafür. Der Schutz kostet für eine Familie im Jahr rund 117 Euro.

3c. Wie wichtig sind solche Policen?

Benötigen Sie diesen speziellen Internetschutz? Das sollte man wissen:

  • Limitierte Erstattungssummen: Lesen Sie das Kleingedruckte, sprich die Versicherungsbedingungen: Wie hoch sind die maximalen Erstattungssummen für die einzelnen Leistungen?
  • Gerichtsstreit: Ein Gerichtsstreit ist in den Bedingungen meist ausgeschlossen.
  • Urheberrechtsverletzungen: Siegeschehen dann, wenn man zum Beispiel illegal Filme und Musik herunterlädt und man infolgedessen eine Abmahnung im Briefkasten vorfindet. In der Regel wird in dem Fall eine anwaltliche Erstberatung übernommen. Hierfür zahlt die DEVK zum Beispiel bis zu 300 Euro pro Jahr, die Arag beim Plus-Tarif maximal 1.000 Euro. Diese Leistung für Filesharing - der Tausch urheberechtlich geschützter Dateien im Internet - sind in üblichen Rechtsschutzversicherungen in der Regel nicht vorgesehen. Allerdings wird die Strafzahlung der Abmahnung nicht erstattet!
  • Allgemeiner Rechtsschutz: Viele Schadensszenarien der Internetversicherungen sind schon im üblichen Privat- und Berufsrechtsschutz (der meist im Paket angeboten wird) enthalten. Anstatt also nur einen kleinen Ausschnitt aus dem weiten Feld der möglichen Schäden im Bereich Rechtsschutz abzusichern, ist eine umfassendere Rechtsschutzabsicherung eine gute Alternative. So gewährt der klassische Privatrechtsschutz auch Leistungen bei Kreditkartenmissbrauch, bei Online-Mobbing oder wenn es um Gewährleistungsrechte beim Einkauf geht. Streit um Urheberrechtsverletzungen schließt die Rechtsschutzversicherung allerdings aus. Diese Lücke schließen jedoch auch die Internet-Rechtsschutzversicherungen nicht komplett. Hier ist meist nur eine anwaltliche Beratung vorgesehen (siehe vorheriger Punkt). Privat- und Berufsrechtsschutzversicherungen (oftmals ist auch noch Verkehrsrechtsschutz integriert) kosten ab rund 200 Euro im Jahr für eine Familie.
  • Hausrat- und Haftpflichtversicherung: Auch die Internetbausteine der Hausrat- und privaten Haftpflichtversicherung decken einige Aspekte, die in Internetversicherung enthalten sind. Ein Doppelschutz ist überflüssig.
  • Käuferschutz: Banken zeigen sich bei Schäden oft kulant und ersetzen den finanziellen Verlust, etwa wenn die Kreditkarte geklaut wurde und Geld vom Konto verschwunden ist. Nutzen Sie beim Bezahlen im Internet bestimmte Bezahlsysteme, ist ein Käuferschutz integriert.
  • Sicheres Verhalten: Natürlich können Sie sich durch eigenes sicheres Verhalten auch vor solchen Attacken schützen – nicht komplett, aber Sie können es den Kriminellen zumindest schwermachen. Mehr dazu unter Punkt 4c.

Tipp: Achten Sie bei den angebotenen Internetpolicen genau auf die Mehrleistungen, die über den üblichen Rechtsschutz, Haftpflicht- und Hausratschutz hinausgehen (z.B. Hilfe bei der Datenrettung oder Unterstützung beim Vorgehen gegen Cybermobbing) und prüfen Sie, ob der Beitrag die Leistungen für Sie rechtfertigt.

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4. Rechte im Internet und Tipps zu sicherem Surfen

Auf den ersten Blick ist im Internet alles so einfach: Ein paar Mausklicks und der neue Wintermantel ist gekauft und die Bankgeschäfte sind erledigt. Kinder jeden Alters kapieren sofort, wie sie Spiele spielen können und auf YouTube Musik hören. Was auf den ersten Blick so simpel und für jeden machbar ist, ist hinter den Kulissen höchst komplex. Viele Nutzer sind völlig unbedarft im Netz unterwegs und können kaum einschätzen, wie einfach sie es damit Abzockern und Betrügern machen. Das Gefahrenbewusstsein ist gerade bei jungen Leuten oft sehr gering ausgeprägt. Gleichzeitig laufen sie Gefahr, selbst geltendes Recht zu verletzten, Stichwort Urheberrechtsverletzung. Nicht alles, was im Internet funktioniert, ist auch erlaubt! Hier ein paar Handhabungen:

4a. Haften Eltern für ihre Kinder?

Kinder laden illegal Musik und Filme herunter und tauschen diese dann auf bestimmten Plattformen mit anderen Nutzern. Das Ganze geschieht über das familieneigene WLAN-Netz. Der Bundesgerichtshof hat zu dieser Thematik schon 2012 ein Urteil gesprochen: Eltern haften grundsätzlich nicht für solche Urheberrechtsverletzungen ihrer Kinder, vorausgesetzt, sie haben ihre Kinder darüber aufgeklärt, dass unter anderem der Tausch von Dateien (Filesharing) verboten ist. Es kann von den Eltern nicht verlangt werden, dass sie ihre Kinder regelmäßig überwachen, ob sie das Verbot auch einhalten. Eltern müssen demnach also auch keine Abmahnkosten und keinen Schadensersatz bezahlen.

Einen Knackpunkt gibt es allerdings: Eltern müssen glaubhaft darlegen, dass sie ihren Nachwuchs aufgeklärt haben und Aktivitäten auf Tauschbörsen verboten haben. Es schadet nicht, in einem mit Datum versehenen Protokoll festzuhalten, dass man dieses Gespräch geführt hat.

Manchmal zahlen Eltern doch – ein Beispiel

In einem Fall, der im März 2017 für Aufsehen gesorgt hat, sind die Eltern aber doch verpflichtet worden, für Abmahnung und Schadensersatz aufzukommen: Eines von drei Kindern einer Familie hatte über den familieneigenen WLAN-Anschluss illegal Musikdateien im Internet anderen Nutzern zur Verfügung gestellt. Abmahnkosten und Schadensersatzforderungen von insgesamt rund 3.500 Euro wurde von der Plattenfirma dem Anschlussinhaber in Rechnung gestellt – den Eltern. Das Kind gab den Eltern gegenüber die Tat zu, die Eltern weigerten sich aber, vor Gericht den Namen ihres Kindes preiszugeben und mussten folglich selbst den Schaden begleichen. (Az. 1 ZR 19/16).

Eltern haften also begrenzt als Anschlussinhaber. Wenn der Täter bekannt ist, erübrigt sich der Rückgriff auf die Eltern. Sie haften hier also nicht als Eltern, sondern weil in der Regel der Internetanschluss auf sie läuft und sie deswegen für die Gefahr, die damit verbunden ist (dass eine Urheberrechtsverletzung begangen wird), für den Aufwendungsersatz der Anwälte und der Rechtsverfolgung haften. Sie haften nicht als Täter oder in Stellvertretung eines Kindes.

4b. Haften Kinder selbst?

Kinder bis zu einem Alter von sieben Jahren können nicht haftbar gemacht werden. Sind sie älter, können sie durchaus haftbar gemacht werden, vorausgesetzt, sie hatten die Einsichtsfähigkeit, dass ihr Handeln nicht erlaubt ist. Man geht davon aus, dass das etwa ab einem Alter von 13 Jahren der Fall ist. Wenn das Kind die Einsichtsfähigkeit hatte, dann kann es auch mit Schadensersatzforderungen konfrontiert werden.

4c. Tipps zu sicherem Surfen

Die größte Gefahr, Schäden durch Internetnutzung zu erleiden, ist man als Computernutzer selbst. Hier ein paar Tipps zu sicherem Surfen:

E-Mails: Öffnen Sie nie E-Mails oder deren Anhänge von unbekannten Absendern. Sollte es tatsächlich um offene Rechnungen oder Kontosperrungen gehen, wählen seriöse Unternehmen und Banken immer noch Postweg. Sogar Mahnungen über unbezahlte Rechnungen über Versandhändler Amazon kommen per Post.

Passwort: Nutzen Sie verschiedene, komplexe Passwörter mit unterschiedlichen Zeichen, Zahlen, Groß- und Kleinbuchstaben, auch wenn das unbequemer ist, als überall dasselbe, leicht zu merkende Passwort zu verwenden.

Virenscanner: Installieren sie stets ein aktuelles Virenprogramm auf Ihrem PC und eine Firewall.

Privatsphäre: Nutzen Sie die Einstellungen zur Privatsphäre in den sozialen Netzwerken und geben Sie nur die Daten von sich preis, die unbedingt nötig sind.

Persönlichkeitsrechte: Auch im Internet gelten Persönlichkeitsrechte. Fotos von anderen darf man nur hochladen und verschicken, wenn man die Personen um Erlaubnis gefragt hat. Ein Partyvideo auf YouTube hochzuladen ist nur zulässig, wenn man die Erlaubnis von allen dort gezeigten Personen eingeholt hat.

Urheberechte: In punkto Urheberrecht gilt als Faustregel: Fremde Inhalte – also alles, was man nicht selbst verfasst oder produziert hat – darf man nicht öffentlich im Netz zugänglich machen und verbreiten. Für den privaten Gebrauch etwas ansehen, anhören oder herunterladen ist erlaubt. Etwas herunterladen und es anderen Nutzern wiederum zum Herunterladen anzubieten, insbesondere Musikdateien auf Tauschbörsen (Filesharing), ist verboten. Über die ip-Adresse, die jedes internetfähige Gerät besitzt, kann der PC, bzw. der Anschluss ganz leicht identifiziert werden.

Wlan-Anschluss: Sichern Sie Ihren eigenen WLAN-Anschluss über ein Passwort – und zwar nicht über das, was auf der Geräterückseite des Routers steht und für alle einsehbar ist. Sonst laufen Sie Gefahr, im Falle einer Urheberechtsverletzung als Anschlussinhaber belangt zu werden.

4d. So oft geschieht Betrug im Internet 

Cybercrime in Deutschland insgesamt: 82.649 Fälle im Jahr 2016, davon:

Computerbetrug (z. B. Geldströme umleiten bei Online-Bezahlvorgängen)

58.620

Ausspähen/Abfangen von Daten (z. B. Diebstahl digitaler Identitäten, Kreditkarten-, E-Commerce- oder Kontodaten z. B. Phishing)

10.638

Fälschung beweiserheblicher Daten, Täuschung im Rechtsverkehr bei Datenverarbeitung (z. B. durch Zusendung von E-Mails unter Vorspiegelung realer Identitäten. Das Opfer soll so u.a. zur Preisgabe von Kreditkartendaten oder zu Zahlungen bewegt werden).

8.158

Datenveränderung, Computersabotage (z. B. Verbreitung von Trojanern oder Viren).

4.422

Missbräuchliche Nutzung von Telekommunikationsdiensten (z. B. unberechtigter Zugriff auf Router, um teure Auslandstelefonverbindungen anzuwählen oder gezielt Premium-bzw. Mehrwertdienste in Anspruch zu nehmen.)

811

Quelle: BKA, Bundeslagebild 2016

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während meines Studiums der Neueren Geschichte in München begann ich als freie Journalistin zu arbeiten, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung. Im Jahr 2000 kam ich zu biallo.de, damals waren Versicherungsthemen für mich Neuland, über Gesundheitspolitik las ich in der Zeitung oder bekam die Auswirkungen als Patientin zu spüren.

Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de