Baumsturz nach Sturm: Wer zahlt den Schaden?

Wohngebäudeversicherung Baumsturz nach Sturm: Wer zahlt den Schaden?

Ines Baur
von Ines Baur
23.01.2018
Auf einen Blick
  • Orkan "Friederike" hat Expertenschätzungen zufolge einen Gesamtschaden von mehr als einer Milliarde Euro verursacht. Nach wie vor besteht Gefahr durch unstabile Bäume.

  • Nach Auffassung des Oberlandesgerichts Hamm muss die Wohngebäudeversicherung auch dann für Schäden aufkommen, wenn ein Baum erst Tage nach einem Sturm umstürzt.
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Der jüngste Orkan "Friederike" geht als schwerster Sturm nach "Kyrill" (2007) in die Geschichte ein. Die Schäden sollen sich allein in Deutschland mittlerweile auf mehr als eine Milliarde Euro belaufen. Experten raten unbedingt rechtzeitig, eine Gebäudeversicherung abzuschließen.

Aber auch wenn man eine entsprechende Versicherung bereits hat, kann es bei der Schadensregulierung zu Unstimmigkeiten kommen. Manche Versicherer versuchen nämlich, sich den finanziellen Ansprüchen zu entziehen.

So auch bei einem Schaden durch Sturm "Xynthia" Ende Februar 2010. Nachdem der Sturm bereits abgeflaut war, stürzte sechs Tage später ein Baum auf ein Haus in Dortmund. Der Eigentümer machte den schweren Sturm für den Sturz des standfesten Baumes verantwortlich. Er dokumentierte den Schaden und meldete ihn seiner Wohngebäudeversicherung. 

Die Versicherung lehnte seine Forderung allerdings ab. Sie ersetze ausschließlich Schäden, die unmittelbar während eines Sturms oder Orkans entstanden seien, war die Begründung. Der Geschädigte sah das anders und zog vor das Dortmunder Landgericht.

Versicherungsschutz setzt nicht Baumsturz während des Sturms voraus

Das Landgericht entschied zu Gunsten des Grundstückseigentümers, dem Kläger steht der Anspruch auf Versicherungsschutz zu (Urteil vom 10.09.2015 – Az.: 2 O 240/11).

Urteilsbegründung: Nach dem Vertragswerk der Versicherung seien solche Sturmschäden versichert gewesen, "die dadurch entstehen, dass der Sturm Gebäudeteile, Bäume oder sonstige Gegenstände auf versicherte Sachen wirft".

Dem Wortlaut nach braucht es keine unmittelbare Sturmeinwirkung. Die Versicherungsbedingungen können nicht eindeutig so verstanden werden, dass lediglich Schäden versichert sind, die während des Sturms entstanden seien. Es habe ausgereicht, dass der Sturm die Ursache dafür sei, dass der Baum auf oder gegen eine versicherte Sache falle. Dass zwischen Sturm und Schaden sechs Tage vergangen waren, sei nicht relevant.

  • Lesen Sie auch: Unwetterschäden richtig versichern

  • Biallo-Tipp: Selbst gesunde Bäume können durch einen heftigen Sturm umstürzen und Schäden verursachen. Auch Tage nach einem Unwetter. Denn das Wurzelwerk der Bäume wird gelockert und kann reißen. Dann hält den Baum nichts mehr im Boden und er stürzt um. Im Zweifelsfall beauftragen Sie einen Sachverständigen. Über ein Gutachten lässt sich nachweisen, ob letztendlich ein Sturm Auslöser für den Baumsturz war.

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Das Oberlandesgericht Hamm (Urteil vom 25.09.2017 – Az.: 6 U 191/15) schloss sich dem Urteil des Landgerichts Dortmund an und verurteilte den Versicherer zur Zahlung. "Unstreitig herrschte einige Tage vor dem Umstürzen des Baumes eine wetterbedingte Luftbewegung von mindestens Windstärke acht und damit ein Sturm im Sinne der Bedingungen", so das OLG Hamm. Laut Gutachten stehe fest, dass der Sturm den später umgestürzten Baum auch entwurzelt und damit dazu geführt habe, dass der Baum auf das Haus des Klägers fiel.

"Dass dies nicht zeitlich unmittelbar nach dem Sturm geschah, sondern dass der Baum, der aufgrund des Sturms seine Standfestigkeit verloren hatte, erst um einige Tage zeitverzögert auf das Dach des versicherten Gebäudes fiel und den Gebäudeschaden herbeiführte, ändert nichts daran, dass der Baum ursächlich durch den Sturm auf das Flachdach des Hauses geworfen wurde", heißt es in der Urteilsbegründung. Die Berufung gegen das Urteil ließ das OLG Hamm nicht zu. Der Versicherer hat eine Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesgerichtshof erhoben.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de