Elemtarschäden: Kommt jetzt die Pflichtversicherung?

Wohngebäudeversicherung Elemtarschäden: Kommt jetzt die Pflichtversicherung?

Ines Baur
von Ines Baur
20.07.2017
Auf einen Blick
  • Wohngebäude sind in Deutschland selten gegen Elementarschäden wie Hochwasser, Erdrutsch oder Schneedruck versichert.

  • Hausbesitzer in Risikogebieten bekommen keine Police oder nur gegen hohe Beiträge und Selbstbeteiligung.

  • Die Verbraucherschützer fordern eine Pflichtversicherung gegen Elementarschäden.
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Über Deutschland haben wieder heftige Gewitter getobt: Keller stehen unter Wasser, Erdgeschosse verschlammen, die Feuerwehr befindet sich im Dauereinsatz. Unwetter richten Millionenschäden an. Viele Hausbesitzer stehen fassungslos und ohne finanzielle Unterstützung vor ihren verwüsteten Häusern, trotz Wohngebäudeversicherung. Der Grundschutz dieser Versicherung umfasst Blitzschlag, Frost, Sturm, Feuer und Hagel. Nicht aber Schäden durch Hochwasser, Schneedruck oder Erdrutsch. Hier greift nur der Zusatz "Elementarschäden".

Das Dilemma: Hausbesitzer in Risikogebieten wollen die Elementarschadenversicherung, bekommen sie aber nicht. Und die Hausbesitzer, die sie bekommen würden, wollen und brauchen sie nicht. Die Einführung einer Pflichtversicherung gegen Elementarschäden ist ein heißes Thema bei Verbraucherschützern, Politikern und Betroffenen.

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Pro Pflichtversicherung

Andrea Heyer, stellvertretender Vorstand der Verbraucherzentrale Sachsen (VZS), plädiert für eine Versicherungspflicht von Elementarschäden. Ein flächendeckender Versicherungsschutz sei ihrer Meinung nach sowohl für Gebäudeeigentümer, als auch für die gesamte Volkswirtschaft von Bedeutung.

"Die niedrige Versicherungsdichte führt bei sich wiederholenden Schadensereignissen zur Belastung der Volkswirtschaft und Gefährdung des Gemeinwohls. Es ist auch kaum zu akzeptieren, dass betroffene Hauseigentümer nach jeder Katastrophe auf private Spenden und staatliche Almosen angewiesen sind. Oder auch, dass sie mit staatlicher Unterstützung rechnen können, ohne eigene Beiträge für eine Versicherung aufbringen zu müssen", so Heyer gegenüber dem Onlineportal "Versicherungsbote".

Die Versicherungsexpertin steht mit ihrer Meinung nicht allein. Das zeigt eine von der Verbraucherzentrale Sachsen in Auftrag gegebene repräsentative Umfrage vom März 2017Die Mehrheit der Deutschen möchte die Versicherungspflicht gegen Elementarschäden. "Für die Politik sollte dieses klare Ergebnis ein richtungweisender Beleg dafür sein, dass die Bürger bereit sind, im Interesse des Gemeinwohls einen Eingriff in ihre Privatautonomie zu akzeptieren", sagt Andreas Eichhorst, Vorstand der Verbraucherzentrale Sachsen.

Contra Pflichtversicherung

Aber es gibt Gegenstimmen. Der Gesamtverband der Versicherungsgesellschaft (GdV e.V.) zum Beispiel lehnt eine Versicherungspflicht ab. Hier plädiert man für Prävention. Ein "zielgerichtetes Paket aus der Änderung der Bauvorschriften sowie einer Anpassung der regionalen Raum-, Flächennutzungs- und Bebauungsplanung".

Bereits die Ursache solle bekämpft werden und nicht erst das Symptom. Ein guter Gedanke, der allerdings für bestehende Gebäuden in Risikogebieten nichts bringt. Weiter fordert der Verband ein bundesweites "Naturgefahrenportal", wie es in Österreich und der Schweiz besteht. Das macht Gefahrenlagen transparent. Jeder kann sich über die individuelle Gefährdung, Möglichkeiten der Prävention und finanzielle Absicherung informieren.

Ein weiterer Gegner der Pflichtversicherung ist die Arbeitsgruppe "Pflicht zur Versicherung von Elementarschäden" des Deutschen Bundestags. "Eine pauschale Pflicht für Grundeigentümer und Versicherer, Versicherungen gegen Elementarschäden abzuschließen, ist seit 2003 bereits zweimal nach umfassender Erörterung durch die eingesetzten Bund-Länder-Gruppen wegen der aufgezeigten verfassungs- und europarechtlichen Hürden verworfen worden."

Vergleich Wohngebäudeversicherung

  Anbieter Tarif Beitrag  
1 Degenia-casa-classic-T12 219,88 Euro weiter
2 Tarif Kompakt 232,76 Euro weiter
3 max-Wohngebaeude-Premium 234,67 Euro weiter
4 ConceptIF-BayH 252,39 Euro weiter
5 Tarif XL 242,30 Euro weiter
Einfamilienhaus in Großstadt, 120 qm, mit Elementarschäden, Bj. 2008, Wert 1914 19.200 Euro, Selbstbeteiligung bis 250 Euro, 1 Jahr Vertragslaufzeit, pro Anbieter nur 1 Tarif, Prämie pro Jahr.
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Viele hätten gern, bekommen aber nicht

Neben der Theorie von Arbeitsgruppen und Verbraucherschutzorganisation interessiert das Wort der Betroffenen. Da sind einmal die Hausbesitzer in den Risikogebieten drei und vier, die gar keine Chance auf Versicherungsschutz haben. Zum Beispiel Anwohner, die in hochwassergefährdeten Gebieten wie Passau, Donau, Oder und Rhein leben.

Hier gibt es die Elementarversicherung "nur zu wirtschaftlich nicht darstellbaren Konditionen", wie der Passauer Oberbürgermeister Jürgen Duppner (SPD) nach dem Jahrhunderthochwasser 2013 bemerkte. Immobilienbesitzer, die in den vergangenen zehn Jahren einen Hochwasserschaden hatten, sind als Neukunde nicht willkommen. Hier eine Police abschließen – Nein! Das Risiko ist den Versicherern zu hoch.

Das bestätigt auch der Versicherungscheck der Verbraucherzentrale Sachsen: Sie haben getestet, ob es möglich ist, ein Wohngebäude in der Hochwasser-Risikozone drei oder vier zu bezahlbaren Konditionen zu versichern. Im ersten Fall hat der Besitzer eines größeren, historischen Hauses mit Arztpraxis in Meißen (Risikozone vier) bei insgesamt 32 Versicherungsgesellschaften um Angebote für eine umfassende Wohngebäudeversicherung mit zusätzlichem Elementarschadenschutz gebeten. Ergebnis: Kein Unternehmen wollte das Gebäude so versichern.

Im zweiten Fall wollte der Besitzer sein kleines Einfamilienhaus mit 70 Quadratmetern Wohnfläche in Dresden (Risikozone drei) versichern. Auch hier waren die Rückmeldungen negativ. 20 Unternehmen unterbreiteten kein Angebot. Fünf lehnten ausdrücklich ab, das Haus gegen Elementarschäden zu versichern. Elf Versicherungen unterbreiteten Angebote, die teure Prämien und hohe Selbstbeteiligungen (bis zu 10.000 Euro) im Schadenfall hatten.

Vorbild Schweiz?

Die Schweiz verfügt über eine flächendeckende Elementarschadenversicherung für Hausrat, Geschäftsinventar und Gebäude. Sie ist zwingend in die Fahrhabe (Hausrat)- und Gebäude-Feuerversicherung integriert. Schließt ein Hausbesitzer eine Feuer- und Hausratversicherung ab, ist er automatisch gegen die Risiken Hochwasser, Überschwemmungen, Sturm, Hagel, Lawinen, Schneedruck, Felssturz, Steinschlag oder Erdrutsch versichert. Einer für alle – alle für einen.

Das Motto macht den Versicherungsschutz für alle bezahlbar. Das Konzept entlastet die Gemeinschaft und bringt Versicherbarkeit. "Daran kann und muss sich Deutschland ein Beispiel nehmen. Es kann nicht angehen, dass betroffene Hauseigentümer nach einer Katastrophe, wie dem Jahrhunderthochwasser von 2013 auf Zuwendungen des Staates angewiesen sind oder nach lokalen Starkregenereignissen vor dem finanziellen Ruin stehen", fordert Eichhorst.

Biallo-Lesetipp

Mittlerweile sind starke Regengüsse und heftige Stürme so gut wie überall möglich, besonders im Frühjahr und im Herbst. Wie versichert man sich gegen Unwetterschäden? Mehr hierzu lesen Sie in unserem Artikel: "Unwetterschäden richtig versichern"

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de