Ihre Rechte und Pflichten in der Eigentumswohnung

Immobilien Ihre Rechte und Pflichten in der Eigentumswohnung

Max Geißler
von Max Geißler
05.09.2018
Auf einen Blick
  • Bei den Rechten und Pflichten von Wohnungseigentümern ist zwischen Sondereigentum und Gemeinschaftseigentum zu unterscheiden.

  • Grundsätzlich darf der Eigentümer mit seinem Sondereigentum verfahren, wie er will. Allerdings muss er gewisse Spielregeln einhalten.

  • Bei baulichen Veränderungen oder Umgestaltungen des Gemeineigentums bedarf es der Zustimmung der Eigentümerversammlung.

  • Fühlt sich ein Wohnungsinhaber von einem Beschluss der Eigentümerversammlung benachteiligt, kann er diesen innerhalb eines Monats vor Gericht anfechten.

  • Die Eigentümergemeinschaft bestimmt auch über die Höhe des Hausgeldes.

 

 

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Knapp die Hälfte aller Immobilienbesitzer in deutschen Großstädten lebt in der eigenen Wohnung. Neben Mietfreiheit profitieren Wohnungseigentümer von Gestaltungsspielraum und Mitspracherechten innerhalb der Wohnanlage. Das Zusammenleben unter einem Dach erfordert aber Kompromissbereitschaft und gegenseitige Rücksichtnahme. Denn die Eigentumswohnung ist immer Teil einer größeren Wohnanlage oder eines Hauses mit weiteren Bewohnern.

Innerhalb des Hauslebens genießen Eigentümer kaum größere Rechte als Mieter. Damit das Zusammenleben mit den Nachbarn reibungslos funktioniert, hat der Gesetzgeber zahlreiche Vorschriften erlassen. Mit diesen sollten sich Eigentümer in spe auf jeden Fall beschäftigen, bevor sie sich auf den Weg in die eigenen vier Wände machen. Der folgende Beitrag befasst sich mit den Rechten und Pflichten von Wohnungseigentümern. Was ist erlaubt und wo sind die Grenzen?

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Mein Reich: Das Sondereigentum

Das Wohneigentumsgesetz (WEG) regelt Rechte und Pflichten von Besitzern einer Eigentumswohnung. Es unterscheidet in erster Linie zwischen dem Sondereigentum, also dem Eigentum, das ausschließlich dem Wohnungsinhaber gehört, und dem Gemeinschaftseigentum, das allen Eigentümern gehört.

Mit dem ihm gehörenden Sondereigentum kann jeder Besitzer verfahren, wie er will. Er kann in seiner Wohnung selbst wohnen, sie vermieten oder weiterverkaufen. Auch die Einrichtung der Wohnung ist seine Sache. Er kann die Wände schwarz anstreichen oder das Wohnzimmer in ein Biotop verwandeln.

Sobald die Aktivitäten jedoch die Mitbewohner tangieren oder gar belästigen, ist es mit der individuellen Freiheit schnell vorbei. Das gilt selbst dann, wenn die Mehrzahl der Eigentümer gleiche Interessen hegt.

Beispiel Lärm: Nur weil das Haus mehrheitlich in der Hand von jungen Menschen ist, darf die Eigentümerversammlung nicht beschließen, dass jeder Mitbewohner rund um die Uhr Party machen kann. Allgemein übliche Ruhezeiten in Wohnhäusern sind von 13 bis 15 Uhr und von 22 bis 7 Uhr. Während dieser Zeit ist nur Zimmerlautstärke gestattet. Bewohner, die sich belästigt fühlen, können auf die Einhaltung der Ruhezeit pochen und sie notfalls gerichtlich durchsetzen.

Beispiel Grillen: Das Gleiche gilt für das Grillen auf dem Balkon oder im Gemeinschaftsgarten. Eingefleischte Grillfans können zwar in der Eigentümerversammlung allabendliche Brutzelorgien und die Nutzung von Holzkohle durchsetzen, vor Gericht hat die Entscheidung aber keinen Bestand. Klagt ein Hausbewohner gegen die Geruchsbelästigung, muss die Gemeinschaftsordnung neu geschrieben werden.

Beispiel Balkon: Der Balkon gehört zwar mehrheitlich zum Sondereigentum, dennoch darf ein Eigentümer nach außen hin nicht schalten und walten, wie er will. Möchte er zum Beispiel den Balkon verglasen oder die Hauswand an seinem Balkon andersfarbig streichen, bedarf dies der Zustimmung der anderen Eigentümer, nicht selten muss der Architekt gefragt werden.

Auch die Satellitenschüssel am eigenen Balkon ist nicht selbstverständlich. "Die Eigentümergemeinschaft kann bestimmen, dass die Parabolantenne zum Beispiel nur auf dem Dach angebracht werden darf", erklärt Karl-Heinz Seyfried, Autor des Lexikons Eigentümergemeinschaft, herausgegeben von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Das Gleiche gelte für die Kosten des Kabelfernsehens: Trotz eigener Satellitenschüssel müsse der Eigentümer die Kabelumlage zahlen, wenn die Eigentümergemeinschaft Kabelfernsehen beschlossen hat.

Berufliche Nutzung

Ein Sonderfall ist die berufliche Nutzung der Wohnung. Wird eine Eigentumswohnung als freiberufliche Praxis oder Kanzlei genutzt, so ist dies nur dann zulässig, wenn sich der Besuchsverkehr in Grenzen hält. Andernfalls ist von einer unzumutbaren Belästigung anderer Bewohner auszugehen. So hat zum Beispiel der Bundesgerichtshof (BGH) die Nutzung einer Eigentumswohnung für berufliche Kinderbetreuung untersagt (Az. V ZR 201/11).

Biallo-Tipp: Wenn Sie eine berufliche oder gewerbliche Nutzung Ihrer Eigentumswohnung planen, sollten Sie sich vor dem Kauf genau über die geltenden Regelungen informieren.

Pflichten des Eigentümers

Die grundsätzliche Pflicht des Wohnungseigentümers ist es, sein Sondereigentum zu pflegen und instand zu halten. Als Mindeststandard gilt auch hier, dass keinem anderen Miteigentümer ein Nachteil oder Schaden entstehen darf, nur weil man die eigene Wohnung nicht in Schuss hält.

Wohnungseigentümer müssen dafür Sorge tragen, dass andere Personen, die seine Wohnung nutzen, die gesetzlichen Regeln und die Hausordnung einhalten. Ist es für die Instandhaltung des Gemeinschaftseigentums erforderlich, muss der Eigentümer das Betreten seiner Wohnung gestatten, zum Beispiel für Handwerksarbeiten.

Sondernutzungsrecht

Sondernutzungsrechte werden häufig für Tiefgaragenstellplätze, Dachterrassen, Abstellräume oder Gartenanteile gewährt. Besitzt ein Eigentümer ein Sondernutzungsrecht, darf er diese Fläche exklusiv für sich beanspruchen.

Das Sondernutzungsrecht räumt dem Eigentümer eine starke Stellung ein. Es wird durch den Bauträger oder die Eigentümergemeinschaft gewährt und meist in der Teilungserklärung festgeschrieben. Wird das Sondernutzungsrecht im Grundbuch verankert, bleibt es auch bei einem Eigentümerwechsel bestehen. Nur wenn der Berechtigte zustimmt, kann es aufgehoben werden. Andere Eigentümer haben kein Widerrufsrecht. Möchte die Eigentümergemeinschaft zum Beispiel das Sondernutzungsrecht eines Einzelnen am Gemeinschaftsgarten aufheben, etwa um einen Spielplatz für Kinder zu errichten, kann sie das nicht gegen den Willen des Sondernutzungsberechtigten durchsetzen.

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Gemeinschaftseigentum

Alle Bereiche außerhalb der eigenen Wohnung oder Garage gehören zum Gemeineigentum. Anders als das Sondereigentum steht das gemeinschaftliche Eigentum allen Wohnungseigentümern und Mietern zum Gebrauch offen, etwa der Garten, das Treppenhaus oder die Tiefgarage.

Das gemeinschaftliche Eigentum sorgt immer wieder für Streit, nicht selten geht es dabei um Kleinigkeiten. So fühlte sich eine Frau von der Aufstellung zweier Gartenzwerge im Gemeinschaftsgarten durch einen Mitbewohner belästigt und klagte dagegen. Vor dem Oberlandesgericht Hamburg bekam sie schließlich Recht (OLG: Az. 2 W 7/87).

Gemeineigentum im privaten Bereich

Es gibt auch Bereiche, die zwar zum Gemeineigentum zählen, aber nicht allen offen stehen. Hierzu zählen unter anderem die Außenfenster der eigenen Wohnung, die Geschossdecken sowie die tragenden Wände des Gebäudes. Hiervon betroffen sind in der Regel auch Wände innerhalb der eigenen Wohnung und die eigenen Heizkörper. Um bauliche Veränderungen vorzunehmen (sofern möglich), bedarf es der Zustimmung der Eigentümergemeinschaft.

Gleiches gilt, wenn Eigentümer auf ihrer Etage Bilder im Hausflur aufhängen oder ein individuelles Namensschild an der Wohnungstür anbringen möchten. Grund: Flure, Wohnungstüren und Namensschilder zählen zum Gemeinschaftseigentum und dürfen nur mit Zustimmung der Gemeinschaft verändert werden.

Welches Recht hat der Einzelne?

Jeder Miteigentümer hat ein Stimmrecht bei der Ausgestaltung des Gemeineigentums. Meist sind die Stimmrechte nach den Miteigentumsanteilen gewichtet. Über die Instandhaltung und Verwaltung des Gebäudes wird üblicherweise mit einfacher Mehrheit entschieden, bei größeren Modernisierungsvorhaben ist oft eine doppelt qualifizierte Mehrheit nötig. Das heißt, es müssen drei Viertel der Eigentümer zustimmen und diese müssen über mindestens 50 Prozent der Stimmrechte verfügen.

Es gibt aber auch immer wieder Präzedenzfälle, in denen der Einzelne mehr Rechte hat als die Eigentümergemeinschaft. So kann ein Eigentümer gegen alle anderen den Einbau einer Sprechanlage mit Videokamera durchsetzen. Das ist laut Verbraucherzentrale NRW dann erlaubt, "wenn sich die Kamera nur beim Klingeln einschaltet, das Bild nur beim betreffenden Bewohner sichtbar ist und nach dem Klingeln automatisch wieder verschwindet".

Auch temporäre Verzierungen am Haus wie eine blinkende Lichterkette zur Weihnachtszeit oder eine herausgehangene Fahne zur Fußball-WM bedürfen nicht der Zustimmung aller Eigentümer.

Mitspracherechte Dritter

Kompliziert wird es, wenn ein Eigentümer einen Baum auf dem Grundstück entfernen möchte. Ob dieser gefällt werden darf, hängt nicht nur von der Eigentümergemeinschaft ab, sondern auch von kommunalen Bestimmungen. Häufig verhindern städtische Grünsatzungen, dass Bäume gefällt werden dürfen, ausgenommen Obstbäume. Ist der Baum nicht generell durch eine Verordnung geschützt, kann er trotzdem nicht so ohne Weiteres entfernt werden. Prägt er beispielsweise nachhaltig den optischen Gesamteindruck der Wohnanlage, weil es sich um einen alleinstehenden großen Baum handelt, wäre sein Entfernen eine bauliche Veränderung, betont Karl-Heinz Seyfried im Lexikon Eigentumswohnung. In diesem Fall darf er nur mit Zustimmung aller Eigentümer gefällt werden. Prägt er nicht das Gesamtbild, reiche ein einfacher Mehrheitsbeschluss der Eigentümer.

Wie können sich Eigentümer gegen ungeliebte Beschlüsse wehren?

Fühlt sich ein Wohnungsinhaber von einem Beschluss der Eigentümerversammlung benachteiligt, kann er den Beschluss innerhalb eines Monats vor Gericht anfechten. Die Einspruchsfrist gilt in der Regel für sogenannte Positivbeschlüsse, also wenn die Gemeinschaft für etwas stimmt, zum Beispiel Geld für eine Modernisierung auszugeben. Bei Negativbeschlüssen, also wenn die Eigentümer ein Anliegen ablehnen, kann der benachteiligte Besitzer jederzeit einen neuen Beschluss erwirken.

Vorsicht vor Klage: Schafft der Eigentümer es nicht, einen ungeliebten Gesellschafterbeschluss rückgängig zu machen, kann er vor Gericht ziehen. Allerdings muss er damit rechnen, hinterher der Buhmann unter den Eigentümern zu sein. Das Klima in der Gemeinschaft ist danach meist vergiftet. Außerdem sollte man wissen, dass die Gerichte dem Verlierer meist sämtliche Verfahrenskosten aufbrummen. Dies soll verhindern, dass Querulanten eine Eigentümergemeinschaft mit Prozessen überziehen. Eine außergerichtliche Einigung ist in jedem Fall besser.

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Hausordnung

Die Gemeinschaftsordnung ist so etwas wie die Verfassung der Wohnanlage. Sie bestimmt beispielsweise, ob Fahrräder oder Kinderwagen im Hausflur abgestellt werden dürfen, ob das Haus nachts abgeschlossen werden muss, wann Kinder am Spielplatz spielen dürfen und welche Haustiere erlaubt sind. Auch die Frage der Treppenhausreinigung wird oft mittels Hausordnung festgelegt.

Jeder Miteigentümer kann bei der Ausgestaltung der Hausordnung mitbestimmen. Meist sind die Stimmrechte nach den Miteigentumsanteilen gewichtet. Bei den meisten Beschlüssen genügt die einfache Mehrheit.

Jeder Eigentümer kann Änderungen an der Hausordnung vorschlagen bzw. Änderungen verlangen, wenn er sich benachteiligt fühlt. Dazu muss er die Eigentümerversammlung von seinen Argumenten überzeugen und einen entsprechenden Beschluss herbeiführen. Gelingt dies nicht, bleibt als letztes Mittel nur die gerichtliche Klage.

Das darf die Hausordnung regeln

ProblemRegelung
Abstellen von Gegenständen im HausflurDie Hausordnung kann zwar nicht generell das Abstellen von Fahrrädern, Kinderwagen und Rollatoren im Hausflur verbieten, es sei denn der Flur ist sehr eng und der Fluchtweg im Brandfall versperrt. Nachts kann das Abstellen im Keller aber sehr wohl verlangt werden, urteilte das OLG Hamm (Az. 15 W 444/00).
Haustür abschließenDie Festlegung einer Schließzeit ist erlaubt, dabei muss die Mehrheit auf einzelne Eigentümer Rücksicht nehmen, wenn diese zum Beispiel die Tür bereits ab 20 Uhr abschließen möchten.
AufzugEine Nutzungseinschränkung auf einzelne Etagen oder bestimmte Tageszeiten darf nur mit Zustimmung aller Eigentümer erfolgen.
ParkplätzeBei ungenügender Anzahl freier Parkplätze darf die Eigentümergemeinschaft mehrheitlich die Parkplätze zeitlich befristet zuordnen oder die Stellplätze zum Beispiel für ein Jahr verlosen.
Bade- und DuschverbotEin Mehrheitsbeschluss, der das Baden oder Duschen zwischen 22 und 5 Uhr generell verbietet, ist zulässig, wenn die Wassergeräusche die zulässige DIN-Norm überschreiten.
Treppenhaus-reinigungDie Treppenhausreinigung kann von einem Putzdienst oder von den Eigentümern erledigt werden. Aber: Möchte nur ein Einzelner selbst putzen und der Rest nicht, bedarf dies der Zustimmung aller Eigentümer. Denn: "Ein persönlicher Putzeinsatz ist nur zulässig, wenn er in der Gemeinschaftsordnung vorgesehen ist oder in einer Vereinbarung, der ausnahmslos alle Eigentümer zugestimmt haben", so die Verbraucherzentrale NRW.
Quelle: Lexikon Eigentumswohnung, ARD Ratgeber Recht/Verbraucherzentrale NRW, 1. Aufl. 2013

Wie ahndet man Verstöße gegen die Hausordnung?

Die Hausgemeinschaft kann versuchen penetrante Störer zunächst durch ein klärendes Gespräch, wieder in die Spur zu bringen. Lenkt der Störenfried nicht ein, kann der Hausverwalter oder die Eigentümergemeinschaft eine Abmahnung schicken. Bleibt der Delinquent uneinsichtig, können ihn die Eigentümer verklagen. Allerdings geht dies nur, wenn die Mehrheit der Eigentümer zustimmt.

Fühlt sich ein einzelner Eigentümer von einem Mitbewohner belästigt, muss er die Eigentümerversammlung hinter sich bringen, um gemeinschaftlich zu klagen. Gelingt dies nicht, besteht kein Anspruch auf eine Gemeinschaftsklage. In diesem Fall muss der Eigentümer selbst aktiv werden.

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Hausgeld

Fast jeder Wohnungseigentümer zahlt Hausgeld. Mit den Beiträgen wird der Unterhalt des Hauses finanziert, zum Beispiel der Hausverwalter, die allgemeinen Betriebskosten, die Reinigung des Gebäudes und Steuern. Ob das Geld am Ende gereicht hat, um alle Kosten zu begleichen, zeigt die Jahresabrechnung. Je nachdem wie das Ergebnis ausfällt, gibt es Geld zurück oder es erfolgt eine Nachforderung. Möchte die Eigentümergemeinschaft den Wirtschaftsplan und damit die Höhe des Hausgelds ändern, bedarf es einer einfachen Mehrheit.

Zahlungspflicht: Eigentümer, die zum Beispiel mit der Arbeit des Hausverwalters oder mit ausgeführten Handwerksarbeiten nicht zufrieden sind, dürfen nicht einfach das Hausgeld kürzen. Die Zahlungspflicht kann nur durch einen Beschluss der Eigentümer aufgehoben werden. Kommt ein einzelner Eigentümer über längere Zeit seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nach, können die anderen den Schuldner aus der Hausgemeinschaft ausschließen.

Instandhaltungsrücklage

Ein zweiter wichtiger Beitragsposten sind Rücklagen für anfallende Sanierungen. Die Höhe der Instandhaltungsrücklage wird meist im Rahmen des jährlichen Wirtschaftsplans mitbestimmt. Der finanzielle Anteil eines jeden Eigentümers errechnet sich aus dem Miteigentumsanteil am Gemeinschaftseigentum. Manche Gemeinschaftsordnungen beziehen sich auch direkt auf die Wohnfläche eines jeden Eigentümers.

Rechtsanspruch: Eigentümer haben ein Recht auf die Einführung einer Instandhaltungsrücklage, falls diese noch nicht besteht. Die Gemeinschaft muss die Rücklage beschließen, wenn nur ein Eigentümer darauf pocht.

Die Finanzreserve bringt für Eigentümer durchaus Vorteile. Denn wird kein Geld zurückgelegt, riskieren zahlungskräftige Besitzer, dass sie im Notfall für finanzschwache Wohnungseigner einspringen müssen.

Erscheint einem Eigentümer die Rücklage oder sein Anteil daran zu hoch, kann er zunächst mit der Hausverwaltung bzw. der Eigentümergemeinschaft über eine Änderung sprechen. Wird der Änderungswunsch abgelehnt, bleibt der Gang vor Gericht.

Keine Auszahlung: Verkauft ein Eigentümer seine Wohnung, fließt in der Regel kein Anteil an der Instandhaltungsrücklage an ihn zurück. Das Geld verbleibt im Eigentum der Gemeinschaft. Der Verkäufer kann die offene Forderung aber auf den Kaufpreis aufschlagen und sich so zurückholen.

Checkliste für Hausgeld und Instandhaltungsrücklage

  • Haben Sie eine übersichtliche und nachvollziehbare Aufstellung der Kosten erhalten, die sämtliche Einnahmen und Ausgaben enthält?

  • Sind die Anfangs- und Endkontostände der Ausgaben für Hausgeld sowie der Instandhaltungsrücklage verzeichnet?

  • Sind Zinserträge erzielt und verbucht worden?

  • Sind weitere Informationen aufgeführt, etwa zusätzliche Forderungen oder Verbindlichkeiten gegenüber einzelnen Wohnungseigentümern oder Dritten?

  • Wird in der Abrechnung der richtige Kostenverteilungsschlüssel angewendet?

  • Hat eine korrekte Verteilung der Kosten stattgefunden, die nur einzelne Wohnungseigentümer betreffen?

Modernisierung der Wohnanlage

Soll das Haus aufgewertet und auf den neuesten Stand gebracht werden, bedarf es einer Modernisierung. Hierzu sind häufig umfangreiche Baumaßnahmen erforderlich. Damit diese durchgeführt werden können, müssen mindestens 75 Prozent aller stimmberechtigten Wohnungseigentümer zustimmen, die zugleich über mehr als die Hälfte der Miteigentumsanteile verfügen. Soll das Gesicht der Immobilie nachhaltig verändert werden, etwa durch neue Balkone, ist sogar die Zustimmung aller Eigentümer erforderlich.

Kredit aufnehmen

Um die Kosten einer Modernisierung zu schultern, nehmen Eigentümergemeinschaften häufig einen Kredit auf. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder die Hausgemeinschaft als Ganzes nimmt ein Darlehen auf oder jeder Einzelne ein Solo-Darlehen.

Kredit der Eigentümergemeinschaft: Diese Vorgehensweise sehen Banken nicht gern und lehnen sie daher oft ab. Erstens ist die Bonitätsprüfung schwierig und zweitens eine Absicherung im Grundbuch nicht möglich. Zudem besitzt eine Kreditaufnahme durch die Eigentümergemeinschaft das Risiko, dass Einzelne beim Zahlungsausfall eines Eigentümers in die Bresche springen und den Tilgungsanteil mit übernehmen müssen.

Kredit für Einzeleigentümer: Kostet die geplante Modernisierung mehr als die Instandhaltungsrücklage hergibt, fordert der Verwalter eine Sonderumlage. Die kann schnell 20.000 oder 30.000 Euro pro Eigentümer erreichen. Ist nicht so viel Geld vorhanden, hilft oft nur der Weg zur Bank. Einzelne Eigentümer haben hier den Vorteil, dass sie ihre Kräfte bündeln und gemeinsam zur Bank marschieren können. Das Geldhaus belohnt die hohe Kreditnachfrage nicht selten mit einem Gruppenrabatt. In diesem Fall bietet sie einen zinsvergünstigten Rahmenvertrag an, unter dessen Dach dann der einzelne Eigentümer ein Darlehen erhält.

Zeigt sich die Bank jedoch zugeknöpft, besitzen Eigentümer die Möglichkeit, zu einem anderen Geldhaus zu wechseln. In diesem Fall lohnt ein ausgiebiger Zinsvergleich.

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Max Geißler
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Max Geißler
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nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

Darüber hinaus berichte ich regelmäßig in Tageszeitungen über Finanz- und Wirtschaftsthemen, u.a. für Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Westdeutsche Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, Ruhrnachrichten und Badische Zeitung.

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nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

Darüber hinaus berichte ich regelmäßig in Tageszeitungen über Finanz- und Wirtschaftsthemen, u.a. für Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Westdeutsche Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, Ruhrnachrichten und Badische Zeitung.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de