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Auf einen Blick
  • Nach der fulminanten Rekordjagd bis zum 19. April haben die internationalen Aktienmärkte zuletzt eine kleine Verschnaufpause eingelegt.

  • Für Oliver Dreiskämper, Leiter digitale Vermögensverwaltung bei Fidelity Wealth Expert, ist das Chance-Risiko-Profil an den Aktienmärkten nach wie vor intakt.

  • "Interessant finden wir aktuell Zykliker, die von der Wiederöffnung der Wirtschaft profitieren als auch von der Inflationsdebatte", sagt Dreiskämper im Interview mit biallo.de.
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Der digitale Vermögensverwalter Fidelity Wealth Expert (FWE) hat in unserem Performance-Vergleich zuletzt einen deutlichen Satz nach oben gemacht. Zum Stichtag 31. März zählt FWE sowohl in der ausgewogenen als auch offensiven Strategie zu den Top-Performern der vergangenen zwölf Monate. Wie ist die positive Entwicklung zu erklären, Herr Dreiskämper?

Oliver Dreiskämper: Unser aktiver Ansatz hat uns geholfen, die vergangenen zwölf Monate erfolgreich zu bestehen. Gerade im März 2020 hat sich bei den Strategien der Robo-Advisor die Spreu vom Weizen getrennt. Trotz der recht schwierigen Zeiten konnten wir dank unserer robusten Portfolioaufstellung und unseres aktiven Managements gezielt in die richtigen Märkte investieren, um den Aufschwung nicht zu verpassen. Zudem hat ein positives Momentum in den zyklischen Werten, sowie ein aktives Management im Hochzinsbereich des Anleihenmarktes und den Schwellenländern nochmal eine stabile Überrendite zu den Marktwerten erreicht, die davor im Wesentlichen von vielen Techwerten getragen wurde.

Fidelity Wealth Expert verfolgt den sogenannten "Manager of Managers"-Ansatz. Wie muss man sich das genau vorstellen?

Dreiskämper: Am einfachsten lässt sich der Manager of Managers-Ansatz mit einer guten Teamaufstellung vergleichen. Dieses Team stellen wir aus einer Gruppe weltweiter Experten verschiedener Partner zusammen. Wir wollen für jeden Markt und Anlageansatz die beste und passendste Besetzung haben. Wir nutzen hierfür unser hervorragendes Netzwerk an Partnern in einer offenen Architektur, bei welcher wir uns objektiver Kriterien bedienen, um die verschiedenen Bereiche zu besetzen.

Uns ist aufgefallen, dass Sie bei der Ermittlung des Risikoprofils sehr gewissenhaft vorgehen und dafür auch mehr Fragen im Onboarding-Prozess stellen als viele Ihrer Wettbewerber. Hat das auch damit zu tun, dass Sie im Gegensatz zu den Wettbewerbern keine passiv gemanagten ETFs einsetzen?

Dreiskämper: Ein gutes Risikoprofil ist erst einmal unabhängig von der empfohlenen Strategie oder des Produktes. Zunächst stellen wir fest, wie Kunden mit Risiko umgehen und wie viel Risiko sie bereit sind, einzugehen. Damit die Kunden sich verstanden fühlen und einen ersten Überblick bekommen, haben wir den Weg über einen Risiko-Profiler gewählt. Wir haben festgestellt, dass ein personalisiertes Risikoprofil den Kunden besonnener macht und die Nervosität bei der Anlage rausnimmt.

Setzen Sie ausschließlich auf aktiv gemanagte Fonds, weil nur mit diesen Produkten eine Überrendite, die sogenannte Outperformance, möglich ist?

Dreiskämper: Wir bieten mit Fidelity Wealth Expert ein Produkt an, das auf den Ebenen der strategischen Allokation, taktischen Anpassungen und in den einzelnen Anlagesegmenten durchgehend auf eine aktive Gestaltung setzt. Unser klares Ziel ist es, eine Überrendite zu erzielen. Dies ist uns auch gelungen. In den letzten drei Monaten haben wir in Strategie 7 eine Gesamtrendite von über sieben Prozent insgesamt, mit mehr als vier Prozent in den Segmenten Asien und Schwellenländern gegenüber den Marktindizes, erreicht.

Dennoch: Der jüngste SPIVA-Report von S&P Dow Jones Indizes kommt zu dem Ergebnis, dass über die vergangenen 20 Jahre nur sechs Prozent der Fondsmanager von Large Cap Fonds es schafften, ihren Vergleichsindex S&P 500 zu schlagen. Da dürfte es keine einfache Aufgabe sein, die künftigen Outperformer herauszupicken. Was meinen Sie?

Dreiskämper: Hier greift wieder unser Manager-of-Managers-Ansatz, um unsere Qualitätsstandards zu erreichen. Potenzielle Manager für Fidelity Wealth Expert müssen es zunächst schaffen, über einen längeren Zeitraum ihre Vergleichsindizes zu schlagen. Dies überprüfen wir fortwährend und sind mit allen Beteiligten im regelmäßigen Austausch. Das ist Teil unserer täglichen Arbeit und wir sind überzeugt davon, die richtigen Partner an Board zu haben, um das Ziel der Outperformance zu erreichen.

Die Performance scheint Ihnen im Moment auf jeden Fall Recht zu geben. Inwieweit spielen die gestiegenen Inflationssorgen bei der Vermögensallokation in den Kundenportfolios derzeit eine Rolle?

Dreiskämper: Wir sind seit Beginn des Jahres, soweit es möglich ist, in dem Bereich Investmentgrade-Anleihen reduziert unterwegs. Dies hängt mit den Inflationssorgen und der damit verbunden Angst vor Zinserhöhungen, die Anleihen unter Druck setzt, zusammen. Diese Thematik wird auch in Zukunft nicht ganz verschwinden, aber unsere Portfolios benötigen auch gerade im konservativen Bereich weiterhin diese Anlageklasse. Wir glauben aber fest daran, dass sich diese Sorgen über den längeren Zeitraum austarieren. Gerade im Hochzinsbereich bauen wir hier auf die richtige Auswahl durch unsere Manager, um auch weiterhin gute Renditen zu erwirtschaften.

Wie schätzen Ihre Experten das Risiko steigender Zinsen im Moment ein?

Dreiskämper: Obwohl die Märkte derzeit steigende Renditen in den USA im Zuge der zurückkehrenden Inflation beobachten, bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass dies auch zu steigenden Zinsen in Europa führt. Während Finanztitel aufgrund der Renditeerwartungen gestiegen sind, hat sich die relevante Benchmark für die Bewertung europäischer Kredite, der Zwölf-Monats-Euribor, kaum bewegt. Hier bleiben also die weitere Entwicklung und Reaktionen der Notenbanken abzuwarten.

Hier geht's zu dem kompletten Interview auf unserem Youtube-Channel:

Welche Regionen und Sektoren halten Sie derzeit für besonders aussichtsreich?

Dreiskämper: Teil unseres Angebots ist eine engmaschige und börsentägliche Analyse der Märkte zu bieten, da sich Ereignisse schnell auf die Wirtschaft auswirken können. Aber zum aktuellen Geschehen: Interessant finden wir aktuell Zykliker, die von der Wiederöffnung der Wirtschaft profitieren als auch von der Inflationsdebatte. Diese bekommen durch die Impfstrategien und durch die Steigerung der Inflation Aufwind. Für Fidelity Wealth Expert bedeutet das einen risikofreudigen, aber selektiven Ansatz bei der Anlagepolitik. Wir bleiben in Bezug auf Risikoanlagen vorerst zuversichtlich, beobachten jedoch die Realrenditen und politische Schritte genau. Diese Positionierung entspricht damit im Großen und Ganzen der des Vormonates. Die aktuelle Erholung könnte durch folgende Aspekte beeinflusst werden: Lieferkettenprobleme, Rückschläge bei der Bekämpfung des Coronavirus, Glaubwürdigkeit der US-Geldpolitik sowie die Beziehungen zwischen USA und China. Angesichts guter Entwicklungen der Unternehmensgewinne und der Aussichten auf ein verstärktes globales Wachstum, bevorzugen wir Aktien und gewichten Staatsanleihen und Liquidität unter.

Bei den Technologietiteln, insbesondere im Bereich Nachhaltigkeit, macht sich der eine oder andere Marktteilnehmer bereits Sorgen über eine Blasenbildung. Sind die Sorgen Ihrer Meinung nach berechtigt?

Dreiskämper: Obwohl einige Titel zurzeit höher bewertet sind, sehen wir noch keine Blasenbildung. Für Anleger ist der Blick nach vorne entscheidend – die Spitzenreiter während der Pandemie werden nicht unbedingt die Gewinner in der nächsten Periode sein. Die strikte Definition und Aufdeckung von nachhaltigem Ertragswachstum ist der beste Weg für Anleger, sich vor Risiken zu schützen. Um gleichzeitig die schlimmste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg, wachsenden Wohlstand und eine fulminante Aktienhausse zu verarbeiten, bedarf es einiger Gelassenheit. Es ist leicht, Letzteres als Marktüberschwang oder gar als Blase abzutun, aber die Realität zeigt, dass eine kräftige Gewinnerholung im Gange ist. Und wo die Gewinne erwartet werden, folgt der Markt.

Sie selbst bieten noch keine rein nachhaltige Strategie an, obwohl Sie bei Fidelity ja bereits ein eigenes Nachhaltigkeitsrating aufgelegt haben. Sind bald auch grüne Portfolios bei Fidelity Wealth Expert geplant?

Dreiskämper: Wir sehen auch die Entwicklungen am Markt und den starken Trend zur nachhaltigen Geldanlage. Für uns ist es wichtig, sich intensiv mit den Kundenwünschen auseinanderzusetzen. Daher bietet Fidelity bereits einige nachhaltige Fonds und ETFs an, um den Kundenbedürfnissen gerecht zu werden. In Zukunft wird es für Fidelity Wealth Expert und generell Fidelity noch einige Entwicklungen zu sehen geben.

Zum Jahresanfang haben die sogenannten Reddit-Trader die Finanzbranche durchgewirbelt und den einen oder anderen Hedgefonds in die Bredouille gebracht. Manche Experten sehen bereits die Finanzstabilität gefährdet. Wie schätzen Sie die Lage im Moment ein?

Dreiskämper: Das war sicherlich ein Weckruf und hat großes Aufsehen erregt. Dieser Impuls hat es geschafft, dass sich noch mehr Menschen mit der Finanzbranche auseinandersetzen. Jetzt gilt es, das gewonnene Interesse vor allem zu unterstützen und unseren Kunden mit professionellen Investmentansätzen zu helfen, um sinnhaft zu investieren. Es wird interessant sein zu sehen, wie die weltweiten Regierungsbehörden eine passende Reaktion auf das generelle Phänomen beziehungsweise auf seine Auswirkungen finden werden und ob dies eventuell Einfluss auf die sooft geforderte Transparenz nehmen wird.

In Lockdown-Zeiten scheinen auf jeden Fall viele junge Menschen Ihre Leidenschaft für den Aktienhandel entdeckt zu haben. Hat sich das auch in Ihrem Neukundengeschäft bemerkbar gemacht?

Dreiskämper: Grundsätzlich sehen wir steigende Zahlen in unseren Abschlüssen. Dies ist auch auf die Ereignisse rund um die Gamestopp-Aktien zu Beginn des Jahres zurückzuführen. Die Bereitschaft unserer Kunden, online Geschäfte zu tätigen, ist definitiv angestiegen. Wir freuen uns, mit Wealth Expert gerade Finanzeinsteigern, eine optimale Möglichkeit zu bieten, am Markt zu investieren.

Auch bei den Kryptowährungen ist im Moment ordentlich Musik drin. Sie haben bei Fidelity International bereits eine institutionelle Krypto-Plattform im Angebot. Wollen Sie das auf die digitale Vermögensverwaltung ausweiten?

Dreiskämper: Wir überprüfen regelmäßig unsere Möglichkeiten, haben aber noch nichts Konkretes geplant.

Fidelity Wealth Expert kooperiert seit 2018 mit dem Daimler Vorsorge und Versicherungsdienst. Stehen weitere Kooperationen dieser Art in den Startlöchern?

Dreiskämper: Aktuell arbeiten wir unter anderen in einer Kooperation mit Daimler zusammen. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass nicht alle Partner zu einer Kooperation sprechen wollen. Wir schauen uns aber auch regelmäßig am Markt nach neuen Möglichkeiten um.

Mit einer Vermögensverwaltungsgebühr von lediglich 0,55 Prozent pro Jahr zählen Sie zu den günstigsten Anbietern hierzulande. Dennoch: Im Vergleich zu den USA scheint allgemein im deutschen Markt noch Luft nach unten zu sein. Was meinen Sie?

Dreiskämper: Wir zählen mit unseren 0,55 Prozent zu mit den günstigeren Anbietern am Markt und freuen uns daher, ein attraktives Angebot für unsere Kunden zu bieten. Grundsätzlich lässt sich der amerikanische Markt aber nicht mit dem deutschen Markt eins zu eins vergleichen. Der Reifegrad, die Regulatorik, die Größe und auch die Aktienkultur sind sehr unterschiedlich.

Viele Kleinanleger stehen immer noch an der Seitenlinie und haben die jüngste Kursrallye schlichtweg verpasst. Was sagen Sie einem potenziellen Neukunden, wenn dieser noch zögern sollte, weil die Aktienmärkte schon so gut gelaufen sind?

Dreiskämper: Unsere Meinung hierzu ist klar: Es ist nicht wichtig, wann man einsteigt, sondern wie lange man investiert ist. Nur über größere Zeiträume lassen sich solche Einstiegsrisiken reduzieren. Gerne kann man auch verteilt über Sparpläne oder Raten investieren, aber die Übung auf den richtigen Zeitpunkt zu setzen, wird zu keinem guten Ergebnis führen, da man ihn immer erst sicher im Nachhinein kennt. Eine robuste Portfolio-Aufstellung und Investitionsdauer ist hier die Lösung.


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