Girokonten

Nach Biallo-Bericht: Bank streicht Hammer-Gebühr für Basiskonto

Update: 30.09.2019
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Auf einen Blick
  • Nach der Berichterstattung von biallo.de über unverhältnismäßig hohe Gebühren für Basiskonten senkt eine Volksbank den Preis stark: Statt 210 Euro verlangt sie jetzt 60 Euro Kontoführungsgebühr im Jahr.

  • Eine aktuelle Marktuntersuchung zeigt: Unter den 20 teuersten Anbietern finden sich ausschließlich Volks- und Raiffeisenbanken (VR).

  • Sparkassen zeigen sich deutlich fairer als die VR-Kollegen. Im Durchschnitt sind beide Bankengruppen allerdings auf Augenhöhe.
Auch Obdachlose haben in Deutschland Anspruch auf ein sogenanntes Basiskonto. Allerdings kann sich das meist keiner leisten.
Kues / Shutterstock.com

Die Berichterstattung von biallo.de zeigt Wirkung: Die Volksbank Adelebsen hat die Gebühren für das Basiskonto nach unten korrigiert. Verlangte die niedersächsische Genossenschaftsbank kürzlich noch monatlich 17,50 Euro für das Basiskontomodell, sind es jetzt fünf Euro Kontoführungsgebühr pro Monat – eine Preisreduzierung von mehr als 70 Prozent.

"Aufgrund Ihres Gebührenvergleiches haben wir das Produkt " Basiskonto für Verbraucher " überprüft, neu kalkuliert und sind zum Entschluss gekommen, die Kontoführungsgebühren für das Basiskonto für Verbraucher deutlich zu senken", sagt Werner Kerl, Vorstand der Volksbank Adelebsen.

Danach gefragt, warum die Gebühr so hoch angesetzt war, nennt er speziellen Kundenservice: "Die Betreuung der Basiskontoinhaber erfolgt in unserem Hause durch unsere Kunden- und Anlageberater mit einer individuellen Beratung und dem Ziel, mittelfristig die Kunden in eines unserer Standardkontomodelle zu überführen."

So weit, so verbraucherfreundlich. Doch es gibt noch andere Kostenpunkte. Wer etwa Überweisungen online oder am SB-Terminal ausführt, zahlt dafür nach wie vor 0,15 Euro pro Stück. Für Gutschriften fallen je 0,39 Euro an. Daueraufträge kosten pro Ausführung 0,54 Euro, Einrichten und Änderungen jeweils 1,50 Euro. Wer Bargeld am Automaten einzahlt, muss 0,15 Euro berappen, am Schalter sind es 0,39 Euro. Gleiches gilt für Bargeldabhebungen. Das geht auch nur mit der Girocard und die kostet immerhin sechs Euro jährlich.

So ist die Gesetzeslage

Der Gesetzgeber verlangt ausdrücklich, dass die Preise "angemessen" sein müssen, wobei "insbesondere die marktüblichen Entgelte sowie das Nutzerverhalten zu berücksichtigen" sind. So steht es in Paragraf 41, Absatz 2, Satz 1 und 2 des Zahlungskontengesetzes (ZKG).

"Die Überprüfung der Entgeltangemessenheit im Einzelfall ist eine zivilrechtliche Fragestellung", sagt Norbert Pieper, Sprecher der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), der wir den Fall schilderten. Ein Kreditinstitut, das die gesetzlichen Anforderungen an die Ermittlung eines angemessenen Entgelts nicht hinreichend berücksichtigt, vernachlässige seine Pflichten nach dem ZKG.

"Stellt die Bafin fest, dass die Preisgestaltung nicht angemessen ist, kann sie eine Bank anweisen, ihr Entgeltmodell für Basiskonten an die Anforderungen des ZKG anzupassen."

Auch andere Banken langen ordentlich zu

Ein grobes Missverhältnis zwischen den Preisen für ein klassisches Filialkonto und den Kosten für ein Basiskonto haben wir bei diesen Anbietern entdeckt:

Volksbank Demmin: VR-Giro kompakt 8,99 - VR Giro basic 14,99 (zzgl. Girocard 5,00 Euro und beleghafte Buchungsposten 1,50 Euro)

Raiffeisenbank Ebrachgrund: Giro Klassik 3,50 Euro - Giro-Basic 15,00 Euro

VR-Bank Alsheim: Konto individuell 0,00 Euro - Basis 15,00 Euro

Volksbank Westerkappeln-Wersen: GiroClassic 4,00 Euro - Basiskonto 13,00 Euro

Volksbank Jerichower Land: VR Klassik 7,95 – VR-Basis 12,95 Euro.

Genossenschaftsgedanke ad absurdum geführt

Wie sehr einzelne Banken Leute mit kleinem Geldbeutel abschrecken wollen, zeigt sich gerade auch bei der zuletzt genannten VR-Bank aus dem Nordosten Sachsen-Anhalts – der Volksbank Jerichower Land.

Das macht sich an folgenden Umständen fest: Arbeitslosen, Sozialhilfe-Empfängern und Flüchtlingen nimmt sie 12,95 Euro pro Monat für das Basiskonto ab. Hinzu kommen noch Entgelte für Daueraufträge plus zehn Euro für die Girocard.

Gutverdiener, die sich für das Premiumkonto entscheiden, zahlen hingegen nur 11,95 im Monat. In diesem Pauschalpreis sind so gut wie alle anderen Dinge enthalten, also auch die Girocard. Und die Goldkarte mit Reiseversicherungs-Paket gibt es zum halben Preis von 42,00 Euro.

Sich selbst preist die Bank für ihr soziales Engagement. Wäre es nicht angebracht, sozial Schwächere nicht so krass finanziell zu benachteiligen? Wir haben die Bank danach gefragt und warten auf deren Antwort.

Die Armen werden abkassiert

Die Beispiele zeigen: Einige Genossen greifen besonders bei Personengruppen zu, die ohnehin nichts in der Tasche haben.

Und was können Betroffenen tun, denen die Konten der VR-Banken zu hoch sind? Zur benachbarten Sparkasse gehen. Die ist fast immer günstiger. Statt 12,95 Euro bei der Volksbank Jerichower Land etwa zahlen Verbraucher bei der Sparkasse Jerichower Land 3,50 Euro.

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Mehrheit der Genossen verhält sich korrekt

Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Die große Mehrzahl der Volks- und Raiffeisenbanken verhalten sich auch gegenüber den Leuten fair, die auf ein Basiskonto angewiesen sind. Von den bundesweit 20 günstigsten Anbietern mit Preisen unter 2,00 Euro sind 17 VR-Banken, unter anderen die aus Heilbronn und Darmstadt. Dazu kommen drei Sparkassen-Vertreter, die BLB Bremer Landesbank/NordLB, die Kreissparkasse Wiedenbrück und die Bezirkssparkasse Reichenau.

Die Durchschnittspreise sind bei beiden Bankengruppen auch auf Augenhöhe. 4,98 Euro nehmen durchschnittlich die VR-Banken, 4,94 Euro die Sparkassen.

Sehen Sie auch folgendes Video, welches das Verbrauchermagazin "defacto" mit uns gedreht hat: Wie Hessens Banken bei Sozialschwachen abkassieren

Biallo-Lesetipp

Unsere aktuelle Umfrage unter gut 1.200 Banken und Sparkassen zum Thema Negativzinsen hat ein großes Medienecho ausgelöst. Mittlerweile prüft die Bundesregierung sogar ein Verbot von Strafzinsen für Kleinsparer. Wie viele Geldhäuser den negativen Einlagenzins der EZB an ihre Kunden weiterreichen, lesen Sie in unserem Ratgeber Negativzinsen.
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