Banken schrecken mit illegalen Methoden unerwünschte Kunden ab

Basiskonten Banken schrecken mit illegalen Methoden unerwünschte Kunden ab

Horst Biallo
von Horst Biallo
30.08.2019
Auf einen Blick
  • Eine Volksbank aus Niedersachsen nimmt beim Basiskonto 210 Euro pro Jahr – und das nur als Grundgebühr.

  • Unter den 20 teuersten Anbietern finden sich ausschließlich Volks- und Raiffeisenbanken (VR).

  • Sparkassen zeigen sich deutlich fairer als die VR-Kollegen. Im Durchschnitt sind beide Bankengruppen allerdings auf Augenhöhe.
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Werner Kerl und Christian Liedtke, Vorstände der Volksbank Adelebsen im niedersächsischen Landkreis Göttingen, mögen offensichtlich keine Verbraucher als Kunden, die wesentlich weniger verdienen als sie selbst. Diese Vermutung ist sicher erlaubt, wenn man deren Preise für ein Basiskonto ansieht. Das ist ein Girokonto, das man nur mit Guthaben führen und nicht überziehen kann. Mit 17,50 Euro pro Monat beziehungsweise 210 Euro im Jahr ist es das teuerste Basiskontomodell aller gut 1.300 Banken und Sparkassen in Deutschland, deren Daten wir fortlaufend analysieren.

Aber diese hohe Summe ist noch nicht alles. Wer Überweisungen online oder am SB-Terminal ausführt, zahlt dafür 0,15 Euro pro Stück. Für Gutschriften fallen je 0,39 Euro an. Daueraufträge werden pro Ausführung mit 0,54 Euro bepreist, Einrichten und Änderungen kosten generell jeweils 1,50 Euro.

Wer Bargeld am Automaten einzahlt, muss 0,15 Euro berappen, am Schalter sind es 0,39 Euro. Gleiches gilt für Bargeldabhebungen. Das geht auch nur mit der Girocard und die kostet immerhin sechs Euro jährlich.

Wir haben die Bank nach ihren Beweggründen gefragt und auch darauf aufmerksam gemacht, dass diese Preispolitik gesetzeswidrig, also illegal, ist. Wir haben bisher keine Antwort erhalten.

Lesen Sie auch: Jede vierte Bank hat in diesem Jahr die Preise erhöht

Wie ist die Gesetzeslage?

Der Gesetzgeber verlangt ausdrücklich, dass die Preise "angemessen" sein müssen, wobei "insbesondere die marktüblichen Entgelte sowie das Nutzerverhalten zu berücksichtigen" sind. So steht es in Paragraf 41, Absatz 2, Satz 1 und 2 des Zahlungskontengesetzes (ZKG).

"Die Überprüfung der Entgeltangemessenheit im Einzelfall ist eine zivilrechtliche Fragestellung", sagt Norbert Pieper, Pressesprecher der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), der wir den Fall geschildert haben. Ein Kreditinstitut, das die gesetzlichen Anforderungen an die Ermittlung eines angemessenen Entgelts nicht hinreichend berücksichtigt, vernachlässige seine Pflichten nach dem ZKG.

"Stellt die Bafin fest, dass die Preisgestaltung nicht angemessen ist, kann sie eine Bank anweisen, ihr Entgeltmodell für Basiskonten an die Anforderungen des ZKG anzupassen." Der Fall wird von der Finanzaufsicht jetzt auf jeden Fall untersucht.

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Andere Kontomodelle sind viel günstiger

Im Hinblick auf Vergleichswerte, haben wir bei dieser niedersächsischen Volksbank folgende Monatspreise gefunden:

  • Giro-Einzel-Konto 3,50 Euro 
  • Konto-Direkt eBanking 3,50 Euro
  • Konto-Direkt-plus eBanking 6,50 Euro
  • Girokonto pauschal 7,50 Euro
  • Girokonto pauschal-plus 9,50 Euro

"Angemessen" wären demnach 3,50 oder maximal 7,50 Euro pro Monat, aber sicherlich nicht 17,50 Euro. Ein grobes Missverhältnis zwischen den Preisen für ein klassisches Filialkonto und den Kosten für ein Basiskonto haben wir unter anderen noch bei diesen Anbietern entdeckt:

  • Volksbank Demmin: VR-Giro kompakt 8,99 – VR Giro basic 14,99 (zzgl. Girocard 6,00 Euro und Buchungsposten 1,50 Euro)
  • Raiffeisenbank Ebrachgrund: Giro Klassik 3,50 Euro – Giro-Basic 15,00 Euro
  • VR-Bank Alsheim: Konto individuell 0,00 Euro – Basis 15,00 Euro
  • Volksbank Westerkappeln-Wersen: GiroClassic 4,00 Euro – Basiskonto 13,00 Euro
  • Volksbank Jerichower Land: VR Klassik 7,95 – VR-Basis 12,95 Euro.

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Genossenschaftsgedanke ad absurdum geführt

Wie sehr einzelne Banken Leute mit kleinem Geldbeutel abschrecken wollen, zeigt sich gerade auch bei der zuletzt genannten VR-Bank aus dem Nordosten Sachsen-Anhalts – der Volksbank Jerichower Land.

Das macht sich an folgenden Umständen fest: Arbeitslosen, Sozialhilfe-Empfängern und Flüchtlingen nimmt sie 12,95 Euro pro Monat für das Basiskonto ab. Hinzu kommen noch Entgelte für Daueraufträge plus zehn Euro für die Girocard.

Gutverdiener, die sich für das Premiumkonto entscheiden, zahlen hingegen nur 11,95 im Monat. In diesem Pauschalpreis sind so gut wie alle anderen Dinge enthalten, also auch die Girocard. Und die Goldkarte mit Reiseversicherungs-Paket gibt es zum halben Preis von 42,00 Euro.

Sich selbst preist die Bank für ihr soziales Engagement. Wäre es nicht angebracht, sozial Schwächere nicht so krass finanziell zu benachteiligen? Wir haben die Bank danach gefragt und warten auf deren Antwort.

Die Armen werden abkassiert

Die Beispiele der Volksbank Jerichower Land und der Volksbank Adelebsen zeigen: Beide Genossen greifen besonders bei Personengruppen zu, die ohnehin nichts in der Tasche haben.

Und was können Betroffenen tun, denen die Konten der VR-Banken zu hoch sind? Zur benachbarten Sparkasse gehen. Die ist fast immer günstiger. Statt 17,50 Euro bei der Volksbank Adelebsen zahlen Verbraucher bei der Sparkasse Göttingen mehr als die Hälfte weniger fürs Basiskonto – nämlich 6,95 Euro pro Monat. Und bei der Sparkasse Jerichower Land kostet es nur 3,50 Euro.

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Mehrheit der Genossen verhält sich korrekt

Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Die große Mehrzahl der Volks- und Raiffeisenbanken verhalten sich auch gegenüber den Leuten, die auf ein Basiskonto angewiesen sind, sehr fair. Von den bundesweit 20 günstigsten Anbietern mit Preisen unter 2,00 Euro sind 17 VR-Banken, unter anderen die aus Heilbronn und Darmstadt. Dazu kommen drei Sparkassen-Vertreter, die BLB Bremer Landesbank/NordLB, die Kreissparkasse Wiedenbrück und die Bezirkssparkasse Reichenau.

Die Durchschnittspreise sind bei beiden Bankengruppen auch auf Augenhöhe. 4,98 Euro nehmen durchschnittlich die VR-Banken, 4,94 Euro die Sparkassen.

Sehen Sie auch folgendes Video, welches das Verbrauchermagazin "defacto" mit uns gedreht hat: Wie Hessens Banken bei Sozialschwachen abkassieren

Biallo-Lesetipp

Unsere aktuelle Umfrage unter gut 1.200 Banken und Sparkassen zum Thema Negativzinsen hat ein großes Medienecho ausgelöst. Mittlerweile prüft die Bundesregierung sogar ein Verbot von Strafzinsen für Kleinsparer. Wie viele Geldhäuser den negativen Einlagenzins der EZB an ihre Kunden weiterreichen, lesen Sie in unserem Ratgeber Negativzinsen.

Mehr zum Thema: Sparkassen-Präsident rechnet mit EZB-Chef Draghi ab

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Horst Biallo
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Herausgeber und Gründer biallo.de
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Jahrgang 1954, studierte Wirtschaft und absolvierte eine Ausbildung zum Wirtschaftsjournalisten bei der Tageszeitung Die Welt. Später machte er sich selbstständig, schrieb für Wirtschaftswoche, Stern und zahlreiche Tageszeitungen. Er ist Autor mehrerer Fachbücher, u.a. "Die geheimen deutschen Weltmeister" und "Die Doktormacher". Im Jahr 1999 gründete er das Verbraucherportal www.biallo.de, vier Jahre später www.geldsparen.de und 2009 www.biallo.at. Horst Biallo ist verheiratet und hat drei Kinder.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de