"PSD2 verändert den Markt und macht das Spielfeld breiter"

Zahlungsverkehr "PSD2 verändert den Markt und macht das Spielfeld breiter"

Sebastian Schick
von Sebastian Schick
03.01.2018
Auf einen Blick
  • Die europäische Zahlungsdienste-Richtlinie "PSD2" tritt am 13. Januar 2018 in Kraft. Dadurch sollen mobile Zahlungen für den Verbraucher sicherer, bequemer und billiger werden.

  • Im Interview erklärt Sebastian Steger, Digitalisierungsexperte beim Beratungsunternehmen Roland Berger, wie die neue EU-Richtlinie den Bankenmarkt verändern wird.
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Multi-Banking ist im Trend. Bankkunden können mit einer App mehrere Konten verwalten. Allerdings ist das rechtlich gesehen bislang eine Grauzone. Denn eigentlich verstoßen Kunden gegen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Banken, wenn sie ihre PINs und TANs an Drittanbieter weitergeben. Für daraus entstehende Schäden haftet der Kunde selbst.

Damit soll jetzt Schluss sein: Mit der überarbeiteten Zahlungsrichtlinie "PSD2" (Payment Service Directive), die am 13. Januar 2018 in Kraft tritt, erhalten Verbraucher sowie Drittanbieter künftig Rechtssicherheit. Kontoführende Banken müssen dritten Zahlungsdienstleistern kompletten Zugang zu Kundenkonten gewähren und die technische Infrastruktur für Zahlungsaufträge bereitstellen – vorausgesetzt, der Kunde möchte das. Über die Auswirkungen der neuen EU-Richtlinie auf den Bankenmarkt haben wir mit Digitalisierungsexperte Sebastian Steger vom Beratungsunternehmen Roland Berger gesprochen.

Herr Steger, PSD2 soll den europäischen Zahlungsverkehr für Verbraucher sicherer, bequemer und billiger machen. Die Frage bleibt: Wie kann Datensicherheit garantiert werden, wenn ich Drittanbietern detaillierten Einblick in meine Finanzen gewähre?

Steger: Grundsätzlich gibt es diverse Technologien zur Datensicherheit, die auch neue Anbieter verwenden. Das ist also kein Alleinstellungsmerkmal von Banken. Trotz aller Bemühungen gibt es allerdings keine Garantie, denn den perfekten Schutzmechanismus gegen einen Hacker-Angriff gibt es leider nicht.

Sie gehen davon aus, dass die Gewinne der klassischen Banken im Privatkundengeschäft um bis zu 40 Prozent einbrechen werden. Worauf stützen Sie Ihre Schätzung?

Steger: Das ist eine Schätzung, die sich nicht nur auf Deutschland bezieht, sondern auf ganz Europa. Wir haben uns natürlich die bisherigen Erträge der Banken genau angesehen: Was kommt aus dem Kartenverkehr und dem Zahlungsgeschäft, was aus den Provisions- und Vermittlungsgeschäften und was aus dem klassischen Finanzierungsbereich?

Wir gehen davon aus, dass die Erträge im gesamten Payment-Bereich deutlich zurückgehen werden. Dazu kommt: PSD2 öffnet den Bankenmarkt insgesamt und macht es alternativen Modellen wie Vergleichsplattformen deutlich einfacher. So werden zum Beispiel im Bereich Baufinanzierung bereits 30 bis 40 Prozent des Geschäfts über diese Plattformen abgewickelt. Ähnlich ist die Lage bei Konsumentenfinanzierungen. Die Plattformen erhöhen die Transparenz und den Wettbewerb im Markt und sie drücken die Margen der Banken, weil sie Abschlussprovisionen verlangen.

Wie können die klassischen Banken gegensteuern, um die Verluste einzudämmen?

Steger: Das ist schwierig, weil die Regulierung strategisch und langfristig wirkt. PSD2 verändert den Markt und macht das Spielfeld breiter. Insgesamt werden sich durch den Trend zu immer mehr Digitalisierung drei unterschiedliche Geschäftsmodelle entwickeln: Da ist zum einen die Kundenschnittstelle oder der Kundensteuerer. Dieser berät den Kunden und liefert unabhängige Angebote. Dabei geht es nicht nur um Banking, sondern auch um integrierte Angebote, die auf Lösungen für komplexe Kundenprobleme abzielen. Das zweite Geschäftsmodell ist der reine Produktlieferant, der im Extremfall keinen eigenen Vertrieb mehr braucht, weil seine Produkte zum Beispiel bei Vergleichsportalen eingebunden sind. Das dritte Geschäftsmodell ist der IT-Dienstleister, der digitale Plattformen aufbaut, die andere gegen Gebühr nutzen können.

Natürlich wollen Banken zunächst ihre Kundenschnittstelle verteidigen. Aber das wird in der digitalen Welt nicht jedem Institut gelingen. Die klassischen Finanzdienstleister müssen sich also entscheiden, in welches dieser Modelle sie investieren wollen. Wer dann konsequent darauf zuarbeitet, hat erfolgsversprechende Positionierungs- und Einnahmemöglichkeiten.

Werden die großen US-Technologiefirmen wie Amazon, Ebay, Facebook oder Google bald im Banking angreifen?

Steger: Die großen Technologie-Unternehmen sind zum Teil schon jetzt in Sachen Banking aktiv – zumindest in Teilbereichen wie etwa Payment. Das war der erste Einstiegspunkt, weil die Geschäftsmodelle sehr stark auf Werbung basieren und das Payment wertvolle Hinweise liefert, wo der Kunde was kauft.

Ob die Firmen auch im sonstigen Banking groß angreifen, bleibt allerdings abzuwarten. Die Technologie, die Kunden und die finanziellen Mittel hätten sie auf jeden Fall. Und die Finanzdienstleistung ist eine attraktive Branche mit hohen Margen. Deshalb beobachten die klassischen Banken die Aktivitäten der großen Technologie-Unternehmen sehr genau.

Jetzt sind die Deutschen ja eher skeptisch, wenn es um die Weitergabe ihrer Daten geht. Werden sich die Fintechs hierzulande überhaupt durchsetzen können?

Steger: Ich bin nicht so optimistisch wie die Fintech-Szene selbst. Schließlich besitzen die Banken klare Vorteile in den Bereichen Kundenzugang und Datensicherheit. Trotz der Negativschlagzeilen im Zuge der Finanzkrise vertrauen viele Kunden ihrer Hausbank und glauben, dass diese mit den Daten sorgsamer umgeht als beispielsweise ein Fintech. Von daher werden es die Finanz-Startups hierzulande nicht einfach haben.

Herr Steger, besten Dank für das Gespräch.

Kurzvita

Sebastian Steger kam 2006 zu Roland Berger und ist jetzt Partner im Competence Center Financial Services in Berlin. Als Digitalisierungsexperte unterstützt er Kunden bei der Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle sowie der Digitalisierung von Produkten und Prozessen und damit verbundenen Transformationsaufgaben.

Seine Schwerpunkte sind das Retail- und Firmenkundengeschäft sowie die Entwicklungsbanken. Bevor er zu Roland Berger kam, arbeitete er bei verschiedenen internationalen Banken. Er studierte Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin und der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder).

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nach seinem Studium für das Lehramt an Gymnasien mit der Fächerkombination Deutsch/Latein/Geschichte in Würzburg und Berlin entschied sich Sebastian Schick für den Journalismus. 2005 absolvierte er die Ausbildung zum Rundfunkjournalisten an der Akademie für Neue Medien in Kulmbach.

Direkt im Anschluss volontierte er beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), wo er sich in seiner zehnjährigen Laufbahn ein umfangreiches Fachwissen zum Thema Geldanlage und Börse aneignete. Zuletzt baute er als Chefredakteur in Kooperation mit dem Kurier Medienhaus den österreichischen TV-Sender DAF Austria mit auf. Bei biallo.de schreibt er als Redakteur über das Thema Kredit und Geldanlage. 

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Direkt im Anschluss volontierte er beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), wo er sich in seiner zehnjährigen Laufbahn ein umfangreiches Fachwissen zum Thema Geldanlage und Börse aneignete. Zuletzt baute er als Chefredakteur in Kooperation mit dem Kurier Medienhaus den österreichischen TV-Sender DAF Austria mit auf. Bei biallo.de schreibt er als Redakteur über das Thema Kredit und Geldanlage. 

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de