Tikkie, MoneyPool und Co.: Crowd-Payment-Apps im Test

Gruppenzahlungen Tikkie, MoneyPool und Co.: Crowd-Payment-Apps im Test

von Björn König
09.11.2018
Auf einen Blick
  • Geld an Bekannte und Freunde verleihen, für einen guten Zweck spenden oder gemeinsam Rechnungen begleichen, ist nicht nur mit Bargeld möglich. Es gibt mittlerweile nützliche Apps und Online-Portale, die hierbei helfen.

  • Einige dieser Crowd-Payment-Anwendungen zeigten sich in unserem Test durchaus praxistauglich, dennoch sollte man beim Thema Sicherheit und auch bei den Gebühren auf die Details achten.
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"Bei Geld hört die Freundschaft auf." Diese Redensart hat wahrscheinlich jeder schon einmal gehört. Nun sollte eine Freundschaft nicht alleine am Geld zerbrechen. Dennoch ist es ganz schön ärgerlich, wenn man im privaten Umfeld Geld verleiht und sich dann selbst darum kümmern muss, es gewissermaßen wieder "einzutreiben". Das kommt in der Praxis nämlich gar nicht so selten vor, weshalb viele Menschen generell eher zurückhaltend sind, wenn es um das Verleihen von Geld im Freundes-, Bekannten,- oder Verwandtenkreis geht.

Genau dies könnte sich aber nun wieder ändern, denn diverse Payment-Apps mit Gruppenzahlungsfunktionen sind mittlerweile per Web, für Android oder iOS verfügbar und sollen Zahlungen zwischen Privatpersonen einfach, bequem und sicher machen. Wir haben uns einige interessante Produkte und ihre Funktionen genauer angesehen.

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Bunq Slice – das Start-up aus Holland

Bunq ist ein niederländisches Start-up-Unternehmen mit Banklinzenz. Wie der Name "Slice" (dt. Teil / Anteil) schon vermuten lässt, ist diese App speziell darauf konzipiert, Zahlungen mit anderen Nutzern zu teilen. Nach einem Download aus dem Google Play Store oder iTunes und anschließender Installation, muss zunächst anhand der Mobilfunknummer ein Slice-Konto eröffnet werden. Im Anschluss kann man dann Gruppen für bestimmte Zahlungen festlegen, wobei Mitglieder dieser Gruppen anhand ihrer Mobilfunknummer hinzuzufügen sind.

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Der Gruppenadministrator hat die Option, ein Zahlungsziel festzulegen und die noch zu zahlenden Beträge für einzelne Gruppenmitglieder vorzugeben. Zahlungsaufforderungen müssen dann nicht mehr manuell eingegeben werden, sondern die App erledigt das quasi automatisch. Zudem existiert eine Option, Rechnungen oder Erinnerungen zu teilen.

Zahlungsanfragen erfolgen bei den Gruppenmitgliedern per SMS und sind dann direkt über Bunq (das zugehörige Smartphone-Girokonto) beziehungsweise die Zahlungssysteme "Ideal" oder Sofort-Überweisung zu begleichen. Aufgrund der eingeschränkten und wenig verbreiteten Zahlungsoptionen ist das System aber auch nur eingeschränkt für Nutzer in Deutschland zu empfehlen.

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3
 
Anbieter
Monatspreis
Dispozinsen
Jahrespreis
Girocard
 
1.
0,00
6,90%
0,00
2.
0,00
6,99%
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3.
 0,00
7,43%
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MoneyPool von Paypal

Der US-Zahlungsdienstleister Paypal dürfte den meisten Verbrauchern, die schon einmal im Internet etwas bestellt haben, ein geläufiger Begriff sein. Nicht ganz so bekannt ist jedoch, dass über dessen System neben regulären Online-Zahlungen mit hinterlegter Bank- oder Kreditkarte auch Rechnungen unter Freunden und Bekannten teilbar sind. Dazu kann man in der Paypal-App relativ einfach und schnell sogenannte MoneyPools einrichten, sofern das Konto bereits vollständig eingerichtet und legitimiert wurde.

Hierzu ist es lediglich nötig, im unteren Menü der Anwendung den Punkt "Geld sammeln" auszuwählen. Im Anschluss wird dem MoneyPool ein Name – zum Beispiel "Geburtstag" zugewiesen und festgelegt, wie viel Geld dabei zusammenkommen soll. Freunden und Familie wird dies dann per E-Mail, Facebook oder SMS mitgeteilt.

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Der Gesamtbetrag erscheint schließlich als Saldo im MoneyPool des Administrators. Die Erstellung und Verwaltung eines MoneyPools sowie die zugehörige Eröffnung eines Paypal-Privatkontos ist kostenfrei.

Wichtig zu wissen: Der üblich angebotene Paypal-Käuferschutz greift bei diesem Produkt nicht. Uns erschien die Nutzung vergleichsweise praktisch, positiv war zudem die de facto kostenfreie Nutzung, sofern es sich um Euro-Zahlungen im Heimatland handelt.

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Tikkie – die Bezahlapp von Moneyou

Die niederländische ABN Amro hat über ihre Tochter Moneyou ebenfalls eine Payment-App im Angebot. Diese trägt den ungewöhnlichen Namen "Tikkie" und verfolgt im Grunde genommen ein identisches Konzept wie Bunq und Paypal. Wie auch bei seinem amerikanischen Pendant funktioniert Tikkie unabhängig von der Bindung an ein spezielles Konto. Doch während man die US-Zahlungsapp theoretisch auch ganz ohne Zahlungsverkehrskonto nutzen kann, setzt Tikkie dies im Prinzip voraus.

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Der Ablauf gestaltet sich folgendermaßen: Aus der App können Zahlungsaufforderungen an Freunde und Bekannte verschickt werden, die im Anschluss einen Link per SMS erhalten. Dazu muss der Absender des Geldes Tikkie nicht auf seinem Mobilgerät installieren. Der Betrag wird dann wiederum direkt vom Konto des Absenders überwiesen.

Diese Variante dürfte für die meisten Nutzer interessant sein, da sie praktisch ohne weitere Anforderungen genutzt werden kann. Außerdem erfüllt die App als Angebot einer europäischen Bank innerhalb der EU auch für viele Nutzer sehr wichtige datenschutzrechtliche Aspekte.

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Leetchi – die französischen Genossen

Bei "Leetchi" handelt es sich um ein E-Geld-Institut der französischen Genossenschaftsbanken Crédit Mutuel Arkéa, welches sich auf privates Crowdfunding spezialisiert hat. Hier gibt es eine gewisse Spezialisierung auf Spendenaktionen und Projekte mit gemeinnützigem Hintergrund. Nutzer können online eine sogenannte Sammelkasse erstellen. Per E-Mail, Whatsapp, Twitter oder Facebook erhalten Teilnehmer eine Einladung zum Crowdfunding-Konto. Eingezahlt wird per Giropay, Sofortüberweisung, Visa beziehungsweise Mastercard.

Ist der entsprechende Wunschbetrag erreicht, bestehen drei Optionen: Die Auszahlung der Sammelkasse per Überweisung, die Verwendung des Zahlbetrags als Amazon-Gutschein oder das "Verschenken" der Sammelkasse an einen anderen Nutzer.

Ein durchaus großer Haken ist jedoch die Gebühr bei Auszahlungen. Hier berechnet Leetchi einen prozentualen, von der Gesamtsumme abhängigen Betrag. Unter 2.000 Euro behält Leetchi vier Prozent als Verwaltungsgebühr ein, darüber hinaus sind es 2,9 Prozent der Sammelkasse.

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Das Biallo-Fazit

Ganz klar, das Einsammeln von Geld über Payment-Apps ist praktisch. Von den hier vorgestellten Produkten dürfte zumindest im Hinblick auf die Verbreitung die MoneyPool-Funktion von Paypal eine unkomplizierte und kostengünstige Option sein, wobei wir auf der anderen Seite den Datenschutz bei US-Diensten durchaus mit einer gewissen Skepsis betrachten. Interessant ist zudem Tikkie aufgrund seiner Flexibilität bei der Nutzung mit verschiedenen Bankkonten, die Angebote von Bunq und Leetchie sind wegen mangelnder Einzahlungsmöglichkeiten oder anfallender Auszahlungsgebühren weniger attraktiv.

Beim Thema Sicherheit der Systeme gelten übliche Standards. Ein besonderer Knackpunkt sind Transaktionen per Sofortüberweisung. Zwar sind diese ebenso vor Unbefugten geschützt, man sollte jedoch immer daran denken, dass hier Daten des Online-Bankings an die Klarna-Tochter weitergegeben werden. Im Zweifel kann es sich vielleicht lohnen, Geld für das Geburtstagsgeschenk eines Freundes doch in bar einzusammeln.

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Biallo-Tipp

Wenn die Nutzung eines Crowd-Payment-Dienstes kostenlos ist und auch keine Transaktionskosten anfallen, scheint dies zwar zunächst ein attraktives Angebot zu sein, sollte jedoch stets aufhorchen lassen. Letztendlich haben auch Banken beziehungsweise Online-Finanzdienstleister nichts zu verschenken. Womöglich bezahlen Sie dann wie im Falle von Facebook mit ihren Daten. Im Zweifel prüfen Sie die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der Payment-App oder wählen Sie einen Anbieter, bei dem die Transaktionsdaten in der EU verbleiben.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de