Krankenkassenwechsel

Ein Kassenwechsel bringt Vorteile

Auch wenn weit über 90 Prozent der Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen bei allen gleich sind, lohnt es sich, über einen Wechsel nachzudenken. Die Vorteile liegen auf der Hand:

  • Sparen: Die Kassen erheben unterschiedlich hohe Zusatzbeiträge. Die Differenz zwischen einer teuren und einer günstigen Kasse kann je nach Einkommen bei mehreren Hundert Euro im Jahr liegen.

  • Bessere Versorgung: Versicherte können sich ein Plus an medizinischer Versorgung sichern, weil die Kassen individuelle Zusatzleistungen anbieten.

  • Service: Eine Kasse mit gutem Service zahlt sich im Krankheitsfall aus.

Jeder Versicherte hat das Recht auf einen Kassenwechsel, unabhängig von Alter oder Vorerkrankungen. Ein Wechsel ist völlig unkompliziert.

Niedriger Zusatzbeitrag ist Anreiz zum Krankenkassenwechsel

Gesetzlich Krankenversicherte bezahlen alle einen einheitlichen Krankenkassenbeitrag von 14,6 Prozent auf ihr Bruttoeinkommen. Diesen Betrag teilen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu je 7,3 Prozent.

Zusätzlich kann jede Kasse seit 2015 einen einkommensabhängigen Zusatzbeitrag erheben, den der Versicherte bislang alleine zahlen musste. Das hat sich seit Januar 2019 geändert: Nun trägt der Arbeitgeber auch die Hälfte des Zusatzbeitrages.

Wie hoch dieser ausfällt, bestimmt jede Kasse selbst. Laut Ärztezeitung ist die AOK Sachsen-Anhalt derzeit die günstigste Krankenkasse mit einem Zusatzbeitrag von nur 0,30 Prozent. Am meisten kassiert die BKK Henschel Plus, nämlich 1,60 Prozent. Im Durchschnitt liegt der Zusatzbeitrag im Jahr 2019 bei 0,9 Prozent vom Bruttoeinkommen – 0,1 Prozentpunkte weniger als 2018.

Rechenbeispiel – so viel macht der Zusatzbeitrag aus:
Bei einem Einkommen von 3.000 Euro im Monat fallen bei einem Beitragssatz von 14,6 Prozent 438 Euro an Beitrag an. Davon bezahlt der Arbeitgeber 219 Euro im Monat, der Versicherte ebenfalls 219 Euro. Bei einem Zusatzbeitrag von 1,1 Prozent fallen zusätzlich 33 Euro im Monat an, 396 Euro im Jahr. Da seit diesem Jahr auch der Zusatzbeitrag paritätisch finanziert wird, liegt die Ersparnis für den Versicherten bei fast 200 Euro. Wechselt der Versicherte zu einer Krankenkasse mit einem Zusatzbeitrag von nur 0,4 Prozent, kann er weitere 126 Euro jährlich sparen.

Entwicklung der Zusatzbeiträge

Die Höhe des Zusatzbeitrags ist variabel, einige Kassen passen ihn jeweils zum Jahreswechsel an. Laut Ärztezeitung haben mehr als 60 Prozent von 80 untersuchten Krankenkassen ihre Beiträge stabil gehalten. Gut ein Drittel hat den Zusatzbeitrag gesenkt (Stand: 2. Januar 2019) – allerdings fallen die meisten Senkungen sehr moderat aus und liegen zwischen 0,1 und 0,2 Prozentpunkten. So auch beim Platzhirsch, der Techniker Krankenkasse, die den Zusatzbeitrag von 0,9 auf 0,7 Prozent reduziert hat.

Zu den Krankenkassen mit den größten Senkungen zählen laut Ärztezeitung die Securvita (1,7 auf 1,1 Prozent) und die Viactiv BKK, die den Zusatzbeitrag zum 1. April von 1,7 auf 1,2 Prozent senken will.

Die folgende Tabelle zeigt auf, wie hoch der Zusatzbeitrag bei den nach Mitgliederzahlen fünf größten Krankenkassen ist und was das im Jahr an Zusatzkosten ausmacht bei einem monatlichen Bruttoeinkommen von 3.000 Euro.

So viel Zusatzbeitrag verlangen die fünf größten gesetzlichen Krankenkassen für 2019:

KrankenkasseZusatzbeitrag in % Gesamtbetrag bei 3.000 € Bruttoeinkommen
Techniker0,7252 Euro
Barmer1,1396 Euro
DAK1,5540 Euro
AOK Bayern1,1396 Euro
AOK Baden-Württemberg0,9324 Euro

Quelle: Krankenkassen; Stand: Januar 2019.

Krankenkassen: Darauf kommt es beim Kassenwechsel an

Die Geldersparnis allein kann ein guter Grund für einen Kassenwechsel sein. Wer aber zusätzlich auf ein Plus an Leistung bei der medizinischen Versorgung wert legt, nimmt auch die Zusatzleistungen bei einem Wechsel in den Fokus. So gehen Geld sparen und mehr Leistung im optimalen Fall Hand in Hand.

Individuelle Zusatzleistungen

Mehr als 95 Prozent der Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen sind gesetzlich vorgeschrieben und damit bei allen Kassen gleich. Darüber hinaus können die Kassen Zusatzleistungen anbieten, ein freiwilliges Leistungsplus. Zusatzleistungen gibt es in verschiedensten Bereichen:

Familien: mehr Leistungen bei Kinderwunschbehandlungen, zusätzliche Früherkennungsuntersuchungen in der Schwangerschaft, Kostenübernahme einer Hebammenrufbereitschaft, erweiterte Vorsorgeuntersuchungen für Kinder (siehe Tabelle 3).

Alternative Heilmethoden: Manche Kassen übernehmen Kosten für alternative Heilmethoden wie Homöopathie, Osteopathie, Traditionelle Chinesische Medizin oder Shiatsu in einem bestimmten Umfang, sofern ein Mediziner mit Zusatzausbildung die Behandlung durchführt. Ein Besuch beim reinen Heilpraktiker wird in der Regel nicht erstattet. Auch Naturarzneimittel werden oft in bestimmtem Umfang übernommen (siehe Tabelle 1).

Zahnersatz und Zahnreinigung: Manche Kassen bezuschussen den teuren Zahnersatz umfangreicher. Einige bieten etwa bestimmte Behandlungsmethoden zu Festpreisen an. Eine Voraussetzung ist häufig, dass der Patient zu einem Zahnarzt wechselt, mit dem die Kasse die Sonderkonditionen ausgehandelt hat. Auch für die professionelle Zahnreinigung gibt es Zuschüsse bei Vertragszahnärzten. Manche Kassen gewähren auch mehr Leistungen bei Kinderzahnbehandlungen (siehe Tabelle 2).

Früherkennungsuntersuchungen: Bei einigen Anbietern gibt es ein zusätzliches Hautkrebsscreening ab 20 Jahren (Standard ist ab 35 Jahren) sowie zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen für Kinder oder Schwangere (siehe Tabelle 3).

Haushaltshilfen: Manche Kassen gewähren Haushaltshilfen für einen längeren Zeitraum oder sie heben die Altersgrenze der im Haushalt lebenden Kinder an und erstatten einen Verdienstausfall, wenn sich ein Elternteil unbezahlten Urlaub nehmen muss, um die Kinder zu versorgen.

Reiseimpfungen: Wer privat viel auf Reisen geht und besonderen Impfschutz benötigt, kann viel Geld sparen, wenn eine Kasse Reiseimpfungen begleicht wie gegen Cholera, Diphtherie, Gelbfieber oder Typhus (Tabelle 2).

Zweitmeinung: Eine zweite Arztmeinung darf der Patient immer einholen. Manche Kassen bieten aber bei bestimmten Erkrankungen oder vor einer OP an, einen weiteren Experten zu vermitteln, leiten die Unterlagen weiter und helfen so, eine rasche, weitere Einschätzung zu erhalten.

Besondere Versorgungsprogramme: Die Kassen bieten bei bestimmten Beschwerden wie Migräne, Asthma, Depressionen, Essstörungen, Rückenbeschwerden, Brustkrebs etc. oft spezielle Behandlungsprogramme an, zum Beispiel eine nahtlos ineinandergreifende Behandlung aller Leistungserbringer vom Haus- und Facharzt, über Kliniken, Therapeuten bis hin zum Apotheker (Tabelle 3). Das sind keine klassischen Zusatzleistungen, eher Spezialtarife. Sie sichern aber ein Plus an medizinischer Versorgung und sind nicht bei allen Kassen gleich.

Gesundheitskurse: Viele Kassen unterstützen gesundheitsbewusstes Verhalten. Wer Kurse in den Bereichen Bewegung (Aqua Aerobic, Nordic Walking etc.), Ernährung (zum Beispiel Koch- und Diätkurse) und Entspannung (BeYoga, Autogenes Training und so weiter) besucht, erhält bei vielen Kassen einen Zuschuss zur Kursgebühr. Die Voraussetzung: Der Kurs muss gewisse Qualitätsanforderungen erfüllen und von einem zertifizierten Trainer angeleitet werden. Einige Kassen bieten auch eigene Kurse an. Die Kosten dafür werden meist voll übernommen, für Kinder und Jugendliche ohnehin.

Bonusprogramme: Kassen bieten Programme an, bei denen Versicherte Bonuspunkte sammeln können, wenn sie sich gesundheitsbewusst verhalten. Punkte gibt es etwa für die Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen, für sportliche Aktivität, den Erwerb von Sportabzeichen, für das Nichtrauchen oder Abnehmen. Belohnungen winken in Form von Sach- oder Geldprämien. Jede Kasse hat ein individuelles Angebot (Tabelle 4).

Wichtige Infos zu den Zusatzleistungen

Keine Zuverlässigkeit: Jede Krankenkasse bietet ein eigenes Programm an Zusatzleistungen an. Diese kann sie jederzeit wieder kürzen oder sie kann auch neue anbieten.

Nachfragen lohnt sich: Der Versicherte kann sich selbst auf die Suche machen und die Webseiten der Kassen durchforsten. Ist er fündig geworden, lohnt es sich, telefonisch nachzufragen, ob die versprochene Leistung auch tatsächlich noch existiert oder vielleicht schon wieder aus dem Programm genommen wurde. Auch über unseren Krankenkassenrechner erfahren Sie, welche Extras eine Krankenkasse anbietet. In welchem Umfang die Leistung gewährt wird, bedarf einer konkreten Nachfrage im Einzelfall.

Voraussetzungen: Zusatzleistungen sind häufig mit Bonusprogrammen oder einer Teilnahme an speziellen Wahlprogrammen verknüpft, das heißt, der Versicherte kann sie bei manchen Kassen nur in Anspruch nehmen, wenn er an diesen Programmen auch teilnimmt.

Freiwillig Versicherte: Wer selbstständig ist, aber freiwilliges Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung ist, sollte überprüfen, ob die neue Krankenkasse interessante Krankengeldtarife als Wahltarife anbietet, wenn diese Absicherung nicht bei einer privaten Krankenversicherung bereits besteht.

Gesundheitskonto: Manche Kassen gewähren ihren Versicherten Zusatzleistungen im Rahmen eines sogenannten Gesundheitskontos oder Gesundheitsbudgets – die Namen variieren von Kasse zu Kasse. Versicherte erhalten dann einen bestimmten Geldbetrag im Jahr, den sie in ausgewählte Zusatzleistungen investieren können. Der Versicherte kann die Summe für Zusatzleistungen ausgeben wie eine professionelle Zahnreinigung, Reiseimpfungen, Schwangerschaftsvorsorgen, Osteopathie oder sportmedizinische Untersuchungen oder Ähnliches. Die Höhe solcher Budgets variiert von Kasse zu Kasse, so bietet die DAK ein Gesundheitsbudget von 180 Euro im Jahr an, die AOK Bayern 250 Euro im Jahr, die AOK Baden-Württemberg 200 Euro. Das Geld können Versicherte auf verschiedene Leistung aufteilen oder aber eine Maßnahme, zum Beispiel Osteopathie, intensiver nutzen. Oftmals erhalten Versicherte aber in Summe mehr Leistung, wenn eine Kasse Zusatzleistungen ohne Gesundheitskonto und damit ohne finanzielle Deckelung gewährt.

Tabelle 1: Zusatzleistungen alternative Heilmethoden

KrankenkasseDas wird erstattet (Auswahl)*

Techniker

Homöopathie: Erst- und Folgeanamnese, Fallanalyse (Arzneimittelauswahl), Kurzberatungen. Kostenübernahme 100 Prozent bis zu 24 Monate. Erneuter Anspruch 36 Monate nach Inanspruchnahme der ersten Leistung.
Osteopathie: 40 Euro pro Sitzung, begrenzt auf die tatsächlich entstandenen Kosten. Maximal drei Sitzungen pro Kalenderjahr.
Naturarznei: 100 Euro pro Kalenderjahr für Arzneimittel der Homöopathie, Phytotherapie oder Anthroposophie.
BarmerHomöopathie: Erst- und Folgeanamnese, Fallanalyse (Arzneimittelauswahl), Kurzberatungen, maximal 730 Euro.
Osteopathie und Akupunktur: Maximal 50 Euro Zuschussprämie im Jahr bei erfolgreicher Teilnahme am Bonusprogramm.
Osteopathie für Neugeborene: Budget von maximal 200 Euro je Schwangerschaft für Osteopathie bei Neugeborenen oder für Zusatzleistungen im Rahmen des "Familien-Plus-Paketes".
DAK Homöopathie: Kostenübernahme im Rahmen der Kostenerstattung.
Osteopathie: Drei Sitzungen pro Kalenderjahr zu maximal 40 Euro im Rahmen des Gesundheitskontos**.
Naturarzneimittel: 100 Euro für nicht verschreibungspflichtige apothekenpflichtige Naturheilarzneimittel der Homöopathie, Anthroposophie, Phytotherapie pro Jahr im Rahmen des Gesundheitskontos.
Kinesiologie:
30 Euro pro Jahr für kinesiologisches Taping bei Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes, im Rahmen des Gesundheitskontos**.
AOK BayernHomöopathische Arzneimittel: 80 Prozent, maximal bis zu 30 Euro pro Jahr im Rahmen des Gesundheitskontos "mehr Vorsorge für mich". Nur für Arzneimittel auf Rezept.
AOK Baden-WürttembergHomöopathie:Erst- und Folgeanamnese. Erstanamnese einmal pro Kalenderjahr. Folgeanamnese nicht im selben Quartal wie Erstanamnese.
Naturarzneimittel: 200 Euro für nicht verschreibungspflichtige apothekenpflichtige Naturheilarzneimittel der Homöopathie, Anthroposophie, Phytotherapie pro Jahr im Rahmen des Gesundheitskontos "Allgemein"**.
Osteopathie: maximal 200 Euro (4 Sitzungen à 50 Euro) im Kalenderjahr im Rahmen des Gesundheitskontos. Nur auf ärztliche Verordnung und Durchführung durch zugelassenen Vertragspartner. Auch Osteopathie für sogenannte "Schreibabys": bis zu 100 Euro.

* Die Behandlungen sind in der Regel von einem Mediziner mit Zusatzausbildung zu erbringen. ** Das maximale Budget des Gesundheitskontos liegt für alle Zusatzleistungen, die das Budget gewährt (auch aus anderen Gesundheitsbereichen), bei 180 Euro im Jahr. *** Das maximale Budget des Gesundheitskontos liegt für alle Zusatzleistungen, die das Budget gewährt (auch aus anderen Bereichen) bei 200 Euro im Jahr. Quelle: Krankenkassen, eigene Recherche; Stand: Januar 2019.

Tabelle 2: Zusatzleistungen Reiseimpfungen und Zahnersatz/Zahnreinigung

KrankenkasseReiseschutzimpfungenZahnersatz/Zahnreinigung**
TechnikerKostenübernahme aller empfohlenen Reiseschutzimpfungen zu 100 Prozent.Kooperationsverträge mit Auslandskliniken für Zahnersatz, Beratung zum Zahnersatz inkl. Prüfung des Heilkostenplans.
BarmerKostenübernahme für Reiseschutzimpfungen bei Privatreisen zu 100 Prozent.Maximal 50 Euro Zuschussprämie im Jahr für professionelle Zahnreinigung bei erfolgreicher Teilnahme am Bonusprogramm.
DAKKostenübernahme zu 90 Prozent bei Hepatitis A+B, Cholera, Typhus, Gelbfieber, Tollwut, Japanische Enzephalitis und Meningokokken sowie Malariaprophylaxe.
Weiter Kostenübernahme bis zu 100 Euro im Rahmen des DAK Fit & Travel.
Regelversorgung bei Zahnersatz ohne Zuzahlung, wenn Bonusanspruch von 30 Prozent erfüllt ist (gemäß Bonusheft). Nur bei Besuch von Vertragszahnärzten über das Portal dent-net; Implantatversorgung zum Festpreis von 1.250 Euro; Zahnreinigung zum Festpreis von 58 Euro.
Kostenübernahme Zahnreinigung bis maximal 60 Euro pro Jahr im Rahmen eines Gesundheitskontos.
Bis zu 80 Euro pro Jahr für Fissurenversiegelung für Prämolaren (kleine Backenzähne) im Rahmen eines Gesundheitskontos.
AOK BayernKostenübernahme zu 80 Prozent des Impfstoffs, maximal 100 Euro im Rahmen des Gesundheitsbudgets "mehr Vorsorge für mich" für Malariaprophylaxe, Hepatitis A und B, Gelbfieberimpfung, Tollwutimpfung, Typhusimpfung.Professionelle Zahnreinigung einmal im Jahr bis zu 40 Euro; Versiegelung der vorderen Backenzähne für Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre, einmalig bis zu 50 Euro. Beide Leistungen im Rahmen des Gesundheitskontos "mehr Vorsorge für mich".
AOK Baden-WürttembergAlle empfohlenen Reiseimpfungen, auch Japanische Enzephalitis sowie Malariaprophylaxe maximal 200 Euro pro Jahr im Rahmen des Gesundheitskontos.Zahnreinigung im Rahmen des Prämienprogramm "ProFit" als zweckgebundene Prämie, z.B. 30 Euro oder 60 Euro-Gutschein.
Zahnersatz über den Kooperationspartner www.zahngebot.de/aok zu ersteigern, durchschnittliche Ersparnis von 40 Prozent der Kosten.

** Kostenübernahme zum Teil nur bei Zahnärzten, mit denen spezielle Verträge ausgehandelt wurden. Quelle: Krankenkassen, eigene Recherche; Stand: Januar 2019.

Tabelle 3: Besondere Versorgungsformen und Übersicht ausgewählter Zusatzleistungen

KrankenkasseBesondere ambulante Versorgungsformen (Auswahl)Zusatzleistungen (Auswahl)
TechnikerKinder: Kinderchirurgie und Transitionsmedizin (= Übergang von der Kinder- und Jugend- zur Erwachsenenmedizin), zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen, regional: Epilepsie, Dermatologie, posttraumatische Belastungsstörungen, Essstörungen, Onkologie

Zweitmeinung bei Krebserkrankungen und Tumoren, Herzerkrankungen, vor Rücken-, Hüft-, Knie- oder Gelenk-OP,Sportverletzungen, Varizen-OP

Schmerz:Fachübergreifende Behandlung bei Rückenschmerz, Kopfschmerz, Mikrotherapie, bildgesteuerte Schmerztherapie, Naturheilkunde
Impfung:HPV-Schutzimpfung für Mädchen und Jungen (bis 26 Jahre), Herpes Zoster (gemäß StiKo-Empfehlung), FSME.
Hautkrebsscreening ab dem 20. Lebensjahr (in einigen Bundesländern auch früher).
Schwangerschaft: Geburtsvorbereitungskurs für den Partner (80 Prozent, bis zu 100 Euro), Hebammenrufbereitschaft (bis zu 250 Euro), Jod und Folsäure für Schwangere (50 Prozent).
BarmerPRO MIND: Online-Training zur Stärkung der psychischen Gesundheit bei Stress, Burnout und Depression.
Kinder- und Jugend-Programm:Ergänzende Vorsorgeleistungen zur U10, U11 und J2. Inklusive telemedizinisches Konsiliararztsystem "PädExpert" (Kinderfachärzte werden online zur Unterstützung bei Diagnostik, Therapie oder Verlaufsbeurteilung hinzugezogen). Tonsillotomie: Modernes Verfahren zur schonenden Teilentfernung der Gaumenmandeln mittels Laser, für Kinder zwischen zwei und sechs Jahren.
Hautkrebsscreening unter 35 Jahren.
Familien-Plus-Paket (bei Schwangerschaft 200 Euro für u.a. zusätzliche Ultraschalluntersuchungen, Screening auf Toxoplasmose, Geburtsvorbereitungskurs auch für Partner, Hebammenrufbereitschaft, Osteopathie für Neugeborene etc.).
Ärztliche Zweitmeinung vor Hüft-, Rücken- und Knieoperationen bei ausgewählten Experten.
DAKWillkommen Baby: Spezieller bundesweiter Vertrag inkl. Vorsorgeprogramm BabyCare zur Vermeidung von Frühgeburten und Förderung der natürlichen Geburt (z.B. zusätzliche Ultraschalluntersuchungen, Schwangerschaftsakupunktur.
Diabeteskomplikationen: Vorsorgeprogramm mit gezielten Untersuchung und individueller Therapieeinleitung zur frühzeitigen Erkennung erster Signale einer Diabetes-Folgeerkrankung, sowie zur Vermeidung von Folgeschäden.
Künstliche Befruchtung (für die ersten drei Kinderwunschbehandlungen Übernahme von 100 Prozent der Kosten, wenn beide Ehepaare bei der DAK versichert sind).
Plus Leistungen für Schwangere: insgesamt neun Maßnahmen, maximal 100 Euro pro Jahr für Ersttrimester-Screening, Toxoplasmose-Test, zwei zusätzliche Ultraschalluntersuchungen (auch 4-D-Ultraschall) u.a.
Vorsorge: Volle Kostenübernahme der Impfung gegen humane Papillomviren (HPV) für männliche Versicherte bis zum vollendeten 18. Lebensjahr.
AOK BayernVerträge zur integrierten Versorgung unter anderem im Bereich Onkologie, Urologie und psychischen Erkrankungen.
Radiochirurgie mit CyberKnife: High-Tech-Medizin Angebot am Europäischen Cyberknife Zentrum in München-Großhadern.
Cordiva: Integrierte telemedizinische Versorgung für Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz (Herzschwäche) zur Früherkennung und Vermeidung von Komplikationen und Krankenhausaufenthalten.
Hautkrebsscreening ab 18 Jahren, Übernahme von 80 Prozent der Kosten, maximal 25 Euro jedes zweite Kalenderjahr.
Schwangerschaft: Partnerbegleitung bei der Geburtsvorbereitung, 80 Prozent der Kosten, maximal 75 Euro (beide Angebote im Rahmen des Gesundheitskontos "mehr Vorsorge für mich").
Hebammenrufbereitschaft: bis zu 250 Euro.

AOK Baden-WürttembergHausarzt- und Facharztprogramm: Kardiologie, Gastroenterologie, Psychiatrie/Neurologie/Psychotherapie, Orthopädie, Urologie, Diabetologie
Verträge über Mehrleistungen Hightech-Medizin (z.B. Hochpräzisionsbestrahlung bei Tumorerkrankung): Exklusiv-Vertrag mit dem Klinikum Stuttgart, Heidelberg, Villingen-Schwennigen und Göppingen.
Endovenöse Therapie bei Krampfadern: minimalinvasive Verödung von Krampfadern inklusive Nachbehandlung.
KünstlicheBefruchtung: Kostenübernahme 3 x 75 Prozent des Rechnungsbetrags. Auch für gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften.
Gesundheitskonto "Schwangere" (max. 300 EUR pro Kalenderjahr):Hebammen-Rufbereitschaft (300 Euro); Pauschale zur Schwangerenvorsorge (300 Euro) für Ultraschalluntersuchungen, Begleitperson Geburtsvorbereitungskurs, Säuglingspflegekurs, Entspannungs- und Bewegungskurse, Antikörperbestimmungen, Toxoplasmose-Test.
Ärztliche Zweitmeinung (Orthopädie und Unfallchirurgie, Allgemein- und Viszeralchirurgie, Neurochirurgie, Onkologie, Urologie, Kardiologie, Herzchirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe)

Quelle: Krankenkassen, eigene Recherche; Stand: Januar 2019.

Tabelle 4: Bonusprogramme Prämienangebot

KrankenkassePrämien
TechnikerVariable Barprämie (abhängig von Anzahl der bonifizierbaren Maßnahmen) oder doppelt so hohe, zweckgebundene Gesundheitsdividende (Extra-Budget für zusätzliche Gesundheitsleistungen, zum Beispiel professionelle Zahnreinigung, erweiterte Vorsorgeuntersuchungen).
BarmerGeldprämie 30, 65 oder 100 Euro (für 500, 1.000 oder 1.500 gesammelte Bonuspunkte), alternativ Sachprämien. Oder zweckgebundene Zuschuss-Prämie für 500 Punkte von 50 Euro für: professionelle Zahnreinigung, osteopathische Behandlung, Sehhilfe, Akupunktur oder private Krankenzusatzversicherung.
DAKBarprämien bis zu 210 Euro im Jahr für unter anderem Vorsorgeuntersuchungen, Gesundheit-Check-up und Vereinssport; zweckgebundene Prämie bis zu 252 Euro. DAK AktivBonus Junior bis zu 1.626 Euro zum 18. Geburtstag.
AOK BayernÜber 70 Sachprämien für alle Kundengruppen.
AOK Baden-WürttembergSachprämien von 239 Euro (Erwachsene) beziehungsweise 96 Euro (0-14 Jahre). Geldprämien in der Staffelung 20 / 40 / 80 / 120 Euro.

Quelle: Krankenkassen, eigene Recherche; Stand: Januar 2019.

Krankenkassen: Guter Service ist ein Qualitätsmerkmal

Zusätzlich zum Angebot der Zusatzleistungen, sollten Sie auch den Service unter die Lupe nehmen.

  • Gibt es eine Service- oder Geschäftsstelle vor Ort beziehungsweise benötigen Sie eine?

  • Bietet die Kasse Hausbesuche durch einen Kassenvertreter an?

  • Gibt es eine 24-Stunden-Hotline, die vielleicht für Berufstätige im Schichtdienst wichtig sein kann?

  • Unterstützt die Krankenkasse Sie dabei, einen Facharzttermin zu erhalten?

Das sind einige Aspekte, die im Krankheitsfall wichtig sein können.

Wie gut die Serviceleistungen einer Krankenkasse sind, zeigt sich meist erst, wenn Sie krank werden und auf Unterstützung angewiesen sind. Nicht alle Kassen kümmern sich gleichermaßen kulant um ihre Mitglieder. Manche Versicherten müssen um jede Verordnungen beim Physiotherapeuten ringen, Widerspruch einlegen, um eine Leistung zu erhalten oder haben Probleme bei der Bewilligung einer Psychotherapie oder einer Reha-Behandlung. Wenn Sie solche Probleme kennen, ist es Zeit für einen Wechsel.

Tipp: Fragen Sie bei Freunden und Bekannten nach, welche Erfahrungen Sie mit Ihrer Krankenkasse im Krankheitsfall gemacht haben. Oder rufen Sie einfach bei einer Krankenkasse an und lassen sich beraten. So erhalten Sie auch einen Anhaltspunkt, ob Sie gut bedient werden.

Bewertung: Laut einer Untersuchung von Focus Money gelten die Techniker, die HEK, die IKK Südwest als gute Krankenkassen (im Bereich Leistung, Finanzkraft, Service, Stand: Juli 2018). In anderen Bewertungen schneiden auch die DAK-Gesundheit sowie die AOK Baden-Württemberg und die AOK Plus gut ab. Allerdings können solche Bewertungen nur Anhaltspunkte sein. Während ein Mitglied gute Erfahrungen mit einer Kasse macht, weil das Angebot gut auf ihn zugeschnitten ist, ist ein anderes Mitglied unzufrieden

So funktioniert der Kassenwechsel

Es gibt über 100 gesetzliche Krankenkassen in Deutschland, aber nicht alle stehen allen Versicherten offen. So sind die AOKs regional organisiert und jeweils für Versicherte geöffnet, die in dem jeweiligen Bundesland arbeiten oder leben. Auch viele BKKs sind regional organisiert oder nur für Mitarbeiter des jeweiligen Unternehmens.

So gehen Sie Schritt für Schritt vor: 

1. Kündigungsfrist

Versicherte können jederzeit die Krankenkasse wechseln, wenn Sie in der Regel mindestens 18 Monate lang Mitglied waren. Es gilt eine Kündigungsfrist von zwei Monaten zum Monatsende. Beispiel: Wenn Sie am 8. Februar kündigen, können Sie zum 1. Mai aus der Kasse austreten. Wichtig: wenn Sie einen Wahltarif (zum Beispiel Kostenerstattung) gewählt haben, gelten unter Umständen andere Kündigungsfristen, maximal drei Jahre.

2. Sonderkündigungsrecht

Wer noch keine 18 Monate Mitgliedschaft bei seiner Krankenkasse vorweisen kann, darf trotzdem wechseln, sobald die Kasse den Beitrag erhöht. Dann gilt ein Sonderkündigungsrecht. Die Erhöhung des Zusatzbeitrags muss die Kasse nur einen Monat vorher ankündigen. Bis der Beitrag zum ersten Mal fällig wird, haben Sie Zeit, zu kündigen. Es greift dann aber trotzdem die zweimonatige Kündigungsfrist. Der Zusatzbeitrag ist aber bei der alten Kasse so lange zu zahlen, bis die Kündigung greift.

3. Auswahl

Vor der Wahl eines neuen Anbieters sollten Sie sich im Vorfeld ausführlich persönlich beraten lassen.

4. Kündigung

Schicken Sie an Ihre bisherige Krankenkasse eine schriftliche Kündigung Ihrer Mitgliedschaft, am besten per Einschreiben.

5. Antrag

Innerhalb von 14 Tagen erhalten Sie eine Bestätigung, dass die Kündigung eingegangen ist. Diese legen Sie der neuen Krankenkasse vor, samt Mitgliedsantrag.

6. Mitgliedsbestätigung

Von der neuen Kasse erhalten Sie eine Mitgliedsbestätigung, die Sie Ihrem Arbeitsgeber vorlegen müssen. Freiwillig Versicherte legen das Schreiben Ihrer bisherigen Krankenkasse vor, damit die Kündigung wirksam ist.

Die häufigsten Fragen zum Wechsel der gesetzlichen Krankenkassen

Kann ich auch während einer laufenden Behandlung die Kasse wechseln (zum Beispiel Kiefernorthopädie, Zahnbehandlung, Psychotherapie)?

Ja, das ist möglich. Die Leistungserbringer rechnen dann einfach mit der neuen Kasse ab. Versicherte sollten während einer laufenden Behandlung den Arzt rechtzeitig informieren und schnellstmöglich die neue Versichertenkarte vorlegen. Es lohnt sich aber, bei einer laufenden Behandlung bei der neuen Kasse nachzufragen, ob die Kosten tatsächlich problemlos übernommen werden. Grundsätzlich hat die neue Kasse die Möglichkeit, eine von der vorherigen Krankenkasse getroffene Entscheidung zu überprüfen und eine davon abweichende Entscheidung treffen. In der Praxis geschieht dies jedoch kaum, Leistungsentscheidungen werden meist anerkannt. Übernimmt die neue Kassen die Kosten, sollte man sich das schriftlich bestätigen lassen.
Achtung: Zusatzleistungen der alten Krankenkasse können durch einen Wechsel natürlich wegfallen, sofern die neue Krankenkasse diese nicht anbietet.

Ich bin schon älter und habe chronische Krankheiten – ist ein Wechsel dann überhaupt möglich?

Ein Wechsel ist immer und für alle möglich, ohne dabei Nachteile zu erfahren. Es gilt ein Annahmezwang in der gesetzlichen Krankenversicherung.

Gibt es Formvorgaben für das Kündigungsschreiben?

Entweder bietet die Krankenkasse ein Musteranschreiben an oder Sie können es selbst formulieren. Nennen Sie Ihre Adresse, Ihre Versichertennummer und das Geburtsdatum in dem Schreiben. Schreiben Sie, dass Sie zum nächstmöglichen Zeitpunkt kündigen wollen und gegebenenfalls ein Sonderkündigungsrecht in Anspruch nehmen. Setzen Sie Datum und Unterschrift darunter.

Was ist, wenn die neue Krankenkasse auch ihre Beiträge erhöht – kann ich dann wieder wechseln?

Ja, das funktioniert. Es gelten dann aber wieder die Kündigungsfristen wie oben aufgeführt.

Können auch mitversicherte Familienmitglieder von Zusatzleistungen und Prämien im Bonusprogramm profitieren?

Ja, die Zusatzleistungen stehen allen offen. Die meisten Kassen bieten auch Bonusprogramme für alle Altersgruppen und auch in der Familienversicherung an. Für Kinder gelten aber oft andere Prämienprogramme als für Erwachsene.

Wie stelle ich den Wechsel an, damit keine Versicherungslücke entsteht?

Das funktioniert automatisch. Sobald Sie die Kündigung ausgesprochen haben, bleiben Sie trotzdem so lange versichert, bis die Mitgliedschaft bei der neuen Kasse greift. Und sollte es dort irgendein Problem bei der Annahme geben, bleiben Sie automatisch bei der alten Kasse versichert.

Ist es egal, ob ich zu einer Ersatzkasse, einer AOK, einer IKK oder einer BKK wechsle?

Den Unterschied machen nicht die Art der Kasse, sondern die Zusatzleistungen aus. Die medizinische Grundversorgung ist überall gleichermaßen gesichert. Bei den Zusatzleistungen macht jedoch jede Kasse ihr eigenes Angebot. Auch AOKs, IKKs und BKKs unterscheiden sich untereinander. Wissen muss man, dass AOKs, IKKs und BKKs oft nur regional geöffnet sind, das heißt, sie stehen nur Mitgliedern offen, die im jeweiligen Bundesland leben oder arbeiten.

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