Heil- und Hilfsmittel: So erhalten Patienten passende Verordnungen

Ratgeber der Woche Heil- und Hilfsmittel: So erhalten Patienten passende Verordnungen

Annette Jäger
von Annette Jäger Fritz Himmel
09.10.2018
Auf einen Blick
  • Zu Heilmitteln zählen Besuche beim Physiotherapeuten, Ergotherapeuten oder Logopäden. Patienten sollten wissen, dass sie einen Anspruch auf diese Leistung haben, wenn sie medizinisch angezeigt ist.

  • Zu Hilfsmitteln zählen Rollstühle, Prothesen, Seh- und Hörhilfen, auch orthopädische Schuhe oder Geh- und Inkontinenzhilfen. Diese muss der Arzt verordnen und die Kasse genehmigen.

  • Privatpatienten erhalten umfangreichere Verordnungen, die die Versicherer auch oft zu 100 Prozent erstatten. Doch gerade bei günstigen Tarifen liegt die Kostenerstattung auch mal nur bei 80 Prozent
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Manchmal ist es kein Medikament, das einen wieder gesund macht, sondern eine therapeutische Maßnahme: Physiotherapie, eine Massage oder auch Ergotherapie. Oder aber Kompressionsstrümpfe, ein Inhalationsgerät, eine Spezialbrille verschaffen Linderung. Für solche sogenannten Heil- und Hilfsmittel kommt die Krankenkasse auf, bei Privatpatienten deren private Krankenversicherung.

Doch immer wieder kommt es zu Ärgernissen: Der Arzt stellt keine Verordnungen aus, die Qualität eines Hilfsmittels ist mangelhaft, für andere Hilfsmittel erhalten Kassenpatienten gar keinen Zuschuss mehr und Privatpatienten wundern sich, dass ein Heilmittel gar nicht im versicherten Tarif vorgesehen ist. Wer sich als Patient auskennt, kann daran mitwirken, dass er am Ende das bekommt, was er benötigt.

Erfahren Sie auf den folgenden Seiten, welche Verordnungen Ihnen zustehen, wie die Genehmigung durch die Kasse funktioniert, wie Sie Widerspruch bei Ablehnung einlegen können und wie Kassenversicherte mit privaten Zusatzversicherungen Ihre Leistungen aufstocken können. Sind Sie privatversichert, dann lesen Sie, worauf es beim Vertrag ankommt, und auch, was Sie wissen sollten, bevor Sie Hilfs- und Heilmittel in Anspruch nehmen.

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Heilmittel

Heilmittel in der gesetzlichen Krankenversicherung

Heilmittel sind laut Definition medizinische Dienstleistungen, die der Arzt verordnen kann. Mit dem Rezept sucht der Patient einen ausgebildeten Therapeuten auf: zum Beispiel einen Physiotherapeuten, einen Ergotherapeuten oder einen Logopäden. Die Anwendungen oder Therapien dienen dazu, eine Krankheit zu heilen oder Symptome zu lindern.

Allerdings kann der Arzt nicht beliebig viele Rezepte ausstellen. Die Kassen zahlen nur begrenzt. In der Regel haben Patienten zunächst Anspruch auf bis zu sechs Anwendungen, bei manchen Diagnosen auch bis zu zehn. Der Arzt kann darüber hinaus weitere Verordnungen ausstellen. Wie viele Anwendungen der Patient insgesamt erhalten kann, richtet sich nach der Diagnose.

  • Biallo-Tipp: Allzu oft erleben Patienten in der Arztpraxis, dass der Arzt eine Verordnung für Krankengymnastik nur zögerlich oder gar nicht ausstellen möchte. Patienten sollten wissen, dass sie einen Anspruch auf diese Leistung haben, wenn sie medizinisch angezeigt ist.

Lesen Sie auch: Vollmachten und Verfügungen schaffen Klarheit

Zuzahlungen

Patienten müssen für die Verordnung von Heilmitteln Zuzahlungen leisten. Es fallen zehn Prozent der Kosten an, zuzüglich zehn Euro pro Verordnung.

Rechenbeispiel: Eine Physiotherapiesitzung inklusive Wärmebehandlung kostet zum Beispiel 25 Euro. Der Patient zahlt pro Sitzung 2,50 Euro, für sechs Sitzungen also insgesamt 15 Euro. Hinzu kommen pauschal zehn Euro für die Verordnung. Das macht 25 Euro an Zuzahlung.

Fallen wegen einer akuten Erkrankung mehrere Verordnungen an, kann das ganz schön teuer werden. Gesetzlich Krankenversicherte müssen aber nicht beliebig viel an Zuzahlungen leisten. Es gilt eine maximale Belastungsgrenze. Wie viel Patienten zuzahlen müssen und wie sie sich von den Zuzahlungen befreien lassen können, ist im nachfolgenden Kasten beschrieben.

  • Biallo-Tipp: Patienten können Zuzahlungen und andere Ausgaben für die Gesundheit auch als sogenannte außergewöhnliche Belastung steuerlich geltend machen. Allerdings gilt auch hier ein Eigenanteil, den der Steuerzahler erst mal tragen muss, bevor die Steuervergünstigung greift. Der Eigenanteil hängt von der Höhe des Einkommens, dem Familienstand und der Anzahl der Kinder ab.

Heilmittel in der privaten Krankenversicherung

Heilmittel sind in der privaten Krankenversicherung genauso definiert wie in der gesetzlichen. Die Erstattungsmodalitäten unterscheiden sich jedoch. Der Eindruck trügt nicht: Privatpatienten erhalten oft wesentlich umfangreicher Rezepte für Therapien und Anwendungen als Kassenpatienten. In der Regel werden die Kosten auch zu 100 Prozent erstattet. Es kann jedoch je nach Tarif Abweichungen davon geben. So kann zum Beispiel bei sehr günstigen Tarifen, die oft an junge Kunden verkauft werden, auch eine Kostenerstattung beispielsweise von nur 80 Prozent vorgesehen sein. Ein Blick in die Versicherungsbedingungen lohnt sich.

  • Biallo-Tipp: Patienten sind gut beraten, wenn sie sich vor Beginn einer Behandlung die anfallenden Kosten nennen lassen und sich bei ihrer privaten Krankenversicherung eine schriftliche Kostenzusage geben lassen.

So können sich Kassenpatienten Zuzahlungen erstatten lassen

Zuzahlungen fallen für Kassenpatienten an für Medikamentenrezepte, für Heil- und Hilfsmittelverordnungen, aber auch für Krankenhausaufenthalte oder Zahnbehandlungen. Mehr als zwei Prozent des Jahresbruttoeinkommens muss jedoch kein Kassenpatient an Zuzahlungen aufbringen – bei chronisch Kranken ist es ein Prozent. Wer mit seinen Zuzahlungen diese Grenze überschreitet, kann sich die zu viel gezahlten Ausgaben zurückerstatten lassen. Zu den Bruttoeinnahmen zählen neben den Einnahmen des Kassenmitglieds auch Einnahmen anderer im gemeinsamen Haushalt lebender Personen, beispielsweise jene des Ehegatten. Von den Bruttoeinnahmen dürfen Versicherte Freibeträge für Familienmitglieder abziehen: 5.481 Euro für den 1. Angehörigen (z.B. Ehegatte), und 7.428 Euro pro Kind.

Rechenbeispiel: Der Kassenpatient verdient gemeinsam mit seinem Ehepartner 35.000 Euro im Jahr. Von dieser Summe darf er 5.481 Euro für den Ehegatten abziehen sowie insgesamt 14.856 Euro für die beiden Kinder. So verbleiben nur noch 14.663 Euro. Davon muss er zwei Prozent an Zuzahlungen im Jahr leisten. Das sind 293,26 Euro. Sollte er chronisch krank sein, sind es nur 146,63 Euro.

Um sich Zuzahlungen zurückerstatten zu lassen, muss der Versicherte alle Belege für geleistete Zuzahlungen im Jahr aufheben und sie samt Einkommensbescheid der Krankenkasse vorlegen. Viele gesetzliche Krankenkassen erlauben es, die Zuzahlungen von bis zu vier zurückliegenden Jahren zu erstatten. Wer dauerhaft eine hohe Belastung an Zuzahlungskosten hat, kann sich auch schon im Voraus für das laufende Jahr befreien lassen. Dann zahlt er am Jahresanfang den gesamten Zuzahlungsbetrag und ist somit mit der gesamten Familie für das kommende Kalenderjahr von Zuzahlungen befreit.

Hilfsmittel

Hilfsmittel in der gesetzlichen Krankenversicherung

Hilfsmittel sind Gegenstände, die

  • den Erfolg einer Krankenbehandlung sichern oder
  • einen Ausgleich einer bestehenden Behinderung ermöglichen oder
  • einer drohenden Behinderung vorbeugen sollen.

Zu Hilfsmitteln zählen zum Beispiel Rollstühle, Prothesen, Seh- und Hörhilfen, orthopädische Schuhe, Geh- und Inkontinenzhilfen oder auch Stomaartikel. Solche Artikel muss der Arzt verordnen und die Kasse genehmigen.

Auch hier fallen Zuzahlungen an: zehn Prozent vom Abgabepreis bzw. vom Festbetrag, mindestens fünf, maximal zehn Euro. Eine Sonderregelung gilt für Hilfsmittel, die zum Verbrauch bestimmt sind, zum Beispiel Windeln. Dann sind zehn Prozent je Packung, maximal zehn Euro im Monat je Indikation an Zuzahlung zu leisten.

Sonderfall: Brille

Brillen sind wohl eines der gefragtesten Hilfsmittel und auch an Hörgeräten gibt es im Alter einen großen Bedarf. Für beide Hilfsmittel gibt es Festzuschüsse der Krankenkasse. Über die Kassenleistung bei Brillen ärgern sich Versicherte immer wieder – die Kasse übernimmt seit einigen Jahren nämlich kaum mehr Kosten bzw. nur für einen sehr eingeschränkten Personenkreis. Die gute Nachricht: Im Zuge des neuen Heil- und Hilfsmittelstärkungsgesetzes, das 2017 in Kraft getreten ist, zahlt die Kasse wieder etwas mehr. So sieht die aktuelle Kostenerstattung aus:

  • Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre: Die Kasse übernimmt Kosten für Brillengläser.

  • Schwere Sehbehinderung: Volljährige Versicherte haben nur dann einen Leistungsanspruch, wenn sie auf beiden Augen eine extreme Sehschwäche aufweisen und ihre Sehleistung auf dem besseren Auge bei bestmöglicher Korrektur höchstens 30 Prozent erreicht.

  • Starke Fehlsichtigkeit: Neu ist, dass jetzt auch Patienten mit sechs Dioptrin - oder vier Dioptrin bei Hornhautverkrümmung – wieder einen Zuschuss zu Brillengläsern erhalten. Laut des Sozialverbands VdK betrifft das 1,4 Millionen Bürger.

Allerdings gewährt die Kasse in allen Fällen immer nur einen Festbetrag, nämlich zwischen zehn und 112 Euro pro Brillenglas. Damit soll eine Basisversorgung sichergestellt sein. Alles, was darüber hinaus geht, muss der Patient selbst bezahlen, auch das Brillengestell. Extras wie eine Entspiegelung werden nicht bezahlt und Kontaktlinsen nur in medizinisch zwingenden Fällen.

  • Biallo-Tipp: Versicherte sollten sich eine ärztliche Verordnung für die Brille ausstellen lassen, einen günstigen Optiker aufsuchen und fragen, ob eine Brille zum Festbetrag erhältlich ist. Ist kein Brillenglas zum Festbetrag erhältlich, kann der Patient einen zusätzlichen Antrag bei der Krankenkasse auf Kostenüberahme stellen. "Die Kasse ist verpflichtet, dem Versicherten die Brillengläser oder Kontaktlinsen zuzahlungsfrei zur Verfügung zu stellen oder auf einen ortsansässigen Optiker zu verweisen, der die erforderlichen Sehhilfen zum Festbetrag anbieten kann", heißt es beim Sozialverband VdK.

Hilfsmittel richtig beantragen

Auch wenn Patienten Hilfsmittel gesetzlich zustehen, so gibt es damit doch immer wieder Probleme: Die Kassen genehmigen ein Hilfsmittel nicht oder im Sanitätshaus erhalten Patienten das Produkt nicht in der gewünschten Qualität. Der Patient kann einen Beitrag dazu leisten, dass es mit der Verordnung reibungslos klappt.

Schritt 1: Entscheidend für die Zufriedenheit mit einem Hilfsmittel ist, das richtige auszuwählen. Welche Unterstützung ist nötig, um eine Linderung der Beschwerden zu erfahren? Welches Hilfsmittel passt zur aktuellen Lebenssituation? Ist es auch für den Patienten zu handhaben oder ist es technisch kompliziert anzuwenden? Diese Fragen sollte der Patient ausführlich mit seinem Arzt beraten.

Sinnvoll ist es auch, bei größeren Anschaffungen eine spezielle Hilfsmittelberatungsstelle aufzusuchen. Die Wohlfahrtsverbände wie der Malteser Hilfsdienst oder das Rote Kreuz haben solche Beratungsstellen oder der Sozialverband VdK berät. Es gibt aber auch spezialisierte Beratungsstellen, zum Beispiel beim Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund e.V. (BBSB), bei der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke e.V. oder der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft.

  • Biallo-Tipp: Patienten dürfen bestimmte Hilfsmittel im Sanitätshaus ausleihen und testen. So können sie herausfinden, ob ein bestimmtes Produkt geeignet ist und sie damit gut zurechtkommen. Der Arzt kann dann eine präzisere Verordnung ausstellen.

Schritt 2: Der Arzt muss das ausgewählte Hilfsmittel verordnen, die Kasse muss es genehmigen (manchmal sind auch andere Kostenträger zuständig, etwa die Renten- oder die Pflegekasse).Die Verordnung ist der Knackpunkt. Der Arzt muss die medizinische Notwendigkeit genau begründen. Sowohl die Diagnose muss er genau beschreiben und auch, welche Beeinträchtigung das Hilfsmittel genau ausgleichen oder lindern soll.

Auch sollte beschrieben sein, welche Funktionsweisen das Hilfsmittel aufweisen muss und in welcher Menge es erforderlich ist. Wenn diese Verordnung präzise formuliert ist, ist ein entscheidender Beitrag zu einer Genehmigung durch die Kasse geleistet.

Schritt 3: Der Patient erfragt bei der Krankenkasse, wo er das Hilfsmittel erhält, zum Beispiel in einem bestimmten Sanitätshaus. Die Kassen haben oft Verträge mit günstigen Anbietern geschlossen. Der Anbieter macht dann einen Kostenvoranschlag. Dieser wird gemeinsam mit dem Rezept und eventuell auch einem Anschreiben, in dem der Patient seine persönliche Situation darlegt und warum das Hilfsmittel nötig ist, bei der Krankenkasse eingereicht. Nun kann die Kasse die Verordnung genehmigen oder ablehnen. Für einen entsprechenden Bescheid hat sie bei Hilfsmitteln, die den Erfolg einer Krankenbehandlung sichern sollen, drei Wochen Zeit, notfalls auch fünf Wochen, falls der Medizinische Dienst der Krankenkassen zur Begutachtung hinzuzuziehen ist.

Bei Hilfsmitteln, die der Vorbeugung einer drohenden Behinderung oder dem Ausgleich einer vorhandenen Behinderung dienen, hat die Kasse zwei Monate ab Antragstellung Zeit. Reagiert die Kasse nicht innerhalb dieser Fristen, gilt das Hilfsmittel als genehmigt und der Patient darf das Rezept im Sanitätshaus auf Kassenkosten einlösen.

Schritt 4: Erhält der Patient einen ablehnenden Bescheid, kann er Widerspruch einlegen. Dafür hat er einen Monat Zeit. Im Widerspruch erklärt er schriftlich, dass er mit der Entscheidung nicht einverstanden ist, außerdem muss er begründen warum. Gut ist es, sich vorher fachlichen Rat zu holen. Ein erneutes Gespräch mit dem Arzt oder einer Hilfsmittelberatungsstelle ist angesagt.

Sie können helfen, Argumente zu finden, warum das Hilfsmittel für den Patienten wichtig ist. Bei erneuerter Ablehnung hat der Patient nur noch die Chance, innerhalb eines Monats Klage vor dem Sozialgericht zu erheben. Dafür fallen für den Patienten keine Kosten an, außer er lässt sich durch einen Anwalt vertreten.

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Was tun bei mangelnder Qualität von Hilfsmitteln?

Leider sind nicht alle Patienten immer zufrieden mit der Qualität der Hilfsmittel, die sie im Sanitätshaus erhalten. Die Kassen gewähren nämlich nur eine Basisversorgung. Und die reicht vielen Patienten einfach nicht aus. Seit Jahren reißen etwa Beschwerden über mangelnde Qualität von Inkontinenzhilfen nicht ab. Patienten können sich natürlich im Sanitätshaus ein besseres Produkt aussuchen – die Mehrkosten, die anfallen, müssen sie aber selbst tragen. Patienten sollten jedoch nicht zu schnell bereit sein, selbst zu bezahlen.

Denn wenn das Produkt nicht geeignet ist, etwa weil es wegen einer Unverträglichkeit Allergien verursacht oder weil das Produkt schlicht nicht richtig passt, muss die Kasse für die Mehrkosten aufkommen. Der Patient hat schließlich das Recht auf eine medizinisch notwendige Versorgung. Er sollte sich an seine Kasse wenden und eine Kostenaufstellung der notwendigen Hilfsmittel beifügen.

Notfalls müssen Patienten auch hier Widerspruch gegen den Kassenbescheid einlegen, wenn sich die Kasse weiterhin weigert, das bessere Produkt zu bezahlen. Auch hier sollte der Arzt hinzugezogen werden, der eine eventuelle Unverträglichkeit bestätigen kann.

Das bringt das Heil- und Hilfsmittelstärkungsgesetz

Seit 2017 gilt das Heil- und Hilfsmittelstärkungsgesetz. Es soll das Recht des Patienten stärken. Im Kern besagt es, dass bei den Verträgen, die die Kassen mit den Hilfsmittelherstellern schließen, nicht allein auf einen günstigen Preis setzen dürfen, sondern auch die Qualität in Betracht ziehen müssen und zwar zu 50 Prozent.

Erste Erfahrungen mit der Wirksamkeit des Gesetzes sind bislang nicht sonderlich positiv. Noch immer wird die Qualität von vielen Kassen nicht ausreichend berücksichtigt, hat das Bundesversicherungsamt in seinem jüngsten Tätigkeitsbericht festgestellt (zu berücksichtigen ist, dass noch nicht alle Kassen seit Einführung des Gesetzes ihre Verträge mit den Anbietern erneuern konnten).

Wichtig ist, dass mit der Qualität nicht nur die materielle Beschaffenheit des Hilfsmittels gemeint ist, sondern auch seine Zweckmäßigkeit und Zugänglichkeit für den Patienten. Sprich: Ein Patient im Rollstuhl kann nicht gezwungen sein, am anderen Ende der Stadt ein Sanitätshaus aufsuchen zu müssen, nur weil seine Kasse hier einen Versorgungsvertrag geschlossen hat.

Hilfsmittel in der privaten Krankenversicherung

Wie Kosten für Hilfsmittel in der privaten Krankenversicherung gedeckt sind, hängt vom jeweiligen Tarif ab. In älteren Verträgen finden sich häufig noch sogenannte geschlossene Hilfsmittelverzeichnisse. Damit gilt ein bei Vertragsabschluss festgelegtes Hilfsmittelverzeichnis, in dem alle Hilfsmittel aufgelistet sind, die durch den Tarif abgedeckt sind. Das Verzeichnis ist über die Vertragslaufzeit unveränderbar, das heißt auch, dass Neuentwicklungen keine Berücksichtigung finden und nicht bezahlt werden.

Es gibt aber auch geschlossene Auflistungen mit einer Formulierung, die die Auflistung erweitert oder öffnet. Zum Beispiel sind dann lebenserhaltende Hilfsmittel erstattungsfähig, wenn kein anderes in der Liste aufgeführtes Hilfsmittel die Lebenserhaltung gewährleisten kann.

Dennoch ist ein geschlossenes Hilfsmittelverzeichnis ein Kostenrisiko. Versicherte, die ein solches geschlossenes Verzeichnis im Vertrag haben, haben nur die Option, durch einen Tarifwechsel die Leistung aufzustocken.

Das ist möglich, doch zu bedenken ist, dass dann wieder Gesundheitsfragen anfallen und eine neue Risikoeinschätzung stattfindet. Unter Umständen ist ein Tarifwechsel mit sehr viel mehr Beitrag verbunden. Allerdings lohnt es sich, diese Variante zumindest in Erwägung zu ziehen. Lassen Sie sich beraten!

Besser ist ein Tarif, der ein offenes Heilmittelverzeichnis gewährt. Das heißt, dass die Liste der erstattungsfähigen Hilfsmittel ständig erneuert wird und auch technische Neuentwicklungen berücksichtigt werden. In neueren Verträgen gilt in der Regel immer ein offenes Hilfsmittelverzeichnis. Doch auch hier kann es Leistungseinschränkungen geben.

In manchen Verträgen sind genaue Summen festgeschrieben, die für einzelne Hilfsmittel gewährt werden oder aber der Versicherer muss das Hilfsmittel genehmigen oder es gibt Einschränkungen bezüglich der Ausführung eines Produkts.

Wer einen Neuvertrag abschließt, sollte darauf achten, dass bei Heilmitteln ein offenes Verzeichnis gilt und zumindest bei lebenserhaltenden Hilfsmitteln keine Leistungseinschränkungen gelten. Auch wenn diese Tarifvariante mehr an Beitrag kostet, lohnt sich die Investition. Denn zu einem späteren Zeitpunkt den Tarif aufzustocken, wird meist noch teurer. Der Versicherte ist dann älter geworden, hat eventuell schon Vorerkrankungen und es fallen möglicherweise sogar Risikozuschläge an.

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Berechnungsgrundlage / Modellfall: 

Das leisten private Zusatzversicherungen

     

Angebote im Paket

Gesetzlich Krankenversicherte können die Leistungen der Kassen durch ambulante Zusatztarife bei einem privaten Krankenversicherer aufstocken. Allerdings können in der Regel nur Leistungen im Bereich Hilfsmittel aufgestockt werden, hier geht es vor allem um Sehhilfen und Hörgeräte. Beide Hilfsmittel lassen sich meist nur in einem Paket mit anderen Leistungen versichern.

So sind in den Tarifen meist auch Leistungen für Heilpraktikerbesuche enthalten, zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen oder ein Auslandsreisekrankenschutz. Verbraucher sollten wissen, dass diese Tarife nie die vollen Kosten erstatten, sondern immer nur einen bestimmten Prozentsatz, zusätzlich gilt eine maximal Erstattungssumme. Gerade bei Brillen und Hörgeräten sollten Interessierte auch das Kleingedruckte in den Versicherungsbedingungen studieren. 

Dann erfahren sie, dass beispielsweise die Kosten für eine Operation, die die Sehschärfe korrigiert, erst nach einer Wartezeit übernommen werden oder aber auch nur einmalig während der Vertragslaufzeit getragen werden. Bei Sehhilfen ist eine maximale Erstattungssumme, die je nach Tarif in der Höhe variiert, meist nur alle 24 Monate abrufbar. Verbraucher sollten sich genau ausrechnen, ob der Beitrag für einen solchen Tarif in Relation zur Leistung steht.

Meist rechnet es sich nicht, einen Tarif nur wegen eines Zuschusses zur Sehhilfe abzuschließen. Ist jedoch die Heilpraktiker-Leistung im Tarif auch attraktiv, etwa weil man regelmäßig mehrmals im Jahr einen Heilpraktiker aufsucht, kann es sich rechnen. Wichtig ist, dass Verbraucher genau darauf achten, welche Qualifikation ein Therapeut vorweisen muss, damit die Kosten auch erstattet werden.

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Tarifbeispiele

Die folgende Tabelle zeigt eine Auswahl an Tarifen, die für Hilfsmittel leisten. Ausgewählt wurden Tarife, deren Beiträge mit zunehmendem Alter des Versicherungsnehmers steigen werden. Sie sind in den Anfangsjahren günstig, können dann aber teurer werden. Tarife mit stabilen Beiträgen im Alter sind gleich bei Vertragsabschluss deutlich teurer, jedoch bleibt der Beitrag über die Vertragslaufzeit weitgehend stabil.

Tabelle: Private Zusatzversicherung, Leistungspaket u.a. für Sehhilfen, Heilpraktiker und Vorsorgeuntersuchungen.

Anbieter/Tarif

Wichtigste Leistungen*

Beitrag im Monat

Axa

MedKomfort Start-U

Sehhilfe: 300 Euro alle 24 Monate; Operation u.a. zur Sehschärfenkorrektur (Lasik), 100 Prozent der Kosten, maximal 1.000 Euro, abrufbar zweimal während der Vertragslaufzeit.

Hörhilfe: 80 Prozent der Kosten, maximal 500 Euro innerhalb von fünf Jahren

Heilpraktiker: 80 Prozent der Kosten, maximal 1.000 Euro im Jahr.

Auslandskrankenschutz: nicht enthalten

15,92 Euro

Signal Iduna

Ambulant-PLUSpur

Sehhilfe: 375 Euro alle 24 Monate oder Operation u.a. zur Sehschärfenkorrektur (Lasik), 100 Prozent der Kosten, maximal 1.000 Euro ab dem 4. Versicherungsjahr, abrufbar zweimal während der Vertragslaufzeit.

Hilfsmittel: 100 Prozent der Kosten, maximal 750 Euro pro Jahr.

Heilpraktiker: 80 Prozent der Kosten, maximal 750 Euro im Jahr

Auslandskrankenschutz: enthalten

16,07 Euro

Universa

Uni-med A/Premium

Sehhilfe: 250 Euro alle 24 Monate, Operation u.a. zur Sehschärfenkorrektur (Lasik), 100 Prozent der Kosten, maximal 1.000 Euro im 4. Versicherungsjahr, abrufbar je einmal pro Auge während der Vertragslaufzeit

Heilpraktiker: 70 Prozent des Rechnungsbetrags, maximal 600 Euro im Jahr

Auslandskrankenschutz: nicht enthalten

22,14 Euro

DKV

KABN

Sehhilfe: 300 Euro alle 24 Monate; Operation u.a. zur Sehschärfenkorrektur (Lasik) 100 Prozent der Kosten, maximal 1.200 Euro ab dem 4. Versicherungsjahr.

Hörhilfen: Bis zu 600 Euro je Hörgerät

Heilpraktiker: 80 Prozent des Rechnungsbetrags, maximal 600 Euro im Jahr

Auslandskrankenschutz: enthalten

27,74 Euro

UKV

Natur Privat, Vorsorge Privat

Sehhilfe: 80 Prozent des Rechnungsbetrags, maximal 400 Euro, Operation u.a. zur Sehschärfenkorrektur (Lasik), bis zu 1.500 Euro während der Vertragslaufzeit.

Hörhilfen: 80 Prozent der Kosten, maximal 800 Euro innerhalb von 5 Jahren.

Heilpraktiker: 80 Prozent des Rechnungsbetrags, maximal 1.000 Euro im Jahr.

Auslandskrankenschutz: nicht enthalten

30,38 Euro

*Bei Leistungen zu Operationen zur Sehschärfenkorrektur gelten entweder Wartezeiten nach Vertragsabschluss oder eine gestaffelte Leistung in den ersten Jahren. Quelle: biallo.de; Stand: September 2018.

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während meines Studiums der Neueren Geschichte in München begann ich als freie Journalistin zu arbeiten, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung. Im Jahr 2000 kam ich zu biallo.de, damals waren Versicherungsthemen für mich Neuland, über Gesundheitspolitik las ich in der Zeitung oder bekam die Auswirkungen als Patientin zu spüren.

Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.

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Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de