Langzeitreisende brauchen extra Schutz

Krankenversicherung Langzeitreisende brauchen extra Schutz

Annette Jäger
von Annette Jäger
25.07.2017
Auf einen Blick
  • Der Schutz der gesetzlichen Krankenversicherung reicht bei Reisen ins Ausland nicht aus.

  • Das Reiseziel muss vom Tarif ausdrücklich abgedeckt sein.

  • Eine Police sollte länger gelten als der eigentliche Auslandsaufenthalt, um keine Versicherungslücke zu riskieren.
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Im Sommer ziehen lauter frischgebackene Abiturienten in die Welt: Sie machen eine Weltreise, ein freiwilliges soziales Jahr oder beginnen ein Studium. Aber auch am anderen Ende der Altersskala brechen jedes Jahr Langzeitreisende auf: Rentner, die den Winter in der Sonne verbringen. Nicht immer greift der Schutz der gesetzlichen Krankenversicherung.

"Wer seinen Wohnsitz in Deutschland behält, bleibt Mitglied der gesetzlichen Krankenkasse", sagt Regina Behrendt, Gesundheitsexpertin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Ist man als Student im Rahmen eines Praktikums unterwegs, gilt die studentische Krankenversicherung. Abiturienten sind in der Regel noch über die Familienmitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung abgesichert.

Sollten all diese Versicherungsoptionen für den Reisenden nicht mehr gelten, bleibt die freiwillige Mitgliedschaft. "Einfach abmelden aus der gesetzlichen Krankenversicherung, um Beiträge zu sparen, funktioniert nicht, denn es gilt die Versicherungspflicht", sagt Behrendt.

Krankenkasse bietet nur lückenhaften Schutz

Auch wenn die gesetzliche Krankenversicherung bei Aufenthalten in EU-Ländern im Krankheitsfall eine Notversorgung sicherstellt, sollten alle Langzeitreisenden eine private Auslandskrankenversicherung abschließen. So ist sichergestellt, dass der Patient nicht auf eventuellen Mehrkosten sitzen bleibt. Vor allem ist damit auch der medizinische Rücktransport in die Heimat abgesichert, denn den bezahlt die gesetzliche Krankenversicherung in keinem Fall.

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Außerhalb der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union greift die gesetzliche Krankenversicherung gar nicht. Wer also ein Auslandsjahr in den USA oder in Australien und Neuseeland plant, benötigt immer einen privaten Krankenschutz.

Tipp: Wer privat versichert ist, sollte bei seinem Versicherer in Erfahrung bringen, ob ein Auslandsaufenthalt für die gewünschte Reisedauer versichert ist. Ist das nicht der Fall, kann man eventuell den bestehenden Vertrag einfach erweitern.

Übliche private Auslandsreisekrankenversicherungen leisten nur bei Auslandsaufenthalten bis zu sechs Wochen. Bei längeren Reisen sind spezielle Policen für Langzeitaufenthalte nötig, die die privaten Krankenversicherer anbieten.

Auslandskrankenversicherung für Langzeitaufenthalte: Auf diese Details kommt es an

Reiseziel: "Für USA und Kanada gibt es oft eigene Tarife, da hier die Behandlungskosten sehr hoch sind. Wer sich noch unsicher ist, wohin die Reise geht, sollte die beiden Länder lieber einschließen", rät Philipp Opfermann, Versicherungsexperte bei der Verbraucherzentrale. Bei Zahnarztbesuchen rät er darauf zu achten, dass auch Zahnreparaturen sowie provisorischer Zahnersatz zu den Leistungen gehören.

Dauer: Die meisten Police gelten für ein Jahr. Wichtig ist, dass der Versicherungsschutz nicht während des Aufenthalts erlischt. Verlängert sich der Auslandsaufenthalt, sollte sich der Vertrag unkompliziert verlängern lassen. "Oder man schließt den Vertrag gleich für einen längeren Zeitraum ab, um auf der sicheren Seite zu sein. Reist man doch früher ab, wird zu viel gezahlte Beiträge zurückerstattet", sagt Opfermann.

Rücktransport: Manche Versicherer gewähren den medizinisch notwendigen Rücktransport, andere den medizinisch sinnvollen – letztere Variante eröffnet dem Reisenden mehr Handlungsspielraum. Manche Policen kommen sogar für die Anreise von Angehörigen auf, die zur Betreuung und Begleitung kommen.

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Berechnungsgrundlage / Modellfall: 

Vorerkrankungen: Behandlungen von Erkrankungen im Ausland, die bereits vor der Abreise bekannt waren, sollten nicht pauschal von den Leistungen ausgeschlossen sein. Chronisch Erkrankte allerdings finden häufig keinen Versicherer, der eine Behandlung im Ausland bezahlt. "Dann kann in bestimmten Fällen die gesetzliche Krankenversicherung zumindest teilweise die Kosten übernehmen", sagt Opfermann. Grundlage ist der Paragraph 18 Sozialgesetzbuch (SGB) Fünftes Buch (V). "Die Kosten werden aber höchstens für sechs Wochen pro Jahr übernommen und das muss vor der Reise mit der Kasse abgestimmt werden."

So viel kosten Auslandskrankenversicherungen für Langzeitaufenthalte

Ein 20 Jahre alter Reisender muss ab rund 400 Euro im Jahr für eine Auslandskrankenversicherung für Langzeitaufenthalt bezahlen. Anbieter sind zum Beispiel die Hanse Merkur, Travel Secur, STA Travel oder auch der ADAC.

Rentner, die älter als 65 Jahre sind, finden ein deutlich reduziertes Policenangebot auf dem Markt vor, auch die Preise steigen an. Im Vergleich zu Studenten zahlen Senioren oft dreimal so viel oder sogar mehr. Mit zunehmendem Alter wird es noch teurer.

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während meines Studiums der Neueren Geschichte in München begann ich als freie Journalistin zu arbeiten, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung. Im Jahr 2000 kam ich zu biallo.de, damals waren Versicherungsthemen für mich Neuland, über Gesundheitspolitik las ich in der Zeitung oder bekam die Auswirkungen als Patientin zu spüren.

Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.

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während meines Studiums der Neueren Geschichte in München begann ich als freie Journalistin zu arbeiten, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung. Im Jahr 2000 kam ich zu biallo.de, damals waren Versicherungsthemen für mich Neuland, über Gesundheitspolitik las ich in der Zeitung oder bekam die Auswirkungen als Patientin zu spüren.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de