So klappt es mit dem Kur-Antrag

Gesundheit So klappt es mit dem Kur-Antrag

Annette Jäger
von Annette Jäger
13.06.2018
Auf einen Blick
  • Eine Kur ist eine Vorsorgemaßnahme zur Vermeidung oder Verschlimmerung von Krankheiten. Voraussetzung um auf Kur zu gehen, ist die medizinische Notwendigkeit.

  • Einen Kur-Antrag stellen Patienten gemeinsam mit ihrem behandelnden Arzt. Wichtig ist, klar ersichtlich darzustellen, welche Reha-Ziele angestrebt werden.

  • Rund 20 Prozent der Kuranträge werden erstmal abgelehnt. Nicht aufgeben heißt die Devise, denn ein Widerspruch kann sich lohnen. Etwa jeder zweite Einwand  ist erfolgreich und zieht eine Bewilligung nach sich.
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Arthrose, Rückenleiden, Allergien, Depressionen: Die Liste der Beschwerden, bei denen eine Kur Linderung oder Heilung bewirken kann, ist lang. Viele Patienten wissen gar nicht, dass sie nicht nur nach einer Operation oder einem Unfall, sondern auch bei anderen Leiden einen Rechtsanspruch auf eine Kur haben, ganz gleich wie alt sie sind. Der Rechtsanspruch auf eine Kur wurde im Zuge der Gesundheitsreform 2007 verankert. Kuren sind heute eine Pflichtleistung der Krankenkassen.

Hinter dem landläufig verwendeten Begriff Kur befinden sich verschiedene Arten von Anwendungen: Es gibt Vorsorgemaßnahmen und Rehabilitationsleistungen, stationäre und ambulante Angebote. Jeder kann eine Kur finden, die zu seiner Lebenssituation passt. Lesen Sie, welche Arten von Kuren es gibt, wie Sie einen guten Antrag stellen und welche Kosten anfallen.

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Kur: Definition und Voraussetzung

So funktioniert eine Kur

In Fachkreisen wird bei der Kur zwischen Vorsorgemaßnahmen und medizinischer Rehabilitation (Reha) unterschieden. Sie kommen in Frage bei orthopädischen, geriatrischen, kardiologischen, neurologischen, onkologischen und psychiatrischen Erkrankungen.

Vorsorge

Die Vorsorge dient der Vermeidung von Krankheiten oder deren Verschlimmerung. Das ist zum Beispiel bei Eltern-Kind-Kuren der Fall oder wenn vermieden werden soll, dass Krankheiten chronisch werden. Es gibt auch sogenannte geriatrische Rehas, die auf ältere Patienten zugeschnitten sind, die an einer Vielzahl von Beschwerden leiden. Die Reha-Maßnahme soll dann eine Pflegebedürftigkeit vermeiden und Selbstständigkeit garantieren.

Rehabilitation

Eine medizinische Reha Maßnahme kommt nach einer Operation in Frage (Anschlussheilbehandlung), bei einer schweren Erkrankung oder nach einem Unfall. Sie zielt darauf, die Folgen von Krankheit zu vermeiden, zum Beispiel eine Erwerbsunfähigkeit oder eine Pflegebedürftigkeit.

Eine Kur, egal ob sie der Vorsorge oder der Rehabilitation dient, umfasst in der Regel einen dreiwöchigen Aufenthalt in einer Kurklinik, die auf das Beschwerdebild spezialisiert ist. Es gibt aber auch ambulante Maßnahmen oder teilstationäre in Tageskliniken. Eine ambulante Maßnahme umfasst 20 Behandlungstage. Ist es medizinisch erforderlich, kann die Dauer jeweils verlängert werden.

Jeder Patient hat einen Rechtsanspruch auf Kur. Im Zuge der Gesundheitsreform 2007 wurde dieser Anspruch auf Vorsorge- oder Reha Maßnahmen nochmals gestärkt. Kassenmitglieder dürfen alle vier Jahre einen Antrag auf eine Kur stellen. Eine Kur als ambulante Vorsorgeleistung dürfen sie sogar alle drei Jahre stellen. Sollte sich in der Zwischenzeit allerdings das Beschwerdebild ändern oder der Arzt es empfehlen, kann der Patient auch öfter eine Kur wahrnehmen. Diese Grundsätze müssen immer erfüllt sein:

  • Reha vor Rente
  • Reha vor Pflege
  • ambulant vor stationär

Das heißt:

  • eine Reha ist vorzuziehen, wenn der Patient dadurch davor bewahrt werden kann, frühzeitig in Rente zu gehen.

  • Eine Reha ist angesagt, wenn dadurch eine Pflegebedürftigkeit vermieden werden kann.

  • Eine stationäre Reha–Leistung kommt erst dann in Frage, wenn alle ambulanten Maßnahmen ausgeschöpft sind, keine Wirkung mehr zeigen und nur eine intensive, dauerhafte Behandlung weiterhelfen kann. Eine Kur soll eine Intensivierung der ambulanten Versorgung darstellen.

Das sollten Sie wissen: Privatpatienten haben nicht so ohne weiteres einen Kuranspruch. Die Leistung muss im Tarif ausdrücklich vorgesehen sein. Selbst dann werden nur selten die gesamten Kosten übernommen. Der Patient muss immer einen Eigenanteil bezahlen.

Auswahl der Kureinrichtung

Patienten haben bei der Wahl der Kureinrichtung ein Mitspracherecht. Schließlich kann es sein, dass sie eine ganz bestimmte Kureinrichtung wünschen, weil sie nahe des Wohnorts ist und der Partner beispielsweise so leichter zu Besuch kommen kann. Wichtig ist, dass die Kureinrichtung geeignet ist, das angezeigte Beschwerdebild zu behandeln. Viele Einrichtungen haben sich auf ganz bestimmte Beschwerdebilder spezialisiert. Entscheidend ist auch, dass der Kostenträger einen Versorgungsvertrag mit der Einrichtung geschlossen hat. Es kann sonst passieren, dass der Patient auf eventuellen Mehrkosten sitzen bleibt.

Voraussetzungen für eine Kur

Trotz Rechtsanspruch müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, damit eine Kur genehmigt werden kann.

  • Bedürftigkeit: Es muss eine Bedürftigkeit gegeben sein. Die Maßnahme muss also medizinisch notwendig sein. Das heißt, ein Leiden muss Beeinträchtigungen mit sich bringen, die Alltagsaktivitäten einschränken, die sich als dauerhaft abzeichnen und bei denen eine medizinische Reha Leistung Linderung verspricht.

  • Fähigkeit: Der Patient muss rehabilitationsfähig sein, sprich, er muss die körperliche und psychische Ausdauer und Motivation mitbringen, eine Reha-Maßnahme durchzuführen.

  • Ziele und Prognose: Es müssen genaue Reha-Ziele festgelegt werden. Soll eine Beeinträchtigung beseitigt oder vermindert werden oder soll eine Verschlimmerung vermieden werden? Entscheidend ist, dass die Reha eine Aussicht auf Erfolg haben muss.

Diese Arten von Kuren gibt es

Ambulante Kuren

Die ambulante Kur war früher unter dem Namen "offene Badekur" bekannt. Sie dient der Vorsorge. Hier sucht sich der Patient in Absprache mit seinem Arzt selbst sein Ziel und eine Unterkunft (z.B. Hotel oder Ferienwohnung). Allerdings muss es sich dabei um einen anerkannten Kurort handeln. Zu den Anwendungen sucht der Patient eine bestimmte Einrichtung auf oder den Kurarzt vor Ort. Übrigens: Für einen solchen Kuraufenthalt müssen sich Arbeitnehmer Urlaub nehmen. Sie sind für die Dauer der Kur nicht krankgeschrieben.

Manche Patienten entscheiden sich, eine solche Kur im Ausland zu machen, weil sie häufig günstiger ist. Mehr dazu unter dem Absatz "Kuren im Ausland".

Stationäre und ambulante Reha-Maßnahmen

Eine medizinische Rehabilitationsmaßnahme kommt in Frage, wenn der Patient nach oder auch während einer schweren Krankheit wieder zu Kräften kommen soll, beispielsweise bei einer Krebserkrankung oder nach einem Schlaganfall. Auch nach einer Operation kann eine Reha angesagt sein, zum Beispiel, wenn ein neues Knie- oder Hüftgelenk eingesetzt wurde. Das nennt sich dann Anschlussheilbehandlung.

Ob die Rehamaßnahme stationär oder ambulant stattfindet, entscheidet der Leistungsträger nach medizinischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Dabei hat er die Empfehlung des Arztes und die Wünsche des Patienten zu berücksichtigen. Gründe für eine stationäre Rehabilitation können sein, dass sich der Patient zuhause nicht alleine versorgen kann oder ständiger ärztlicher Überwachung bedarf. Eine ambulante Reha kann entweder in einem ambulanten Reha-Zentrum oder in einer wohnortnahen stationären Reha-Einrichtung durchgeführt werden. Hier kommt der Patient tagsüber zur Behandlung und geht abends wieder nachhause.

Ein Teil der ambulanten Rehabilitation ist die mobile Rehabilitation. Bei der mobilen Rehabilitation kommt das Reha-Team zum Patienten nachhause oder ins Pflegeheim und behandelt ihn dort. Vor allem für ältere Menschen mit Demenz ist diese Form der Rehabilitation ideal, da für sie ein Umgebungswechsel häufig schwierig zu verkraften ist.

Kuren für Kinder

Auch Kinder haben einen Kuranspruch. Es gibt spezielle Einrichtungen für Kinder, die an schweren Krankheiten leiden und deren Beschwerden durch eine Kur verbessert oder behoben wer-den können. Auch für Kinder, bei denen durch Folgeerscheinungen der Krankheit die spätere Erwerbsfähigkeit gefährdet ist, kommt eine Kur in Frage. Die Liste der Indikationen ist lang: von Atemwegserkrankungen und Neurodermitis über Allergien bis hin zu Entwicklungsstörungen. Solche Kuren sind sowohl als Vorsorgeleistung als auch als Reha-Maßnahme möglich.

Mutter- oder Vater-Kind-Kuren

Eine Mutter-Kind-Kur oder auch Vater-Kind-Kur nimmt der jeweilige Elternteil gemeinsam mit dem Kind wahr. In der jeweiligen Kureinrichtung gibt es Betreuungsmöglichkeiten, beispielsweise in Kindergruppen. Ansonsten sind Mutter oder Vater für das Kind zuständig. Das Alter der Kinder darf maximal 12 bis 14 Jahre betragen. Diese Altersgrenze gilt nicht, wenn die Kinder eine Behinderung haben. Bei der Mutter- oder Vater-Kind-Kuren gilt der Grundsatz "ambulant vor stationär" nicht. Eine solche Kur findet immer als dreiwöchiger Aufenthalt in einer auf die jeweiligen Beschwerden spezialisierten Kurklinik stationär statt. Denn nur so kann der Elternteil – meist die Mutter – wirklich eine Auszeit vom familiären Alltag erhalten. Ambulante Maßnahmen eigenen sich dafür meist nicht.

Eine Mutter- oder Vater-Kind-Kur kommt bei allen Erkrankungen in Frage, die aus der Elternrolle erwachsen. Dazu gehören Erschöpfungszustände, Rückenbeschwerden, psychosomatische Erkrankungen, Neurodermitis, Allergien, Schlaflosigkeit, Gewichtsprobleme, Depressionen, Angstzustände und vieles mehr. Die Kuren finden in speziellen Kureinrichtungen statt. So ist das Müttergenesungswerk selbst Träger von rund 80 Kureinrichtungen in Deutschland. Der Großteil der Kuren wird von Müttern wahrgenommen. Für eine solche Kur muss eine berufstätige Mutter nicht beurlaubt werden, sie gilt als krankgeschrieben.

Es gibt auch reine Mütter-Kuren, in die die Mütter ihre Kinder nicht mitnehmen. Diese Kuren sind vor allem für Mütter mit älteren Kindern vorgesehen. Die Kinder können sich sogar bereits in der Ausbildung befinden.

Lesen Sie auch: Millionen Mütter haben Kuranspruch

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So viel kostet eine Kur

Kostenträger

Eine Kur wird meistens vom Rentenversicherungsträger bezahlt, der Krankenkasse oder der gesetzlichen Unfallversicherung. Auch die gesetzliche Pflegeversicherung kann in Frage kommen. Wer der Kostenträger ist, hängt von der beruflichen Situation des Patienten ab und der Ursache der Erkrankung.

Grundsätzlich gilt: Bei Erwerbstätigen kommt der Rentenversicherungsträger für die Kosten auf, bei Nicht-Erwerbstätigen die Krankenkasse. Es gibt allerdings Ausnahmen: Bei Erwerbstätigen, die eine rein der Krankheitsprävention dienende Kurmaßnahme wahrnehmen wollen (also eine ambulante Vorsorgeleistung), ist die Krankenkasse der Kostenträger. Das gilt auch, wenn durch eine Erkrankung die Erwerbsfähigkeit des Patienten nicht gefährdet.

Wie viel wird bezahlt?

Bei einer ambulanten und stationären Reha-Maßnahme übernimmt der Kostenträger die vollen Kosten der medizinisch notwendigen Anwendungen sowie für Unterkunft und Verpflegung, auch Fahrtkosten werden bezahlt. Der Patient muss jedoch Zuzahlungen leisten, je nachdem, wer der Kostenträger der Reha ist. Außerdem muss er für sein Privatvergnügen selbst aufkommen: zusätzliche Getränke oder Freizeitangebote.

Bei der ambulanten Vorsorgeleistung kommt der Kostenträger nur für den Besuch beim Kurarzt und für speziell verordnete Maßnahmen wie Krankengymnastik oder Bäder auf. Patienten müssen nur die Zuzahlungen leisten. Für Unterkunft und Verpflegung sowie Fahrtkosten müssen sie selbst aufkommen. Die Kassen gewähren dafür einen Zuschuss von bis zu 16 Euro am Tag, bei Kindern bis zu 25 Euro.

Zuzahlungen und Belastungsgrenze

Der Patient muss ab dem 18. Lebensjahr bei einer ambulanten und stationären Reha-Maßnahme der Krankenkassen einen Eigenanteil von maximal zehn Euro pro Kalendertag zuzahlen. Auch bei ambulanten Vorsorgekuren fallen Zuzahlungen für die medizinischen Anwendungen an. Es gibt aber eine Höchstgrenze.

So muss der Patient maximal zwei Prozent seines jährlichen Bruttoeinkommens an Zuzahlungen leisten, bei chronisch kranken Patienten ist es ein Prozent. Bei den Krankenkassen sind die Zuzahlungen nur bis zur jährlichen Belastungsgrenze zu leisten (siehe Kasten). Wurde diese in dem jeweiligen Jahr bereits erreicht, entfällt die Zuzahlung.

Übernimmt der Rentenversicherer die Kosten, fallen bei einer ambulanten Reha-Maßnahme keine Zuzahlungen an. Bei stationären Rehamaßnahmen richtet sich die Höhe der Zuzahlung nach dem Einkommen, sie beträgt aber maximal zehn Euro am Tag. Aufgrund eines niedrigen Einkommens kann auch eine verminderte oder gar keine Zuzahlung in Betracht kommen.

Bei Reha-Maßnahmen für die der gesetzliche Unfallversicherer aufkommt, fallen keine Zuzahlungen an.


So berechnet sich die individuelle jährliche Belastungsgrenze:

Zwei Prozent der jährlichen Bruttoeinnahmen muss der Patient aus eigener Tasche für seine medizinische Versorgung bezahlen. Chronisch Kranken, die wegen ein und derselben schweren Krankheit in Dauerbehandlung sind, wird eine Belastungsgrenze von nur einem Prozent zugemutet. Unter die Belastungsgrenze fallen nur Zuzahlungen zu solchen Mitteln oder Behandlungen, die vom Arzt verordnet wurden. Zuzahlungen fallen zum Beispiel an für Rezepte, die der Arzt ausstellt. Vom Jahresbruttoeinkommen ist für einen Ehegatten ein Freibetrag von 5.481 Euro vom Bruttoeinkommen abzuziehen und für jedes Kind 7.428 Euro. Zu den Einkünften zählen neben den Einnahmen des Mitglieds auch die Einnahmen anderer im gemeinsamen Haushalt lebender Personen, also beispielsweise das Einkommen des Ehegatten, ganz gleich, ob dieser familienversichert oder selbst versichert ist. Nicht verheiratete Paare werden getrennt beurteilt.

So gelingt der Kurantrag

Der erste Weg führt zum Arzt

Eine Kurmaßnahme beantragt der Patient nie auf eigene Faust, sondern gemeinsam mit seinem behandelnden Arzt – dieser muss die Kur befürworten. Die meisten Haus- oder Fachärzte verfügen über die Qualifikation, eine Vorsorge- oder Reha-Maßnahme zu beantragen. Es ist wichtig, dass ein Antrag zum richtigen Zeitpunkt gestellt wird. Eine Kur muss in das Behandlungskonzept des Patienten passen.

Damit ein Antrag genehmigt werden kann, müssen zwei wichtige Voraussetzung erfüllt sein: Die Maßnahme muss medizinisch notwendig sein und alle ambulanten Behandlungsmöglichkeiten müssen ausgeschöpft sein. Im Antrag werden diese beiden Punkte oft nicht ausreichend dargestellt. Hier ist es besonders wichtig, dass Arzt und Patient gut zusammenarbeiten. Der Patient ist gefordert, dem Arzt sein Beschwerdebild hinreichend zu beschreiben, so dass dieser gute Argumente liefern kann, warum der Patient nun eine Reha–Leistung benötigt. Das klingt logisch, doch die Praxis zeigt, dass es sich oft genau anders verhält.

Das folgende Beispiel illustriert das: Wird ein Kurantrag abgelehnt, wird als häufiger Grund angeführt, dass noch nicht alle verfügbaren ambulanten Maßnahmen ausgeschöpft worden seien, also zum Beispiel Krankengymnastik oder Medikamentengaben. Bespricht der Arzt dann mit dem Patienten die Ablehnung, stellt sich heraus, dass der Patient bereits sehr wohl viel in seine Genesung investiert hat, aber entweder bei anderen Ärzten in Behandlung war oder aber Behandlungen auch selbst bezahlt hat. Setzt er den Arzt, der den Kurantrag stellt, nicht davon umfassend in Kenntnis, kann dieser natürlich auch nicht im Antrag aufführen, was bereits an ambulanten Maßnahmen erfolgt ist.

Kurantrag ausfüllen

Wichtig ist, dass der Arzt den Antrag sorgfältig ausfüllt. Für manchen Arzt sind solche Anträge lästig und werden schnell und nachlässig ausgefüllt. Patienten sollten selbst überprüfen, ob auch alle Diagnosen und Therapien genau aufgelistet sind. Es ist wichtig, Krankheitsverlauf und Befunde gut zu dokumentieren und darzulegen, wie sich das Beschwerdebild im Alltag zeigt und wie es den Patienten einschränkt. Schließlich sollten die Ziele der Kur ausreichend beschrieben werden.

Zusätzlich müssen Patienten selbst einen Antrag ausfüllen. Hier haben die Antragsteller die Chance, detailliert Auskunft über ihre Beschwerden zu geben. Wichtig ist, herauszustellen, wie das Beschwerdebild sich auf alltägliche Aktivitäten auswirkt und was sich der Patient selbst von der Reha erhofft und welches Ziel er anstrebt. 

Patienten sind gut beraten, sich vor dem Kurantrag unabhängig beraten zu lassen. Dafür können sie zum Beispiel eine Patientenberatungsstelle der Verbraucherzentralen in Anspruch nehmen. Patienten können auch die "Gemeinsame Servicestellen für Rehabilitation" (www.reha-servicestellen.de) aufsuchen. Diese Einrichtung vereint alle potentiellen Träger einer Kurmaßnahme – vor allem Krankenkasse, Renten- und Unfallversicherer – unter einem Dach. So soll vermieden werden, dass sich der Antragsteller nacheinander an verschiedene Träger wenden muss, wenn nicht ganz klar ist, ob zum Beispiel die Krankenkasse oder die Rentenversicherung als Kostenträger für seine beantragte Kur zuständig ist.

Sonderfall: Mutter- oder Vater-Kind-Kur

Wer eine Mutter- oder Vater-Kind-Kur anstrebt, ist gut beraten, zuerst eine spezialisierte Beratungsstelle aufzusuchen. Solche Beratungsstellen gibt es bei den Wohlfahrtsverbänden wie der Caritas, dem Paritätischen Wohlfahrtsverband, dem Deutschen Roten Kreuz oder der Arbeiterwohlfahrt. Sie sind die Träger des Müttergenesungswerkes. Auch der Deutsche Arbeitskreis für Familienhilfe e.V. berät (www.ak-familienhilfe.de).

In den Beratungen werden die Bedürfnisse der Mütter unter die Lupe genommen, welche Einrichtung in Frage kommt, ob das Kind eventuell Krankheits- oder Verhaltenssymptome zeigt, die man mitbehandeln könnte und ob eine Mutter-Kind-Kur überhaupt die geeignete Maßnahme ist oder eine andere Hilfsmaßnahme in Frage kommt. Bei den Beratungsstellen kann man auch Antragsformulare erhalten. Im zweiten Schritt sucht man einen Arzt seines Vertrauens auf.

Das kann der Hausarzt oder auch der behandelnde Gynäkologe sein. Vorteilhaft ist es, sich auch an einen Facharzt zu wenden, beispielsweise wenn es sich um psychische Probleme (Burn-Out, Depression, Angststörung) handelt. Wenn diese durch einen Psychiater bestätigt werden, hat das bei der Krankenkasse eine größere Wirkung, als wenn diese nur vom Hausarzt diagnostiziert werden.

Wichtig zu wissen ist, dass bei einer Mutter- oder Vater-Kind-Kur, anders als bei den üblichen Vorsorge- und Reha-Maßnahmen, ambulante Maßnahmen vor Ort nicht ausgeschöpft sein müssen.

Formulare

Patienten kümmern sich selbst um die Antragsformulare. Ist der Rentenversicherungsträger für die beantragte Reha-Maßnahme zuständig, erhalten Patienten den Antrag bei ihrem Rentenversicherer (www.deutsche-rentenversicherung.de) oder bei den örtlichen Servicestellen (zu finden über die Homepage oder über das Servicetelefon 0800 1000 4800).

Ist die Krankenkasse zuständig, kontaktieren Versicherte ihre Kasse. Handelt es sich um eine Anschlussheilbehandlung, die sich direkt an einen Krankenhausaufenthalt anschließt, wird der Antrag meist automatisch vom Sozialdienst im Krankenhaus oder vom behandelnden Arzt gestellt.

Reichen Patienten einen Antrag an die Krankenkasse, obwohl der Rentenversicherungsträger zuständig wäre, wird der Antrag intern weitergeleitet und bearbeitet. Das kostet allerdings Zeit. Der Reha-Träger prüft, ob er zuständig ist. Falls nicht, muss er den Antrag innerhalb von zwei Wochen weiterleiten. Landet der Antrag dann beim richtigen Reha-Träger, muss dieser innerhalb von drei Wochen über den Antrag entschieden haben. Allerdings kann ein Gutachten erforderlich werden, dann verzögert sich der Bescheid nochmal. Es lohnt sich also, den Antrag gleich an die richtige Stelle zu schicken. Die "Gemeinsame Servicestelle für Rehabilitation" kann dabei weiterhelfen.

Ablehnung und Widerspruch

Es kommt nicht selten vor, dass ein Antrag zunächst abgelehnt wird. Das geschieht in rund 20 Prozent der Fälle (Zahlen aus dem Jahr 2015, IGES Institut, Berlin). Patienten sollten dann Widerspruch einlegen. Eine Zahl, die ermutigt: Jeder zweite Widerspruch ist erfolgreich und zieht eine Bewilligung nach sich. Der Patient sollte vorher seinen Arzt zu Rate ziehen. Hält auch er den Ablehnungsbescheid für nicht gerechtfertigt, sollte der Patient um eine Bewilligung kämpfen.

Häufig liegt eine Ablehnung an einem lückenhaft ausgefüllten Kurantrag. Jetzt hat der Patient in Zusammenarbeit mit dem Arzt die Chance, die Lücken aufzuarbeiten und bei den im Ablehnungsbescheid genannten Antragsmängeln nachzubessern und eine Stellungnahme des Arztes anzufügen. Für die schriftliche Ablehnung hat der Patient einen Monat nach Erhalt des Bescheids Zeit, zu widersprechen.

Unser Tipp

Viele Patienten haben nicht nur ein konkretes Leiden, sondern eine Fülle von Beschwerden. Im Kurantrag hat es sich als ratsam erwiesen, sich nur auf einen Schwerpunkt beziehungsweise auf eine Diagnose zu konzentrieren. Im Antrag muss deutlich werden, wofür genau die Reha gut sein soll und was damit erreicht werden soll. Das gelingt besser, wenn sich der Patient auf ein Leiden konzentriert. Eine Ausnahme sind geriatrische Reha-Maßnahmen. Sie sind explizit für ältere Patienten mit einer Fülle von Beschwerden gedacht.

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Berechnungsgrundlage / Modellfall: 

Kuren im Ausland

Geld sparen im Ausland

Gerade bei den ambulanten Vorsorgekuren weichen Patienten immer wieder gerne auf ausländische Kurorte aus. Denn hier lässt sich bei einem Aufenthalt viel Geld sparen. Auch wenn die medizinischen Anwendungen weitgehend bezahlt werden, bleibt für den Patienten noch ein umfangreicher Eigenanteil zu begleichen: Getränke, Kosten für Freizeitangebote, Unterkunft und Verpflegung. Gerade das osteuropäische Ausland ist für Kuraufenthalte beliebt, hier fallen oftmals deutlich geringe Kosten an.

Meist ist in osteuropäischen Kureinrichtungen wesentlich mehr Personal vorhanden als hierzulande. Beliebte Ziele sind Ungarn, Tschechien und Polen, da hier das Preisgefälle im Vergleich zu Deutschland am deutlichsten ist. Kureinrichtungen wie Karlsbad oder Marienbad in Tschechien sind vielen bekannt.

Seit der Gesundheitsreform von 2004 müssen die gesetzlichen Kassen für ambulante Behandlungen im EU-Ausland dieselben Kosten übernehmen, die in Deutschland üblich wären. Es werden also Leistungen übernommen, die auch in Deutschland üblich wären und sie werden nur zu dem Satz beglichen, der hier bezahlt wird. Werden im Ausland Heilmittel angewendet, die ortsgebunden sind, wie es in der Fachsprache heißt, also nur dort vor Ort vorkommen und angewendet werden, so orientiert sich die Kasse an vergleichbaren Leistungen in deutschen Kurorten. Ist die ausländische Behandlung teurer oder nicht im Leistungskatalog vorgesehen, bleibt der Patient auf den Kosten sitzen.

Abrechnung

Eine Kur im Ausland müssen Versicherte unbedingt vorher bei der Kasse beantragen. Dabei sollten sie genau darauf achten, welche und wie viele Therapieeinheiten genehmigt werden, damit es hinterher bei der Abrechnung keine Überraschungen gibt. Der Patient muss in Vorkasse treten und kann erst hinterher mit der Kasse abrechnen. Dabei fällt noch ein zusätzlicher Betrag für Verwaltungskosten an.

Immer mehr Krankenkassen reagieren auf die verstärkte Nachfrage ihrer Mitglieder und gehen zunehmend Kooperationsverträge mit ausländischen Kureinrichtungen ein. Der Vorteil: Hier werden bereits feste Leistungspakete und Pauschalen ausgehandelt, bezahlt wird bequem mit der Versicherungskarte. Kurpatienten sollten sich bei ihrer Kasse nach solchen Kooperationsverträgen erkundigen.

Oft werben die Kassen mit solchen Angeboten nicht offensiv, aus Rücksicht auf die heimischen Anbieter. So bietet zum Beispiel die Techniker Krankenkasse Kuren in Italien, Österreich, Polen, der Slowakei, Tschechien und Ungarn an.

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Annette Jäger
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während meines Studiums der Neueren Geschichte in München begann ich als freie Journalistin zu arbeiten, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung. Im Jahr 2000 kam ich zu biallo.de, damals waren Versicherungsthemen für mich Neuland, über Gesundheitspolitik las ich in der Zeitung oder bekam die Auswirkungen als Patientin zu spüren.

Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.

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Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de