Zweifelhafte Bonusprogramme

Gesetzliche Krankenkassen Zweifelhafte Bonusprogramme

Annette Jäger
von Annette Jäger
06.04.2017
Auf einen Blick
  • Bonusprogramme dienen der Kundenbindung – Prämienauszahlungen sind oft an eine ungekündigte Mitgliedschaft geknüpf.

  • Bei manchen Bonusprogrammen ist die maximale Punktzahl für die Höchstprämie kaum zu erreichen. Vor der Teilnahme gilt: Bedingungen prüfen, ob sich der Aufwand überhaupt lohnt.

  • Bonusprogramme sind kein Grund die Kasse zu wechseln. Wichtiger sind andere Zusatzleistungen wie ein Plus an Leistung bei chronischen Krankheiten.
Artikelbewertung
Teilen
Schrift

Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ist ein hart umkämpfter Markt. Will eine Kasse langfristig finanziell stabil dastehen, braucht sie viele gesunde, beitragszahlende Mitglieder. Im Werben um diese setzen die Krankenkassen auch auf Bonusprogramme. Mitglieder, die sich gesundheitsbewusst verhalten, können Punkte sammeln. Ab einer bestimmten Anzahl gibt es Prämien: Oft winken 30, 50, 100 oder gar mehr Euro im Jahr - oder Gutscheine für Gesundheitsleistungen.  

Mit Bonusprogrammen Kunden binden

Jede Kasse hat ihr eigenes Bonusprogramm entworfen. Oftmals gibt es verschiedene Programme für Kinder und Jugendliche sowie für Erwachsene. Auch unterscheiden sich die Maßnahmen, die mit Punkten belohnt werden. Meist sind es aber Kursangebote aus dem Bereich Prävention – von gesundem Kochen, über Raucherentwöhnung bis hin zu Stressabbau und Fitness - aber auch Früherkennungsuntersuchungen oder Impfungen werden belohnt.

Interesse an weiteren Gesundheits- und Finanzthemen? Dann bestellen Sie unseren Newsletter.

Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein
Unsere Datenschutzerklärung finden Sie hier.

Die Programme sind im Prinzip ein Kundenbindungsinstrument. Wer wechselt schon die Kasse, wenn er kurz davor ist, die Gesamtpunktzahl für die Prämie erreicht zu haben? Nicht selten ist eine ungekündigte Mitgliedschaft die Voraussetzung, für die Auszahlung der Prämie.  

Maximalpunktzahl oft nicht erreichbar  

Einen Haken haben die Programme jedoch. Versicherte haben die Erfahrung gemacht, dass es bei manchen Angeboten kaum möglich ist, die erforderliche Gesamtpunktzahl für die Höchstprämie zu erhalten. Das liegt unter anderem daran, dass beispielsweise Früherkennungsuntersuchungen erst ab einem bestimmten Alter zugänglich sind. So können Mitglieder über 50 Jahren mit der Darmkrebsvorsorge Punkte sammeln – Jüngeren steht diese Option nicht offen. Genauso ist es mit dem Haut-Screening, das erst Patienten ab 35 Jahren offensteht.  

Bonusprogramme: Junge, Gesunde oft im Vorteil  

Die meisten Bonusprogramm belohnen aktive Gesundheitspflege, manche vergeben jedoch auch Punkte für gesunde Werte: Wenn Mitglieder nachweisen, dass ihr Cholesterinwert gut ist, ihr Bodymaßindex in der Norm liegt, Blutzucker und Blutdruckwerte in Ordnung sind oder sie Nichtraucher sind, gibt es Bonuspunkte. Hier wird ein Gesundheitszustand belohnt.  

Wer übergewichtig ist, es aber geschafft hat, ein paar Kilo abzunehmen und sich dem Ziel des Normalgewichts nähert, bekommt dafür keine Punkte. Ebenso bleibt ein Bonus verwehrt, wenn jemand durch Medikamenteneinnahme seinen Blutdruck stabil hält. Das mag vielen ungerecht erscheinen, denn junge, gesunde Mitglieder werden so bevorzugt.

3
Berechnungsgrundlage / Modellfall: 

Kassen können Bonusprogramme streichen

Nicht zuletzt hat der Patient keine Garantie darauf, dass das Bonusprogramm stets so bestehen bleibt, wie es einst von der Kasse ausgelobt wurde. Solche Zusatzleistungen können die Kassen jederzeit wieder kürzen. Der Patient bekommt oft kein individuelles Schreiben darüber, dass das Programm geändert, gestrichen oder die Prämie reduziert wurde. Es genügt eine Veröffentlichung in der Mitgliederzeitung, oder ein Aushang in der Geschäftsstelle – aber welches Mitglied liest das schon zuverlässig?

Bonusprogramme sind kein Grund für einen Kassenwechsel  

Fazit: Allein wegen eines attraktiv klingenden Bonusprogramms zu einer anderen Krankenkasse zu wechseln, lohnt sich nicht. Wer auf die Barprämie setzt, ist gut beraten, vor der Teilnahme genau die Bedingungen zu prüfen, ob der Aufwand realistisch ist, die Prämie auch zu erhalten.  

Tipp: Viel wichtiger als ein Bonusprogramm, ist im Krankheitsfall eine gute Versorgung zu erhalten.

Auch hier haben die Kassen einen kleinen Spielraum, Zusatzleistungen anzubieten. Wer beispielsweise eine chronische Krankheit hat, an Migräne, Depressionen oder Rückenbeschwerden leidet, kann dazu oft an speziellen Behandlungsprogrammen teilnehmen oder die Kassen haben Verträge mit Leistungserbringern abgeschlossen, die dem Patienten eine nahtlos ineinandergreifende Behandlung ermöglichen. Der Patient muss allerdings oft selbst nachforschen, was eine Kasse anbietet. Oftmals werden diese Angebote nicht so angepriesen wie die Bonusprogramme.

Ihre Meinung ist uns wichtig
Annette Jäger
Annette Jäger
Autorin
Jetzt Artikel bewerten
E-Mail an den Autor
Artikel kommentieren
Annette Jäger
Annette Jäger

während meines Studiums der Neueren Geschichte in München begann ich als freie Journalistin zu arbeiten, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung. Im Jahr 2000 kam ich zu biallo.de, damals waren Versicherungsthemen für mich Neuland, über Gesundheitspolitik las ich in der Zeitung oder bekam die Auswirkungen als Patientin zu spüren.

Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.

E-Mail an den Autor
Artikelbewertung
Teilen
Drucken
Zur Startseite
Annette Jäger
Annette Jäger

während meines Studiums der Neueren Geschichte in München begann ich als freie Journalistin zu arbeiten, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung. Im Jahr 2000 kam ich zu biallo.de, damals waren Versicherungsthemen für mich Neuland, über Gesundheitspolitik las ich in der Zeitung oder bekam die Auswirkungen als Patientin zu spüren.

Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.

E-Mail an den Autor
Newsletter
Keine News mehr verpassen
Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein:
Unsere Datenschutzerklärung finden Sie hier.

Regeln für das Schreiben von Kommentaren:

  1. Kommentieren Sie sachlich und ohne persönliche Angriffe.
  2. Verfassen Sie keine Beiträge mit strafbarem, diskriminierendem, rassistischem, anstößigem, beleidigendem oder kommerziellem Inhalt und verweisen Sie nicht auf Seiten mit solchem Inhalt.
  3. Stellen Sie weder zu lange Texte noch Bilder ein, außer, wenn es unbedingt nötig ist.
  4. Veröffentlichen Sie keine personenbezogenen Daten Dritter, wie Namen, Adressen, Telefonnummern oder E-Mail-Adressen.
  5. Wenn Sie persönliche Mitteilungen oder Texte anderer Verfasser einstellen oder Kommentare anderweitig veröffentlichen möchten, beachten Sie die Rechte Dritter. Bei einer Verletzung dieser Rechte (z.B. Persönlichkeitsrecht, Urheberrecht, Datenschutz) haften Sie.
  6. Sie haben die Möglichkeit, Ihren Benutzernamen frei zu wählen. Sie sollten aber im eigenen Interesse markenrechtlich geschützte Namen vermeiden.

Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de