Lebensversicherung: Wann lohnt sich der Verkauf?

Vorsorge Lebensversicherung: Wann lohnt sich der Verkauf?

Peter Rensch
von Peter Rensch
24.09.2017
Auf einen Blick
  • Jede zweite der 94 Millionen Lebensversicherungen in Deutschland wird vorzeitig gekündigt.

  • Seit fast 17 Jahren gibt es in Deutschland den Zweitmarkt für Lebensversicherungen, was etwa 80 Prozent der Versicherten nicht wissen.

  • Eine Police ist für den Käufer vor allem dann interessant, wenn der Rückkaufswert nicht unter 10.000 Euro liegt und die Restlaufzeit möglichst groß ist.
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Lebensversicherungen sind nicht mehr das liebste Vorsorgepaket der deutschen Anleger. Die Niedrigzinsphase hat die Renditen in den Keller geschickt und nach einer Untersuchung der Dr. Karl-Wilder-Stiftung im Auftrag des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sowie der Deutschen Aktuarvereinigung DAV werden innerhalb der ersten zwölf Jahre 32 Prozent der Versicherungen vorzeitig gekündigt.

Und laut dem Bundesverband Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen e.V. (BVZL) wird jede zweite der 94 Millionen Lebensversicherungen in Deutschland vorzeitig gekündigt.

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Doch eine Kündigung vor Ablauf der vereinbarten Laufzeit hat einen Haken: Versicherungsnehmer erhalten nämlich nur den Rückkaufswert, eventuell abzüglich einer Bearbeitungs- oder Stornogebühr. Die Regel besagt: Je frühzeitiger Verbraucher kündigen, desto unattraktiver der Ertrag, da in den ersten Jahren die eingezahlten Beträge höher sind als der Rückkaufswert.

Der Gesetzgeber hat folgende Regelungen zum Rückkaufswert festgezurrt: Bei Versicherungen, die zwischen 1994 und 2007 abgeschlossen wurden, muss er mindestens halb so hoch sein wie die eingezahlten Beträge, abzüglich der Verwaltungskosten. Bei Policen ab 2008 ist es Pflicht, dass die Kosten für den Abschluss gleichmäßig auf die ersten fünf Jahre verteilt werden.

  • Biallo-Tipp: Bei vorübergehenden Liquiditätsengpässen sollten Sie Ihre Police beleihen, wie es viele Versicherungen und auch Zweitmarktanbieter anbieten, oder zeitlich begrenzt die Police beitragsfrei stellen. Vorteil: Sie zahlen keine Stornogebühren, müssen nicht auf den Schlussgewinnanteil verzichten und Ihr Versicherungsschutz sowie Ihre private Altersvorsorge bleiben bestehen.

Zweitmarkt für Lebensversicherungen

Wer sich jedoch entschlossen hat, die Versicherung nicht mehr fortführen zu wollen, für den ist der Verkauf eine interessantere Alternative. Rafael Kurz, Versicherungsexperte von "Policen Direkt" empfiehlt:

"Der Verkauf ist immer die bessere Alternative im Vergleich zur Kündigung der Lebensversicherung. Denn beim Verkauf können Sie einen Preis erzielen, der bis zu 15 Prozent über dem Rückkaufswert liegt, den der Versicherer bei der Auszahlung bei Kündigung heranzieht. Dazu bleibt auch ein Rest-Todesfallschutz erhalten. Policen, die vor 2005 abgeschlossen wurden, bleiben beim Verkauf häufig ganz steuerfrei. Der Verkauf am Zweitmarkt für Lebensversicherungen geht zudem schnell und sicher vonstatten. Viele Lebensversicherungen können dagegen nur zur Hauptfälligkeit gekündigt werden."

Seit fast 17 Jahren besteht in Deutschland der Zweitmarkt für Lebensversicherungen, was den meisten Versicherten nicht bekannt ist. Sie können sich direkt mit Anbietern in Verbindung setzen, finden jedoch auch im Internet diverse Plattformen.

Auf diesem Markt können Verbraucher Ankäufern ihre Policen anbieten. Achtung: Einige Käufer bewerten Versicherungsgesellschaften unterschiedlich, sodass der Kaufpreis nicht einheitlich sein wird. Deshalb sollte man verschiedene Angebote einholen und vergleichen.

Wichtig: Nur Angebote von serösen Käufern einholen. Am sichersten fahren LV-Verkäufer damit, die Mitglieder des BVZL zu wählen.

Diese sind Stand September 2017:

  • Cash.life AG (www.cashlife.de)
  • Cumerus AG (www.cfi.fairpay.de)
  • Partner in Life S.A. (www.partnerinlife.com)
  • Policen Direkt Versicherungs GmbH (www.policendirekt.de)
  • Winninger AG (www.winninger.de)

"Unsere Mitglieder unterliegen strengen Qualitätskriterien, die Sie im Leitfaden auf unserer Homepage www.bvzl.de nachlesen können", erklärt Ingo Wichelhaus, Vorstand beim BVZL.

Verkauf einer Lebensversicherung abwickeln

Der Verkauf einer Police erfolgt in der Regel nach folgendem Muster: Nachdem man Kontakt mit dem Ankäufer aufgenommen hat, übermitteln man ihm Daten wie Anschrift, Policen-Nummer, Laufzeit und Versicherer. Anschließend übersenden Verkäufer eine Vollmacht, damit der Ankäufer mit dem Versicherer in Kontakt treten kann, sowie eine Kopie des Versicherungsscheins. Der Ankäufer holt weitere Informationen bei Ihrem Versicherer ein.

Im nächsten Zuge erhält der Verkäufer ein Angebot. Akzeptiert er dieses, muss er dem Ankäufer den unterzeichneten Kaufvertrag plus den Original-Versicherungsschein zustellen. Dann wird der Ankäufer den Versicherer über die Vertragsabtretung in Kenntnis setzen und den Kaufpreis zahlen.

  • Biallo-Tipp: Achten Sie auf den Verkauf über den Treuhandweg. Bei diesem Vorgehen fungiert eine Bank oder ein Notar als Treuhänder. Der Policenkäufer übermittelt den Kaufpreis an den Treuhänder. Sobald das Geld eingegangen ist, erhalten Sie die Summe und der Käufer die Police mit allen Rechten.

Wichtig: Nach dem Verkauf sollten Sie den Dauerauftrag für die Beitragszahlung kündigen, sonst müssen Sie unter Umständen bei Überzahlung die Beträge vom Ankäufer zurückfordern.

Mit diesem Verkaufspreis ist zu rechnen

Zur Preisberechnung für die Police ziehen manche Ankäufer unterschiedliche Grundlagen heran wie unter anderem Vertragsrendite, Kostenquote und weitere Vertragsdetails. Je günstiger die Faktoren, desto höher der Preis. In der Regel beträgt dieser laut Informationen der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg zwischen einem bis maximal 15 Prozent des Rückkaufwerts bei besonders attraktiven Policen.

Wer seine Police verkauft, dessen Ansprüche gehen auf den Käufer über. Dieser erwirbt somit alle Rechte und Pflichten, die aus der Versicherung hervorgehen und erhält am Vertragsende die entsprechende Summe plus Gewinnanteile ausgezahlt. Im Gegenzug übernimmt er die Zahlung der Beiträge.

Pluspunkt: In der Regel bleibt ein reduzierter Schutz für die Hinterbliebenen im Todesfall erhalten. Meist werden von der im Todesfall vereinbarten Summe der Kaufpreis und die vom Ankäufer bezahlten Beiträge mit einer Verzinsung abgezogen.

Dazu der BVZL: "Wer Geld benötigt und keinen anderen Weg sieht als den Verkauf, sollte darauf achten, dass ihm der Kaufpreis in einer Summe ausgezahlt wird und ein reduzierter Todesfallschutz erhalten bleibt."

Vorsicht: Je nach Vereinbarung kann sich der Käufer vorbehalten, die Police selbst vorzeitig zu kündigen oder weiterzuverkaufen. In diesem Falle ist der Hinterbliebenenschutz nicht garantiert. Deshalb vor Verkaufsabschluss genau auf solche Klauseln achten!

Stichwort Steuern. Dazu noch einmal Rafael Kurz: "Seit Januar 2009 werden Gewinne aus der Veräußerung von Lebensversicherungen der Besteuerung unterworfen. Steuerfrei bleiben jedoch Gewinne aus der Veräußerung von Versicherungen, die bis zum 31. Dezember 2004 abgeschlossen wurden und die zum Zeitpunkt des Verkaufs die Voraussetzungen für eine Kapitalertragsteuerfreiheit erfüllen, das heißt in der Regel nach zwölf Jahren Laufzeit und mindestens fünfjähriger Beitragszahlungsdauer."

Bei der Auswahl des passenden Policenkäufers sollten Sie die nachfolgend wichtigen Punkte beachten:

  • Bei einem Unternehmen mit Sitz im Ausland sollten Sie prüfen, ob der Kaufvertrag nach deutschem Recht abgewickelt wird.

  • Die Mitglieder im BVZL bieten die Prüfung Ihrer Police vor dem Kaufabschluss kostenlos an. Bei anderen Anbietern sollten Sie klären, ob eine Bearbeitungsgebühr berechnet wird.

  • Einige Anbieter versprechen einen höheren Kaufpreis, zahlen aber nur einen Teil der Summe aus und den Rest in Raten, bis ein Investor für Ihre Police gefunden ist. Ein Teilrisiko bleibt in diesem Falle bei Ihnen. Von diesen Anbietern ist abzuraten.

  • Ein seriöser Anbieter unterrichtet Sie zeitnah über den Stand der Bearbeitung und sorgt für eine zügige Abwicklung.

Fazit: Der Verkauf Ihrer Police kann eine attraktive Alternative zur Kündigung sein. Sie sollten jedoch verschiedene Angebote einholen und möglichst Mitglieder des BVZL auswählen, um vor Schwarzen Schafen geschützt zu sein.

Biallo-Lesetipp

Wenn eine Lebensversicherung fällig, gekündigt oder verkauft wird, halten Krankenkasse und Finanzamt erst mal die Hand auf. Doch wie viel müssen LV-Sparer tatsächlich abgeben? Mehr dazu erfahren Sie in unserem Beitrag: "Lebensversicherung: Der Fiskus hält die Hand auf".

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de