Marktkommentar : Zeit nach Corona: Dividenden haben Zukunft!

Dyrk Vieten
Sprecher der Geschäftsführung icon Vermögensmanagement GmbH (Düsseldorf)
Gut 45 Milliarden Euro Dividende wollten Deutschlands Unternehmen ihren Aktionären dieses Jahr überweisen. Das wird durch die Corona-Krise nun erheblich weniger. An der Tragfähigkeit einer professionellen Dividendenstrategie brauchen Anleger aber dennoch nicht zu zweifeln.

Dividenden sind kein Modetrend, der nur kurzfristig in bestimmten Marktphasen interessant erscheint. Dividenden spielen in der Vermögensallokation generell eine entscheidende Rolle, ob für private oder für institutionelle Anleger. Sie stellen einen weitestgehend planbaren Cash Flow für konkrete Zwecke dar und dienen als Stabilisator in unsicheren beziehungsweise stark volatilen Aktienmärkten.

Das gilt insbesondere in Zeiten, in denen klassische Zinspapiere, die traditionell für die laufenden Erträge in einem Portfolio zuständig waren, tief in der Krise stecken und diese Funktion auf absehbare Zeit auch nicht mehr ausüben werden. Die durch die Corona-Pandemie ausgelöste weltweite real- und finanzwirtschaftliche Krise und die daraus resultierenden staatlichen Rettungsprogramme haben darüber hinaus dazu geführt, dass dem Zins auf Sicht der kommenden Jahre nicht mehr als ein Nullniveau zugetraut wird. Die Hoffnungen, dass sich Zinspapiere stabilisieren könnten, hat sich durch Corona so brutal zerschlagen, wie die Börsenrallye der vergangenen Jahre.

Doch auch Dividendenpapiere sind aktuell kein Garant für stabile Erträge. Schließlich haben die sich zusammenbrauende Rezession und der aktuelle wirtschaftliche Shutdown viele börsennotierte Unternehmen zu der Entscheidung gedrängt, die diesjährigen Dividendenzahlungen zu streichen. Das ist auch absolut nachvollziehbar: Die Unternehmen machen ihre Ausschüttungen natürlich von den wirtschaftlichen Prognosen abhängig. Und die sehen zumindest für dieses Jahr in der Gesamtwirtschaft eher schwer prognostizierbar aus. Zudem soll die Liquidität kurzfristig gestärkt werden. Gut 45 Milliarden Euro Dividende wollten beispielsweise Deutschlands Unternehmen ihren Aktionären nach den diesjährigen Hauptversammlungen für das Geschäftsjahr 2019 überweisen.

So ärgerlich dies für Dividendenstrategien und geplante Ertragsausschüttungen ist, so wenig Einfluss sollte dies auf die strategischen Entscheidungen Dividenden-orientierter Anleger nehmen. Auch Konzerne mit hoher Substanz, die seit Jahren stabile Dividenden zahlen und diese aus den laufenden Gewinnen realisieren, sehen sich einer Ausnahmesituation gegenüber, nicht weniger, aber eben auch nicht mehr. Daher wird die derzeitige Krise, die auch wieder vorbeigehen wird, nicht dazu führen, dass die langfristige Konzentration auf Dividendenzahlungen schädlich ist. Werte mit Substanz, geringer Verschuldung, laufenden Cash Flows und Zukunftspotenzial werden nach der Krise und in einer breiten Erholungsphase der Wirtschaft eben auch wieder die erwarteten Dividenden zahlen.

Um dies an einigen Zahlen aus Deutschland zu verdeutlichen: Im DAX liegt die Dividendenrendite durchschnittlich bei ca. 2,5 bis 3,5 Prozent, wohingegen die Top-Titel durchaus auch Werte von rund fünf Prozent erreichen. Gleichzeitig liegen die realisierten Dividendenrenditen bereits seit 2013 über den Renditen von Unternehmensanleihen mit fünfjähriger Laufzeit. Und aus den historischen Dividendenzahlungen lassen sich Rückschlüsse auf die Qualität einer Aktie und damit generelle Kaufsignale ableiten: Eine hohe Ausschüttungsquote steht meist auch für Stabilität und Ertragskraft eines Unternehmens und damit einer Aktie.

Wichtig erscheint indes derzeit umso mehr eine sehr dezidierte Titelselektion. Diese sollte den Fokus auf stabile und nachvollziehbare Fundamentaldaten legen. Sind diese gesichert, können die Unternehmen auch in den kommenden Jahren weiterhin ihren Verpflichtungen aus Anleihen nachkommen. Damit sind die Dividenden geschützt. Wichtig ist auch, woher die Dividenden stammen. Echte Substanz zeigen die Unternehmen, die die Ausschüttungen aus dem Cash Flow leisten, nicht aus dem Kapital. In einer professionellen Dividendenstrategie sind also Parameter wie die Stabilität der Dividendenzahlungen und die aktuelle Finanzierungsquote wesentlich wichtiger als die reine Höhe der Dividende.

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