Marktkommentar
 

Marktkommentar : Mögliche Gewinner der Corona-Krise

Julian Bösch
Portfolio ManagerLUNIS Vermögensmanagement AG
Der längste Bullenmarkt der Börsengeschichte ging in den letzten Wochen durch den vom Coronavirus ausgelösten Angebot- und Nachfrageschock zu Ende. Bisher haben sich über eine Millionen Menschen mit dem Virus infiziert und ein Ende ist weiterhin nicht abzusehen. Weltweit haben Regierungen weitreichende Maßnahmen ergriffen, um den Ausbruch des Coronavirus einzudämmen.

Nichtsdestotrotz wird eine weltweite temporäre Rezession nicht zu vermeiden sein. Der Stressfaktor zeigt die Schwächen bestehender Geschäftsmodelle sowie die Verwundbarkeit mit den damit verbundenen Liefer- und Wertschöpfungsketten. Aus diesem Grund werden bestimmte Sektoren, die Lösungen hierfür anbieten, als Gewinner der Krise hervorgehen und könnten nach Ende des Bärenmarktes den nächsten Bullenmarkt antreiben.

Digitalisierung und Technologie

Der Virusausbruch wird längerfristige Trends beschleunigen. Er verdeutlicht, dass Unternehmen digitale Technologien einsetzen müssen, um ihre Geschäftstätigkeit auch in Extremsituationen aufrechtzuerhalten. Daher ist die Virtualisierung und Digitalisierung von Geschäftsmodellen ein Trend, der nach dem Ausbruch des Coronavirus erheblich an Dynamik gewinnen wird. Unternehmen, die sich bisher auf veraltete Lösungen verlassen haben, wird nun die Effizienz digitaler Tools ersichtlich. All dies könnte zu einer Änderung der Denkweise führen und den Weg für massive Digitalisierungsbemühungen in den kommenden Jahren ebnen.

Gesundheitswesen

Während der Corona-Krise verzeichnen Anbieter aus dem Bereich Telemedizin einen verstärkten Nachfrageschub. Sowohl die amerikanische Arzneimittelzulassungsbehörde FDA als auch das Zentrum für Seuchenkontrolle und -prävention (CDC) haben Schritte unternommen, um den Zugang zu Telemedizin sowohl für Patienten als auch für das Gesundheitswesen zu erleichtern. Dabei wird die medizinische Versorgung über alternative Kanäle wie Telefon, Videokonferenzen sowie mobile Anwendungen aus der Ferne gewährleistet. Digitale Gesundheitsdienstleistungen reduzieren den Zeitaufwand und die Unannehmlichkeiten eines Arztbesuchs erheblich. Darüber hinaus kann so das Gesundheitssystem entlastet und Ausgaben eingespart werden. Durch den Zugang zu medizinischer Versorgung von zu Hause aus werden zudem andere Patienten nicht gefährdet. Die Telemedizin ist ein vielversprechendes Instrument des öffentlichen Gesundheitswesens, da sie potenziell erhebliche Auswirkungen auf medizinisch unterversorgte Bevölkerungsgruppen durch einen verbesserten Zugang hat. Dieser Trend dürfte sich im Gesundheitswesen in den nächsten Jahren noch verstärken, da durch den Ausbau der 5G-Netze die Geschwindigkeit des Internets steigen und so die Qualität der Versorgung verbessert wird. Die Implementierung digitaler Technologien wie Fernüberwachung von Patienten könnte von entscheidender Bedeutung sein, um nicht nur die aktuelle Krise zu überwinden, sondern vor allem ähnlichen Probleme in Zukunft schneller entgegenzuwirken.

E-Commerce

Eine weitere Branche, die von den Folgen der Corona-Krise profitieren dürfte, ist der E-Commerce Sektor. Die Coronavirus Krise könnte das Konsumverhalten noch schneller ändern. Angesichts der Schließung von Einkaufszentren und Restaurants haben einige Menschen, die sich zuvor noch gegen den Online-Kauf von Waren gewehrt haben, diese Wahl aktuell nicht mehr. So sind beispielsweise die Umsätze im deutschen Bekleidungseinzelhandel im Jahresvergleich um über 90 Prozent gesunken. Der Online-Handel profitiert somit von einer steigenden Nachfrage. Mit dem Ziel, die Kurve des exponentiellen Wachstums des Virus abzuflachen, macht aber auch die Nutzung von Online-Lebensmitteldiensten für einige Konsumenten Sinn. Nur jeder Vierte hat in Deutschland gemäß Umfragen in den letzten Jahren bereits auf Online-Lebensmitteldienste zurückgegriffen. Vor allem Bedenken hinsichtlich der Qualität und Frische haben in der Vergangenheit Kunden vom Online-Einkauf abgehalten. Kunden testen in den aktuellen Zeiten derartige Angebote jedoch verstärkt. In Asien ist die Nachfrage nach Online-Lebensmitteln beispielsweise um 80 Prozent angestiegen. Aus Bequemlichkeit und der attraktiven Alternative hinsichtlich des Preises könnten diese auch zu langfristigen Kunden werden. Die Coronavirus Krise wird den adressierbaren Markt für diese Geschäftsmodelle langfristig vergrößern.

Fazit: Aktien von Unternehmen, die sich auf derartige Trends fokussieren, konnten die Krise bisher relativ gut verkraften. Hierbei zeigt sich, dass der Markt, trotz hoher Risikoprämien und einem allgemeinen Risk-Off Szenario, bereit dafür ist, entsprechende Geschäftsmodelle als „Lösung“ für die mit Corona verbundenen Verwerfungen mit höheren Bewertungen als traditionelle Geschäftsmodelle zu belohnen. Wir denken, dass sich die Beimischung dieser Trends in einem Portfolio auch langfristig auszahlen wird.

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Disclaimer: Der Marktkommentar stellt die Meinung des jeweiligen Verfassers dar und nicht die der Redaktion von biallo.de. Ferner sind die im Marktkommentar formulierten Inhalte keine konkreten Handlungsanweisungen für den Umgang mit Wertpapieren. Jegliche Investitionsentscheidung, die aus dem Marktkommentar durch den Kunden abgeleitet wird, basiert ausschließlich auf dem eigenen Ermessen des Kunden.






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