Marktkommentar
 

Marktkommentar : ESG in Zeiten der COVID-19-Pandemie

Saliou Amann
LUNIS Vermögensmanagement AGLeiter des Investment Offices
Nachdem die Bedeutung der Nachhaltigkeit bereits vor der Corona-Krise ein stark wachsendes Interesse unter Aufsichtsbehörden, Investoren und Konsumenten erfahren hat, werden die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie und die Einführung neuer ESG-Standards (Environmental, Social, Governance) diesen Trend voraussichtlich weiter beschleunigen.

Betrachtet man beispielsweise die Entwicklung der Nettoneugeldzuflüsse in nachhaltige Aktienfonds und ETFs (Exchange-Traded Funds), so betrug das globale Gesamtvolumen im Jahr 2019 ca. 100 Mrd. US-Dollar. Mit Blick auf das Jahr 2020 verbuchten nachhaltige Investmentfonds für das erste Quartal sogar Nettozuflüsse von rund 45 Mrd. US-Dollar. Obwohl dies einem Rückgang von etwa 27 Prozent gegenüber dem vierten Quartal 2019 entspricht, ist es dennoch ein Anstieg von annährend 90 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Wenngleich die aktuelle Konjunkturschwäche die Dynamik für nachhaltige Anlagen zunächst verlangsamt hat, spricht die weiterhin hohe Nachfrage für die Widerstandsfähigkeit und Beständigkeit von ESG-Investments.

Weitere Anzeichen dafür sind die relative Outperformance der ESG-Strategien gegenüber dem Gesamtmarkt sowie die teilweise Ausweitung von Bewertungsmultiplikatoren, insbesondere für Anlagen mit einem hohen Nachhaltigkeitswert.

Gleichwohl der MSCI World Index im März um nahezu 14 Prozent fiel, konnten dennoch mehr als 60 Prozent der ESG-ansatzbezogenen Aktienfonds den globalen Index outperformen. Erklärungsansätze hierfür sind zum einen die relativ hohe Konzentration an Technologie- und Pharmawerten in ESG-Fonds, welche weit weniger von den durch das Coronavirus hervorgerufenen Lockdown- und Social-Distancing-Maßnahmen betroffen waren, zum anderen die daraus resultierende Forcierung von Megatrends wie etwa Telearbeit oder Telemedizin.

Des Weiteren hebt die COVID-19-Pandemie das Wesentliche von ESG-Risikofaktoren hervor und verdeutlicht die erheblichen Auswirkungen, welche diese auf die Wirtschaft und das gesellschaftliche Umfeld haben können. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass eine Vielzahl an Unternehmen das Thema ESG nun eng im Zusammenhang mit den aktuellen Herausforderungen durch die Corona-Krise verfolgen: Die Bemühungen dieser Firmen konzentrieren sich momentan besonders darauf, sich mit den gesundheitlichen und sozialen Folgen der Coronavirus-Pandemie auseinanderzusetzen, während Umweltfaktoren zunächst eine untergeordnete Stellung einnehmen.

Nichtsdestotrotz sind sowohl Governance- als auch Umwelt-Faktoren integrale Bestandteile einer umfassenden ESG-Betrachtung, die speziell in Krisenzeiten von entscheidender Bedeutung sein können.

Unseres Erachtens nach werden die Folgen der COVID-19-Pandemie, die Einführung neuer ESG-Standards, welche die Transparenz und Qualität von ESG-Informationen erhöhen sollen, sowie das derzeitige Momentum innovativer Megatrends die Bedeutung von ESG-Kriterien als Teil des Investitionsprozesses weiter verstärken. Somit bietet die Corona-Krise langfristig orientierten Anlegern eine attraktive Investitionsmöglichkeit, ihr ESG-Engagement auszubauen.

Diesen und weitere Vermögensverwalter findet ihr auf der Profilseite von V-Check.

Disclaimer: Der Marktkommentar stellt die Meinung des jeweiligen Verfassers dar und nicht die der Redaktion von biallo.de. Ferner sind die im Marktkommentar formulierten Inhalte keine konkreten Handlungsanweisungen für den Umgang mit Wertpapieren. Jegliche Investitionsentscheidung, die aus dem Marktkommentar durch den Kunden abgeleitet wird, basiert ausschließlich auf dem eigenen Ermessen des Kunden.

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