Marktkommentar : Generation „Silberlocke“

Stephan Albrech
Vorstand Albrech & Cie. Vermögensverwaltung AG
Deutschland wird immer älter. Der demografische Wandel lässt sich nicht aufhalten. Bereits über 30 Millionen der Deutschen sind älter als 50 Jahre. In den nächsten Jahren wird die Zahl noch kräftig zulegen. Für Frauen und Männer ab 50 Jahren aufwärts rückt der Ruhestand zeitlich in greifbare Nähe. Die heute über 50-Jährigen sind die reichste Generation, die es in Deutschland je gab. Die Kinder sind oft schon volljährig, das Haus fast abbezahlt und damit die vermeintlich größten finanziellen Sorgen vorbei. Im Volksmund werden sie gern als Generation Silberlocke bezeichnet, andere Titel sind Best oder Silver Ager oder einfach nur 50plus.

Es ist jene Gruppe der Baby-Boomer, die noch im Berufsleben stehen und dank ihrer Kaufkraft die Wirtschaft am Laufen halten. Ab diesem Alter beginnt sehr häufig ein neuer Abschnitt in der Biografie. Mittlerweile vermutlich der wichtigste Abschnitt für die Planung des finanziellen Ruhestands. Denn in den letzten zehn Jahren haben sich die Voraussetzungen für eine Geldanlage dramatisch gewandelt.

Der sichere Zins ist ersatzlos gestrichen worden. Mit teilweise dramatischen Auswirkungen für eine ganze Generation. Noch vor zehn Jahren war private Altersvorsorge relativ einfach. Man brauchte nur eine Lebensversicherung mit Garantie abzuschließen. Im Jahr 2009 betrug die laufende Verzinsung 4,28 Prozent, der Garantiezins belief sich auf 2,25 Prozent. Eine ausgezahlte Lebensversicherung konnte sicher weiter anlegt werden.

Schwankungsarme Papiere – wie etwa zehnjährige Bundesanleihen – brachten hohe Renditen und selbst mit dem Sparbuch erwirtschaftete man Zinsen, die angesichts der niedrigeren Inflation zumindest noch positiv waren. Diese Zeiten sind endgültig vorbei. Immer mehr Versicherungen schaffen klassische Produkte ab, denn sie werden ihnen wegen zu hoher Garantieversprechen zu teuer.

Gesetzliche Rentenansprüche wurden weiter reduziert


Zusätzlich wurde die gesetzliche Rentenversicherung in den letzten Jahrzehnten mehrfach „reformiert“. Mit dem Ergebnis, das auch dort die Rentenansprüche immer weiter reduziert wurden. Für viele ist es mittlerweile sicher, dass die gesetzliche Rente allein den gewohnten Lebensstandard nicht sichern wird. Wer keine betriebliche Vorsorge hat, ist dringend auf eine zusätzliche Altersversorgung angewiesen.

Glücklicherweise kann man gerade in den letzten Berufsjahren noch einiges für die eigene Altersvorsorge bewegen. Denn in der Lebensphase 50 bis 65 ist das Einkommen häufig auf einem Topniveau, die Sparraten können dementsprechend hoch sein. Damit lässt sich einiges erreichen: Wer beispielsweise in der Lage ist, 15 Jahre lang jedes Jahr 5.000 Euro wegzulegen, hat bei einer unterstellten Rendite von nur drei Prozent per annum am Ende einen Kapitalstock von fast 100.000 Euro geschaffen.

Auch Entsparen muss geplant werden


Allerdings ist es entscheidend, in dieser Phase die richtigen Weichen zu stellen. Ein grober Plan wie die Altersvorsorge auszusehen hat und wie er bei jüngeren Menschen oft vorliegt reicht in dieser Lebensphase nicht mehr aus. Ab 50 Jahre ist ein konkreter Kostenplan sinnvoll. Denn die persönliche finanzielle Situation lässt sich nun viel konkreter einschätzen, als beispielsweise mit Anfang 30. Das bedeutet, statt der Konzentration auf den Vermögensaufbau gilt es nun, Strategien zu entwickeln, wie im Alter mit dem aufgebauten Vermögen optimal umgegangen wird. Das Entsparen will und muss genauso professionell geplant sein wie der Ansparvorgang.

Altersvorsorge hört mit dem Renteneintritt nicht auf


Denn die Altersvorsorge hört mit dem Renteneintritt noch lange nicht auf. Viele machen den Fehler und betrachten das Ersparte fürs Alter als Gesamtsumme. Doch das angesparte Vermögen muss nicht ab einem gewissen Alter vollständig verfügbar sein. Wichtiger ist es, das Geld nach seiner Verfügbarkeit zu klassifizieren und sukzessive über den Ruhestand hinweg zu verzehren.

Dabei muss das Beratungskonzept an die Lebensphase und die Ziele und Wünsche der Best Ager angepasst sein. Denn neben der reinen Vermögensstrukturierung fangen viele auch damit an, sich mit ihrer Nachlassregelung zu beschäftigen. Themen wie Erbschaft, Pflege oder Vorsorgevollmacht rücken zunehmend in den Mittelpunkt. Ein darauf abgestellter vollständiger Finanzplan bietet das ideale Fundament, um die richtigen Entscheidungen für die Zukunft treffen zu können.

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Disclaimer: Der Marktkommentar stellt die Meinung des jeweiligen Verfassers dar und nicht die der Redaktion von biallo.de. Ferner sind die im Marktkommentar formulierten Inhalte keine konkreten Handlungsanweisungen für den Umgang mit Wertpapieren. Jegliche Investitionsentscheidung, die aus dem Marktkommentar durch den Kunden abgeleitet wird, basiert ausschließlich auf dem eigenen Ermessen des Kunden.



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