Marktkommentar : Schwellenländeranleihen: Vergleichsweise günstige Angebote ausnutzen

Markus Richert
CFP® und Seniorberater Portfolio Concept Vermögensmanagement GmbH
Trotz länderspezifischer Probleme wie in Argentinien können Emerging Market Bonds eine interessante Anlageklasse für strategische Investoren darstellen. Zur Risikoreduzierung kann es sich anbieten, auf breit investierende Fonds zu setzen.

Landläufig herrscht die Einschätzung vor, dass mit Anleihen kein Rendite-Blumentopf mehr zu gewinnen sei. Die Kupons substanzstarker Anleihen sind weiter auf dem Weg nach unten (im August gab Deutschland erstmals eine 30-jährige Anleihe mit einem Kupon von null Prozent aus), und zugleich setzen sich Investoren im einem volatilen Umfeld Kursschwankungsrisiken aus – eine kleine Veränderung bei den Zinsen kann schon zu erheblichen Wertverlust bei den Rentenpapieren führen.

Dieses Null-Rendite-Szenario gilt aber freilich nicht für alle Anleihen. Und daher rücken immer stärker auch spezielle Anleiheklassen in den Fokus, um die Investoren in der Vergangenheit wohl einen großen Bogen gemacht hätten. Dazu gehören unter anderem Anleihen aus Schwellenländern, auch als Emerging Market Bonds bekannt. Dass diese heute durchaus beliebt sind, zeigen die aktuellen Zahlen: Fonds, die in Hartwährungsemissionen investieren, sind in Europa inzwischen die elftgrößte Fondskategorie mit einem verwalteten Vermögen von 149 Milliarden Euro. Das hat auch damit zu tun, dass Schwellenländer an wirtschaftlicher Bedeutung zunehmen: Rund 40 Prozent des globalen Bruttoinlandprodukts (BIP) stammen aus diesen Ländern.

Und in vielen Schwellenländern ist eine moderate, positive Entwicklung zu beobachten: Das Aussetzen der Normalisierung der US-Geldpolitik hat zu einer gewissen Entspannung der Finanzierungsbedingungen in vielen Schwellenländern geführt. In den vergangenen Monaten kam es wieder zu Kapitalzuflüssen, sinkenden Kapitalmarktzinsen, und in manchen Ländern werteten die Währungen teilweise wieder etwas auf, meldet das ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München.

Daher bieten diese Schwellenländer-Bonds ein hohes Renditepotenzial. Zwischen sechs und sieben Prozent jährlich sind für Anleger drin – auch wenn 2018 nicht gerade ein Vorzeigejahr für diese Anlageklasse gewesen ist mit einem durchschnittlichen Kursrückgang von sieben Prozent. Dies lag vor allem an den steigenden US-Zinsen sowie länderspezifischen Problemen wie etwa in Argentinien und der Türkei. Und dass diese längst nicht ausgestanden sind, zeigt das Beispiel Argentiniens eindrücklich: Trotz Milliardenhilfen vom IWF steht Argentinien erneut vor dem Staatsbankrott und steckt in einer tiefen Wirtschaftskrise mit Kapitalflucht, hoher Inflation und bankrottem öffentlichen Haushalt.

Das gilt es natürlich in einer Zeit, in der Experten im Allgemeinen ein besseres Umfeld für Schwellenländeranleihen erwarten, zu beobachten, um nicht auf das falsche Pferd zu setzen. Aber grundsätzlich können Investoren noch eine Reihe von vergleichsweise günstigen Angeboten finden. Bei vielen Schwellenländeranleihen sind weit überdurchschnittliche Kuponzahlungen zu erwarten, bei Notierungen von aktuell deutlich unter 100. Damit lassen sich über eine relativ kurze Laufzeit interessante Renditepotenziale eröffnen. Allzu umfangreich sollten die Investments aber wohl nicht werden, denn Schwellenländer-Bonds bleiben eine volatile Angelegenheit. Eher eignen sie sich als Beimischung, um mit einem Teil des Vermögens unter leicht erhöhten Risikoprämissen Erträge über dem Kapitalmarktdurchschnitt zu erwirtschaften.

Zur Risikoreduzierung kann dabei übrigens helfen, mittels Fondslösungen eher breit gestreut zu investieren, anstatt mit hohen Einzeltranchen zu operieren. Der „US-Dollar Emerging Markets Government Bond“ (ISIN: IE00BZ163L38) von Vanguard beispielsweise bildet den Index öffentlich gehandelter, auf US-Dollar lautender Schuldscheine mit einer Laufzeit von mindestens einem Jahr sowie einem Mindestemissionsvolumen von 500 Millionen US-Dollar ab. Der ETF-Fonds investiert in knapp 1.000 Anleihen, schüttet monatlich aus und hat in einem Jahr eine Performance von rund 13 Prozent hingelegt. Das hilft, in einem komplexen und teils schnelllebigen Segment die Gefahr von Fehlallokationen zu senken.

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Disclaimer: Der Marktkommentar stellt die Meinung des jeweiligen Verfassers dar und nicht die der Redaktion von biallo.de. Ferner sind die im Marktkommentar formulierten Inhalte keine konkreten Handlungsanweisungen für den Umgang mit Wertpapieren. Jegliche Investitionsentscheidung, die aus dem Marktkommentar durch den Kunden abgeleitet wird, basiert ausschließlich auf dem eigenen Ermessen des Kunden.

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