Pflegegrade: So klappt es mit dem Antrag

Ratgeber Pflegegrade: So klappt es mit dem Antrag

Oliver Mest
von Oliver Mest
18.07.2018
Auf einen Blick
  • Ob und wie viel finanzielle Unterstützung Pflegebedürftige erhalten, richtet sich nach dem sogenannten Pflegegrad.

  • Die Pflegebedürftigkeit und damit der Pflegegrad wird durch ein Gutachten des Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) festgestellt.
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Pflegegrade: So wird der Pflegegrad der Pflegepflichtversicherung ermittelt

Ob und wie viel finanzielle Unterstützung Pflegebedürftige erhalten, richtet sich nach dem zuerkannten Pflegegrad. Der wird nach dem Prüfverfahren NBA ("Neues Begutachtungsassessment”) meist von Gutachtern des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) oder des MEDICPROOF (des medizinischen Dienstes der privaten Krankenversicherungen) festgestellt.

Basis des Gutachtens ist ein Fragenkatalog, mit dem die Selbstständigkeit der/des Betroffenen ermittelt werden soll. Vergeben werden Punkte, dabei gilt: Je mehr Punkte der Begutachtete erhält, umso höher ist der Pflegegrad, und umso höher sind damit auch die Leistungen der Pflegepflichtversicherung bzw. einer privaten Pflegezusatzversicherung, die in der Regel ebenfalls ihre Leistungen an den anerkannten Pflegegrad koppelt.

Das Punktesystem

Die ermittelten Punkten spiegeln dann den jeweiligen Pflegegrad wider.

Die Beurteilung

Basis für die Leistungen der sozialen Pflegeversicherung ist die Einstufung in einen Pflegegrad. Der wird berechnet anhand von Modulen, mit denen die/der Betroffene bewertet wird.

  • Modul Mobilität: Hier steht die Frage im Fokus, wie gut die/der Betroffene sich noch alleine und ohne Unterstützung fortbewegen kann und zum Beispiel Treppen steigen kann.

  • Modul kognitive und kommunikative Fähigkeiten: In diesem Bereich ermitteln die Gutachter, wie gut die/der Betroffene sich in seinem Alltag und Umfeld örtlich und zeitlich zurechtfindet – ist sie/er in der Lage, selbstständig Entscheidungen zu treffen und die Konsequenzen abzuschätzen?

  • Modul Verhaltensweisen und psychische Problemlagen: Hier geht es darum, wie stabil die/der Betroffene psychisch ist – neigt sie/er zu Depressionen oder ist antriebslos? Ist sie/er nachts unruhig, schlaflos, oder zeigt sie/er Verhaltensauffälligkeiten?

  • Modul Selbstversorgung: Untersucht wird in diesem Modul, wie selbstständig die/der Begutachtete noch in Bezug auf Körperpflege, das An- und Auskleiden und die Zubereitung von Essen und Trinken ist. Modul Gesundheitsversorgung: Hier geht es darum, sich medikamentös und gesundheitlich selbst zu versorgen, etwa durch Einnahme der richtigen Tabletten oder Selbstständigkeit bei Verbandswechseln und Arztbesuchen.

  • Modul Alltagsleben: Untersucht wird hier, ob und wie gut die/der Betroffene sich noch selbst beschäftigen kann und ob sie/er über soziale Kontakte verfügt und diese pflegt.

Die oder der Betroffene wird in jedem einzelnen Modul untersucht und bewertet – daraus folgt auf Basis des Punktesystem die Einstufung in Pflegegrade. Und diese Feststellung von Pflegegraden wiederum löst den Anspruch auf Unterstützung durch die gesetzliche Pflegeversicherung aus.

Die Leistungen der Pflegepflichtversicherung

Je nach Pflegegrad und Art der Pflege und Unterbringung zahlt die gesetzliche Pflegeversicherung eine finanzielle Unterstützung.

PflegegradPflege durch
Angehörigeambulanten Dienst / teilstationäre Pflegevollstationäre Pflege
1----125 Euro
2316 Euro689 Euro770 Euro
3545 Euro1.298 Euro1.262 Euro
4728 Euro1.612 Euro1.775 Euro
5901 Euro1.995 Euro2.005 Euro

Bei Pflege durch Angehörige sowie bei ambulanter oder teilstationärer Pflege kann zudem der sogenannte Entlastungsbetrag für Zusatzleistungen wie Kurzzeitpflege geltend gemacht werden.

Warum gibt es die neuen Pflegegrade statt der früheren Pflegestufen?

Eine der großen Schwächen der Bewertung auf Basis der früheren Pflegestufen war die Benachteiligung vieler an Demenz Erkrankter. Denn aufgrund der fehlenden körperlichen Erkrankung bekamen sie keine oder geringe Leistungen der Pflegeversicherung, waren aber dennoch betreuungsbedürftig. Und auch bei der Leistungsbewilligung in der Pflegetagegeldversicherung oder privaten Pflegekostenversicherung waren sie oft benachteiligt, wenn die Leistungen an die Feststellungen der früheren Pflegestufen gekoppelt waren. 

Die früheren Pflegestufen waren vor allem darauf ausgerichtet, die körperlichen Beeinträchtigungen der Antragsteller zu erfassen – und damit fielen viele Demenzkranke durch das Raster. Das Pflegestärkungsgesetz II hat damit 2017 aufgeräumt und die Gleichstellung von demenzkranken und körperlich erkrankten Pflegebedürftigen durchgesetzt.

Wie wurden die alten Pflegestufen umgerechnet in Pflegegrade?

Wer seit 2017 pflegebedürftig geworden ist oder es heute wird, erhält eine Einstufung der Bedürftigkeit in Pflegegrade – was aber ist mit denjenigen, die bereits vor 2017 pflegebedürftig waren? Wer zu diesem Zeitpunkt bereits eine anerkannte körperliche Pflegebedürftigkeit in den Stufen 1 bis 3 oder eine anerkannte eingeschränkte Alltagskompetenz in der sogenannten Pflegestufe 0 hatte, bekam einen entsprechenden Pflegegrad auf Basis der folgenden Tabelle anerkannt.

Natürlich kann sich die Pflegebedürftigkeit im Laufe der Zeit ändern, und es kann ein neuer Pflegegrad ermittelt werden. Wenn Sie der Meinung sind, dass Ihnen oder einer betreuten Person ein höherer Pflegegrad zuerkannt werden müsste, dann können Sie einen Antrag auf Höherstufung des Pflegegrades stellen.

Ansprechpartner dafür ist die Pflegekasse, die formlos oder bei einigen Krankenkassen mit einem Musterformular angeschrieben werden kann. Die Pflegekasse wird in aller Regel eine erneute Begutachtung veranlassen – wird ein höherer Pflegegrad festgestellt, haben Sie Anspruch auf die Leistungen des neuen Pflegegrades und bekommen mehr finanzielle Unterstützung.

Anträge auf Höherstufung

Die Pflegegrade in der Pflegezusatzversicherung

Die Pflegegrade sind auch bei einer privaten Pflegezusatzversicherung Basis für die Leistungsberechnung. Je nach zugebilligtem Pflegegrad werden die versicherten Leistungen ausgezahlt bzw. die Kosten übernommen. Ähnlich wie die Leistungsbewilligung in der sozialen Pflichtversicherung kann die Leistungshöhe auch je nach Art der Pflege und der Unterbringung variieren.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de