Das macht einen guten Vertrag aus

Private Krankenversicherung Das macht einen guten Vertrag aus

Annette Jäger
von Annette Jäger
30.06.2017
Auf einen Blick
  • Die private Krankenversicherung leistet oft mehr als die gesetzliche.

  • Was einen guten Vertrag ausmacht.
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Eine private Krankenversicherung leistet mehr als die gesetzliche – so lautet die landläufige Meinung. Das stimmt in vielen Bereichen auch. Ärzte haben mehr Spielraum, Behandlungen zu verordnen, im Krankenhaus kommt der Patient im Einzelzimmer unter und genießt Chefarztbehandlung. Doch so pauschal gilt das eben doch nicht. Das bekommen Versicherte dann zu spüren, wenn sie Rechnungen bei ihrem Versicherer einreichen und dieser sich weigert, sie in vollem Umfang zu bezahlen.

Was viele Versicherte – oder auch Kunden, die einen neuen Vertrag abschließen – nicht wissen: Es gibt unendlich viele Tarife der privaten Krankenversicherer und alle erstatten Leistungen höchst unterschiedlich. Versicherte sollten deshalb ihre Tarifbedingungen genau kennen und wissen, was der Versicherer leistet, um hinterher nicht auf Kosten sitzen zu bleiben. Erfahren Sie auf den folgenden Seiten, zu welchen Irrtümern es häufig kommt und was einen guten Vertrag ausmacht.

1. Private Krankenversicherung – häufige Irrtümer

1a. Ambulante Behandlung

Lange Zeit galt die Devise: Die privaten Krankenversicherer zahlen alles. Tatsächlich waren die Erstattungsmodalitäten kulant, viele Versicherer bezahlten auch Leistungen, die nicht zwingend als medizinisch notwendig galten (Kulanzregulierung). Das hat sich inzwischen geändert, die Versicherer schauen genauer hin bei den eingereichten Rechnungen, ob das, was der Arzt verordnet, auch wirklich erstattungsfähig und mit dem versicherten Tarif vereinbar ist. Denn in der privaten Krankenversicherung gilt wie in der gesetzlichen auch: Erstattet wird nur, was medizinisch notwendig ist. Das ist beim Arztbesuch für den Patienten aber nicht immer so leicht zu durchschauen. Oft werden Privatpatienten umfangreicher untersucht und behandelt. Was medizinisch notwendig ist, entscheidet der Arzt. Genau über diesen Punkt gibt es dann aber oft Streit mit dem Versicherer, der eine Leistung des Arztes eben nicht als medizinisch notwendig einstuft. Problematisch wird es bei ambulanten Behandlungen, die laut Gebührenordnung gar nicht erstattungsfähig sind.

Tipp: Es schadet nicht, beim Arzt das Thema anzusprechen und darauf zu drängen, dass alles, was verordnet wird, auch als medizinisch notwendig zu rechtfertigen ist. Ebenso ist im Zweifelsfall ein Anruf beim Versicherer anzuraten, um zu klären, was bezahlt wird und was nicht. Eine Zusage sollte man sich vom Versicherer immer schriftlich geben lassen.

1b. Psychotherapie: Bevor ein Privatpatient einen Psychotherapeuten aufsucht, sollte er einen Blick in seinen Vertrag werfen. Denn gerade bei psychotherapeutischen Behandlungen leisten die Tarife höchst unterschiedlich. Es gibt Verträge – vor allem ältere – die psychotherapeutische Behandlung gar nicht versichern, andere versichern nur ein limitiertes Stundenkontingent (oder Behandlungstage in einer Klinik) oder bestimmte Behandlungsmethoden. Manchmal ist auch nur die ambulante Behandlung versichert, aber keine stationäre.

1c. Krankenhausaufenthalt

Wer als Privatpatient ins Krankenhaus kommt, wird oft automatisch ins Einzelzimmer eingebucht und zur Chefarztbehandlung angemeldet. Aber nicht jede Police deckt das ab. Manchmal deckt der Tarif nur eine Unterbringung im Zweibett- oder gar Mehrbettzimmer ab und die Chefarztbehandlung gar nicht.

Tipp: Vor größeren Eingriffen oder langfristigen Behandlungen sollte man mit seinem Versicherer klären, ob er die Kosten voll erstattet. Eine Zustimmung sollte man sich schriftlich geben lassen. Auch wenn es um einen Aufenthalt in einer Spezialklinik geht, sollte man vorher Rücksprache halten, ebenso wenn eine Behandlungsmethode ansteht, die außerhalb des Standards liegt.

1d. Arzthonorar

Je nach Tarif erstattet der Versicherer unterschiedlich hohe Arzthonorare. In den meisten Versicherungsverträgen wird nach dem 3,5-fachen Satz der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) erstattet. Manche Policen erstatten aber nur den 2,5-fachen Satz. Das sollte man dem Arzt unbedingt mitteilen. Sonst bleibt man immer auf Mehrkosten sitzen.

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2. Private Krankenversicherung – das müssen Sie wissen

2a. Tarife nach Baukastensystem

Die private Krankenversicherung funktioniert nach dem Baukastensystem: Aus verschiedenen Tarifen kann sich der Versicherte eine Krankenversicherung nach individuellen Bedürfnissen zusammenstellen. Ein paar Vorgaben hat der Gesetzgeber jedoch gemacht. So muss eine private Krankenversicherung stationäre und ambulante Heilbehandlungen versichern. Auch eine Pflegeversicherung ist obligatorisch. Zusätzlich kann der Versicherungsnehmer z. B. einen Zahn-, einen Krankentagegeldtarif, eine Auslandsreisekrankenversicherung abschließen oder auch Tarife wählen, die Schwerpunkte setzen, so dass beispielsweise alternative Heilmethoden umfangreicher erstattet werden.

2b. Beiträge

In der privaten Krankenversicherung werden die Beiträge abhängig vom zu versichernden Risiko berechnet. So fließen Alter des Versicherungsnehmers und sein Gesundheitszustand in die Kalkulation mit ein. Außerdem ist natürlich der Umfang des gewählten Tarifs ausschlaggebend. Wer chronische Erkrankungen hat oder schwere Erkrankungen in der Vergangenheit hatte, muss zusätzlich zum Beitrag mit Risikozuschlägen rechnen oder Leistungsausschlüsse für bestimmte Erkrankungen in Kauf nehmen.

Die private Krankenversicherung ermöglicht die Wahl eines Selbstbehalts. Der Versicherte zahlt dann im Krankheitsfall zunächst den vertraglich vereinbarten Eigenanteil – beispielsweise 500 Euro – bevor die Versicherung einspringt. Das verringert natürlich den monatlich zu zahlenden Beitrag. Je nach Höhe der Selbstbeteiligung können die Einsparungen bei einigen Hundert Euro liegen. Eine Selbstbeteiligung gilt immer für den Zeitraum eines Versicherungsjahres.

Beitragssteigerungen

Die Beiträge in der privaten Krankenversicherung steigen über die Vertragslaufzeit hinweg an. In den vergangenen zehn Jahren sind die Beiträge zwischen zwei und sechs Prozent im Jahr gestiegen, manchmal auch deutlich mehr, hat der Bund der Versicherten ermittelt. Mit steigendem Alter erhöhen sich die Prämien erst recht. Die sogenannte Altersrückstellung soll dem eigentlich entgegenwirken. Die Rückstellung setzt sich aus einer Art Sparbetrag zusammen, der im Laufe der Versicherungsjahre von den Prämien abgezweigt und auf die Seite gelegt wird. Ab dem 65. Lebensjahr fließt er in die Beitragskalkulation mit ein. Leider führt das jedoch nicht dazu, dass die Beiträge im Alter gar nicht ansteigen würden. Als Faustregel gilt: Wer mit Mitte 30 einen Vertrag abschließt, muss damit rechnen, im Rentenalter mindestens das Dreifache des Beitrags zu bezahlen.

Fazit: Je jünger und gesünder der Versicherungsnehmer bei Vertragsabschluss ist, desto günstiger sind die Einstiegsprämien in der privaten Krankenversicherung. Am niedrigsten sind die Kosten, wenn man zusätzlich alleinstehend ist. Ein Einstieg in jungen Jahren ist auch deshalb günstig, weil man dann besonders viel Alterungsrückstellung sammelt: Je länger der Vertrag läuft, umso höher sind die Rückstellungen und umso mehr wirkt im Alter die Beitragsentlastung.

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Berechnungsgrundlage / Modellfall: 

3. Verlockende Einsteigertarife

3a. Was sind Einsteigertarife?

Gerade Berufseinsteiger können oft zu sehr günstigen Konditionen in die private Krankenversicherung einsteigen. Für sie haben Unternehmen oft sogenannte Einsteigertarife konzipiert, denen die Versicherer gut klingende Produktnamen verpasst haben. Das sind sehr günstige Tarife, die aber ein oft stark reduziertes Leistungsspektrum aufweisen. Nur so können die oft sehr geringen Beiträge von sogar unter 200 Euro im Monat zustande kommen. Die Idee ist, dass die jungen Versicherten möglichst bald in einen hochwertigeren, umfassenderen Tarif wechseln. Solche Tarife sind mit Vorsicht zu genießen. Hier einige Gründe dafür:

Selbstbehalt: Die Tarife sind meist mit einem hohen Selbstbehalt ausgestattet, nicht selten liegt dieser bei 1.000 Euro. Vorsorgeuntersuchungen sind in der Regel ausgenommen. Ein so hoher Eigenanteil birgt die Gefahr, dass man den einen oder anderen Arzttermin verschleppt, um sich Kosten zu sparen.

Stationärer Aufenthalt: In den Einsteigertarifen sind häufig nur Mehrbettzimmer vorgesehen ohne Chefarztbehandlung.

Zahnarztleistungen: Vorgesehen ist bei den Tarifen oft nur eine mittlere Zahnleistung. Das heißt: Oft werden zwar 80 Prozent der Kosten von Zahnbehandlungen erstattet und 60 Prozent bei Zahnersatz. Kosten für Inlays oder Implantate sind jedoch häufig ausgeschlossen.

Hausarztprinzip: In vielen Tarifen muss man stets zuerst einen Allgemeinarzt aufsuchen, bevor man zum Facharzt gehen darf. Der direkte Gang zum Facharzt ist durch den Tarif nicht gedeckt, dann werden Arztrechnungen meist nur begrenzt erstattet.

Psychotherapie: Leistungen in diesem Bereich sind oft nur sehr eingeschränkt enthalten – nur eine sehr geringe Stundenzahl im Jahr ist gedeckt, oder die Leistung ist sogar gar nicht enthalten.

Kuren: Eine Kostenübernahme für ambulante Kuren ist oft nicht vorgesehen.

Hilfsmittel: Oftmals gelten hier auch nur stark eingeschränkte Leistungen.

3b. Option auf leistungsstärkeren Tarif

Manche Einsteigertarife bieten eine Option auf Höherversicherung an. Das bedeutet, dass der Versicherte die Möglichkeit hat, zu einem späteren Zeitpunkt ohne erneute Gesundheitsprüfung in einen hochwertigeren Tarif zu wechseln. So kann man mit steigendem Einkommen den Versicherungsschutz nach oben anpassen. Diese Option ist auf jeden Fall ein wichtiges Extra, sollte man sich für so einen Tarif entscheiden. Wichtig ist, dass diese Möglichkeit über einen langen Zeitraum gewährt wird. Wenn man sie nur die ersten Versicherungsjahre wahrnehmen kann, ist das möglicherweise ein zu kurzer Zeitraum, um sich als junger Selbstständiger finanziell so zu etablieren, so dass man sich einen teureren Tarif leisten kann. In der Realität nehmen die Versicherten diese Option aber nur selten wahr. Sie bleiben in den billigen Tarifen und damit ewig unterversichert.

3c. Beitragsentwicklung

Gerade in den günstigen Einsteigertarifen sind die Beitragssteigerungen oft immens. In der Privaten gilt die Devise, dass sich jeder Tarif selbst finanzieren muss. Gibt es in manchen Tarifen nur wenige Versicherte – was in Tarifen mit hohen Selbstbeteiligungen häufig der Fall ist – hat der Tarif auch keine hohen Einnahmen zu verzeichnen. Altert dann der Stamm der Versicherten nach und nach und werden obendrein viele in dem Tarif krank, kann das zu einer wahren Beitragsexplosion führen, weil die Kosten auf alle in dem Tarif Versicherten umgelegt werden. Am fatalsten ist es, wenn der Versicherer seinen sogenannten Einsteigertarif wieder schließt, also für das Neugeschäft vom Markt nimmt. Dann ist die Kostenexplosion für die Verbleibenden so gut wie programmiert.

3d. Fazit

Die Überlegung, Bausteine im Vertrag wegzulassen, um die Kosten niedrig zu halten, rächt sich später häufig. Wenn man den Versicherungsumfang später aufstocken möchte, ist man nicht nur älter geworden und zahlt damit automatisch höhere Beiträge, sondern hat möglicherweise auch gesundheitliche Beschwerden entwickelt, die ebenfalls höhere Beiträge bewirken können. Deshalb lautet das Fazit: Lieber von Anfang an einen umfangreichen, leistungsstarken Vertrag abschließen. Auch wenn die Beiträge von Anfang an höher sind, rechnet sich die Mehrausgabe über die gesamte Laufzeit gesehen.

4. Diese Leistungen gehören in einen guten Vertrag (Auswahl)

4a. Ambulante Leistungen

Ein ambulanter Tarif erstattet neben privatärztlichen Behandlungskosten beim niedergelassenen Arzt auch Vorsorgeuntersuchungen. Diese sollte der Tarif mindestens im selben Umfang erstatten wie die gesetzliche Krankenversicherung (GKV).

Eine Wahl kann der Versicherungsnehmer oft bei den Arzthonoraren treffen. Privatärztliche Behandlungen sollte der Versicherer bis zum Höchstsatz, dem 3,5-fachen Satz der Gebührenordnung für Ärzte, erstatten. Es gibt auch günstigere Tarife, die nur den Regelhöchstsatz, den 2,3-fachen Satz, erstatten. Das sollte man dann aber vor einer Behandlung dem Arzt mitteilen, damit man nicht am Ende auf Kosten sitzen bleibt, weil der Versicherer nicht den vollen Betrag erstattet.

Arzneimittel

Alle verordneten, apothekenpflichtigen Arzneimittel sollte ein Tarif möglichst in vollem Umfang erstatten. In der Regel werden auch rezeptfreie Medikamente komplett erstattet. Manche Tarife sehen eine Selbstbeteiligung vor von zehn oder 20 Prozent. Das kann beispielweise bei teuren Krebsmedikamenten sehr teuer werden!

Heil- und Hilfsmittel

Zu den Heilmitteln gehören Krankengymnastik, Massagen, aber auch Ergo- und Logopädie. Solche ärztlichen Verordnungen sollten in vollem Umfang erstattet werden.

Zu den Hilfsmitteln gehören z. B. Hörgeräte, Rollstühle, Prothesen, Krücken, Inkontinenzmaterial, orthopädische Schuhe oder ein Sprachcomputer. Hilfsmittel sollten im Vertrag sehr gut abgesichert sein, denn die Kosten, die hier entstehen können, sind nicht zu unterschätzen! Ein elektrischer Rollstuhl etwa kostet leicht zwischen 25.000 und 45.000 Euro. Wenn der Tarif solche Ausgaben nur ungenügend deckt, bleibt der Versicherungsnehmer auf hohen Kosten sitzen.

Kosten für Hilfsmittel werden nach dem Hilfsmittelkatalog erstattet. Entscheidend ist, ob der Versicherer hier ein geschlossenes Hilfsmittelverzeichnis zugrunde legt für die Kostenerstattung, oder ein offenes. Beim geschlossenen gilt ein bei Vertragsabschluss festgelegtes Hilfsmittelverzeichnis, in dem alle Hilfsmittel aufgelistet sind, die durch den Tarif abgedeckt sind. Das Verzeichnis ist über die Vertragslaufzeit unveränderbar. Wenn ein Hilfsmittel nicht aufgelistet ist, zahlt die private Krankenversicherung auch nicht! In manchen Verträgen sind sogar genaue Summen festgeschrieben, die für einzelne Hilfsmittel gewährt werden. Zu bedenken ist hier die Vertragslaufzeit: Was sind ein paar hundert Euro Zuschuss für einen elektrischen Rollstuhl in 20 Jahren noch wert? Besser ist es, wenn der Tarif nach dem sogenannten offenen Hilfsmittelkatalog Kosten erstattet. Dann werden Neuerungen auf dem Markt auch nachträglich noch in den Katalog aufgenommen und die Kosten vom Versicherer erstattet.

Für viele Hilfsmittel gelten Erstattungsgrenzen. Zumindest bei lebenserhaltenden Hilfsmitteln sollten aber keine Leistungseinschränkung gelten, ansonsten sollte der Erstattungssatz möglichst hoch sein, etwa bei 75 Prozent liegen. Für Brillen gelten meist niedrigere Erstattungssummen.

Psychotherapie

Ein Tarif sollte eine möglichst umfangreiche Absicherung einer ambulanten Behandlung ohne Begrenzung der Sitzungsanzahl beim niedergelassenen Therapeuten vorsehen. Das Kostenrisiko kann erheblich sein, sollte man eine Behandlung selbst bezahlen müssen. Ein niedergelassener Psychotherapeut verlangt beispielsweise 90 Euro pro Stunde. Bei einer umfangreichen Therapie von beispielsweise 80 Stunden, was keine Seltenheit ist, sind das über 7.000 Euro.

Sollte ein unbegrenzter Therapieumfang nicht zu versichern sein, dann sollte der Versicherer auf jeden Fall nicht weniger als 50 Therapiesitzungen im Jahr erstatten. Auch sollte eine Psychotherapie nicht vom Versicherer erst genehmigt werden müssen.

Tipp: Gut ist, wenn der Tarif nicht nur Psychotherapie durch Ärzte, sondern auch durch psychologische Psychotherapeuten erstattet. Das erweitert das Spektrum der möglichen Behandler und vergrößert die Chancen, schneller an einen Termin zu gelangen.

Alternative Heilmethode

Die meisten ambulanten Tarife sehen auch Erstattungen für alternative Heilmethoden vor, jedoch in unterschiedlichem Umfang. Wie wichtig hier eine umfangreiche Erstattung ist, ist eine persönliche Entscheidung und hängt davon ab, wie häufig man einen Heilpraktiker, Homöopathen oder Osteopathen aufsucht. Wichtig zu wissen ist, dass die Behandlung in der Regel von einem Heilpraktiker oder einem Arzt mit entsprechender Zusatzausbildung vorgenommen werden muss, damit der Versicherer die Rechnung erstattet. Voraussetzung für eine Abrechnung mit dem Krankenversicherer ist, dass der Behandler nach Gebührenordnung abrechnet und das kann in der Regel nur der Heilpraktiker.

Ein Beispiel: Die meisten klassischen Homöopathen haben auch eine Heilpraktikerausbildung; viele beliebte Behandlungsmethoden – beispielsweise die chinesische Medizin, die Osteopathie, die Chirotherapie – werden allerdings nicht zwangsläufig von Heilpraktikern ausgeführt. Diese Therapeuten verlangen ein Pauschalhonorar. In manchen Tarifen gibt es Ausnahmen und die Patienten erhalten in solchen Fällen eine Teilerstattung vom Versicherer. Bevor man eine alternative Behandlungsmethode wahrnimmt, sollte man sich auf jeden Fall bei seinem Versicherer erkundigen, was genau erstattet wird.

Tipp: Wissen sollte man auch, dass nur bezahlt wird, was medizinisch notwendig ist und was von der Schulmedizin anerkannt ist und einen nachgewiesenen Nutzen hat. Bei exotischen, neuen Behandlungsmethoden wird man kaum Glück haben, diese erstattet zu bekommen.

4b. Stationärer Aufenthalt

Ein stationärer Tarif ist Pflicht. Entscheiden kann man sich aber bei der Unterbringung: Ein Einbettzimmer ist angenehm, aber auch verzichtbar, wenn man aufs Geld schauen muss. Manche Tarife bieten auch die Unterbringung im Zwei- oder sogar Mehrbettzimmer an. Auch die Chefarztbehandlung ist nicht zwingend. Der Chefarzt ist nicht automatisch auch der bessere Arzt. Manche Tarife bieten die Behandlung durch den diensthabenden Arzt an. Der Tarif sollte aber auf jeden Fall über den 3,5-fachen Satz der Gebührenordnung der Ärzte hinaus Kosten erstatten und Kosten für Krankentransporte begleichen.

Psychotherapie

Der Tarif sollte eine stationäre Psychotherapie erstatten ohne Begrenzung der Behandlungstage. Sollte dies nicht möglich sein, sollten es mindestens 30 Behandlungstage im Jahr sein.

4c. Zahnarztbehandlung

Zahntarife erstatten Kosten für Zahnbehandlungen, Zahnersatz und Prophylaxe-Maßnahmen sowie Kosten für kieferorthopädische Maßnahmen. Der Erstattungssatz variiert wie auch der Umfang der Leistungen. Ideal ist natürlich, wenn der Erstattungssatz möglichst hoch ist, ein Erstattungssatz von 90 Prozent für Zahnbehandlungen ist wünschenswert, bei Zahnersatz (inklusive Material- und Laborkosten) sowie kieferorthopädischen Behandlungen sollte er bei etwa 70 Prozent liegen. Doch aufgepasst: Entscheidend ist, dass der Prozentsatz sich auf den Gesamtrechnungsbetrag bezieht! Wichtig ist auch, ob der Versicherer Inlays den Zahnbehandlungen oder den Zahnersatz zuordnet. Werden sie wie Zahnbehandlungen eingestuft, ist die Erstattungssumme höher. Zudem sollte möglichst die Anzahl von Implantaten nicht beschränkt sein.

4d. Krankentagegeld

Selbstständige und Arbeitnehmer, die privat krankenversichert sind, sollten ihre Einkommenseinbußen im Krankheitsfall unbedingt durch einen Krankentagegeldtarif absichern. Die Tarife gewähren eine Krankengeldzahlung wahlweise ab dem ersten Tag der Erkrankung, oder auch erst später, z. B. ab dem 43. Krankheitstag. Je später der Zeitpunkt liegt, desto günstiger wirkt sich das auf den Beitrag aus. Beiträge für Auszahlungen ab dem 22. Tag können zum Teil mehr als das Doppelte betragen als eine Absicherung ab dem 43. Krankheitstag! Um die Beiträge so gering wie möglich zu halten, sollte man genau kalkulieren: Benötigt man wirklich ab der siebten Krankheitswoche das volle Nettoeinkommen oder reichen vielleicht auch erst mal 50 Euro am Tag aus? Diesen Betrag könnte man zu einem späteren Zeitpunkt aufstocken, beispielsweise ab dem 180. Tag noch um weitere 100 Euro pro Tag. Eine Staffelung der Leistungen ist meistens möglich. Im Leistungsfall erhält man einen vereinbarten Tagessatz. Dieser darf in der Summe maximal der Höhe des monatlichen Nettoeinkommens entsprechen. Der Tarif sollte die Möglichkeit bieten, das Krankengeld im Laufe der Versicherungsjahre noch anheben zu können, etwa, wenn das Einkommen steigt. Das sollte ohne erneute Gesundheitsprüfung möglich sein. Auch während Kur- und Sanatoriumsaufenthalten oder stationärer Reha-Maßnahmen sollte ein tariflicher Leistungsanspruch auf Krankentagegeld bestehen.

4e. Kurbehandlungen

Ein guter Vertrag sollte umfangreiche Leistungen für ambulante und stationäre Kur- und Rehabilitationsmaßnahmen vorsehen. Solche Leistungen sind wichtig, etwa, um einer Krankheit oder einer Verschlimmerung einer Krankheit vorzubeugen. Aber auch, um beispielsweise nach einer Operation wieder auf die Beine zu kommen.

4f. Auslandsreisekrankenschutz

Der Schutz auf Auslandsreisen ist im Vertrag integriert. Der Versicherungsschutz gilt in vollem Umfang der tariflichen Leistungen in Europa und weltweit meist für die Dauer eines Monats. Privatversicherte sollten genau lesen, was in den Bedingungen steht. Oftmals gehört der Rücktransport in die Heimat nämlich nicht zum Versicherungsumfang. Dann sollte man eine zusätzliche Auslandsreisekrankenversicherung abschließen.

Tipp: Der Abschluss der Zusatzpolice lohnt sich in jedem Fall. So spart man sich im Krankheitsfall die Selbstbeteiligung, die im Volltarif gelten würde.

5. Der richtige Vertrag beim richtigen Unternehmen

Die Zauberformel für eine gute private Krankenabsicherung lautet: Einen leistungsstarken Tarif bei einem stabilen Unternehmen abschließen. Das Unternehmen sollte sich in der Vergangenheit bewährt haben, es sollte auch noch die nächsten 20 oder 30 Jahre auf dem Markt existieren und es sollte für stabile Beiträge stehen. Der Verbraucher kann hier nur auf Erfahrungswerte setzen und dabei zum Beispiel Unternehmensbewertungen von Ratingagenturen heranziehen. So haben bei dem Ratingunternehmen Assekurata zum Jahreswechsel 2016/2017 Debeka, Allianz, Alte Oldenburger, Hallesche, Nürnberger, aber auch die SDK im Hinblick auf Beitragsstabilität gute Bewertungen erhalten.

Ein Hinweis auf Beitragsstabilität kann die Tarifstruktur eines Unternehmens sein. Bietet ein Unternehmen hunderte von Tarifen an, ist in jedem Tarif vermutlich nur eine überschaubare Anzahl an Kunden versichert. Da sich jeder Tarif selbst durch seine Einnahmen finanzieren muss, ist hier die Gefahr der Beitragssteigerung relativ hoch. Besser ist es, wenn möglichst viele Versicherte – alte und junge, gesunde und kranke – in einem Tarif versichert sind. Während der ältere Kundenbestand in dem Tarif mehr Kosten aufgrund von häufigeren Erkrankungen verursacht, gleichen das die jungen und gesunden Neukunden, die nachrücken, wieder aus. So bleibt der Tarif vital, die Kosten relativeren sich, die Beitragssteigerung kann für alle Versicherten gemäßigt erfolgen.

Preisbeispiele für leistungsstarke Tarife

Unsere Mindestvorgaben:

Versicherungsnehmer: 30 Jahre; Selbstbeteiligung: mindestens 300 Euro: Arzthonorar: 3,5-facher Satz; Arzneimittel: 100 %; Heilmittel: 100 %; Hilfsmittel: offener Katalog; Psychotherapie: stationär und ambulant (mindestens 50 Stunden im Jahr); Stationärer Aufenthalt: Zweibettzimmer und Chefarztbehandlung; Zahnarzt: 90% für Zahnbehandlungen, 70% für Zahnersatz; Krankentagegeld: 100 Euro ab dem 43. Tag; Kuren: ambulant und stationär; Auslandsreise: Rücktransport ins Heimatland

Die Allianz berechnet hierfür 475,62 Euro im Monat, die Debeka 530,47 Euro im Monat (Anmerkung: Die Unternehmen haben Tarife ausgewählt, die unseren Vorgaben am nächsten kommen.)

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während meines Studiums der Neueren Geschichte in München begann ich als freie Journalistin zu arbeiten, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung. Im Jahr 2000 kam ich zu biallo.de, damals waren Versicherungsthemen für mich Neuland, über Gesundheitspolitik las ich in der Zeitung oder bekam die Auswirkungen als Patientin zu spüren.

Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de