Versicherungen und Gesundheitsfragen Schwerwiegende Folgen bei falschen Angaben

Annette Jäger
von Annette Jäger
17.11.2014
Auf einen Blick

Gesundheitsfragen sind bei einigen Versicherungen Standard. Wer hier Fehler macht oder es nicht so genau nimmt, riskiert seinen Versicherungsschutz.

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Warum Gesundheitsfragen?

Wie gesund man ist, macht bei einigen Versicherungen das Zünglein an der Waage aus: Bei Risikolebensversicherungen, Berufsunfähigkeitsversicherungen, in der privaten Krankenvoll- oder Krankenzusatzversicherung sowie bei Pflegezusatzversicherungen fließt der Gesundheitszustand in die Berechnung der Beiträge mit ein. Doch nicht nur das: Die Versicherungsunternehmen wollen das Risiko, in Leistung treten zu müssen, minimieren. So kann es passieren, dass ein Antrag auch abgelehnt wird, wenn der Antragsteller der Versicherung als zu großes Risiko erscheint.

Vor allem bei psychischen Beschwerden, die man bei den Gesundheitsfragen angibt, hagelt es Ablehnungen bei Anträgen für Berufsununfähigkeitsversicherungen. Kein Wunder: Sie sind inzwischen der Hauptgrund geworden, warum Arbeitnehmer frühzeitig aus ihrem Job aussteigen müssen.

Nichts verschweigen bei Gesundheitsfragen ist die Devise

Vorerkrankungen aus Angst vor einer Ablehnung im Antrag zu verschweigen, kann zum Verhängnis werden. Um der Auszahlung zu entgehen, forschen Versicherungen nämlich im Schadensfall mit detektivischem Spürsinn nach, ob ihr Kunde Beschwerden im Antrag unterschlagen hat – fahrlässig oder absichtlich. Und: Es entgeht ihnen nichts. Dritte entbindet man schon im Antrag per Unterschrift von der Schweigepflicht.

Gesundheitsfragen: Jeder Arzt-Besuch zählt

Bei den Gesundheitsfragen im Versicherungsanstrag kommt es auf die genaue Formulierung an, die vorgibt, wie detailliert man antworten muss. Es ist ein Unterschied, ob nur Arztbesuche abgefragt werden oder ob ganz allgemein nach Beschwerden gefragt wird - dann muss man die Gesundheitsfragen wesentlich umfangreicher beantworten und auch Leiden aufführen, wegen derer man gar keinen Behandler aufgesucht hat.

Welche Erkrankungen sind für Versicherungen relevant?

Wird bei den Gesundheitsfragen nach Besuchen bei Ärzten oder Behandlern gefragt, muss man alle Leiden aufzählen, die man dort hat behandeln lassen: Die Bronchitis, die depressive Verstimmung, einen verstauchten Knöchel, ein Erschöpfungssyndrom und Kopfschmerzen gehören genauso in den Antrag wie Besuche beim Psychologen, Masseur oder Physiotherapeuten. Je nach Versicherung muss man drei bis fünf Jahre zurückliegende Beschwerden dokumentieren.

Von Versicherungen, die über einen längeren Zeitraum Nachforschungen anstellen, sollte man Abstand nehmen. Allerdings werden Krankenhausaufenthalte über einen länger zurückliegenden Zeitraum abgefragt.

Versicherungspolicen ohne Gesundheitsfragen sind teuer

Von Versicherungen, die auf Gesundheitsfragen verzichten, ist wenig zu halten. Sie sind nur für diejenigen interessant, die gesundheitliche Probleme haben. Der Versicherer geht mit diesem Kundenstamm ein hohes Risiko ein, in Leistung treten zu müssen und verlangt deshalb wesentlich höhere Beiträge. Gleichzeitig sind solche Verträge meist gespickt mit Ausschlüssen: Das Unternehmen leistet beispielsweise dann nicht bei Schäden, die auf Krankheiten oder Beschwerden der letzten drei Jahre zurückzuführen sind.

Probeanträge stellen

Bei manchen Vorerkrankungen nehmen die Versicherer einen zwar als Kunden an, klammern aber Folgen der Beschwerden aus dem Versicherungsschutz aus. Damit geht der Kunde ein hohes Risiko ein, jahrelang Beiträge zu bezahlen und am Ende keine Leistung zu erhalten. Besser ist es, man handelt einen Vollvertrag aus mit einem Risikozuschlag.

Da Unternehmen den Gesundheitszustand unterschiedlich bewerten, empfiehlt es sich Probeanträge bei verschiedenen Versicherungen zu stellen. Allerdings werden sofort namentlich alle Anträge und auch ihre Ablehnungen in einem zentralen Datenpool gesammelt, auf den alle Unternehmen Zugriff haben. Meist orientieren sich Versicherer an den Entscheidungen, die andere Unternehmen bereits getroffen haben. Die Lösung sind anonyme Voranfragen. Dies ist nur über einen Versicherungsvertreter oder -berater möglich.

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während meines Studiums der Neueren Geschichte in München begann ich als freie Journalistin zu arbeiten, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung. Im Jahr 2000 kam ich zu biallo.de, damals waren Versicherungsthemen für mich Neuland, über Gesundheitspolitik las ich in der Zeitung oder bekam die Auswirkungen als Patientin zu spüren.

Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.

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Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de