Große Koalition? Lieber nicht! Schon wegen der Bürgerversicherung

Kommentar Große Koalition? Lieber nicht! Schon wegen der Bürgerversicherung

Horst Biallo
von Horst Biallo
02.12.2017
Auf einen Blick
  • Die Bürgerversicherung scheint derzeit das Lieblingskind der SPD-Genossen zu sein. Doch sollte die Einheitskasse kommen, gibt es einen Leidtragenden - den Patienten.
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Weil Angela Merkel keinen Mut hat, eine Minderheitsregierung zu bilden, werden die Forderungen der SPD-Genossen immer dreister. Und sie hoffen darauf, auch Dinge durchsetzen zu können, die zwar zu ihrer Ideologie passen, ansonsten aber echter Schwachsinn sind. Der größte davon: die Bürgerversicherung.

Die private Krankenversicherung wird abgeschafft. Alle Leute, auch Beamte und Selbstständige, zahlen in eine große Einheitskasse ein. Das soll angeblich der Gerechtigkeit dienen. Sieht man sich jedoch in den Ländern um, in denen es bereits eine Einheitskasse gibt, sollte man gewarnt sein:

  • In der Schweiz beispielsweise gibt es hohe Zuzahlungen und Selbstbehalte. Den Zahnarzt zahlt man privat.

  • In Spanien wartet man viele Monate, wenn eine Operation nötig ist.

  • In den Niederlanden haben Erwachsene weder Zahnmedizin noch Physiotherapie.

  • In England sind derzeit rund fünf Millionen Patienten auf Wartelisten und bekommen einen Arzttermin erst nach Monaten.

Wer eine Einheitskasse will, schafft den Wettbewerb zwischen den privaten und gesetzlichen Krankenkassen ab. Das kann fatale Folgen haben. Weil die privaten Krankenkassen neue medizinische Verfahren viel schneller anerkennen und bezahlen, beschleunigt das den medizinischen Fortschritt und treibt die gesetzlichen Kassen an, diese Verfahren auch zu erstatten. Ohne die Privaten? Pustekuchen.

Schließlich werden die unterschiedlich langen Wartezeiten aufgeführt, mit denen Privat-Patienten schneller einen Termin beim Facharzt bekommen als die gesetzlich Versicherten. Das mag in Einzelfällen immer noch so sein, aber dafür ein ganzes bewährtes System über den Haufen zu werfen?

Zudem gibt es bei der Kassenärztlichen Vereinigung seit dem vorigen Jahr Terminservice-Stellen, die in dringenden Fällen Termine beim Facharzt innerhalb von vier Wochen vermittelt. Was man nur braucht, ist eine Überweisung vom Hausarzt oder einem anderen Facharzt.

Und wenn jede sechste Arztpraxis schließen muss, weil die Einnahmen von den privaten Kassen fehlen, dürften die Wartezeiten noch viel länger werden. Ist das gewollt?

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Herausgeber und Gründer biallo.de
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Jahrgang 1954, studierte Wirtschaft und absolvierte eine Ausbildung zum Wirtschaftsjournalisten bei der Tageszeitung Die Welt. Später machte er sich selbstständig, schrieb für Wirtschaftswoche, Stern und zahlreiche Tageszeitungen. Er ist Autor mehrerer Fachbücher, u.a. "Die geheimen deutschen Weltmeister" und "Die Doktormacher". Im Jahr 1999 gründete er das Verbraucherportal www.biallo.de, vier Jahre später www.geldsparen.de und 2009 www.biallo.at. Horst Biallo ist verheiratet und hat drei Kinder.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de