PKV: Letzter Ausweg Tarifwechsel

Gesundheit PKV: Letzter Ausweg Tarifwechsel

Annette Jäger
von Annette Jäger
08.02.2018
Auf einen Blick
  • Seit Jahresbeginn sind die PKV-Beiträge zum Teil im zweistelligen Prozentbereich gestiegen. Bestandskunden sind betroffen, aber auch im Neugeschäft gibt es drastische Erhöhungen.

  • Ein Tarifwechsel ist eine wirksame Methode, aus der Kostenspirale zu gelangen.

  • Langjährig Versicherte können mit einem Wechsel in den Standardtarif viel Geld sparen.
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An Beitragserhöhungen sind Privatversicherte gewöhnt. Jedes Jahr geht die Prämie nach oben. Manche Tarife sind jedes Jahr betroffen, andere hingegen erweisen sich über Jahre hinweg als relativ stabil. Doch dieses Jahre ist es drastisch: Versicherte müssen Steigerungen von zum Teil 20 Prozent hinnehmen. Im Einzelfall sind das 100 Euro mehr im Monat, hat Thorsten Rudnik, Versicherungsexperte bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein, erfahren.

Auffällig ist, dass diesmal auch das Neugeschäft stark betroffen ist. Seit Jahresbeginn sind die Beiträge für neu abgeschlossene Verträge laut BAP-Guide – einem Beitragsinformationssystem für private Krankenversicherungen - zum Teil um rund vier bis über zehn Prozent gestiegen. Betroffen ist die ganze Branche, von Allianz (6,5 Prozent), über R+V (1,6 Prozent), Signal Iduna (4,44 Prozent) und Barmenia (7,08 Prozent), bis hin zu Axa (11,77 Prozent) und LKH (7,27 Prozent). Selbst die Alte Oldenburger (3,88 Prozent) ist betroffen, die in den vergangenen Jahren einen guten Ruf genossen hat, moderate Anpassungen vorgenommen zu haben, sagt Rudnik.

"Die Unternehmen müssen erhöhen, das ist keine Willkür", erklärt Rudnik. Die Tarife müssen sich selbst finanzieren. Steigende Kosten im Gesundheitssektor treiben die Ausgaben nach oben. Hinzu kommt das Niedrigzinsniveau: Auch private Krankenversicherer legen Teile der Beiträge als Alterungsrückstellung am Kapitalmarkt an. Die Rendite fällt dabei aber mager aus. Viele Banken verlangen sogar Negativzinsen für Einlagen von institutionellen Anlegern. Das ist auch ein Grund für steigende Beiträge.

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Tarifwechsel bei Beitragserhöhung

Was können Versicherte tun? Ein Tarifwechsel ist die einzige Chance, aus der Kostenspirale zu gelangen. Laut Gesetz müssen die Unternehmen Kunden ab 60 Jahren explizit auf diese Möglichkeit eines Tarifwechsels hinweisen. Manche Unternehmen haben sich dazu verpflichtet, dies schon ab 55 Jahren zu tun.

Ein Tarifwechsel ist gerade für ältere Versicherte überlegenswert, die schon sehr lange in einem Tarif sind. Hier altert der Gesamtkundenbestand beständig, der Tarif wird immer teurer, denn die neuen jungen und gesunden Einsteiger wandern in neuaufgelegte Tarife. Die Versicherer werben bei den Altkunden auch nicht mit den neuen, günstigeren und manchmal sogar leistungsstärkeren Tarifen. Versicherte müssen gezielt danach fragen.

Wichtig ist, dass der Tarifwechsel nur innerhalb des Unternehmens erfolgt. Sonst geht fast die gesamte, bis dahin angesparte Alterungsrückstellung verloren, die eigentlich dafür sorgen soll, dass die Beiträge im Alter nicht davongaloppieren. Nur junge und gesunde Versicherte, die erst seit sehr kurzer Zeit in der privaten Krankenversicherung und darüber hinaus noch kerngesund sind, können ohne große Verluste einen Unternehmenswechsel in Erwägung ziehen.

Tarifwechsel ohne Gesundheitsprüfung

Ein Wechsel in einen vergleichbaren Tarif funktioniert ohne erneute Gesundheitsprüfung. Aber aufgepasst: Bietet der neue Tarif mehr Leistungen als der alte, kommen für die Mehrleistungen Gesundheitsfragen auf Sie als Versicherter zu und in der Folge natürlich auch eventuelle Risikozuschläge oder Ausschlüsse in diesem Bereich. Einsteiger- oder Hausarzttarife sind grundsätzlich deutlich günstiger.

Die Alternative: Standardtarif der privaten Krankenversicherung

Sind Sie älter als 55 Jahre? Dann haben Sie unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit, in einen günstigen Standardtarif zu wechseln, der medizinische Versorgung auf dem Niveau der gesetzlichen Krankenversicherung bietet.

Wenn Sie schon lange in der privaten Krankenversicherung sind, können Sie hier viel Geld sparen, im Durchschnitt fallen für die Standardtarife 400 bis 450 Euro an. Manchmal sogar noch viel weniger, denn die gesamte bisher angesparte Alterungsrückstellung im alten Tarif wird angerechnet. So könne es passieren, dass ein Versicherter, der bereits 40 Jahre lang privatversichert ist, nur noch 60 Euro im Monat bezahlt, sagt Verbraucherschützer Rudnik. Bisher zahlte der Versicherte 500 Euro plus eine Selbstbeteiligung.

Biallo-Tipp

"Bestandskunden, die noch in einem alten Bisextarif versichert sind, sollten auch wieder in einen Bisextarif wechseln", rät Rudnik. Sonst verlieren sie die Möglichkeit, zu einem späteren Zeitpunkt nochmal in den Standardtarif zu wechseln. Dann steht ihnen nur der Basistarif offen, der deutlich teurer ist.

Ein Tarifwechsel ist natürlich kein Garant dafür, dass die Beiträge nicht auch im neuen Tarif in den nächsten Jahren steigen. Aber bis es so weit ist, kann der Versicherte von der aktuellen Kostenersparnis profitieren. Vielleicht steht in ein paar Jahren dann einfach ein weiterer Tarifwechsel an.

Mit Selbstbehalt gegen Beitragserhöhung

Eine Alternative, eine Beitragssteigerung abzumildern, sind kleine Änderungen am bestehenden Tarif vorzunehmen. So können Versicherte eine Erhöhung des Selbstbehalts in Erwägung ziehen. Für Selbständige ist das möglicherweise eine gute Alternative. Der Selbstbehalt sollte aber nur so hoch sein, dass er sie nicht davon abhält, zum Arzt zu gehen. Sind Sie Arbeitnehmer, sollten Sie diese Sparvariante mit Vorsicht genießen, denn der Arbeitgeber beteiligt sich zwar am Monatsbeitrag zur privaten Krankenversicherung, aber in der Regel nicht am Selbstbehalt.

Möglicherweise können Sie auch auf das Einbettzimmer und die Chefarztbehandlung bei einem Krankenhausaufenthalt verzichten oder auf das Krankenhaustagegeld. Mehr Streichungen sollten Sie nicht vornehmen, sonst gefährden Sie Ihren umfassenden Schutz im Krankheitsfall.

Keine Garantie für stabile Anbieter

Für Kunden, die heute einen neuen Vertrag abschließen wollen, ist die Kernfrage, welcher Anbieter der stabilste auf dem Markt ist. Die Antwort ernüchtert: "Es lässt sich keine verlässliche Prognose abgeben, wie sich ein Unternehmen über Jahrzehnte entwickelt", sagt Rudnik. Es genügt ein Wechsel im Vorstand, der eine neue Geschäftspolitik nach sich zieht, und alle Voraussagen sind dahin.

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während meines Studiums der Neueren Geschichte in München begann ich als freie Journalistin zu arbeiten, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung. Im Jahr 2000 kam ich zu biallo.de, damals waren Versicherungsthemen für mich Neuland, über Gesundheitspolitik las ich in der Zeitung oder bekam die Auswirkungen als Patientin zu spüren.

Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de