Serie Teil 2: Versicherungen für Selbstständige Private Absicherung von Selbstständigen

Thomas Brummer
von Thomas Brummer
13.01.2016
Auf einen Blick

Wie jeder Bürger benötigt auch ein Selbstständiger als Privatperson die richtigen Versicherungen. Hier finden Sie eine Leitschnur:

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Kranken- und Pflegeversicherung

Die Krankenversicherung ist für Unternehmer verpflichtend. Kein Wunder, für sie bedeutet Krankheit nicht nur Genesungskosten, sondern auch Verdienstausfall. Hier springt die Krankenta-gegeldversicherung ein. Dazu später mehr.

Wer seinen bisherigen Job aufgibt und sich selbstständig macht, dem stehen grundsätzlich zwei Wege offen. Möglichkeit eins: Der frischgebackene Unternehmer bleibt als freiwilliges Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Die Beitragssätze erfragen Sie am besten bei Ihrer Krankenkasse. Die zweite Option, die Selbstständige wählen können, ist der Wechsel zur privaten Krankenversicherung.

Hier gibt es aber einen nicht unwesentlichen Pferdefuß. Einmal gewechselt, kommen Unternehmer nicht mehr ohne weiteres aus der privaten Krankenversicherung heraus. Der einzige Weg zurück in die gesetzliche Krankenkasse ist, die Selbstständigkeit aufgeben – und das vor Erreichen der Altersgrenze von 55 Jahren. Bei allen Vorzügen der privaten Krankenversicherung, ein weiterer Haken sind die Kosten. So zeigt ein Blick in die Vergangenheit, dass jährliche Beitragssteigerungen von vier, fünf oder mehr Prozent keine Seltenheit sind. Das ist ein Vielfaches der Inflationsrate des gerade abgelaufenen Jahres 2015. Bei einer durchschnittlichen jährlichen Beitragserhöhung zur PKV von 3,5 Prozent – was sogar noch konservativ angesetzt ist – sind die Beiträge in 30 Jahren fast dreimal so hoch.

Tipp: Überlegen Sie sich also gut, ob Sie diesen Schritt gehen möchten. Gesetzlich Versicherte können sich mit Zusatzversicherungen auch die Annehmlichkeiten eines Privatversicherten sichern.

Auch die Pflegeversicherung ist gesetzlich vorgeschrieben und ist damit eine Muss-Versicherung. Die Police kommt im Alter, nach schwerer Krankheit oder nach einem Unfall für materielle Folgen der Pflegebedürftigkeit auf. Gesetzlich Krankenversicherte sind automatisch auch Mitglied der gesetzlichen Krankenversicherung. Wer dagegen privat krankenversichert ist, muss sich bei der Pflegeversicherung ebenfalls privat versichern.

Krankentagegeldversicherung

Gerade bei kleinen Betrieben gilt: Fällt der Unternehmer krankheitsbedingt aus, verdient er kein Geld mehr. Er bekommt nicht, wie ein Angestellter, sechs Wochen weiterhin sein Gehalt. „Für den Ausgleich der Einkommenseinbußen besteht die Möglichkeit, entsprechende Kranken-Tagegeld-Versicherungen abzuschließen. Es gibt jedoch erhebliche Preisunterschiede zwischen den Angeboten“, sagt Karin Jans vom Bund versicherter Unternehmer (BvU). Die Expertin rät Selbstständigen außerdem, eine Karenzzeit von zwei, drei oder mehr Wochen zu vereinbaren. Das heißt, Betroffene erhalten erst nach dieser Frist Leistungen. Vorteil: Die Beiträge sinken spürbar. Sollten Sie jedoch eine Krankengeld-Versicherung über die gesetzliche Krankenkasse abschließen, gibt es erst ab der siebten Woche Leistungen, heißt es bei der IHK Berlin.

Tipp: Nicht jeder braucht diese Versicherung. Viele Betriebe laufen sicher auch ohne den Chef weiter. Es ist also eine Kann-Versicherung, nicht für jeden ein Muss.

Berufsunfähigkeits- und Risikolebensversicherung

Sollte die Erkrankung dauerhaft bleiben, steht der Gründer, aber auch ein etablierter Selbstständiger, vor einem finanziellen Scherbenhaufen. Wer sich vor diesem Szenario wirksam schützen möchte, schließt besser eine Berufsunfähigkeitsversicherung ab. Damit ist für ein auskömmliches Leben gesorgt. In einem weiteren Szenario ist auch der Tod des Selbstständigen denkbar. Um wenigstens finanzielle Engpässe der Hinterbliebenen zu vermeiden, ist eine Risikolebensversicherung ratsam.

Tipp: Gerade bei Selbstständigen mit minderjährigen Kindern ist eine Risikolebensversicherung attraktiv. Außerdem gehört die Police dazu, wenn das Eigenheim noch nicht abbezahlt ist. Hier bieten sich insbesondere solche Versicherungen an, deren mögliche Schadensfallleistung mit zunehmender Kredittilgung abnimmt. Folge: Die monatlichen Beiträge sinken.

Rentenversicherung

Die Rentenversicherung ist für Selbstständige grundsätzlich rechtlich gesehen eine typische Kann-Versicherung. Die Altersvorsorge liegt in den Händen des Unternehmers.

Gesetzliche Rentenversicherung: Als Selbstständiger können Sie in der gesetzlichen deutschen Rentenversicherung bleiben. „In einigen Sparten gibt es sogar eine Versicherungspflicht, etwa bei den Handwerkern“, so Jans. Wer sich mit dem Gedanken trägt, sich selbstständig zu machen, sollte das vorab in einer Beratungsstelle der Rentenversicherung klären.

Private Rentenversicherung: Anstelle der gesetzlichen Rentenversicherung ist auch eine private möglich. Die private Rentenvorsorge können Unternehmer auch zusätzlichen zur gesetzlichen betreiben. Hier sind auch Zusatzbausteine wie Berufsunfähigkeit möglich.

Tipp: Lassen Sie sich von einem unabhängigen Experten beraten, ob und in welcher Konstellation die private Rentenversicherung für Sie sinnvoll ist. Dieses Geld ist bestimmt gut angelegt.

Übrigens: Die Zeitschrift „Finanztest“ hat in der Ausgabe vom Januar 2014 diese drei Modelle gegenüber gestellt: gesetzliche und private Ren-tenversicherung sowie die Rürup-Rente. Es wurden zwei selbstständige Modellsparer herangezogen. Der eine spart 300 Euro, der andere 600 Euro im Monat. Die Einzahlungen laufen 30 Jahre. Das Ergebnis: Patz eins geht an die gesetzliche Rentenversicherung, dahinter folgen Rürup-Rente und schließlich die private. Bei der gesetzlichen Rentenversicherung sowie der Rürup-Rente wirkt sich positiv aus, dass hier die Beiträge steuerlich abgesetzt werden können, heißt es bei der Deutschen Rentenversicherung Oldenburg-Bremen zur Begründung. Negativ wirkt sich bei der priva-ten Rentenversicherung auch das anhaltend niedrige Zinsniveau aus.

Arbeitslosenversicherung

„Innerhalb von drei Monaten ab Beginn der Selbstständigkeit können Gründer freiwillig in die Arbeitslosenversicherung eintreten, was vorteilhaft sein kann“, sagt Karsten Schmidt, Steuerexperte des Deutschen Steuerberaterverbands, der im vierten Teil dieser Serie noch auf die steuerlichen Absetzmöglichkeiten von Versicherungen für Selbstständige eingeht.

Vergleich Haftpflichtversicherung

  Anbieter Tarif Beitrag  
1 Premium-2016-Single-5Mio 40,62 Euro weiter
2 BlueLine-Tip-5Mio-Single 42,01 Euro weiter
3 Tarif TOP-VIT Single 42,48 Euro weiter
4 NV-PrivatSpar-5.0-Single-5Mio 44,03 Euro weiter
5 BestSelection-2015-Single-10Mio 44,56 Euro weiter
Hier Ihren persönlichen Tarif Haftpflichtversicherung berechnen

Privathaftpflicht

Auf die Frage, welche Versicherungen Selbstständige privat unbedingt brauchen, zögert BvU-Expertin Karin Jans nicht lang: „Die Privathaftpflichtversicherung ist für jeden ein Muss.“ Denn Versicherungen sind gerade nach dem Kriterium auszuwählen, ob Sie existenzbedrohende Gefahren absichern. Das ist insbesondere bei der Haftpflichtversicherung der Fall. Einen Moment der Unachtsamkeit und schon können Schäden in unkalkulierbarer Höhe entstehen. Wer noch keine Haftpflichtpolice hat, sollte sich also schleunigst um einen Versicherungsschutz bemühen. Wer schon seit Jahren eine Haftpflichtversicherung hat, sollte diese überprüfen. Denn bei älteren Verträgen ist häufig die Deckungssumme nicht mehr auf dem aktuellen Stand. Fünf bis zehn Millionen Euro sollten mindestens abgedeckt sein.

Ein Beispiel: ein 30-jähriger angehender Unternehmer ist noch nicht verheiratet und hat keine Kinder. Der Vergleichsrechner spuckt für diesen Fall einige Anbieter aus, die rund 40 Euro im Jahr verlangen. Diese Gesellschaften gewährleisten die empfohlene Deckungssumme und garantieren oben-drein Ausfalldeckung.

Tipp: Mit Selbstbeteiligung wird es noch günstiger.
 

Der nächste Teil unserer Serie "Versicherungen für Selbstständige" befasst sich mit der betrieblichen Seite.

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Berechnungsgrundlage / Modellfall: 
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Thomas Brummer
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Jahrgang 1985, schloss eine kaufmännische Ausbildung ab. Anschließend studierte er Betriebswirtschaftslehre an der Universität Augsburg und war währenddessen als Werkstudent bei LV 1871 und Wealthcap (Fondsgesellschaft von Unicredit) tätig. Nach Beendigung des Studiums schrieb er für das Anlegermagazin „Der Aktionär“. Im Anschluss absolvierte er eine Hospitanz in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf.

Seit Januar 2014 ist er bei biallo.de und verfasst dort überwiegend Artikel zu Geldanlagethemen. Daneben publiziert er regelmäßig in Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier.

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Jahrgang 1985, schloss eine kaufmännische Ausbildung ab. Anschließend studierte er Betriebswirtschaftslehre an der Universität Augsburg und war währenddessen als Werkstudent bei LV 1871 und Wealthcap (Fondsgesellschaft von Unicredit) tätig. Nach Beendigung des Studiums schrieb er für das Anlegermagazin „Der Aktionär“. Im Anschluss absolvierte er eine Hospitanz in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf.

Seit Januar 2014 ist er bei biallo.de und verfasst dort überwiegend Artikel zu Geldanlagethemen. Daneben publiziert er regelmäßig in Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de