Verbraucherschutz: Versicherer am Pranger

Private Krankenversicherung Verbraucherschutz: Versicherer am Pranger

Sebastian Schick
von Sebastian Schick
01.02.2017
Auf einen Blick
  • Privat Krankenversicherte beschweren sich bei den Verbraucherzentralen zunehmend über Probleme beim Tarifwechsel.

  • Laut Gesetz steht jedem Versicherten ein Tarifwechsel zu. Allerdings gibt es beim Wechsel in einen höheren Versicherungsschutz unterschiedliche Interpretationen der Gesetzeslage.

  • Die erneute Risikoprüfung seitens der Versicherer schreckt viele Verbraucher davon ab, ihren Tarif zu wechseln.

 

 

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Viele private Krankenversicherungen haben in den vergangenen Wochen kräftig die Beiträge erhöht. Das hat die betroffenen Versicherungsnehmer dazu veranlasst, bei ihrer Versicherungsgesellschaft einen Antrag auf Tarifwechsel zu stellen. Dabei treten jedoch häufig Probleme auf, berichtet das für Versicherungen zuständige Marktwächter-Team der Verbraucherzentrale Hamburg. Wie aus zahlreichen Beschwerden von Versicherungsnehmern hervorgehe, verweigern immer mehr Anbieter den Tarifwechsel.

"Wir haben sehr vielfältige Fälle", berichtet Sandra Klug, Leiterin des Marktwächter-Teams in Hamburg. So ziehe sich die Angebotserstellung oft unnötig in die Länge oder der Tarifwechsel werde abgelehnt mit dem Hinweis auf den bekannten Gesundheitszustand, der eine Höherversicherung nicht zulasse. "Dabei hat der Versicherte das Recht, auf Verbesserungen im neuen Tarif gegenüber dem alten Tarif durch einen sogenannten Leistungsausschluss zu verzichten", erklärt Klug.

Tarifwechsel gesetzlich geregelt

Eigentlich steht Versicherungsnehmern einer privaten Krankenversicherung laut Paragraf 204 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) das Recht auf Tarifwechsel zu – und zwar jederzeit, unabhängig von einer Tariferhöhung. Dabei werden die aus dem Vertrag erworbenen Rechte und die Altersrückstellung angerechnet. Außerdem haben Versicherte Anspruch, mit ihrem ursprünglichen Gesundheitszustand eingestuft zu werden – vorausgesetzt, der neue Tarif enthält keine Mehrleistungen.

Unterschiedliche Interpretationen gibt es bei einem Wechsel in einen Tarif mit höherem Versicherungsschutz. Laut VVG "kann der Versicherer für die Mehrleistung einen Leistungsausschluss oder einen angemessenen Risikozuschlag und insoweit auch eine Wartezeit verlangen". Von einer erneuten Risikoprüfung ist im Gesetzestext nicht explizit die Rede. Anders in den Leitlinien des Verbandes der Privaten Krankenversicherung: Hier wurde die entsprechende Gesetzestextpassage um den Einschub "auf der Grundlage einer Risikoprüfung" erweitert.

Erneute Gesundheitsprüfung als Abschreckung?

"Der Versicherte muss im Rahmen der Risikoprüfung bei Mehrleistungen entsprechende Gesundheitsfragen des Unternehmens wahrheitsgemäß beantworten und sollte sich dafür ausreichend Zeit nehmen", heißt es weiter in den Leitlinien des Branchenverbandes. "Auch eine Verringerung des Selbstbehaltes stellt eine Mehrleistung dar, für die eine Gesundheitsprüfung verlangt werden kann." Genau diese erneute Gesundheitsprüfung schrecke dann aber viele Verbraucher davon ab, den Tarifwechsel weiterzuverfolgen, kritisieren die Verbraucherschützer.

Appell an betroffene Verbraucher

Aufgrund der zahlreichen Verbraucherbeschwerden nimmt das Marktwächter-Team der Verbraucherzentrale Hamburg die privaten Krankenversicherer ins Visier. Die Verbraucherschützer prüfen, wie die Versicherer beim Tarifwechsel vorgehen. Untersucht wird zum Beispiel, wie schnell die Anbieter antworten, ob auf die Wünsche der Versicherten eingegangen wird oder ob diese sogar abgewimmelt oder falsch informiert werden. "Um ein umfassendes Bild zu erhalten, bitten wir privat krankenversicherte Verbraucher, uns ihre Erfahrungen zu schildern und ihre Korrespondenz zum Tarifwechsel zukommen zu lassen, damit wir diese in einer Untersuchung auswerten können", appelliert Verbraucherschützerin Klug an die Versicherungsnehmer.  

Verbraucher können sich wie folgt an der Untersuchung beteiligen: 

  • Betroffene senden ihre Korrespondenz von der ersten Anfrage oder dem Schreiben zur Beitragserhöhung bis zum erfolgreichen Wechsel oder der Ablehnung.  
  • unter Angabe der Telefonnummer oder E-Mail-Adresse für etwaige Rückfragen eingescannt per E-Mail an: fmw@vzhh.de oder per Fax an: 040/ 24832-2105 oder per Post an: Verbraucherzentrale Hamburg (Marktwächter Finanzen), Kirchenallee 22 in 20099 Hamburg.
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nach seinem Studium für das Lehramt an Gymnasien mit der Fächerkombination Deutsch/Latein/Geschichte in Würzburg und Berlin entschied sich Sebastian Schick für den Journalismus. 2005 absolvierte er die Ausbildung zum Rundfunkjournalisten an der Akademie für Neue Medien in Kulmbach.

Direkt im Anschluss volontierte er beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), wo er sich in seiner zehnjährigen Laufbahn ein umfangreiches Fachwissen zum Thema Geldanlage und Börse aneignete. Zuletzt baute er als Chefredakteur in Kooperation mit dem Kurier Medienhaus den österreichischen TV-Sender DAF Austria mit auf. Bei biallo.de schreibt er als Redakteur über das Thema Kredit und Geldanlage. 

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Direkt im Anschluss volontierte er beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), wo er sich in seiner zehnjährigen Laufbahn ein umfangreiches Fachwissen zum Thema Geldanlage und Börse aneignete. Zuletzt baute er als Chefredakteur in Kooperation mit dem Kurier Medienhaus den österreichischen TV-Sender DAF Austria mit auf. Bei biallo.de schreibt er als Redakteur über das Thema Kredit und Geldanlage. 

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de