Betrieblich vorsorgen lohnt sich künftig mehr

Betriebsrente 2018 Betrieblich vorsorgen lohnt sich künftig mehr

Rolf Winkel
von Rolf Winkel
27.11.2017
Auf einen Blick
  • Die Reformen in den frühen 2000er Jahren im Bereich der gesetzlichen Rentenversicherung machen Zusatzvorsorge nötig.

  • Die Politik setzt verstärkt auf die Betriebsrente, welche ab 2018 attraktiver wird.
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Reisen, die eigenen Hobbies verstärkt pflegen, die Enkel beschenken – so oder so ähnlich stellen sich die meisten Menschen in Deutschland ihren Ruhestand vor. Ein Blick auf das Einkommen zukünftiger Senioren zeigt jedoch, dass sich solche Wünsche vielfach nicht erfüllen lassen werden. Dass die Altersarmut künftig zunehmen wird, ist unstrittig – jedenfalls dann, wenn nicht individuell dagegen gesteuert wird. Die Politik setzt dabei insbesondere auf die Betriebsrente. Mehrere Gesetzesänderungen machen die betriebliche Altersvorsorge ab 2018 attraktiver.

1. Hintergrund: Die Demontage der gesetzlichen Rentenversicherung macht Zusatzvorsorge zwingend nötig

Die Reformen im Bereich der gesetzlichen Rente Anfang der 2000er Jahre waren einschneidend. Die Altersgrenzen wurden angehoben und der Umfang der Leistungen gekürzt. Zeiten ohne Beiträge werden seitdem kaum noch bewertet und das Sicherungsniveau der gesetzlichen Rentenversicherung wird beständig gesenkt. Ziel der Reformen war, den Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung zu mindern – und so insbesondere die Arbeitgeber zu entlasten.

All dies bedeutet nicht, dass die Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung gemessen an den eingezahlten Beiträgen schlecht wären. Im Gegenteil: Was den Ertrag der gesetzlichen Rentenversicherung angeht, schlägt diese die herkömmlichen privaten Konkurrenten – und dazu gehören auch die Betriebsrenten – in diesen Zeiten eines niedrigen Zinsniveaus deutlich. Nur: Die Leistungen reichen nicht. Wer beispielsweise derzeit monatlich etwa 2.000 Euro brutto verdient – das sind knapp zwei Drittel des Einkommens aller gesetzlich Rentenversicherten – und lebenslang etwa auf diesem Niveau verdient und entsprechende Rentenbeiträge zahlt, wird im Alter kaum mehr erhalten als ihm ohnehin als Sozialhilfe zusteht.

Tipp: Wer im Alter nicht knapsen will, hat gar keine andere Wahl: Sie oder er muss zusätzlich vorsorgen. Die schlechteste Entscheidung wäre der Verzicht auf weitere Vorsorge.

Um mehr Arbeitnehmer zur Altersvorsorge zu bewegen, hat der Gesetzgeber am Ende der letzten Legislaturperiode das Betriebsrentenstärkungsgesetz verabschiedet, das in weiten Teilen zum 1. Januar 2018 in Kraft tritt. In diesem Gesetzespaket ist auch eine wichtige Änderung bei der Grundsicherung im Alter vorgenommen worden: Für Personen mit niedrigem Einkommen lohnt sich eine freiwillige private oder betriebliche, aber auch eine freiwillige gesetzliche Zusatzvorsorge nun weit mehr als bisher: Wer eine niedrige gesetzliche Rente erhält und deshalb im Alter zusätzlich auf die staatliche Grundsicherung angewiesen ist, darf bis maximal 208 Euro von seiner freiwilligen Zusatzvorsorge zusätzlich zu Rente und Grundsicherung behalten.

Tipp: Mehr dazu können Sie in unserem Thema der Woche "Grundsicherung lohnt sich nun auch für Geringverdiener" nachlesen.

Das Betriebsrentenstärkungsgesetz wurde auf den Weg gebracht, weil – anders als der Gesetzgeber sich das vorgestellt hatte – der Leistungsabbau bei der gesetzlichen Rentenversicherung bislang nicht durch zusätzliche Vorsorge kompensiert wurde. Derzeit sorgen nur etwa 57 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten betrieblich zusätzlich fürs Alter vor. Bezieht man zusätzlich noch die Riester-Rente mit ein, so haben nur knapp 70 Prozent der Beschäftigten Anspruch auf eine zusätzliche kapitalgedeckte Vorsorge. Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen vom 24.4.2017 (Drucksache 18/12044) hervor. Unter den Beschäftigten mit einem Monatseinkommen von weniger als 1.500 Euro haben sogar nur 47 Prozent eine zusätzliche private oder betriebliche Vorsorge. Und in Betrieben mit weniger als zehn Beschäftigten verfügen nur etwa 28 Prozent aller Mitarbeiter über eine betriebliche Rentenanwartschaft. Das soll sich nun durch die Neuregelungen des Betriebsrentenstärkungsgesetzes ändern. Unser Überblick über einige zentrale Änderungen:

2. Verbesserte Regelungen bei der Entgeltumwandlung

2a. Das Konzept

Wenn der Arbeitgeber keine andere Vorsorgeform anbietet, haben Arbeitnehmer Anspruch darauf, dass der Betrieb für sie Teile ihres Bruttolohns in eine sogenannte Direktversicherung einzahlt. Die Entgeltumwandlung läuft dabei in der Regel so: Ein Unternehmen schließt zugunsten eines bei ihm beschäftigten Arbeitnehmers eine private Rentenversicherung oder Kapitallebensversicherung ab. Dann ist das Unternehmen "Versicherungsnehmer" – bezugsberechtigt für die spätere Rente ist aber der Arbeitnehmer.

Möglich ist auch, dass ein Unternehmen in eine bereits bestehende Versicherung eines Beschäftigten als Versicherungsnehmer eintritt (Versicherungsnehmerwechsel). Die fälligen Beiträge werden jeweils direkt vom Bruttolohn abgezogen. Das heißt: Teile des Lohns werden in Vorsorge umgewandelt und vom Arbeitgeber an das ausgewählte Versicherungsunternehmen überwiesen. Das Verfahren nennt sich denn auch Bruttoentgeltumwandlung (im Gegensatz zur "Nettoentgeltumwandlung, die bei Riester-Verträgen möglich ist, siehe unten). Dadurch sinkt der Bruttolohn der begünstigten Beschäftigten. Bei einem monatlichen Beitrag von 200 Euro sinkt der Bruttolohn dann beispielsweise von 3.000 Euro auf 2.800 Euro.

Attraktiv ist dies, weil die effektive monatliche Belastung des Arbeitnehmers deutlich geringer ausfällt, da die Einzahlungen jedenfalls in einem gewissen Rahmen steuer- und sozialabgabenfrei sind (siehe 2b). Im Beispielfall würde der Nettolohn des Betroffenen trotz einer monatlichen Einzahlung von 200 Euro in den Altersvorsorgevertrag nur um etwa 100 Euro sinken.

Auf den ersten Blick – und der fällt ja auf die Gehaltsabrechnung – ist das verlockend. Doch zum einen sollte man berücksichtigen, dass die Sozialversicherungsbeiträge ja zum großen Teil nicht gespart sind, sondern nur aufs Alter verschoben werden. Weil die Einzahlungen für die Betriebsrente sozialversicherungsfrei sind, werden später bei der Rente die vollen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung fällig.

Künftig wird man damit rechnen müssen, dass bei gesetzlich Versicherten rund ein Fünftel der Betriebsrente an die Kranken- und Pflegekasse abgeführt werden müssen. Und dann muss man noch berücksichtigen, was man sich durch die Einsparung von Sozialversicherungsbeiträgen "einkauft". Den Sozialversicherungsbeiträgen entsprechen ja schließlich auch Leistungen. Das wirkt sich unter anderem beim Krankengeld, beim Arbeitslosengeld und bei der späteren Rente aus. Alle diese Leistungen fallen niedriger aus, wenn weniger in die Sozialkassen eingezahlt wird.

Und nicht zu vergessen: Auch beim Elterngeld hat man das Nachsehen. Die Berechnung des Elterngelds geht vom zu versteuernden Bruttoeinkommen vor der Geburt aus. Wenn dieses sinkt, fällt auch das spätere Elterngeld niedriger aus. Von der Entgeltumwandlung profitiert so auch der Staat durch niedrigere Elterngeld-Ausgaben.

Es profitiert zudem in jedem Fall auch der Arbeitgeber. Denn auch er spart seinen Anteil an den Sozialversicherungsbeiträgen. Für Arbeitnehmer rechnet sich das Ganze jedoch nur dann, wenn der Chef zumindest das, was er einspart, als Zuschuss in die Altersvorsorge einzahlt. Das konnte er bisher tun – musste er aber nicht.

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2b. Die Neuregelungen bei der Entgeltumwandlung

Arbeitgeberzuschuss: Künftig ist der Arbeitgeber verpflichtet, auf die in Altersvorsorge umgewandelten Entgeltteile mindestens einen Zuschuss von 15 Prozent zu zahlen. Soweit es darüber für die jeweilige Branche zwischen Arbeitgeberverband und Gewerkschaft 2018 bereits eine Vereinbarung gibt, gilt dies bereits ab 2018, ansonsten für Neuverträge erst ab 2019 und für bereits heute bestehende Verträge sogar erst ab 2022.

Ein Zuschuss des Arbeitgebers von 15 Prozent wird übrigens im Gesetz nur als Untergröße genannt. Auf Lohnbestandteile, die per Entgeltumwandlung zur Altersvorsorge werden, müsste der Arbeitgeber normalerweise rund 20 Prozent Sozialversicherungsbeiträge zahlen. Gibt er nur einen Zuschuss von 15 Prozent, so investiert er also noch nicht einmal seine volle Einsparung in den Vertrag. In manchen Betrieben werden daher heute schon höhere Zulagen gewährt.

Doch klar ist: Die neue Arbeitgeberverpflichtung macht Altersvorsorgekonzepte, die auf Entgeltumwandlung beruhen, deutlich attraktiver – erst recht, wenn der Arbeitgeber günstige Gruppenverträge aushandeln konnte (was allerdings naturgemäß in Kleinbetrieben schwerer fällt).

Nach wie vor gilt aber: Für manche Gruppen von Arbeitnehmern, etwa für Ungelernte, die mit einem höheren Arbeitslosigkeitsrisiko leben müssen und daher eher auf Arbeitslosengeld angewiesen sind, für jüngere Frauen mit Kinderwunsch, die demnächst gegebenenfalls Elterngeld erhalten, oder für chronisch kranke Arbeitnehmer mit hohem Risiko der Angewiesenheit auf Krankengeld, sind Entgeltumwandlungskonzepte nicht interessant.

Tipp: Gegebenenfalls kann es sich im Hinblick auf anstehende Risiken rentieren, aus Entgeltumwandlungsverträgen auszusteigen oder diese ruhen zu lassen. Das gilt etwa für Frauen, bei denen sich ein Kinderwunsch entwickelt oder wenn ein Betrieb beginnt "zu kriseln".

Höhere Freigrenzen gelten ab 2018 bei der Steuer, aber nicht bei der Sozialversicherung:

Bei der Sozialversicherung gilt derzeit und künftig unverändert: Bis zu vier Prozent der allgemeinen Beitragsbemessungsgrenze (West) bleiben in West- und Ostdeutschland sozialabgabenfrei, wenn sie vom Arbeitgeber direkt in eine betriebliche Altersversorgung eingezahlt werden. Hieran ändert sich 2018 nichts. Lediglich aufgrund der Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze von 6.350 auf 6.500 Euro steigt der sozialversicherungsfreie Betrag auf maximal 260 Euro (von vorher 254 Euro).

Bei der Steuer gilt derzeit (2017): Arbeitnehmer können bis zu vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze in der Rentenversicherung (auch hier gilt die allgemeine Grenze, also der West-Wert) steuerfrei für die Umwandlung von Gehaltsanteilen in Betriebsrentenansprüche aufbringen. Diese Grenze liegt derzeit bei monatlich 6.350 Euro. Liegt kein vor Ende 2004 abgeschlossener Altvertrag in der pauschalversteuerten Direktversicherung vor, erhöht sich die Grenze um weitere 1.800 Euro auf 8.150 Euro. Vier Prozent davon sind 326 Euro. So viel wird 2017 bei einer Bruttoentgeltumwandlung maximal steuerfrei gestellt.

2018 gilt: Die Aufstockung um 1.800 Euro für Beschäftigte ohne Altvertrag (vor 2005) entfällt. Dafür steigt die steuerfreie Grenze auf acht Prozent der Beitragsbemessungsgrenze (West). Diese liegt 2018 bei 6.500 Euro. Acht Prozent davon sind 520 Euro. So viel wird 2018 bei der Bruttoentgeltumwandlung monatlich maximal steuerfrei gestellt.

Tipp: Diese Neuregelung ist hochinteressant für privat Krankenversicherte, deren Einkommen die Beitragsbemessungsgrenze übersteigt. Denn im Alter müssen sie als Privatversicherte keine Sozialversicherungsbeiträge auf die Betriebsrente zahlen und Steuern fallen im Alter ohnehin aufgrund der in aller Regel niedrigeren Einkünfte in weit geringerem Maße an.

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Berechnungsgrundlage / Modellfall: 

3. Steuerbonus für Geringverdiener-Förderung

Wer ein geringes Einkommen hat, sorgt weniger fürs Alter vor. Das soll sich unter anderem durch eine neue Förderung ändern, die gewährt wird, wenn Arbeitgeber Beschäftigten mit einem monatlichen Brutto-Einkommen von weniger als 2.200 Euro Zuschüsse zur Betriebsrente gewähren.

Betriebe, die die Sparpläne von gering verdienenden Arbeitnehmern mit jährlich 240 bis 480 Euro bezuschussen, können hierfür einen Zuschuss in Höhe von 30 Prozent erhalten – also 72 bis 144 Euro. Der Zuschuss kann einfach durch einen Abzug von der Lohnsteuer einbehalten werden.

4. Schluss mit Ungleichbehandlung von privaten und betrieblichen Riester-Renten

Ein Beispiel: Dr. Heinz Ulrich Brinkmann, damals 65 Jahre alt, erhielt im Dezember 2011 den Bescheid über seine Riester-Rente. Von seiner Rente in Höhe von 133,53 Euro wurden ihm monatlich nur 109,90 Euro ausgezahlt. 23,63 Euro gingen monatlich an seine Kranken- und Pflegeversicherung (DAK).

Der Hintergrund: Den Riester-Vertrag hatte der frühere Mitarbeiter der Bundeszentrale für politische Bildung bei der VBL, der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder, abgeschlossen. Die VBL bietet öffentlich Bediensteten eine zusätzliche betriebliche Altersrente an. Und als "Zubrot" dazu gibt es noch "VBLextra" – das Riester-Angebot der VBL. Wenn Beschäftigte – wie früher Brinkmann – einen entsprechenden Vertrag abschließen, führt der öffentliche Arbeitgeber einen Teil des Nettolohns der Betroffenen unmittelbar an die VBL ab, der Nettolohn wird dann in Altersvorsorge umgewandelt ("Nettolohnumwandlung").

Die Leistungen der VBL sind häufig nicht schlecht. Der Haken an der Sache ist allerdings: VBLextra gilt als betriebliche (und nicht als private) Riester-Rente. Und bei Betriebsrenten fallen die vollen Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge an. 2012 gingen bei Brinkmann 17,45 Prozent von der Riester-Rente ab. Bei Kinderlosen waren es noch 0,25 Prozentpunkte mehr. Inzwischen – 2017 – sind es für Brinkmann, der in der DAK versichert ist, sogar 18,9 Prozent. "Hätte ich das vorher gewusst, so hätte ich nicht über die VBL geriestert", ärgerte sich Brinkmann schon 2011.

Die Belastung der betrieblichen Riester-Rentner wurde mit einer Regelung im fünften Sozialgesetzbuch (SGB) begründet. Nach Paragraf 229 SGB V sind "Renten der betrieblichen Altersversorgung einschließlich der Zusatzversorgung im öffentlichen Dienst und der hüttenknappschaftlichen Zusatzversorgung" beitragspflichtige Einnahmen. Die VBL ist jedoch – juristisch gesehen – eine Institution des Betriebsrentenrechts. Riester-Renten, die von solchen Institutionen gezahlt werden, sind deshalb bisher voll beitragspflichtig in der Kranken- und Pflegeversicherung – anders als die weiter verbreiteten privaten Riester-Renten.

Damit ist ab 2018 Schluss. Der Gesetzgeber hat die ungleiche Behandlung privater und betrieblicher Riester-Renten beendet. Das gilt für neue, aber genauso "auch für bestehende Verträge", wie das Bundesministerium für Arbeit und Soziales bestätigt. Die Beiträge, die Brinkmann allerdings in den letzten sechseinhalb Jahren gezahlt hat – immerhin knapp 2.000 Euro – werden ihm nicht erstattet.

Abschluss betrieblicher Verträge attraktiv:

"Eine attraktive Alternative": So nennt der Versicherungskonzern Axa nun die betriebliche Riester-Rente. Der Grund dafür ist klar: Wenn Betriebe gleich für mehrere Mitarbeiter einen Riester-Vertrag abschließen, kann es einen Mengenrabatt geben. Übrigens: Auch wer bereits anderweitig über seinen Arbeitgeber fürs Alter vorsorgt, kann zusätzlich noch einen betrieblichen Riester-Vertrag abschließen. Bei privaten wie betrieblichen Riester-Verträgen gelten die gleichen Fördersätze, die sich ab 2018 verbessern. Die Grundzulage steigt im nächsten Jahr von 154 Euro auf 175 Euro pro Jahr. Die Zulagen für Kinder bleiben gleich: Für jedes Kind, das ab 2008 geboren wurde, erhalten Sparer wie bisher zusätzlich 300 Euro pro Jahr und Kind, für davor geborene Kinder 185 Euro pro Jahr.

Gerade für die oben genannten "Risikogruppen" (chronisch Kranke, Arbeitnehmer mit hohem Arbeitslosigkeitsrisiko und Frauen mit Kinderwunsch) sind betriebliche Riester-Renten gegenüber Betriebsrenten, die per Bruttoentgeltumwandlung finanziert sind, sicherlich die bessere Alternative.

Keine Entwarnung für freiwillig gesetzlich versicherte Rentner

Doch trotz der jüngsten Gesetzesänderung ist für einen (kleinen) Teil der Rentner die Beitragspflicht von betrieblichen Riester-Renten nicht vom Tisch: Nämlich für diejenigen, die im Alter nicht in der Krankenversicherung der Rentner pflichtversichert sind, sondern freiwillig gesetzlich versichert sind. Freiwillig Versicherte Rentner bekommen die gleichen Leistungen wie Pflichtversicherte. Sie müssen jedoch unter Umständen höhere Beiträge zahlen. Für die Beitragsberechnung ist hier nämlich die "gesamte wirtschaftliche Leistungsfähigkeit" – bis zur Beitragsbemessungsgrenze ausschlaggebend. Damit wird die Riester-Rente – egal ob betrieblich oder privat –, die rein steuerlich geförderten Rürup-Renten sowie Bezüge aus anderen privaten Rentenverträgen mit Beiträgen zur Kranken- und Pflegeversicherung belegt. Das gleiche gilt für Einkünfte aus Mieten und Zinsen.

5. Von der Direktzusage zur reinen Beitragszusage

Ursprünglich war die betriebliche Altersversorgung eine Zusage des Arbeitgebers an seine Beschäftigten, ihnen im Alter eine Rente in bestimmter Höhe zu zahlen, finanziert aus seiner Tasche. Die Betriebsrente war üblicherweise eine reine Leistungszusage, also die Zusage, im Alter eine bestimmte Rente zu zahlen.

Klar ist: Dieses Modell war und ist für den Arbeitgeber risikobehaftet, denn im Zweifelsfall muss er zuschießen, wenn – wie derzeit – durch das sinkende Zinsniveau die garantierte Leistung nicht gesichert werden kann. Zudem müssen vorab Rücklagen gebildet werden, um die Risiken abzusichern. Hierdurch wurden gerade kleine und mittlere Unternehmen davon abgehalten, ihren Beschäftigten Angebote zur betrieblichen Altersvorsorge zu machen.

Ab 1. Januar 2018 wird durch das Betriebsrentenstärkungsgesetz zusätzlich zu den bisher bestehenden Varianten der Betriebsrente die Möglichkeit einer reinen Beitragszusage in Form der Zielrente eingeführt. Damit ist das maximal mögliche Ende dieser Entwicklung erreicht. Nun gilt für Arbeitgeber das Prinzip "Pay and forget".

Der Arbeitgeber ist nur noch dazu verpflichtet, den vereinbarten Beitrag an die Versorgungseinrichtung zu zahlen – nicht weniger, aber auch nicht mehr. Die Beschäftigten erhalten damit keinerlei Garantie mehr, wie hoch ihre spätere Leistung einmal ausfallen wird. Mit diesem "Zielrentenmodell" nach dem Vorbild der Niederlande erfüllt der Gesetzgeber eine zentrale Forderung der Wirtschaft. Voraussetzung für dieses Modell ist allerdings, dass die reine Beitragszusage auf Grundlage eines Tarifvertrags erfolgt. Eine garantierte Rentenhöhe gibt es nach diesem sogenannten "Sozialpartnermodell" nicht mehr. Mehr noch: Sie ist sogar verboten. Die Hoffnung des Gesetzgebers war dabei, dass auf diese Weise das Geld der Arbeitnehmer renditestärker (aber auch risikoreicher) angelegt werden kann und mehr Arbeitgeber entsprechende Angebote machen.

6. Neuregelungen zur Unverfallbarkeit

Betriebsrenten waren seit eh und je auch ein Mittel, um Arbeitnehmer an "ihren" Betrieb zu binden. Daher spielt die Frage, nach welcher Beschäftigungsdauer die Rente dem Arbeitnehmer "gehört" (juristisch: wann die Anwartschaft unverfallbar ist), schon immer eine große Rolle.

Ab 2018 werden neue, für Arbeitnehmer günstigere Regelungen zur Unverfallbarkeit arbeitgeberfinanzierter Anwartschaften auf betriebliche Altersversorgung gelten. Betriebsrentenansprüche sind dann bereits nach drei (statt bisher nach fünf) Jahren "unverfallbar" – vorausgesetzt der Arbeitnehmer ist zum Zeitpunkt des Ausscheidens aus dem Betrieb bereits mindestens 21 Jahre alt (die Altersgrenze wird also von 25 Jahren auf 21 Jahre herabgesetzt).

Mit dieser Gesetzesänderung hat die Bundesregierung die sogenannte Mobilitätsrichtlinie der Europäischen Union vom 16. April 2014 in deutsches Recht umgesetzt (Gesetz zur Umsetzung der EU-Mobilitäts-Richtlinie vom 21. Dezember 2015; BGBl I S. 2553). Eine betriebliche Altersversorgung, die per Entgeltumwandlung rein arbeitnehmerfinanziert ist, ist nach wie vor von Beginn an unverfallbar.

Das Gleiche gilt für neue Betriebsrenten mit reinen Beitragszusagen nach dem Sozialpartnermodell (siehe 5.).

Diesen Beitrag stellen wir Ihnen auch als PDF-Dokument bereit. Sie können ihn hier herunterladen: "Betriebsrente 2018: Betrieblich vorsorgen lohnt sich künftig mehr".

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ist unser Spezialist für alles, was mit den Sozialversicherungen und Sozialleistungen  zu tun hat. Er ist gelernter Sozialwissenschafter und schreibt seit 35 Jahren Sozialratgeber, unter anderem die vom DGB-Bundesvorstand herausgegebenen „111 Tipps für Arbeitslose - Arbeitslosengeld I“ und die „111 Tipps zu Arbeitslosengeld II und Sozialgeld“.

Seit 2005 arbeitet er für biallo.de und betreut die Monatszeitschrift "Soziale Sicherheit".

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de