Steuern auf ungeförderte private Rentenversicherungen

Private Renten und Steuern Steuern auf ungeförderte private Rentenversicherungen

Fritz Himmel
von Fritz Himmel
02.08.2018
Auf einen Blick
  • Kapital- oder lieber Rentenauszahlung im Alter? Prüfen Sie rechtzeitig die jeweiligen Bedingungen und Besteuerungen. 
  • Achten Sie bei einer Sofortrente auf die besonderen Steuerregelungen bei einer vorherigen Kapitalentnahme.
Artikelbewertung
Teilen
Schrift

Bei einer privaten Rentenversicherung haben Sie in der Regel bei Vertragsende die Wahl zwischen einer Kapital- oder einer Rentenauszahlung. So können Sie zeitnah entscheiden, ob Sie den Gesamtbetrag wählen, um damit eine Investition zu tätigen oder doch lieber einen regelmäßigen Geldzufluss möchten.

Bevorzugen Sie die Kapitalauszahlung, so ist der erzielte Gewinn nur zur Hälfte steuerpflichtig. Voraussetzung für Verträge nach 2005: "Der Vertrag ist wenigstens zwölf Jahre lang gelaufen und Sie sind mindestens 62 Jahre alt", sagt die Münchner Steuerberaterin Erika Wacher. Als Gewinn gilt die Differenz zwischen der Summe aller eingezahlten Beiträge und der späteren Kapitalauszahlung.

Lesen Sie auch: Schritt für Schritt durch die Steuerformulare

Wünschen Sie weitere Informationen zum Thema Altersvorsorge? Dann abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter!

Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein
Unsere Datenschutzerklärung finden Sie hier.

Ein vereinfachtes Steuer-Beispiel: Sie haben über die Vertragslaufzeit insgesamt 70.000 Euro in die private Rentenversicherung eingezahlt, die Auszahlung beträgt 100.000 Euro. Der Gewinn liegt folglich bei 30.000 Euro. Zu versteuern wären davon 50 Prozent, also 15.000 Euro. Angenommen Ihr persönlicher Steuersatz im Rentenalter läge bei 20 Prozent, so sind lediglich 3.000 Euro an Steuern fällig.

Aber aufpassen: Halten Sie die beiden Vertragsbedingungen nicht ein, so müssen Sie den gesamten Wertzuwachs, also in diesem Fall die ganzen 30.000 Euro in diesem Fall, mit dem Finanzamt teilen.

Lesen Sie auch: Kapitalabfindung oder lebenslange Rente?

3
Berechnungsgrundlage / Modellfall: 

Steuervorteil Rentenzahlung

Wird die Rentenzahlung gewählt, winkt dagegen sogar lebenslang ein Steuerbonus. Während Riester- und Rürup-Renten später voll mit dem persönlichen Steuersatz zu versteuern sind, greift das Finanzamt hier lediglich auf den sogenannten Ertragsanteil zu. "Dieser Ertragsanteil ist ein fester Prozentsatz der bezogenen Rente, der sich nach dem Alter bei Rentenbeginn richtet und während der gesamten Rentenbezugszeit gleich bleibt", sagt Steuerprofi Wacher.

Lesen Sie auch: Besteuerung von Riester- und Rürup-Renten

Beispiel: Herr A. ist zu Beginn seines Rentenbezugs 65 Jahre alt. Laut Ertragsanteils-Tabelle (Paragraf 22 EstG) beträgt der Ertragsanteil für seine private Rente 18 Prozent (siehe Tabelle unten). Das heißt, nur diese 18 Prozent der Rente gelten als Einkunft und wären in der Steuererklärung anzugeben.

Erhält Herr A. pro Monat 400 Euro Zusatzrente braucht er davon nur 72 Euro (18 Prozent) zu versteuern. Unterstellt man im Ruhestand einen Steuersatz von 25 Prozent, so fallen tatsächlich für ihn nur 18 Euro an Steuern an. Da es aber für Rentner noch Freibeträge gibt, geht der Fiskus in der Regel komplett leer aus.

Starten Sie Ihre Sofortrente erst mit 67 Jahren, so würde Ihr steuerpflichtiger Anteil der Rente lebenslang nur 17 Prozent betragen. Dann wären sogar 83 Prozent der monatlichen Rente für Sie immer steuerfrei.

Ertragsanteils-Tabelle

(gültig seit dem 1.1.2005, § 22 EstG)

Rentenalter des
Rentenberechtigten

bei Beginn der
Rentenzahlung

(vollendete Lebensjahre)

Ertragsanteil
in Prozent


Rentenalter des Rentenberechtigten

bei Beginn der
Rentenzahlung

(vollendete Lebensjahre)

Ertragsanteil
in Prozent



50

30

60

22

51

29

61

22

52

29

62

21

53

28

63

20

54

27

64

19

55

26

65

18

56

26

66

18

57

25

67

17

58

24

68

16

59

23

69

15

Nur dieser Ertragsanteil einer Rente unterliegt der Besteuerung.

Quelle: Einkommensteuergesetzes (EStG)

Steueraspekte bei der Sofortrente

Das gleiche Prinzip des Ertragsanteils gilt ebenfalls bei den Rentenzahlungen aus einer Sofortrente. Hier zahlen Sie einmalig einen größeren Betrag ein und erhalten dafür umgehend eine lebenslange monatliche Rente ausbezahlt.

Dabei müssen Sie nur einen Sonderfall beachten: Moderne Verträge bei der Sofortrente erlauben es, dass Sie bei Bedarf wieder eine (Teil-) Kapitalentnahme aus der vormals eingezahlten Summe entnehmen dürfen. Auch hierfür gibt es bestimmte Steuerregelungen.

In diesem Fall ist nicht die komplett entnommene Summe zu versteuern, sondern nur der Ertrag unterliegt der Abgeltungssteuer. Dieser Ertrag ist die Differenz zwischen der Höhe der Kapitelentnahme und anteiliger Prämie.

Vereinfachte Beispiele (Quelle: Swiss Life): Ein Versicherter hat 100.000 Euro als Einmalbeitrag angelegt und will 10.000 Euro entnehmen. Bei einer Kapitalentnahme wäre die anteilige Prämie

  • nach dem 1. Jahr ca. 9.920 Euro. Daraus folgt: Ertrag = 80 Euro, Abgeltungssteuer (25 Prozent) = 20 Euro,
  • nach dem 5. Jahr 9.365 Euro. Ertrag = 635 Euro, Abgeltungssteuer = 159 Euro,
  • nach dem 10. Jahr 8.160 Euro. Ertrag = 1.840, Abgeltungssteuer = 460 Euro.

Fazit: Je nach Vorsorgemodell und Versichertenstatus kann Ihnen von Ihrer Brutto-Rente ein stark abweichendes Netto übrig bleiben. "Neben einem Blick auf die Rendite in der Ansparphase, gilt es daher auch auf die Rentenzeit zu achten", rät Michael Franke vom Analysehaus Franke und Bornberg.

3
Berechnungsgrundlage / Modellfall: 
Ihre Meinung ist uns wichtig
Fritz Himmel
Fritz Himmel
Autor
Jetzt Artikel bewerten
E-Mail an den Autor
Artikel kommentieren
Fritz Himmel
Fritz Himmel

nach dem Sprachstudium (Indologie/Anglistik) in München ging ich zuerst in die Filmbranche zu Warner Columbia und arbeitete anschließend viele Jahre als Werbeleiter in einem Fachbuchverlag in München.

Seit Gründung 1997 bin ich Mitglied bei Biallo & Team. Für das Finanzportal biallo.de bearbeite ich schwerpunktmäßig die Bereiche Telekommunikation, Altersvorsorge und Versicherungen sowie Erbrecht. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschien das Biallo-Buch „Das neue Pflichtteilsrecht“.

Darüber hinaus in dieser Zeit regelmäßige Veröffentlichungen zu Wirtschafts- und Verbraucherthemen in rund 20 Tageszeitungen, u.a. Welt am Sonntag, Münchner Merkur, Kölner Stadtanzeiger, Frankfurter Neue Presse, Westdeutsche Zeitung, Südkurier, Schwäbische Zeitung etc.

E-Mail an den Autor
Artikelbewertung
Teilen
Drucken
Zur Startseite
Fritz Himmel
Fritz Himmel

nach dem Sprachstudium (Indologie/Anglistik) in München ging ich zuerst in die Filmbranche zu Warner Columbia und arbeitete anschließend viele Jahre als Werbeleiter in einem Fachbuchverlag in München.

Seit Gründung 1997 bin ich Mitglied bei Biallo & Team. Für das Finanzportal biallo.de bearbeite ich schwerpunktmäßig die Bereiche Telekommunikation, Altersvorsorge und Versicherungen sowie Erbrecht. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschien das Biallo-Buch „Das neue Pflichtteilsrecht“.

Darüber hinaus in dieser Zeit regelmäßige Veröffentlichungen zu Wirtschafts- und Verbraucherthemen in rund 20 Tageszeitungen, u.a. Welt am Sonntag, Münchner Merkur, Kölner Stadtanzeiger, Frankfurter Neue Presse, Westdeutsche Zeitung, Südkurier, Schwäbische Zeitung etc.

E-Mail an den Autor
Newsletter
Keine News mehr verpassen
Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein:
Unsere Datenschutzerklärung finden Sie hier.

Regeln für das Schreiben von Kommentaren:

  1. Kommentieren Sie sachlich und ohne persönliche Angriffe.
  2. Verfassen Sie keine Beiträge mit strafbarem, diskriminierendem, rassistischem, anstößigem, beleidigendem oder kommerziellem Inhalt und verweisen Sie nicht auf Seiten mit solchem Inhalt.
  3. Stellen Sie weder zu lange Texte noch Bilder ein, außer, wenn es unbedingt nötig ist.
  4. Veröffentlichen Sie keine personenbezogenen Daten Dritter, wie Namen, Adressen, Telefonnummern oder E-Mail-Adressen.
  5. Wenn Sie persönliche Mitteilungen oder Texte anderer Verfasser einstellen oder Kommentare anderweitig veröffentlichen möchten, beachten Sie die Rechte Dritter. Bei einer Verletzung dieser Rechte (z.B. Persönlichkeitsrecht, Urheberrecht, Datenschutz) haften Sie.
  6. Sie haben die Möglichkeit, Ihren Benutzernamen frei zu wählen. Sie sollten aber im eigenen Interesse markenrechtlich geschützte Namen vermeiden.

Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de